1. Septembor.

Thiermedicinische

Rundschau etc.

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gesucht wird, welche aus irgend einem Grunde einen anderen Beruf verfehlt haben.

Pine frühere Studien-Ordnung, nach welcher zu eigent- lichen Thierärzten nur Doctoren der Medicin oder Wund- ärzte werden konnten hat den Schwierigkeiten, welche das Studium der Thierheilkunde anerkannter Weise bietet, mehr Rechnung getragen.

In der That ist so wie für jeden anderen Beruf auch für die Thierheilkunde eine vollkommen abgeschlossene Vorbildung unerlässlich.

Ob diese in unserem Falle auf einer Latein- oder auf einer Realschule erworben wird, ist vorläufig ganz gleich- giltig. Man wird ja ohnehin nicht umhin können, das Rittelschulwesen einmal so einzurichten, dass es für den künftigen Beruf in einer mehr als jetzt entsprechenden Weise vorbereitet.

Nur halten wir dafür, dass die Kenntniss der latei- nischen und griechischen Sprache, oder vielmehr des oft in ganz ungehenerlichen Formen auftretenden Gelehrten- Wälsch für das Studium der naturwissenschaftlichen Fächer überhaupt nicht unentbehrlich sei.

Da wir doch nicht annehmen können, dass man es dem kommenden Jahrhundert, an dessen Schwelle wir stehen, überlassen werde, mit dem uns in der Thierheil- kunde überlieferten Stück Mittelalter aufzuräumen, hoffen wir, dass die im Vorstehenden angedeuteten Bedürfnisse,

deren Befriedigung nicht nur unsern Stand, sondern auch

das allgemeine Wohl und besonders das der Landwirth- schaft verlangt, Erhörung finden werden.

Auszug aus den Verhandlungen des Vereins Schlesischer Thierärzte am 10. Mai d. J. Diese General- Versammlung des Vereins fand unter dem Vorsitz des Departements-Thierarztes Pr. Ulrich in der Logezum goldenen Scepter auf der Antonienstrasse unter ziemlich zahlreicher Betheiligung auswärtiger Mitglieder statt; unter den Gästen befanden sich zum ersten Male Militärthierärzte. Auf die an den Oberpräsidenten gerichtete Petition des Vereins betreffend die Errichtung öffentlicher Schlacht- häuser, die veterinärpolizeiliche Beaufsichtigung und die Anlage von Freibänken ist unterm 6. März er. der Bescheid eingegangen, dass die Gemeinden zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet seien, öffentliche Schlachthäuser oder obligatorische Fleischschau einzurichten, ohne Schlacht- häuser und Fleischschau aber auch die Einführung soge- nannter Freibänke nicht angeordnet werden könne. Da indess der Nutzen der öffentlichen Schlachthäuser einem Zweifel nicht unterliege, so sei den Regierungspräsidenten der Provinz anheimgestellt worden, auf die Ertichtung der- selben wenigstens in den grösseren Städten thunlichst hin- zuwirken Ein selbständiges Aufsichtsrecht ohne besonderen Auftrag könne den Thierärzten nicht eingeräumt werden, und für die Uebertragung der Controle der Trichinenschau von den Medicinalbeamten auf die beamteten Thierärzte habe sich ein praktisches Bedürfniss nicht herausgestellt. Der Verein hat nunmehr den deutschen Veterinär-BRath auf die Sachlage aufmerksam gemacht und auch der General- vertretung der preussischen thierärztlichen Vereine hiervon Kenntniss gegeben. Die Drogenhandlung Bernhard Josef Grund übersendet dem Verein eine Probe von natrium dithiosalicylicum, einem neuen Heilmittel gegen Maul- und Klauenseuche, das nach den beigelegten Attesten u. A. von Kreisthierarzt Dr. Renner in Dieburg als 2 ½1 bis 5 procentige Lösung mit Erfolg zur Anwendung gebracht worden ist. Ansteſie des von Breslau nach Königsberg versetzten Departements-Thierarztes Dr. Mehrdorf wurde der jetzige Kreisthierarzt des Landkreises Breslau, Dr. Fied eler, durch Zuruf zum Kassenführer gewählt. Es folgte ein Vortrag von Kreisthierarzt Dr. Arndt(Schweidnitz):Der gegenwärtige Standpunkt der Tuberculose-Diagnostik und die Anwendung des Tuberculins in der Thierheil- kunde Der Redner erörterte zunächst die Unzuverlässig-

keit der bisher gebräuchlichen diagnostischen Methoden für die Erkennung der Tuberculose beim Rindvieh und betonte, dass das Tubereulin nicht als Heilmittel, sondern nur als Erkennungsmittel für die Perlsucht in Betracht gezogen werden dürfe. Auf Grund der vielfältigen eigenen und der in der Fachpresse veröffentlichten anderweitigen Beobachtungen stellt Dr. Arndt folgende Thesen auf: 1.Die Impfung mit Tuberculinum Kochii hat bei tuberculösen Rindern eine typische Reaction zur Folge, die sich in der Hauptsache durch eine im Durchschnitt 10 bis 12 Stunden darauf eintretende und längere Zeit anhaltende Steigerung der Blutwärme kundgiebt. 2. Mit Rücksicht darauf, dass die Blutwärme gesunder Rinder ausserordentlichen Schwan- kungen unterliegen kann, ist von einer Impfreaction nur dann zu sprechen, wenn die Temperatur längere Zeit auf gleicher Höhe bleibt und mindestens ein bis zwei Grad über die vorher wiederholt festzustellende Normaltemperatur hinausreicht. 3. Es ist nicht wahrscheinlich, dass auch gesunde Thiere bei einer mittleren Posis des Tuberculins eine wirkliche Impf-Reaction zeigen. 4. Durch wiederholte Einverleibungen kleiner Dosen Tubereulins kann eine Ge- wöhnung des Organismus an dasselbe erzeugt werden. 5. Bei höhergradig tuberculösen Thieren kann sich die Krankheit infolge der Impfung dem Grade und dem Verlaufe nach verschlimmern. Der Vorsitzende sprach die Ansicht aus, dass der Gegenstand zur Zeit noch nicht als abgeschlossen angesehen werden könne und dass speciell die praktische Verwendung des Tubereculius in der Thierheilkunde erst von weiteren Untersuchungen und Ergebnissen derselben abhängig gemacht werden müsse. Die Versammlung stimmte sämmtlichen Thesen des Dr. Arndt zu und fasste eine Resolution, worin die Thierärzte dringend ersucht werden, überall, wo sich Gelegenheit bietet, Versuche mit Tuberculin anzustellen und ihre Erfahrungen in geeigneter Weise zu veröffentlichen event. in der nächsten Versammlung zum Vortrag zu bringen. Den Schluss der Sitzung bildete ein Bericht des Vorsitzenden über die im März d. J. in Nürn- berg abgehaltenen Ausschusssitzung des deutschen Veterinär- rathes sowie die Besprechung einigen Fragen aus der Praxis. Nachmittags fand ein gemeinschaftliches Essen statt.

Tagesgeschichte.

Belgien. Die Homöopathie soll, vom nächsten Studienjahre angefangen, auf allen belgischen Universitäten eigene Lehrstühle erhalten. Der belgische Senat hat einer dahin gehenden Anregung Folge gebend anerkannt, dass, weil es den Aerzten freigestellt ist, nach einer ihnen be⸗ liebten Methode ihre Kranken zu heilen, es ihnen auch erlaubt sein muss, die Vorträge über beide Systeme auf den Universitäten zu hören, damit sie in der Lage seien, die Vorzüge des einen Systems gegen das andere zu prüfen und gegen einander abzuwägen.

Brüssel. Der Kongostaat in hygienischer Be- zichung. Der soeben erschienene offizielle Bericht über die Zustände im Kongostaate enthält Folgendes:In hygie- nischer Bezichung wurden anerkennenswerthe Verbesse⸗ rungen vorgenommen. Im Jahre 1885 unterhielt der Staat 2 Aerzte, heute 10. Der Gebrauch der Schutzpocken- impfung verallgemeinert sich mehr und mehr; in der Um- gebung von Leopoldsville haben alle Eingeborenen sich impfen lassen. Die ärztliche Behandlung wurde Europäern und Eingeborenen unentgeltlich gewährt. Im Jahre 1889 wurden für 24263 Franks Medicamente verbraucht.

Thierarzneiwesen in Oesterreich. Das öster- reichische Abgeordnetenhaus hat in der Sitzung vom 16. Juli d. J. folgende Beschlüsse gefasst:

1. Die Regierung wird aufgefordert, die Heran- pildung eines thierärztſichen Personals niederer Kategorie ernstlich in Erwägung zu ziehen und

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