15. August.

dieser Periode war auch nur ein Lehrer, Medicinalrath Dr. Will, an der Anstalt; ein zweiter Lehrer wurde hie und da beigegeben und ausserdem ein Beschlaglehrer. Die Unterrichtsgegenstände waren natürlich auch sehr gering: Anatomie, Physiologie, ein wenig Kräuterkunde, allgemeine und specielle Pathologie, Seuchenlehre und Hufbeschlag wurden gelehrt. Nach dem Erlass vom 1. Februar 1810 wurde das ganze Veterinärwesen zum Guten gewendet. Die Unterrichtsgegenstände wurden er- weitert auf 12, 3 Lehrer neu berufen. Aber doch gab es noch zweierlei Thierärzte. Gegen Ende dieser eben ge- schilderten Periode haben sich aber doch die Verhältnisse wesentlich geändert. Die Landwirthe lernten nach und nach die Geschicklichkeit der Thierärzte kennen und schätzen und die Gemeinden gaben auch gerne Zuschüsse; die Gerichte haben von Anfang an die Thierärzte als Sachverständige in Zivilrechtsstreitigkeiten betrachtet. Zum Studium der Thierheilk unde wendeten sich nun auch die besseren Kreise; was aber noch mehr Gewicht hat, der Unterricht wurde ein besserer. Eines Umstandes muss noch Erwähnung gethan werden: die so verschiedenartig gebildeten Schüler der Anstalt waren natürlich in ganz eigener Weise zu behandeln. Sie haben im Internat ge- lebt, im strengsten Internat; sie wurden an Fleiss und Arbeit und stete Pflichterfüllung und Pflichttreue gewöhnt und das war gut. Keiner Ueberhebung haben sich die Thierärzte schuldig gemacht in der Beziehung, dass sie in die Menschenheilkunde hineinpfuschten. Diesen Männern, unseren Vorfahren, haben wir dies zu danken; die Nach- kommen müssen froh sein, dass der Stand durch dieselben intakt erhalten worden ist. Und auf welchem Standpunkte steht die Anstalt jetzt! Die Anforderungen wurden an die Studirenden seit 1852 hoch gestellt; 1880 wurde die Vor- bildung vom Reiche aus geregelt und die Reife für die 3. Gymnasialklasse verlangt und somit für alle deutschen Thierärzte die gleiche Vorbildung verlangt. Die Zahl der Lehrer erhöhte sich nach und nach auf 9, der Unterricht auf 32 Disciplinen, von denen 29 solche sind, in denen geprüft wird behufs Erlangung Anstalt wurde durch die Huld und Gnade des Landesherrn

Thiermedicinische Rundschau ete.

der Approbation. Die

territorial erweitert; der Bau eines grossen Gebäudes für

Physik und chemische Laboratorien wird in diesem Jahr zur Durchführung gelangen. Damit gelang es, den Unter- richt wissenschaftlich zu betreiben; die Veterinärmedicin ist nunmehr eine selbständige Wissenschaft. Ieh will diesen Begriff ganz bestimmt gefasst wissen. Wir leben in der Erkenntniss, dass die Einfügung der Veterinärmedicin in die ganze Naturforschung und die Mediein allein das Ge- deihen der thierärztlichen Schulen bedeutet. Die Schüler sind sich voll bewusst, dass nur möglichst wissenschaft- licher Unterricht der Thierärzte dem Staate und dem Lande nützt. Bei der derzeitigen Stellung und Verwendung der Thierärzte muss die Staatsregierung eine solche weitgehende Durchbildung der Thierärzte verlangen; denn das Wohl und Wehe des Landmanns hängt in vielen Fällen vom Thierarzt ab. Thierärztliche Empiriker würden nach den gesetzlichen Bestimmungen nur als Pfuscher betrachtet werden. Ob nun die hiesige Thierarzneischule ihre Auf- gaben erfüllt hat, darüber Bat die Regierung das Urtheil im Jahre 1869 und 1873 gefällt, indem sie die Thierärzte von der Oberaufsicht der Aerzte entband. Die Regierung hat die Thierärzte damals für befähigt gehalten, dass sie die Dienste, die von den Gerichtsärzten gemacht wurden, auf die Thiezärzte übertragen konnte. Wie weit sie damit Recht gehabt, wird der Erfolg zeigen. Professor Hahn schloss seine ebenso wie formvollendeten Ausführungen mit den Worten:

Dem öffentlichen Urtheil haben wir uns durch die öffentliche Centenarfeier unterworfen, möge das Urtheil ein wohlwollendes sein'

Lauter Beifall folgte den letzten Worten der Rede

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Hierauf betrat Qultusminister Excellenz Dr. von Müller die Tribüne, um nachfolgende für die Thierarzneischule hochbedeutsame Allerhöchste Entscheidung zur Verlesung zu bringen:(Die Festversammlung erhebt sich bei Ver- kündigung der Kabinetsordre von ihren Sitzen)

Im Namen Sr. Majestät des Königs Luitpold, von Gottes Gnaden Prinz von Bayern, Regent: Wir finden uns allergnädigst bewogen, aus Anlass der OCentenarfeier der Königlichen Cen- tral-Thierarzneischule in München zu be- stimmen, dass diese Schule fortan den Titel Königliche thierärztliche Hochschule führt.

Nachdem der jubelnde Beifall sich gelegt, der diesen Worten gefolgt war, theilte der Herr Cultusminister weiter mit, dass sich Se. Königl. Hoheit der Prinz-Regent aller- gnädigst bewogen gefühlt hat, dem Professor und der- zeitigen Director der Königl. Thierarzneischule Karl Hahn den Titel Königl. Hofrath zu verleihen.

Es folgten nunmehr die Beglückwünschungen der ver- schiedenen Corporationen. Universitätsprof Dr. Rüdinger überbrachte im Auftrag der medieinischen Facultät der Ludwigs-Maximilians-Universität zu München die besten Glückwünsche. In sachlich eingeweihten Kreisen, führt Redner aus, weiss man schon lange, dass die mediecinische Facultät der Universität München der hiesigen Central- thierarzneischule die vollsten Sympathien entgegenbringt. Denn die bedeutungsvollen Leistungen der Münchener Veterinärschule blieben nicht unbeachtet, weder nach innen noch nach aussen. Es haben die Lehrkräfte zielbewusst erkannt, dass die Empirik erst ihre wahre Weihe durch die wissenschaftliche Forschung erhält und hier wurde und wird die Wissenschaft ebenso gehandhabt wie an den Hoch- schulen. Die Glückwünsche der Stadt München sind in einer prachtvollen Adresse niedergelegt, bei deren Ueber- reichung der erste Bürgermeister Dr. v. Widenmayer ungefähr Folgendes sprach: Die Stadt München freut sich des heutigen Jubeltags der nunmehrigen thierärztlichen Hochschule und hat ihre Vertreter hierher gesandt, um lhnen die herzlichsten Glückwünsche zum Schluss des ersten und zum Anbeginn des zweiten Jahrhunderts zu überbringen. Ist doch die Thierarzneischule, wie überhaupt das ganze Schulleben der Stadt, mit ein Theil ihres wachsenden und auf blühenden Lebens, einer Stadt, die vor 100 Jahren noch klein war und im Laufe dieses Jahrhunderts, ich darf sagen, wesentlich mit Dank der ausgezeichneten Schulen gross und blühend geworden ist. Die Thierarzneischule, ihre Lehrer und ihre Studirenden haben sich in München stets und allezeit heimisch gefühlt, und die Stadt sieht auch mit Stolz auf ihre Schule und deren Entwicklung, mit Stolz mit Rücksicht auf die enormen Leistungen ihrer Schüler, mit Rücksicht auf die tüchtige Arbeit und die Haltung ihrer Studirenden, mit Rücksicht auf den Einfluss der Schule auf das öffentliche Wohl!(Lebhafter Beifall.) Generalsekretär Otto May überreichte eine Adresse der bayerischen Landwirthe, in welcher der trefflichen Wirkung der Schule dankende Anerkennung gezollt wird; möge die Anstalt unter dem milden und weisen Szepter des Wittels- bacher Königshauses wachsen und gedeihen zum Segen der bayerischen Landwirthschaft. Dieser Glückwunsch wie die meisten der nachfolgenden wurden mit lauten Bei-

fallsbezeugungen der zahlreichen Versammlung einstiger

interessanten

Schüler der Anstalt es mögen wohl an 500 aus allen Theilen Bayerns zusammengekommen sein begleitet. Die thierärztliche Hochschule Berlin entbot ihren Glückwunsch durch eine Adresse, überbracht von Prof. Dr. Fröhner, die Pocenten der Thierarzneischule Bern hatten Pirector Dr. Berdez gesendet, Prof. Dr. Johne brachte die Grüsse des Lehrercollegiums der thierärztlichen Hoch- schule zu Dresden, Prof. Dr. Pütz verlas eine längere Widmung der landwirthschaftlichen Abtheilung der philo- sophischen Facuſtät der Universität Halle-Wittenberg, 44*