Thiermedicinische
Bd. V. Na 4. 1890 91. Herausgeber W nt. 6% Expedition Dr. b. Scheidenihl PBern Wilh. Häph's Verlg
in Kiel. Halle a. S. der
vergleichenden pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens.
gleichreitig Organ zur Vertretung ier Ieressen ües mierärztlichen Standes. Neue Folge der im Jahre 1885 begründeten„Rundschau auf dem Gebiete der Thiermediein“.
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pie Rundschuu erscheint alle 14 Tage in der Beitrüge für den redactionellen Theil wolle man) Stärke von 1 ½ Bogen. Per Abonnementspreis be- direct an den Herausgeber, Annoncen u. Correcturen trägt 2,50 Mk. pro Viertelſahr und ist dieselbe durch Den 15. November 1890. an den Verleger senden. Inserate werden mit 20 Pf. Wilhelmn Knapp in Haile a. S. und durch jede die 3 gespaltene Petitzeile berechnet. Bei Wieder- Buchhundlung zu beziehen. holungen hoher Rabatt. Beilagen nach Ubereinkunft.
Inhalt. Pusch: Die Entwickelung der Thierzucht und ihr Verhältniss zur Thierheilkunde.— Koch: Ueber
bakteriologische Forschung.— Wiedner: Ueber Massenerkrankungen nach Genuss von Gänsebraten.— Auszug aus dem Protokoll der XXIV. General-Versammlung des Vereins kurhessischer Thierärzte.— Kleine Mittheilungen.— Tages- geschichte.— Bücherschau.— Personalien.— Bitte.— Anzeigen.
„Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten.“ (Reichsgesetz v. 1I. Juni 1870.)
Die Entwickelung der Thierzucht und ihr Verhältniss zur Thierheilkunde.
Festrede zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs Albert am 23. April 1890 von Prof. Dr. Pusch.
Thierzucht und Thierheilkunde stehen seit Zuerst erhielt die Pferdezucht eine wissen- Alters her zu einander in engen Beziehungen. schaftliche Bichtung. Das Ritterthum mit seiner Ohne Thierzucht gäbe es keine Thierhaltung, Vorliebe für das Pferd, das Attribut des freien ohne Thierhaltung keine Thierheilkunde, ohne Mannes, verlangte ein kräftiges Thier, das im letztere wäre aber die Thierzucht auch nur ein Stande war, den gepanzerten, schweren BReiter Baum ohne gute Früchte. Beide PDisciplinen auf langen Märschen zu tragen, das aber auch lagen Jahrhunderte durch in denselben Händen: im Dienste des fröhlichen Turniers eine gewisse Die Stallmeister zůchteten und behandelten Pferde, Schönheit der Form entfalten musste, nach dem die Hirten leisteten Hilfe bei den Prkrankungen mittelalterlichen Grundsatze: omnis nobilitas ab der Rinder, und die Schäfer haben in Ermange- equo. Daher musste man schon damals wenig- lung von wissenschaftlich gebildeten Thierärzten stens in der Pferdezucht nach bestimmten Grund- die Behandlung kranker Thiere so allgemein aus- sätzen verfahren, und Fugger liefert in seinem geübt, dass nicht einmal die heutige Zeit mit berühmten Werke, das im Jahre 1584 in Frank- ihrem wohlgeschulten thierärztlichen Personal furt a. M. gedruckt wurde, bereits Manches, ibren Finfluss zu beseitigen vermocht hat. was auch heute noch für die Pferdezucht muster-
Thierzucht und Thierheilkunde feiern ihre giltig ist. 4 Existenz als Wissenschaft gemeinsam erst seit Demgegenüber lag die Zucht der übrigen einem Jahrhundert. Hausthiere noch lange Zeit im Argen; erst die
Können wir auch im Alterthum den Finfluss englischen Züchter brachten im vorigen Jahr- bewussten Strebens in der Hausthierzucht nicht hundert ein gewisses Leben in die Hausthierzucht, gänzlich leugnen, so sind die Mittheilungen über und die erfolgreiche Thätigkeit eines Bakewell planmässige Züchtung doch nur gelegentliche, und Colling musste um so mehr zu weiteren prak- weil diejenigen Personen, denen die Hausthier- tischen Versuchen und kritischen Besprechungen zucht oblag, nicht das Bedürfniss der Veröffent- anregen, als die beiden Männer ihr Thun und lichung besassen; ihr Bildungsgrad und ihre mehr Preiben streng geheim hielten. Dazu kamen die oder weniger nomadisirende Lebensweise standen für damals gerechtes Staunen erregenden Ar- meistens im Widerspruch zu einer literarischen beiten Buffons. Seine grosse 1749— 1767 er- Thätigkeit. schienene Naturgeschichte des Menschen und der „


