Thiermedicinische Rundschau ete.
1890. No. 24.
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die landwirthschaftliche Hochschule durch deren Rector Prof. Wittmack vertreten. Die thierärzt- lichen Hochschulen Deutschlands waren gleichfalls durch Deputationen vertreten, ebenso die thier- ärztlichen Vereine. Auch die auswärtigen Thier- arzneischulen hatten zahlreiche Vertreter gesandt. Von Frankreich waren die Professoren Chauveau, Nocard und Arloing. von Oesterreich-Ungarn Professor Bayer und Hutyra, von der Schweiz Professor Berdez, von Russland Prof. Semmer, von Dänemark die Professoren Krabbe und Bang erschienen.
Die Feier wurde mit dem Gesang des 90. Psalms in der Mendelsschn'schen Composition eingeleitet. Dann betrat der Rector der Hoch- schule. Prof. Schütz, als Festredner, die Tribüne:
Wir stehen, so begann er, am Schlusse eines Arbeitsjahrs. in nächster Nähe winken uns die Sommerferien mit ihren Ausflügen, die uns an die Gestade des Meeres, auf hohe Bergesgipfel führen. Auch wir befinden uns heut auf stolzer Höhe, wir, die wir in gehobener Festesstimmung uns vereinigt haben zur Feier des 100 jährigen
Bestehens der Thierärztlichen Hochschule, und plicken zurück auf die ein Jahrhundert umfassende dem lebhaften Gefühl unterthänigen Pankes, wel-
Entwicklung dieser Pflegstätte der Veterinär- medicin. Auch wir können, wie der Wanderer im Gebirge, Strecken wahrnehmen, wo nur ein mühsames Fortschreiten stattfand, andere, wo das Gedeiben der Anstalt geradezu gehemmt war, wo es mit ihr abwärts ging, Zeitläufte, wo den sie leitenden Persönlichkeiten ein rechtes Ziel- pewusstsein fehlte. Perioden endlich, wo sie rasch, fröhlich, stetig emporblühte. Ein solcher Rück- plick erweckt naturgemäss in Allen, die an dieser Entwickelung mitgearbeitet, ein freudiges Gefühl stolzer Genugthuung, aber er enthält auch eine Aufforderung zu dankbarer Ergebenheit gegen den Höchsten, der sichtbar seine segenspendende Hand über unsere Anstalt gehalten und zugleich eine strenge Mahnurg für Lehrer und Lernende, nicht im Streben nachzulassen, sondern zu wirken im Trachten nach Erkenntniss der Wahrheit, in angestrengter wissenschaflicher Arbeit.„Nur dem Ernst. den keine Mühe bleichet, rauscht der Wahrheit tiefversteckter Born.“ Der Redner gab nunmehr eine eingehende Uebersicht der Hauptpunkte in der Entwicklung der Thier- arzneischule, der jetzigen Thierärztichen Hoch- schule.„Mit 2 Professoren ward die Anstalt eröffnet, heute wirken daran 10 ordentliche und 6 Hilfslehrer. 1799 war die Zahl der Zöglinge bis auf 14 herabgesunken, in diesem Sommer wies das Album 289 Civilstudirende, 112 Militär- eleven und 30 Hospitanten, im Ganzen also 431 Namen auf. Nicht eine ungesunde, unnatürliche, durch künstliche Mittel ins Leben gerufene Ent-
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wicklung ist es gewesen, sondern eine gesunde normale Aus- und Weiterbildung der— ich möchte sagen— angeborenen Anlagen, eine naturgemässe Pflege ursprünglich vorhandener Keime, ein Aufblühen, das mit gerechtem Stolz und freudiger Genugthuung erfüllt.“ Der Redner gedachte dann anerkennend der Männer, die Gärtnern gleich„voll Hoffnung vertrauten der Erde den goldenen Samen“, die das Gedeihen des zarten Pflänzchens überwachten und zur Blüthe brachten.„Allein eins dürfen und wollen wir nicht vergessen: wie die Pflanze nicht gedeihen kann ohne des Himmels Segen, so bedurfte auch die Thierärztliche Hochschule zu so glänzender Entwicklung einer von höherer Stelle kommenden Unterstützung. Zu allen Zeiten haben die Hohen- zollern ihren Stolz darin gesetzt, die Wissenschaft und ihre Pflegstätten nach Möglichkeit zu fördern und zu heben, und die Thierärztliche Hochschule, wie sie dem Gnadenakt eines Hohenzollern ihre Entstehung verdankt. so hat sie fort und fort im Laufe des jetzt verflossenen Jahrhunderts bis auf
den heutigen Tag sich einer besonderen Fürsorge
unserer In
und des lebendigsten Interesses aller Herrscher ohne Ausnahme erfreuen dürfen.
ches in diesem Augenblicke unser aller Seelen
in gleicher Weise erfüllt, fordere ich Sie auf,
mit mir einzustimmen in den Ruf: Unser aller- gnädigster kaiserlicher Herr, König Wilhelm der Zweite lebe hoch! und abermals hoch! und zum dritten Male hoch!“ Begeistert stimmte die Ver- sammlung in den Ruf ein.
Bald darauf erhob sich Herr Staatsminister Dr Freiherr Lucius von Ballhausen, um fol- gende Ansprache zu halten:
„Die Thierärztliche Hochschule hat sich, wie wir soeben gehört haben, aus bescheidenen An- fängen im Laufe eines Jahrhunderts zu der be- deutenden, alle Zweige der einschlagenden Wissen- schaften umfassenden Anstalt entwickelt. deren Jupelfeier wir heute begehen. Ursprünglich pe- stimmt, ein ärztliches Personal zu erziehen, welches die Schäden der im Lande wüthenden Thier- krankheiten heilen, welches insbesondere den Pferdebestand des Königlichen Marstalles und der Armee mit tüchtigen Hufschmieden versehen sollte, hat die Anstalt nicht nur das Studium der Hei- lung von Krankheiten gepflegt, sondern vor Allem auch die Ergründung der Ursachen ihrer Ent- stehung sich zur Aufgabe gemacht, um den Aus- prüchen und der Weiterverbreitung schädlicher Bpidemieen zu begegnen. Man sieht überhaupt heut zu Tage den wirksameren Theil der ärzt- lichen Wissenschaft und der öffentlichen Gesund- heitspflege für Mensch und Thier nicht sowohl in der Heilung, als in der Verhütung des Ent-


