15. August.

Thiermedicinische Rundschau ete.

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über die Allgemeinwirkung der Chemotaxis hinaus die specitischen Wirkungen auf die üixen Zellen

resp. Zellterritorien voll zu entfalten. welche für

die Localisation der Krankheit specifisch sind.

Aehnlich können vielleicht bis zu einem gewissen

Grade die Proteine und Stoffwechselprodukte ver- wandter Krankheitserreger wirken. Noch wehr

ist eine analoge localisirte Wirkung von den Pro-

teinen und Stoffwechselprodukten der antago- nistischen Mikrobien resp. Mikroparasiten zu er- warten, wenn dieselben einer ähnlichen Locali- sation fähig sind. Mit Rücksicht auf das früher Pargelegte kann man aber auch hoffen, andere heterologe, chemische Mittel, vielleicht sogar unter den Mineralien, zu finden, welche ähnlicher Loca-

lisation fähig sind und damit der ersten Bedingung

jeder echten Medicamenttherapie genügen. Die pisherigen Mittel, wie einige Quecksilberpräparate und Jodcalium, leisten das nicht genügend oder doch nur gegen bestimmte localisirte Formen der Tuberculose, zeigen aber gerade damit immer- hin ausreichend, dass dieser Weg nicht so ganz aussichtslos ist. So konnte Neisser mit Pyrogal- lussäure und Salicylsäure lupöses Gewebe vom gesunden differenciren, während die isolirte Wir- kung der von Hebra angewendeten Cosmi'schen Paste auf Lupus nur so lange das lupöse Gewebe allein betroffen haben dürfte, als dort allein das Bpithel bereits defect war oder fehlte, während sie später nach Aetzung des Epithels der daneben liegenden gesunden Haut auch auf das gesunde Gewebe reizend wirkte.

Hiernach bin ich sehr entschieden der An- sicht, dass das aus Tuberkelbacillen hergestellte Tuberculin ein sehr feines Reagens specifischer Art auf tuberculöses Gewebe ist und unter Um- ständen nach dem Verlaufe der Reaction nach geringen Mengen und ex juvantibus et nocentibus die Diagnose und Differentialdiagnose in

feinerer Weise gestatten muss, als Quecksilber

und Jodpräparate bei Syphilis. Da aber der Tuberkel stets das Produkt von

zwei Factoren ist, von den Tuberkelbacillen und

dem von denselben specifisch erregten Gewebe, so sind der specifischen Reaction zwei na- türliche Grenzen gezogen, wenn wir das Wort specifisch im modernen naturwissenschaftlichen Sinne gebrauchen. dasselbe Gewebe befallenden verwandten Granu- lationsgeschwülste bei besonders grosser natür- licher Reizbarkeit dieser Gewebe bei einzelnen Individuen ähnlich reagiren. Dann aber können bei dem umgekehrten Zustande vielleicht tuber- culöse Massen, besonders wenn sie in derben Anhäufungen vorliegen, nicht sicher reagiren. Das letztere ist ganz zweifellos bei dem Tuber- culin bisweilen der Fall; oft jedoch auch nur

Einmal können vielleicht die

scheinbar, wie zuerst Pribram an derartigen Fällen auf andere Weise gezeigt hat. Für die erste Möglichkeit würde die Angabe sprechen, dass von Anhängern Koch's sogar bei zweifellos sicherer Diagnose eines Lupus erythe- matosus Reaction beobachtet wurde, da diese klinisch sogenannte Lupusform gar nichts ätiolo- gisch mit Lupus resp. Tuberculose zu thun hat. FPs liegt aber wohl hier nur ein Fall von Anto- suggestion eines Arztes vor, woran es in letzter Zeit leider überhaupt nicht gefehlt hat. Die Angaben von Kaposi über Syphilis halten der FKritik nicht Stand und werden durch die vielen sorgfältigen Versuche von Pick und Neisser sehr unwahrscheinlich. Die Angabe eines so nüchternen Beobachters wie Nothnagel über BReaction von Actinomyeose dagegen dürfte wohl nicht so ohne Weiteres zu vernachlässigen sein. Die analogen Angaben von Kaposi. Gold- schmidt und Babes über Lepra sind ebenfalls ernster zu nehmen. Wenn auch Babes die Phatsache der Reaction von leprösem Gewepe gegen Tubereulin so deutet, dass bei Tuberculose erst die locale und dann die allgemeine Reaetion eintrete, bei Lepra aber gerade umgekehrt, s0 genügt das nicht, weil auch Fälle von zweifel- loser Tuberculose diesen Modus zeigen können.

Bei den unendlich vielen bereits gemachten

Injectionen sind aper die Fehlergren?zen und Un- sicherheiten nach beiden Richtungen doch recht geringfügig gegenüber der überwiegenden Zahl von Beobachtungen ruhiger Forscher, welche die Feinheit der Reaction als Thatsache gefunden haben. Nur unfehlbar ist das Mittel nicht und die anderen Hilfsmittel der Diagnose und PDiffe- rentialdiagnose werden durch dasselbe nicht über- flüssig oder minderwerthig.

Sind wir nach den vorher mitgetheilten all- gemeinen Prmittelungen und den speciellen klini- schen und histologischen Beobachtungen über die Koch'sche Lymphe jetzt im Stande, die Wirkung des Mittels ganz zu pegreifen und damit für die Möglichkeit der Heilung der Tuberculose durch Pupereulin bestimmte Gesichtspunkte zu gewinnen 2

Wenn irgend ein Mikrobe in ein geeignetes Ge- webe durch Leukocyten oder den Saftstrom ein- geschleppt ist, in dem er sich überhaupt ent- wickeln kann, so entfaltet er zunächst nur die mechanischen Wirkungen der Wachsthumsenergie, durch welche schon ein gewisser Reiz auf die umgebenden Zellen ausgeübt wird. Bei diesem gewissermassen peripheren Wachsthum treten auch die specifischen Stoffwechselprodukte, die Toxal- pumine, in die Säfte des Fellterritoriums über, von wo sie in den allgemeinen Säftestrom ge- langen und, allmählich an Menge wachsend, die speecifischen Giftwirkungen der Art besonders auf 43*