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262 Thiermedicinische Rundschau ete. 1891

auch eine Verdickung des Kehlkopfes von aussen festgestellt

werden Ich liess fäglich einmal 10 g Kal. jodat in ½1 lauem Wasser aufgelöst verabreichen. Nachdem 60 g ge- geben waren, liess sich regelmässig völliges Verschwinden der Athembeschwerde feststellen. Nur bei einem Ochsen kehrte nach Verlauf eines Jahres das Leiden zurück, ver- schwand jedoch, nachdem wiederum 60 g von obenerwähntem Mittel dem Thiere einverleibt waren.

Lysol gegen zurückgebliebene Nachgeburt.

In mehreren Fällen hatte ich nach dem Beispiele anderer Collegen versucht, bei Kühen die Entfernung der

Nachgeburt durch Ausrieselung der Gebärmutter mit desin- e wohlthtige

fieirenden Flüssigkeiten zu erreichen. Dies gelang jedoch nur ausnahmsweise in kurzer Zeit. Meistentheils ging die Nachgeburt trotz der Desinfectionsmittel in Fäulniss über und wurde stückweise ausgestossen. Die Kühe liessen in der Futteraufnahme nach und gingen in der Milchnutzung und im Ernährungszustande zurück. Ich kehrte daher zu der früber von mir angewendeten Methode, zur manuellen Entfernung der Nachgeburt zurück. Nach Entfernung der Nachgeburt lasse ich die Gebärmutter zuerst mit mehreren Litern warmem Wasser(42 Grad C) und, nachdem dies wieder abgeflossen, mit derselben Menge Wasser, dem ein Desinficiens zugesetzt, ausrieseln. Zuerst benutzte ich als Desinſfectionsmittel Garbolsäure. Da jedoch in vielen Fällen die Kühe gegen Carbolsäure sich empfindlich zeigten und auch Anätzungen der Scheidenschleimhaut vorkamen, wenn die Carbolsäure nicht gehörig gelöst war, so ging ich zum Alaun und später zum Oreolin über. Diesen Mitteln waren die guten Eigenschaſten der Carbolsäure eigen, ohne deren Nachtheile zu besitzen. Jedoch beseitigten sie nicht voll- ständig den üblen Geruch, der anwesend ist, wenn die Nachgeburt schon mehrere Tage im Thierkörper sitzen ge- blieben ist. Daher benutzte ich in jüngster Zeit anstatt der Creolins Lysol und zwar, wie ich schon hier erwähnen will, mit gutem Erfolg. Lysol ist eine braungelbe Flüssig- keit, die an Geruch der Carbolsäure ähnelt. Es ist in Wasser, Spiritus und Aether leicht löslich. Die Lösungen in Spiritus und Aether sind immer klar und durchsichtig und von einer hell- bis bernsteingelben Färbung, während die Lösung in kaltem, kalkreichem Wasser milchig getrübt ist. Wird jedoch Lysol in heissem Wasser gelöst, so entsteht die Trübung nur, wenn das Wasser sehr kalkreich ist. Lösungen, die mit warmem Wasser hergestellt sind, trüben sich nach einigen Stunden, werden jedoch durch nochmaliges Erwärmen und Zusatz einer geringen Menge Lysol wieder klar.

Nach Entfernung der Nachgeburt liess ich die Gebär- mutter mit einer 1 1 ½ proe. Lösung von Lysol ausspülen. Hierbei fand ich, dass Lysol den üblen Geruch schneller beseitigt als Oreolin und Carbolsäure Da es ausserdem an sich selbst einen angenehmeren Geruch hat als Creolin und auch nicht theurer ist wie dieses, so gebe ich dem Lysol den Vorzug

Hyginische Bedeutung der Waldluft und des Waldbodens. Von Prof. Dr. E. Ebermayer.(Forschungen auf dem Gebiete der Agrikulturphysik, Bd. 13, Jahrg. 1890, 5 Heſt, S. 424 475.)

1. Die hygienische Bedeutung der Waldluft.

Die häufige Annahme, dass die Waldluft in Folge ihres Sauerstoffgehaltes besonders günstig auf die Gesundheit einwirkt, ist nach Verfassers Untersuchungen eine durch- aus irrige. Thatsächlich ist der Sauerstoffgehalt der Wald- luft nicht grösser als der der Freilandluft. Das ist leicht ersichtlich, wenn man bedenkt, wie wenig im Verhältniss zu dem von Menschen und Thieren aufgenommenen Sauer- stoff der Wald produeirt, hat doch der Verfasser berechnet. dass die durch ein Hektar Wald bewirkte Verbesserung der Luft schon durch einen Haushalt von 4 Personen aus- geglichen wird.

Nicht der grössere Sauerstoffgehalt, sondern vor allen Dingen die grössere Reinheit ist es, der die Waldluft ihre hygienische Bedeutung verdankt. Sie ist frei von Rauch und Russ, von schädlichen Gasen und Dämpfen und weit ärmer an Bakterienkeimen wie die Stadtluft. Bakteriologische Untersuchungen A Serasini's und J. Arata's ergaben, dass der Wald mit seinen zahllosen Aesten eine filtrirende Wirkung ausübt und das Vermögen besitzt, einen Theil der dureh die Winde von aussen zugeführten Staubtheilchen und Mikroorganismen zurückzuhalten und auf diese Weise zur mechanishen Reinigung der Luft beizutragen. Weiter sind es klimatische Verhältnisse, welche der hygienischen

Schutz gegen die Sonnenhitze sowie gegen starke Winde, insbesondere gegen die nördlichen rauhen und trockenen Luftstrõme, die leicht entzündliche Krankheiten veranlassen, die geringeren Temperaturschwankungen und endlich der vom Verfasser nachgewiesene grössere Ozongehalt sind von wesentlicher Bedeutung für die sanitären Eigenschaften der Waldluft.

2. Hygienische Bedeutung des Waldbodens.

Verfasser erläutert zunächst sehr eingehend die Be- dingungen, unter denen die gesundheitsschädlichen Spalt- pilze, der pathogenen Bakterien, im Boden gedeihen und wendet sich dann zu dem Verhalten des Waldbodens gegen diese Mikroorganismen. Der mässige Feuchtigkeitsgrad unserer meisten Waldböden in der Wurzelregion, die durch den Kronenschluss bewirkte schwächere und seltenere Be- netzung der Bodenoberfläche, die geringeren Schwankungen der Bodenfeuchtigkeit, der weniger schroffe Wechsel von Nässe und Trockenheit in den oberen Regionen, die durch die freie Humussäure veranlasste saure Beschaffenheit und schwere Zersetzbarkeit des sogenannten Rohhumus, die relativeo Armuth des Waldhumus an Nährstoffen und die beträchtlich niedrigere Temperatur des beschatteten Wald- bodens sind die charakteristischen Eigenschaften des Wald- bodens, welche den anspruchsvollen und nicht sehr wider- standsfähigen pathogenen Mikroben wenig zusagen In der That wurde durch zahlreiche Untersuchungen bewiesen, dass pathogene Bakterien, wie Bacillus oedematis maligni, Tetanus-(Starrkrampf) Bacillen, Bacillus septicus agrigenus, die in gedüngter Acker- oder Gartenerde fast stets oder wenigstens sehr häufig vorkommen, im Waldboden völlig fehlen. Aus der früher vom Verfasser nachgewiesenen Thatsache, dass im geschlossenen schattigen Walde unter sonst gleichen Verhältnissen die organischen Stoffe lang- samer verwesen und weniger Kohlensäure erzeugen als im wärmeren Ackerboden sowie aus dem völligen Mangel an Nitraten im Waldboden, ergiebt sich, dass die Lebens- thätigkeit der Verwesungpilze im Walde eine geringere ist als im Ackerboden und das die Spaltpilze in letzterem weit günstigere Bedingungen zur Entwickelung und Ver- mehrung vorfinden als im Walde.

Einen weiteren Beweis für die Immunität des Wald- bodens liefern endlich die Erfahrungen, welche man über das Verhalten des Waldes bei Oholera-Gelbfieber-Malaria und sonstigen Epidemien gemacht hat. Dieselben ergaben, dass nicht allein waldreiche Gegenden von solchen Epidemien fast völlig verschont bleiben, sondern dass man dieselben in zahlreichen Fällen auch direkt durch das Anpflanzen von Bäumen mehr oder weniger vollständig beseitigen konnte.

Fin neues Wirk- resp. Hufmesser, erfunden von Prof. Sjöstedt in Hult(Schweden). Gegen die ver- schiedenen Wirkmesser kann man sehr viele gegründete Einwendungen erheben, besonders wenn sie von Anfängern oder von noch nicht völlig geschulten Leuten benutzt werden sollen. Das alte deutsche(bei uns schwedische), das arabische Wirkeisen, der Erdt'sche Hufhobel, das englische Hufmesser, alle haben ihre mehr oder minder grossen Nach-