Thiermedicinische

Bd. IV. No 22. 8 188990 Herausgeber W zuhit. Expedition Dr. 6. Schneidemühl Wilh. napp's Verlag

besonderer Berücksichtigung

in Kiel. Halle a. S. der

vergleichenden Pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens.

Bleichzeitig Organ 2ur Vertretung der Interessen ües thierärztlichen Standes. Neue Folge der im Jahre 1885 begründetenRundschau auf dem Gebiete der Thiermediein«.

Die Kundschau erscheint alle 14 Tage in der Beiträge für den redactionellen Theil volle uaui Stärke von 1 ½ Bogen. Der Abonnementspreis be- direct an den Herausgeber, Annoncen u. Correcturen] trägt 2,50 Mk. pro Vierteljahr und ist dieselbe durch Den 15. August 1890. an den Verleger senden. Inserate werden mit 20 Pf.

Wilhelm Knapp in Haile a. S. und durch jede die 3 gespaltene Petitzeile berechnet. Bei Wieder- luettnar zu beziehen. holungen hoher Rabatt. Beilagen nach Inhalt. Nothnagel: Ueber Anpassungen und Ausgleichungen bei pathologischen Zuständen. Müller: Beiträge zur Frage der Hautresorption Hofmeister: Ueber die Verdauung des Fleisches bei Schweinen. Hoff- mann: Lymphextravasate am Hinterschenkel der Pferde. Geppert: Ueber desinfieirende Mittel und Methoden. Bang Die Tuberkulose unter den Hausthieren in Dänemark. Auszug aus dem Bericht über die Verhandlungen der zweiundzwanzigsten Sitzung des thierärztlichen Vereins in Westpreussen. Kleine Mittheilungen. Tagesgeschichte. Personalien. Offene amtliche Stellen. Anzeigen. 2

Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten. (Reichsgesetz v. 11. Juni 1870.)

Ueber Anpassungen und Ausgleichungen bei pathologischen Zuständen. Von Prof. H. Nothnagel in Wien.¹)

Die physiologische Reservekraft. Die in Rede stehende Thatsache ist die dass Pathologische Zustände, namenthch solche, im gesundheitlichen Zustande, unter physiolo- welche acut einsetzen und schnell vorübergehen, gischen Verhältnissen die Organe bezw. Gewebe zuweilen aber auch solche von längerer Pauer, und Zellen nicht mit dem Maximum ihrer Leistung werden in ihren schädlichen Consequenzen öfters arbeiten. Sie können eine bedentend höhere Kraft- ausgeglichen, ohne dass irgend welche geweb- entfaltung liefern, als diejenige es ist, welche liche und anatomische Veränderungen dabei ent- beim normalen Ablauf der vitalen Vorgänge in stehen. Die Ausgleichung kann zuweilen eine die Erscheinung tritt; etwa in analoger Weise, so vollkommene sein, dass auf den ersten Blick wie bei einer Dampfmaschine für den Gebrauch gar keine Erscheinung die Gegenwart einer schwe- nicht das Maximum ihrer Leistungsfähigkeit in ren krankhaften Störung verräth. Anspruch genommen wird. Erst wenn die An- Das Studium derartiger Fälle führt zu der forderungen sich steigern, überzeugt man sich, Annahme einer allgemeinen Anschauung, zu der dass die Leistung noch einer hochgradigen Steige- . 2. hi 3

Feststellung einer Thatsache, welche man wohl rung fähig ist. Eine Fülle von Erscheinungen als ein Gesetz pezeichnen kann. Freilich ist es des gesunden Lebens erhärtet diese Thatsache, erst für eine beschränkte Gruppe von Fällen dass bei gleichbleibender Masse und Beschaffen- möglich, mit überzeugender Klarheit das Vor- heit des funetionellen Gewebes mit der Zunahme

handensein dieser Thatsache darzuthun. Aber des funetionellen Reizes bis zu einer gewissen weil dieselbe an ganz verschiedenen Organen, maximalen Grenze eine ganz ausserordentliche

an functionell ganz differenten Geweben und Zel- Steigerung der Leistung möglich ist. Von der len sich erkennen lässt, ist vielleicht der Schluss BReizschwelle bis zur äussersten Grenze des Reizes,

erlaubt, dass sie auch pei denjenigen vorhanden auf welche noch eine functionelle Reaction erfolgt,

sein möchte, pei welchen sie noch nicht direct ist ein sehr grosser Abstand. studirt und nachgewiesen ist. Man kann dieses Verhalten als physiologische

¹) Nach einem von dem Herrn Verfasser freundlichst überreichten Sonderabdruck aus der Zeitschrift für klinische Mediein, Bd. XVII. 43