weil das reichlich gebildete Toxin seine lähmen- den Wirkungen entfalten kann, ehe genügend Antitoxin gepildet ist. Könnte man genügende

Mengen des Toxin einführen, ohne gleichzeitig

zu schädigen, so wäre der Heilungsvorgang, das heisst der Beginn der Immunisirung wesentlich

gefördert Diese unschädliche Form ist aber durch die Erwärmung zu erzielen. Erwärmtes

d. h. entgiftetes Toxin bildet ebenso Antitoxin wie unverändert giftiges Toxin. Man muss so- viel von der ungiftigen Vorstufe des Antitoxins einführen, dass dieses sich bilden kann, che das von den Kokken gebildete Toxin im Uebermass vorhanden ist.

Bei der gewöhnlichen Pneumokokken-In- fektion des Kaninchens ist dies meist nicht zu erreichen. Verf. hat zwar einige Thiere, denen gleichzeitig mit den Pneumokokken erwärmte bakterienfreie Kultur intravenös injizirt wurde,

und die nach 68 tägigem Fieber durchkamen.

Die Mehrzahl aber starb, wenn auch nach ver- längerter Krankheit. Indess ist zu berücksichtigen, dass gerade diese schnell tödtende Krankheit des Kaninchens höchst ungünstige Bedingungen dar- bietet für das Bestreben, durch nachträgliches

Immunisiren den infizirten Orgauismus zu heilen.

Man erhält nur konstantere Heilresultate, wenn man die Pneumokokken derart abschwächt, dass die Krankheit an und für sich 46 Tage dauert. angelegte Pneumokokken-Kulturen 2 Tage auf 40 40,5 b C. wachsen lässt. Giebt man nun gleichzeitig oder auch kurz nach der Impfung

mit der abgeschwächten, aber noch tödtenden

Diplokokken-Kultur 5 Cctm. bakterienfreier, bei

Phiermedieinische Rundschau etc.

1892. No. 22.

Dies gelingt, wenn man frisch vom Blut

60 eingeengter Pneumotoxinlösung intravenös,

und wiederholt diese Injektion mehreremals Morgens und Abends, so überstehen die Kanin- chen nach 4 7tägigem hohen Fieber die Infektion. Die genesenen Thiere sind dann immunisirt. Einige Kaninchen, bei denen die Immunisirung am 2. und 3. Tag nach der Impfung begann, sind auch bei diesem Verfahren zwischen dem 6. und 8. Tag gestorben. Die Kontrolthiere starben sämmtlich.

Nach diesen Versuchen scheint Verf. diesen besonderen Fall der prinzipiell so wichtige Schluss gestattet:

Man kann nach geschehener Infektion noch immunisiren, wenn man genügende Mengen un- giftiger immunisirender Substanz zuführt.

Verf. ist jetzt bemüht zu erproben, wie weit dies Prinzip für die Heilung subakut und chronisch verlaufender Infektionskrankheiten des Menschen sich verwerthen lässt. Insbesondere hofft er in einiger Zeit berichten zu können, welche Ein- wirkung fortgesetzte Injektion des erwärmten Toxalbumins der Tuberkelbazillen auf den tuber- kulösen Prozess ausüben. M Er

für

Kleine Mittheilungen.

6ewichtsverlust der Schlachtthiere beim Trans⸗ port.) Wie erheblich derselbe unter Umständen aus- fallen kann, wird augenfällig illustrirt durch die nach- stehenden Angaben des Rittergutsbesitzers Tschuschke- Babin(Provin? Posen). Es handelt sich um 19 Stück Rindvieh, die in Babin gezogen, von Jugend auf gut ge- nährt, mit 20 22 Monatén aufgestellt und 100 110 Tage gemästet worden waren. Die Thiere(6 Färsen und 13 Ochsen) gehörten einem Schlage der Holländer-Rasse an. Das Mastfutter bestand aus Kartoffeln, Oelkuchen, Kleie und Klecheu, während der letzten Tage wurde noch Schrot gereicht. Gefüttert wurde nach den Wolff'schen Futter- regeln. Im Durchschnitt waren pro 1000 Pfd. Lebend- gewicht 40 Pfd. Kartoffeln und 8 Pfd. Oelkuchen( ½ Erdnuss- und ½ Rapskuchen) verbraucht worden. Vor Beginn des Pransports wurden die Thiere früh um 8 Uhr nüchtern gewogen, wobei sich das Gesamtgewicht auf 21 445 Pfd. herausstellte. Die Thiere wurden nunmehr ge- füttert und legten den 22 km weiten Weg zur Bahnstation (Wreschen) zurück, woselbst am nächsten Morgen, nach abermaliger Fütterung und Tränkung, die Verladung erfolgte. Nach einer Eisenbahnfahrt von 328 km langte das Vieh mit einem Gesamtgewicht von nur noch 19868 Pfd. am Reiseziel(Berlin) an; die Wägung erfolgte sofort, noch ehe das Vieh in den Stall kam. Der Gewichts- verlust beim PTransport belief sich demnach auf 1577 Pfd., d. i. im Durchschnitt 83 Pfd. auf jedes Stück Vieh, oder 73 ½ Pfd. pro 1000 Pfd. Lebendgewicht. Uebrigens war der Verlust bei den einzelnen Individuen sehr verschie- den, betrug z. B., auf 1000 Pfd. Lebendgewicht bezogen, in einem Falle 112 PfdU., in einem andern nur 52 Pfd. Das durchschnittliche Schlachtgewicht von 8 demnächst geschlachteten Thieren stellte sich auf 590 Pfd. pro 1000 Pfd. des(nach dem Pransporte ermittelten) Lebendge- wichtes.

BRechtsprechung. Der Z. f. Med.-Beamte ent- nehmen wir folgende Urtheile des kgl. preussischen Kammergerichts zu Berlin als Revisionsinstanz über An- kiindigung etc. von Geheimmitteln.

1) Mittelbares Feilbieten, Ankiündigen und Anpreisen von Geheimmitteln seitens eines Zeitungsredacteurs durch empfehlung eines Buches(Krankenkost, zuverlässigster Rathgeber für Nerven-, Magen, Wasser- und Trunksuchts- kranke«), welches eine ganze Reihe von Geheimmitteln und anderen Stoffen und Zubereitungen, deren Feilhalten und Verkauf nicht Jedermaun freigegeben ist, feilbietet, ankündigt und anpreist, ist strafbar. Urtheil des kgl. Kammergerichts vom 27. Nov. 1890.

2) Ankindigung eines Heilmittels gegen Verstopfung (verbesserte Schweizerpillen von A. Brandt in St. Gallen), dessen Bestandtheile nur dem Namen, nicht dem Mengen- verhältnisse nach angegeben sind, ist strafbar. Urtheil des kgl. Kammergerichts vom 4. Pec. 1890.

3) Empfehlung einerHeilmethode(Baunscheidt) in einer Zeitung ohne Angabe der dabei üblichen oder verwendparen Heilmittel ist nicht strafbar als Ankin- digung von Geheimmitteln, wohl aber die Abgabe von Kro- tonöl bei Anwendung jenes Heilverfahrens nach§ 367 No. 3 des Strafgeset?buchs. Urtheil des kgl. Kammer- gerichts vom 9. Fepruar 1891.

4) Trunksucht ist eine Krankheit. Ankündigung von Geheimmitteln gegen die Trunksucht ist strafbar. Urtheil des kgi. Kammergerichts vom 16. Februar 1891.

Die Begründung der Urtheile ist a. a. O. einzusehen.

Pental. Das schon in No. 41 der Minch. med. Wochenschr. beschriebene neue Anästheticum Pental CzlHo wurde von Holländer-Halle bei etwa 200 Zahnopera- tionen benutzt. Die Erfahrungen von fl. lauten ebenso

1) Der Landwirth 1891, Nr. 74, S. 454.