1. November. Thiermedicinisene

Rundschau ete. 35

schneller gelingen, je mehr und ernster wir an unserer eignen VervollKommnung arbeiten. Einem Stande, dessen 6ſieder der grossen Mehrzahl nach als wissenschaftlich und sittlich tüchtige Männer sich bewähren, wird man die ihm gebührende Achtung auf die Dauer nicht versagen können Diese Tächtigkeit unter den practischen Thierärzten zu för- dern, ist eine Hauptaufgabe der thierärztlichen Vereine, deren Mitglieder die Nothwendigkeit anerkennen, dass der Einzelne bereitwillig in den Pienst der gemeinsamen Inter- essen sich stellt. Gemeinsinn ist die feste Grundlage, auf welcher nicht nur die Liebe zu Stand und Wissenschaft, sondern auch die Liebe zu König und Vaterland am besten gedeiht. Hier wie dort heisst die Parole:

Alle für Finen,

Einer für Alle!

Dem Gemeinsinn der deutschen Thierärzte verdanken wir ausser anderen Errungenschaften der Neuzeit auch dieses Denkmal, als dessen Hüterin seitens der betr. Be- hörden die hiesige thierärztliche Hochschule bestellt wor- den ist. Ich erlaube mir deshalb, den derzeitigen Rector, Herrn Professor Dr. Schütz, zu bitten, dieses Werk der Pietät nunmehr übernehmen und der treuen Fürsorge unserer alma mater unterstellen zu wollen, damit letztere jenes hüte als Palladium des immerfort lebendigen Pflicht und Rechts- bewusstseins, des harmonischen Strebens nach sittlicher und wissenschaftlicher Tüchtigkeit im thierärztlichen Stande.

Möge das Denkmal die Docenten und Studenten der Thiermediein täglich von neuem an die segensreiche Wirk- samkeit unseres grossen Meisters erinnern und zur Nach- ahmung seines Beispieles anspornen, damit die thierärzt- lichen Hochschulen immer mehr zu Stätten gemeinnütziger Bestrebungen und fruchtbarer Geistesarbeit, zu Stätten der freien Forschung und der freien Lehre sich entfalten!

Möge die alwa mater den Keim alles Guten und Schö- nen, namentlich auch den Idealismus des deutschen Studenten- thums in den Herzen unserer jungen Commilitonen nähren und mit liebevoller Sorgfalt pflegen, damit diese ihre Be- ziehungen zu den Studirenden anderer Hochschulwissen- schaften immer inniger gestalten. Wenn letztere bereits während ihrer Studienzeit die Ueberzeugung gewinnen, dass das Vorurtheil gegen jene heute keine Berechtigung mehr hat, dann wird die ungünstige Meinung, welche noch in vielen Kreisen gegen die Thiermediein und deren Vertreter herrscht, am sichersten und schnellsten überwunden und damit ein Hauptziel des Mannes erreicht werden, welchem dies Denk- mal geweiht ist.

Möge Gerlach's verklärter Geist uns alle umschweben, die Liebe zu Stand und Wissenschaft, Eintracht und Pflicht- treue unter uns und unsern Nachfolgern rege erhalten jetzt und immerdar!

Das walte Gott!

Schliesslich habe ich noch die angenehme Pflicht zu erfüllen, im Namen des Gerlach-Denkmal-Comités zunächst allen denen herzlichst zu danken, welche durch Geldbei- träge oder sonst wie unser Werk gofördert haben; und so danke ich auch den beiden Künstlern, Herrn Bildhauer Panzner und Herrn Erzgiesser Bierling, die durch ihre Geschicklichkeit und Sorgfalt das ihnen geschenkte Ver- trauen so schön gerechtfertigt haben.

Ieh danke ferner allen hochverehrten Gästen, welche der Einladung des Comités freundlichst gefolgt sind und durch ihr Erscheinen die heutige Feier erhöht haben.

Ganz besonders danke ich Sr. Excellenz, dem Herrn Minister für Landwirthschaft, sowie dessen betheiligten Herren Räthen, für die wohlwollende Unterstützung, welche dieselben verschiedenen Reformen im Veterinärwesen, sowie auch der Verwirklichung des Gerlach-Denkmal-Projectes haben zu Theil werden lassen. Unser Bestreben soll es sein, dieses Wohlwollens uns stets würdig zu zeigen.

Fhrfurchtsvollen Dank schulden wir Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. für die Huld, mit welcher uns dieser herrliche

Platz zur Aufstellung des Gerlach-Denkmals allergnädigst bewilligt worden ist.

Vertrauensvoll blicken wir zum Throne des ruhmge- krönten Hohenzollernhauses empor, dessen Glanz und Macht von dem Grundsatze getragen werden,Jedem das Seinige zu gewähren!

Wie demgemäss durch die Gnade Sr. hochseligen Mäjestät Kaiser Wilhelm I. die Thiermedicin vor nunmehr 3 Jahren als Hochschulwissenschaft staatlich anerkannt worden ist, so dürfen wir zuversichtlich hoffen, dass der- selben auch fernerhin die landesväterliche Fürsorge nicht versagt werden wird. Kaiser Wilhem II, seinem Gelübde entsprechend,ein milder und gerechter Fürst sein zu wollen, zeigt sich ja stets bereit, zeitgemässen Forderungen Gehör zu geben Wo aber der Thron auf dem festen Boden des Rechts und der Gerechtigkeit aufgerichtet ist, da sprosst und gedeiht im Herzen des Volkes die Liebe und Treue zu Krone und Reich; da gilt der Fürst mit Recht als wahrer Landesvater, wo er nach Hohenzollern- art als höchster Diener des Staates seines Herrscheramtes waltet.

Darum, meine hochverehrten Festgenossen, lassen Sie uns dem heutigen Tage die echt patriotische Weihe geben, indem wir den ersten Act der feierlichen Enthüllung des Gerlach-Denkmales beschliessen mit dem aus dankbarem Gemüthe quellenden Rufe:

Der Schirmherr deutscher Macht und Herrlichkeit,

deutscher Wissenschaft und Gerechtigkeit

Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. lebe hoch! hoch! hoch!

An der thierärztlichen Hochschule in München haben in der Zeit vom April 1889,90 folgende Herren die thierärztliche Approbation erhalten: Heinrich Greither aus München, Josef Hintermayr aus Grönenbach, Farl Steiher aus Fulda, Valentin Göbel aus Dietmannsried, Friedrich Hiller aus Holzkirchen, Franz Ilg aus München, Edmund Klingler aus Hannstetten, Josef Lebrecht aus Mainz, Martin Leibenger aus Riem, Wilhelm Miller aus Scheppach, Ernst Nopitsch aus München, Hugo Pletzer aus Tüchersfeld, Georg Schmid aus Bamberg, Albert Wispauer aus PTraunstein, Josef Bauer aus Güs- heim, Hans Dimpfl aus München, Eduard Rose aus Coburg, Ludwig Wundt aus Linx.

Kleine Mittheilungen.

Auszug aus dem Viehseuchenbericht von Elsass- Lothringen.

August 1890.

Vichseuchen in Elsass-Lothringen.

Milzbrand 6 Fälle, Tollwuth 1 Fall, Rotz 1 Fall, Maul- und Klauenseuche 8 Fälle, Bläschenausschlag 3 Fälle. Influenza der Pferde: Diese Seuche wurde unter einem Transport Remontepferde des 3. Badischen Dragoner-Regiments Nr. 22, welche von dem Pferdedepot Berenklaus bei Berlin nach Sennheim, Kreis Thann, trans- portirt worden sind, festgestellt.

Der Gesundheitszustand der Hausthiere war im Allgemeinen ein sehr befriedigender.

Die Vieh- und Fleischpreise stehen sehr hoch.

Viehseuchen in anderen Ländern des Deutschen Reiches.

Baden. Juli 1890. Milzbrand 12 und Rausch- prand 16 Fälle; Rotz 1 Fall; Maul- und Klauenseuche: 79 Bestände mit 398 Rindern, 122 Schweinen und 6 Ziegen; Bläschenausschlag: 23 Bestände mit 153 Rindern und Räude: 12 Bestände mit 682 Schafen.

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