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Thiermedicinische Rundschau ete.
1889. No. 24.
ordnung und den Verlauf der Tubuli und die Eigen-
thümlichkeiten ihrer Drüsenepithelien. Ausserdem ist die Cardiadrüsenschleimhaut reich an Lymph- follikeln.
5. Eine Cardiadrüsenregion scheint bei den meisten Säugethieren vorzukommen. Sie fehlt sicher bei den fleischfressenden Cetaceen und den Wiederkäuern.
6. Die Grösse der Cardiadrüsenregion ist ab-
region gesellt.
hängig von der Art der Nahrung und scheint
im umgekehrten Verhältniss zur Entwicklung der Speichel- und Schlunddrüsen zu stehen.
7. Die Ausbildung und Grösse der Cardia- drüsenregion ist bei den verschiedenen Thieren sehr verschieden. Während bei einigen Thier- arten nur wenige belagzellenfreie Tubuli an der Cardia vorkommen, besitzen andere vollständige Cardiasäcke.
8. Die grösste Cardiadrüsenregion im Verhält- niss zur ganzen Verdauungsschleiwhaut des Magens pesitzt von den untersuchten Thieren das Schwein, es folgen dann das Pekari, Ratte, Maus, Hamster, Tapir, Pferd, Känguruh, die Insectivoren, der Schimpanse, der Magen des Menschen, die übrigen Nager, die Carnivoren, die Chiropteren und die Affen.
9. Als schleimbildende Drüsen sind die Cardia- drüsen nicht aufzufassen.
10. Die physiologische Bedeutung der Cardia- drüsenregion beruht in der Bildung einer Art Vorraum in dem Magen, welcher keine Säure, dagegen Fermentquellen enthält und in dem die Verdauung der Stärke vor sich gehen kann.
11. Der von der Cardiadrüsenregion gebildete Vorraum für die Stärkeverdauung kann zum Theil ersetzt werden durch ösophageale Vormagen, so dass die Cardiadrüsenregion also auch mit diesen morphologisch in einem correspondirenden Ver- hältniss steht. Diesen ösophagealen Vormagen fehlen natürlich die Fermentquellen.
12. Das diastatische Ferment der Cardia- drüsenregion scheint am reichsten und wirksam- sten zu sein beim Hamster; ihm folgen in ab- steigender Richtung Ratte, Schwein, Pferd.
13. Phylogenetisch kann die Cardiadrüsen- region entweder als ein in die Bildung des Magens hineingezogener Abschnitt der Vorderdarmdrüsen, oder als ein modificirter Theil der Schleimhaut des Mitteldarms aufgefasst werden.
14. An der Bildung des Magens betheiligt sich pei vielen Thieren nicht nur der Mittel-, sondern auch der Vorderdarm. Letzterer bildet am Magen Regionen mit Schlundschleimhaut (Vormägen, Portiones oesophageae), während die
eigentliche Verdauungsschleimhaut, resp. der eigent-
liche Magen dem Mitteldarm angehört. Theile können Ausbuchtungen bilden, von denen
Beide
die des Vorderdarms als ösophageale Säcke in der Regel nach links(dorsal) gelegen sind, wäh- rend die des Mitteldarms als intestinale Erweite- rungen sich auf der rechten Seite und ventral befinden. Die ösophagealen Säcke werden meist als Vormägen bezeichnet; die intestinalen zerfallen in die Fundus- und Pylorusdrüsenregion, zu denen sich bei manchen Thieren noch eine Cardiadrüsen- Sind die ösophagealen Ausbuch- tungen sehr entwickelt, so spricht man von öso- phagealen, meist zusammengesetzten Magenformen, im anderen Falle von intestinalen, einfachen Magen. Nach der Auspildung der einzelnen Magenabthei- lungen kann man die Säugethiermägen in Gruppen vereinigen.
Eine solche Fintheilnng ist von Nuhn) und Ellenberger²) gemacht worden. Jedoch ist die des letzteren Forschers vorzuziehen, weil sie die histologischen Verhältnisse der Schleimhaut pe- rücksichtigt. Diese Eintheilung lässt sich auch mit Rücksicht auf das Vorhandensein einer Cardia- drüsenregion durchführen, und es lassen sich darnach die Magen der untersuchten Thiere in nachstehende Zusammenstellung einreihen. Bei derselben ist jedoch zu bedenken, dass das Ver- hältniss der einzelnen Mägen zu den aufgestellten Gruppen kein absolut feststehendes ist, sondern dass man einige Mägen als Uebergangsformen auch einer anderen Gruppe einreihen kann. So bilden z. B. die Mägen von Schwein, Manatus und Halmaturus den Uebergang von den einfachen zu den zusammengesetzten Magenformen.
I. Intestinale Magenform(einfache Mägen). 1. Ohne Cardiadrüsenregion. a) Einfacher, schlauchförmiger Magen: Phoca. b) Vergrösserung der Magensaftquellen, resp. der Fundusdrüsenregion durch linksseitige Ausbuchtung: Carnivoren, Insectivoren, die meisten Rodentia, Chiropteren, Affen, Mensch. 2. Mit Cardiadrüsenregion. c) Bildung eines Cardiasackes mit eventuell secundärem Blindsack: Sus. d) Bildung mehrerer Blindsäcke: Manatus(²), Halmaturus.
II. Oesophageale Magenform(zusammen- gesetzte Mägen). 1. Finfache Formen mit Cardiadrüsenregion. a) Geringe Schlundaussackung und kleine Cardiadrüsenzone: Tapirus, Equus. b) Tiefere Abschnürung des Schlundsackes, grössere Cardiadrüsenzone: Mus, Cireetus.
¹) Lehrbuch d. vergleichenden Anatomie. Heidelberg 1875 1. 8 33
2) Ellenberger und Hofmeister, Jahresbericht üper die Leistungen auf dem Gebiete der Veterinärmedicin. II. 175.


