ausgeführt sei, eine Spirale aus Neusilberblech in den verengten Theil der Luftröhre eingeführt habe. Die Spirale sei später ohne Belästigung zu verursachen eingeheilt.
Oeffentliche Gesundheitspflege.
Ueber Milchfälschung und Milchverunreinigung. ¹) Von Prof. Dr. F. Soxhlet.
Von einer Milch, welche als Nahrungsmittel für Säuglinge und Kranke dienen soll, verlangt man gewöhnlich, dass sie folgenden Anforderungen entspreche:
1. Sie soll von gesunden Thieren stammen—, 2. sie soll von Thieren stammen, die mit einem besonders vorgeschriebenen Futter— sogenannten
Trockenfutter— gefüttert werden— und 3. sie soll unverfälscht sein. Die erste Forderung ist selbstverständlich,
insbesondere wenn es sich um Krankheiten der Milchthiere handelt, welche direet auf den Menschen übertragen werden können.
Bezüglich des zweiten Punktes herrscht noch viel Unklarheit. Die Angaben über den schäd- lichen Einfluss mancher Futtermittel auf die Ge- deihlichkeit der Milch sind vielfach durch Vor- eingenommenheit diectirt.
Als ein schlagendes Beispiel dafür, dass ganz allgemein geltende Grundsätze über den Einfluss des Futters auf die Figenschaften der Milch recht mangelhaft fundirt sind, kann ich Ihnen Folgendes mittheilen: Gerade so wie die Ansicht gang und gäbe ist, dass Kartoffelschlempefütterung eine sehr schlechte Milch hinsichtlich der Ge- deihlichkeit liefere, steht unter den Landwirthen die Ueberzeugung fest, dass man bei Schlempe- fütterung unmöglich eine feine Butter machen könne. Bei der deutschen Molkerei-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1879 beurtheilten die Preis- richter eine Butter, deren Abstammung ihnen ganz unbekannt war, als„hochfein“. Nachher stellte sich heraus, dass diese Butter aus einer schlesi- schen Brennereiwirthschaft stamme, in welcher die ganz enorme Menge von 80 Liter Kartoffel- schlempe verfüttert wurde. Nun ist es aber ge- wiss viel leichter, den Finfluss der Fütterung auf die Qualität der Butter festzustellen, als die Bezichungen der Fütterung zur Gedeihlichkeit der Milch zu ermitteln, denn die Güte der Butter hängt von wenigen und bekannten Productions- bedingungen ab, das Wohl- oder Uebelbefinden der Säuglinge und Kranken hingegen wird durch schr viele zum Pheil unbekannte Factoren beein-
¹) Vortrag, gehalten auf dem III. oberbayerischen Aerzte- tag zu München am 18. Juli 1891.(Münch. med. Wochen- schrift 1891.)
Thiermedieinische Rundschau etc.
flusst. Wenn man also in dem viel einfacher gelagerten Falle noch nicht das Richtige weiss, so darf es uns nicht Wunder nehmen, dass man in dem ungleich complicirteren noch im Dunkeln wandelt. Auf alle Fälle ist man, was die Vor- schriften über die Fütterung betrifft, viel zu ängst- lich, man legt auf einen weniger bedeutungsvollen Punkt viel zu viel Nachdruck, unterlässt aber andererseits wieder Vorkehrungen, die für die Erreichung des eigentlichen Zwecks viel wich- tiger sind.
Auch die Anschauung, die Production einer gehaltreichen Milch hänge von der reichlichen und guten Fütterung ab, ist im Allgemeinen un- richtig; Güte und Menge des Futters sind im Wesentlichen nur von Einfluss auf die Quantität der Milch, nicht auf den Nährstoff- oder auf den Fettgehalt derselben. Man kann sogar den an- scheinend widersinnigen Satz aufstellen: Die beste Milch wird produeirt, wenn man die Thiere gar nicht füttert; die Hungermilch enthält näm- lich bis doppelt so viel an Trockensubstanz und Fett als die normale Milch. Bei allen Verhält- nissen, welche Menge und Güte der Milch be- einflussen, findet man die Thatsache immer wieder- kehren: Viel Milch, geringer Gehalt— wenig Milch, gehaltreiche Milch. Daher auch die wenig bekannte Thatsache, dass die Milch aus soge- nannten Milchcuranstalten, trotz Trockenfütterung entschieden zu der dünneren Sorte gehört und keineswegs die oft gehörte Behauptung recht- fertigt, dass solche Milch„zu stark“ sei. Es kommt dies daher, dass derartige unter theueren Productionsbedingungen arbeitende Kuhhaltungen darauf angewiesen sind, nur sehr milchergiebige Kühe während der günstigsten Lactationsperiode und bei reichlichster Fütterung zu halten, also viel Milch zu produciren, was mit der Erzeugung einer gehaltreichen Milch eben nicht gut vereinbar ist. Uebrigens ist hierauf auch weniger Gewicht zu legen, wenn nur diese Anstalten ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht werden, die darin besteht, dass sie eine diätetisch hochwerthigere Milch gewinnen.
Bezüglich des 3. Punktes, welcher bei der Beurtheilung der Milch in Frage kommt, ist die Sachlage ebenfalls vielfach eine andere, als man gewöhnlich annimmt. Berücksichtigt man die Erfahrungen der Nahrungsmitteluntersuchungs- anstalten, so ergiebt sich über die Art der vor- kommenden Milchverfälschungen Folgendes: Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Verfälschungen pesteht in einem Wasserzusatz, die kleinere An- zahl in einer theilweisen Entrahmung und die kleinste in einer Combination beider Fälschungs- arten; andere Fälschungen kommen so gut wie gar nicht vor; ich selbst habe eine andere Fälschung auch nie zu Gesicht bekommen.— Im Grunde


