Bd. V. No 2.

Herausgeber

Dr. 6. Schleidenähl

in Kiel.

besonderer Berücksichtigung

der

Thiermedicinische

mit

1890 91.

Expedition Wil. Käph's verlig

Halle a. S.

vergleichenden Pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens.

geichzeiig Organ zur vertretung der Interessen ües Mierärztlichen Sündes. Neue Folge der im Jahre 1885 begründetenRundschau auf dem Gebiete der Thiermediein.

2 pie Rundschau erscheint alle 14 Tage in der

5 ½ Der Ab tspreis be- Den 15. Oetober 1890. an den Verleger senden. Inserate werden mit 20 Pf.

trägt 2,50 Mk. pro Vierteljahr und ist dieselbe durch Wiihelm Knapp in Halle a. S. und durch jede uentundlune zu bezichen.

S

Beitrüge für den redactionellen Theil wolle man) direct an den Herausgeber, Annoncen u. Correcturen

die 3gespaltene Petitzeile berechnet. Bei Wieder- holungen hoher Rabatt. Beilagen nach Ubereinkunft.

Inhalt. Hueppe: Was hat der Arzt bei Drohen und Herrschen der Cholera zu thun? Hennings: Fütterungs- versuche mit Häringspresskuchen für Milchkühe. Behandlung der Hufknorpelfistel. Ueber die sogenannte trockene

Wundbehandlung. Verbrennungen. Fleine Mittheilunge

n. Tagesgeschichte. Bücherschau. Personalien.

Oflene amtliche Stellen. Offene nichtamtliche Stellen. Briefwechsel. Anzeigen.

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Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten. (Reichsgesetz v. 11. Juni 1870.)

Was hat der Arzt bei Drohen und Herrschen der Cholera 2u thun?

Nach einem im Verein der dentschen Aerzte in Prag am 4. Juli 1890 gehaltenen Vortrage.

Von Ferdinand Hueppe.¹)

Durch einige aus dem schönen Süden auch

in die Tagespresse unserer Gegenden gelangte offieiösen Dewentis wurden wir seit einigen

Wochen wieder einmal belehrt, dass die asiatische Cholera Europa mit einem Besuche überrascht hat. Fs dürfte deshalb wohl angemessen sein, wenn wir uns einmal mit den Mitteln beschäf- tigen, welche uns im Kampfe gegen diesePolizei der Natur zu Gebote stehen, um zu sehen, wie sich unsere Hülfen geändert, verbessert, verein- facht haben.

Bisher pflegte der Kampf bei Drohen solcher Epidemien derart eingeleitet zu werden, dass von den oberen Sanitätsorganen Instructionen und vielfach ganz genau specialisirte Anweisungen erlassen oder in Frinnerung gebracht wurden, bei denen mir vielfach das grosse Publicum zu unvermittelt herangezogen und die wichtige Ver- mittlerrolle der prakticirenden Aerzte zu sehr unterschätzt zu sein scheint. Besonders haben die langen Desinfectionsanweisungen vielfach das gerade Gegentheil des beabsichtigten Erfolges

pewirkt, weil ein Laie bei der Lectüre derselben entweder, beim Ende angekommen, den Anfang längst wieder vergessen hat oder vor all den schrecklichen Dingen ganz confuse und ängstlich geworden und damit in den bei Epidemien schlimmsten Zustand versetzt ist. Auch der be- rechtigte Spott hat bisher diese langathmigen Anweisungen zur Angstmeierei nicht aus der Welt geschafft.

Wollen wir praktisch weiter kommen, so müssen wir uns von der natürlichen Art der Verbreitung der Cholera bei uns leiten lassen, soweit dies irgend möglich ist. Hat die Cholera einmal europäischen Boden betreten, so nützen Sperren jegſicher Art nichts mehr und erst zu schaffende grosse Assanirungsarbeiten kommen zu spät. Praktisch müssen wir an die ärztlich sicher gestellten einzelnen Erkrankungsfälle an- schliessen, wenn wir sicheren Boden gewinnen wollen.

Einem behandelnden Arzt kommt irgendwie ein Erkrankungsfall vor, der Abweichungen irgend

¹) Bei der allgemeinen Bedeutung des Vortrages auch für thierärztliche Kreise geben wir denselben nach der Berl.

med. Wochenschrift im Wortlaut wieder.

Red. 3