38 Thiermedieinische Rundschau etc.

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welcher die Natur der Gährungen aufdeckt, auch die Ursache vieler Erkrankungen erkennen wird, pesiegeln die weiteren Studien Pasteur's über pathogene Bakterien, welche jene practischen Folgezustände zur Reife brachten, die in der Lister'schen Wundbehandlung die Ohirurgie gegenwärtig so glänzende Triumphe feiern lässt. Aber erst die grundlegenden Methoden unseres Robert Koch gestatten eine scharfe und er- giebige Erforschung jener neuen Welt der Mikro- organismen, welche der modernen Medicin die Wege zur weiteren Erkenntniss öffnet.

Nach dem heutigen Standpunkte der prac- tischen Mediein, welche sich zudem auf der breiten und gefesteten Grundlage der Physiologie und pathologischen Anatomie aufbaut, lassen sich sämmtliche bekannte Krankheiten gruppiren:

in solche traumatischen Ursprungs. in Infectionskrankheiten.

in Stoffwechselkrankheiten,

in Neurosen.

Die beiden letzten Gruppen erfahren immer mehr Finengung zu Gunsten der Gruppe der Infectionskrankheiten, von welcher man füglich pehaupten darf, dass sie die erdrückende Mehr- heit aller Krankheiten umfasst. In Folge dessen wird gerade in der Neuzeit das Fahnden nach specifischen Krankheitsträgern mit grossem Eifer gepflegt. anderer Fragen auf. Wie kommen die Bakterien in den Körper ihres Wirthes hinein, wodurch schädigen sie ihn, wodurch rufen sie die etwaigen anatomischen Veränderungen hervor, warum er- folgt einmal der Tod, warum ein anderes Mal die Heilung, warum sind manche Individuen un-

Dabei tauchen bald eine grosse Reihe

wendige Nährmaterial aus ihrer Umgebung an sich reissen und werden alsdann das Abgenutzte als Schlacke wieder ausstossen, welches nun ent⸗ weder in ihrer Nachbarschaft sich aufstapelt, oder aber in den Kreislauf hineingeworfen wird.

Diesen seien es krystallinische, seien es viel- leicht auch gasförmige Stoffwechselproducte der Bakterien, kann sich vorläufig nur das Augen- merk zuwenden, entsprechend den Anforderungen der exacten Chemie.

Der von Mitscherlich aufgestellte, von Hoppe-Seyler warm befürwortete Satz, dass das Leben weiter nichts als Fäulniss ist, kennzeichnet nun im Grossen und Ganzen die Verrichtungen, wie sie sich innerhalb des menschlichen Organis- mus im gesunden und kranken Zustande voll- ziehen. Daher suchten auch die chemisch ge- schulten Physiologen und Pathologen mit Vorliebe die Fäulnissprocesse zu ergründen und hatten dieselben schon recht erhebliche Errungenschaften zu verzeichnen, als die Bakteriologie noch in den ersten Anfängen lag. Aus dem Ohaos der Fäulniss- breie wurden herausgeholt Indol, Carbolsäure,

FKresole, Skatol, also Angehörige der aromatischen

Reihe. welche an und fär sich giftig und fäul- niswidrig wirken. Eine Ansammlung der eigensten Lebensproducte wird somit dem ferne- ren Anwachsen ihrer Erzeuger Halt gebieten. Daraus ergeben sich wieder Anhaltspunkte für Vorgänge im menschlichen Organismus; denn

das Hauptstück des menschlichen Verdauungs- schlauches ist nichts weiter als ein Fäulnissheerd,

empfänglich gegen gewisse Infectionsträger, wo-

her entstammt überhaupt die Immunität?

Schauen wir uns um in dem Haushalt der Natur, so erblicken wir überall die gewaltige chemische Schaffenskraft der Mikroben. Die mannigfaltigen Gährungen. die Aufschliessung der Ackerkrume, die Ueberführung unlöslicher und nicht assimilirbarer Stoffe in ihre löslichen und für die Pflanzen aufnahmefähigen Modificationen sind grösstentheils das Werk von Bakterien oder ihnen nahestehender Pilze. Der Chemis- mus der Bakterien wird also auch in erster

in dem sich unaufhörlich die gleichen Processe abwickeln, wie wir sie durch künstliche Fäulniss- versuche erzielen. Diese giftigen Stoffwechsel- producte der Spaltpilze legen sich aber im Körper zunächst dureh Paarung mit Schwefelsäure, wie

Baumann entdeckt hat, und wenn diese nicht

mehr ausreicht, mit einem im Blute circulirenden Abkömmling des Zuckers, mit der Glycuronsäure,

wie Sehmideberg dargethan, zu unschädlichen

Linie für das klinische Verständniss von der

Natur der durch Bakterien verursachten Krank- heiten in den Vordergrund der Forschung ge- stellt werden müssen. Denn die rein nische Verbreitung, sowie die Sauerstoff- und Fiweissberaubung von Seiten der Bakterien ge-

nügen nicht zur Erklärung der Krankheitser-

lebende Wesen müssen die ihres Leibes noth-

scheinungen. Als Bakterien das zum Aufpbau

aromatischer Substanzen,

mecha-

Doppelverbindungen zusammen. Ist nun die Lebenskraft herabgesetzt, so werden diese Schutz- maassregeln versagen und wir finden dann bei Darmkrankheiten, bei Erkrankungen, welchs eine Verjauchung der Gewebe verschulden, und auch bei Infectionskrankheiten, wie Diphtherie, Gesichts- rose, manchen Fällen von Pyämie und theil- weise auch bei Scharlach die Ausscheidung insbesonderé die der der Carbolsäure vermehrt.

Auf eine viel höhere klinische Bedeutung als diese aromatischen Substanzen erheben An- spruch die basischen Stoffwechselproduete der Bakterien, da diese nicht nur die Lebensfuctionen zu schädigen, sondern direct zu vernichten ver- mögen.