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Thiermedicinische
Rundschau ete.
1880
reich ihre physiologische Rolle als Schut?organ der Körperorgane. Wenn oberflächliche oder tiefere Hautdefecte mit tuberculösem Material in Berührung kommen, entsteht nur ausnahmsweise eine locale Tubereulose, die unter verschiedenen
Bildern: als Lupus, Hautgeschwür, Skrofuloderma — mehr tiefgreifende Processe— oder als Leichen-
tuberkel und verruchse Tuberculose— mehr super- ficielle Formen— auftritt; das anatomische Ver-
palten der Hauttuberculose ist ähnlich wie in ge-
wissen inneren Organen(Lunge) ein sehr variables. Die auf dem Wege der Contactinfection entstan- dene Hauttuberculose zeichnet sich aus durch ihre Neigung zur Localisation— zweifellose Haut-
(Leichen) Tuperkel können jahrelang bestehen, ohne sich weiter zu verbreiten ohne die Gesund-
heit des Trägers zu stören;— ferner ist die Hauttuberculose charakterisirt durch ihre Gutartig- keit, ihre Neigung zu chronischem Verlauf, sowie zur spontanen Heilung.
Die geringe Disposition des Hautorgans
zur Aufnahme des tuberculösen Giftes ist, abgesehen von experimentellen Ergebnissen, er- wiesen durch die Seltenheit der Hauttubereulose bei Menschen, die vermöge ihres Berufes vielfach und fast alltäglich mit tuberculösen Producten in Berührung kommen, durch die Seltenheit der Haut- tuberculose pei Phthisikern. Auch zur Entwicke- lung metastatischer Tuberculose ist die Haut wenig disponirt.— Bei Kindern und namentlich bei Säuglingen ist die Empfänglichkeit der Haut für Aufnahme des Tuberkelgiftes grösser als bei Er- wachsenen und der Verlauf ein bösartiger; ein- zelne Erfahrungen, die auch experimentell ge- stützt sind, z. B. die bei der rituellen Beschnei- dung gelegentlich beobachteten Infectionen deuten darauf hin, dass die Subeutis für tuberculöse Infection sehr disponirt ist. Auch manche Er- fahrungen bei operativen Eingriffen bei Behand- lung tuberculöser Lymphdrüsen und tuberculöser Gelenkaffectionen lassen sich für die stärkere Dis- position der lockeren bindegewebigen Theile des Körpers verwerthen.
PTraumatische Impftuberculose der Haut wurde unter Anderem beobachtet durch zerbrechende Spucknäpfe, durch Aussaugen der Wunde bei der rituellen Beschneidung, durch den Gebrauch in- ficirter Morphiumspritzen, durch Biss, durch Ohr- ringe etc.— Durch entzündliche Processe der Haut(Pkzem, Impetigo) wird die receptive Haut für Aufnahme und Passage des tuberculösen Giftes wahrscheinlich gesteigert.
Die wichtige Frage, ob bei Gelegenheit der Vaceination das tuberculöse Gift übertragen werden kann, ist auf Grund der vorliegenden kli- nischen und experimentellen Erfahrungen entschie- den zu verneinen, da dasselbe aus dem tuber-
culösen Organismus in die Lymphe der Impfpusteln nicht übergeht.
Durch die natürlichen Poren der Haut(Drüsen- ausführungsgänge) vermag das tuberculöse Gift— zum Unterschied von den pyogenen Spaltpilzen nicht einzudringen; ein einzelner hierher gehöriger Fall ist nicht beweisend.
Die Ursche für die bedeutende Resistenz der Haut gegenüber dem Tuberkelgift liegt wahr- scheinlich in gewissen anatomisch- histologischen Eigenthümlichkeiten sowie in den Temperaturver- hältnissen des Hautorganes.
Die der Haut angrenzenden Schleim-
häute des Kopfes besitzen eine grosse Neigung,
das tuberculöse Gift passiren zu lassen, ohne selbst zu erkranken. Diese Figenschaft und Fähigkeit wird durch pathologische und namentlich ent- zündliche Veränderungen der genannten Schleim- häute— sogenannte Primäraffectionen bei Skro- phulose: Otitis, Rhinitis, Conjunctivitis, Keratitis. Blepharitis, Pharyngitis— in hohem Grade be- günstigt. Das mit der Luft, mit der Nahrung, oder durch zufällige Verunreinigung mit den in Rede stehenden Schleimhäuten in Berührung kom- mende tuberculöse Gift dringt bei Kindern und jugendlichen Individuen häufig von diesen Schleim- häuten in die benachbarten Lymphdrüsen, beson- ders in die submaxillaren und oberen Halslymph- drüsen ein und verursacht zunächst locale Drüsen- tupereulose(tuberculõse Skrophulose der Hals- lymphdrüsen).
Unter den Eingangspforten, durch welche das tuberculõse Gift in die Gewebe des menschlichen Körpers eintritt. steht in erster Linie die Lunge. Das Gift gelangt staupförmig mit der Respirations- luft in die Lungenbläschen. Die eminente Pis- position des Lungengewebes ergiebt sich aus der Thatsache, dass die grosse Mehrzahl der Fälle von menschlicher Tuberculose in der Lunge beginnt und zwar fast gesetzmässig in der Lungen- spitze, dem Locus minimae resistentiae. Die locale Prädisposition der Lungenspitze für die Aufnahme auf die Vermehrung des tuberculösen Giftes tritt am schärfsten zu Tage bei jenen zahl- reichen Fällen von geheilter oder in Heilung be- griffener Spitzentuberculose pei Menschen fast jeden Lepensalters, die an anderweitigen Processen zu Grunde gehen.
Wenn wir auf der einen Seite beobachten, dass die Lungentuperculose wenigstens bei Er- wachsenen fast regelmässig in der Lungenspitze beginnt, während andererseits bei dem Findringen des offenbar in der Inspirationsluft gleichmässig vertheilten staubförmigen Tuberkelgiftes alle Lun- genparthien ungefähr die gleiche Giftmenge auf- nehmen müssen ſanalog der ziemlich gleichförmigen Verbreitung und Ablagerung gewöhnlicher unbe-


