Thiermedicinische Rundschau etc.

1889 No

pildung von Veterinärbeamten zu tragen haben würde. Die zur Verwirklichung des Antrages er- forderichen Kosten stehen in keinem Verhältniss zu den grossen Gütern, welche durch ein tüch- tiges, wohl ausgebildetes Veterinär-Polizeipersonal erhalten und in ihrem Werthe gehoben werden können. Hat doch der Gesammtwerth der land- wirthschaftlichen Hausthiere im ganzen Deutschen Reiche nach der Viehzählung im Jahre 1883 die Summe von 5 Milliarden und 576 Millionen be- tragen, und nicht zu schätzen ist der Werth der Gesundheit und des Lebens der thanen. Der Fehler eines Veterinärbeamten ge- nügt aber, schliesst der Herr Vortragende, um das Vermögen und die Gesundheit einzelner oder vieler zu gefährden oder zu vernichten, und kann sogar zur Folge haben, dass der Binnen- und Ausfahrhandel mit Thieren, mit

folglich die landwirthschaftichen und manche gewerblichen Interessen eines Theils oder der Gesammtheit des Reichs schwere Einbusse er-

leiden. Der Antrag des Herrn Berichterstatters geht nun dahin: Der wolle

Deutsche Veterinärrath aus-

sprechen: Die Abhaltung besonderer Lehrkurse

zur Auspildung von beamteten Thierarzten wird

8o grosse Vortheile bieten, dass es angezeigt

sei, die Aufmerksamkeit der Regierungen darauf

hinzulenken.

Der zweite Berichterstatter, Dr. Esser-Göt- tingen erklärt sich im Wesentlichen mit den Ausführungen des ersten einverstanden. Nur ist Redner der Meinung, dass das Ziel auch in kürzerer Zeit erreicht werden könne, als vom

Dr. Lydtin vorgeschlagen; auch sei der Haupt-

werth auf die practischen Curse zu legen. Viel- leicht wäre es zweckmässig, die Ourse als sog. Ferieneurse an den thierärztlichen Lehranstalten

abzuhalten, wobei Redner aber keineswegs sagen

will, dass diese Curse nothwendig ausschliess- lich von den Docenten der Thierheilkunde geleitet

werden sollen; vielmehr dürfte es sehr Praxis be-

zweckmässig sein, in der währte Veterinär-Beamte als Do- centen für diese Curse heranzuziehen.

Dr. Ulrich-Breslau äussert sich sehr zu- stimmend zu den Ausführungen und Anträgen Dr. Lydtin's. Die Anregung und der Plan der Ausführung sei im hoben Grade dankenswerth. Auch dieser Redner betont die Wichtigkeit, dass

für diese Qurse nur solche Personen als Docenten herangezogen würden, die sich auch bereits die nöthige wissen-

für die einzelnen Gegenstände

schaftliche und practische Prfahrung angeeignet

hätten. Aehnlich äussert sich Johow-Minden.

Reichsunter-

animalischen Lebensmitteln und sonstigen thierischen Stoffen,

Dr. Rabe-Hannover legt sehr eingehend seine von den Berichterstattern abweichenden Ansichten dar. Das Ziel würde am besten erreicht, durch Erweiterung und Verbesserung der vorhandenen thierärztlichen Unterrichtsanstalten. Insbesondere erscheine ihm wichtig, dass das Abiturienten- examen für die Studirenden der Thierheilkunde verlangt würde, dadurch würden manche der vom ersten Berichterstatter erstrebten Ziele er- reicht. Was die einzelnen Vorschläge desselben betrifft, so enthalten dieselben nach seiner Mei- nung theilweise einen Vorwurf gegen die bis- herigen Einrichtungen der thierärztlichen Bildungs- anstalten. Diese können mur allgemeine Grund- lagen geben wie die medicinischen Facultäten es für die Medieiner thun, das practische Leben müsse dann das Uebrige thun. Er könne sich den Bestrebungen in der von dem Berichterstatter vorgetragenen Form nicht anschliessen, weil ihm in denselben das Ansehen der thierärztlichen Lehranstalten geschädigt erscheine; eine solche Schädigung müsse aber auch eine Schädigung des Ansehens der Thierärzte bewirken.

Dr. Lydtin-Karlsruhe tritt diesen Aus-

führungen in eingehender Weise entgegen. Auch

er sei gewiss für die Forderung des Abiturienten- examens. Allein die von ihm vorgeschlagene Relorm für die Ausbildung der Thierärzte sei darum doch nothwendig. Wie darin eine Schä- digung des Ansehens der thierärztlichen Lehr- anstalten oder ein Vorwurf gegen diese zu er- blicken sei, sei ihm nicht einleuchtend. Auch könne nicht die Rede davon sein, dass durch Errichtung solcher Curse für die beamteten Thier- ärzte das System von verschiedenen Klassen von Thierärzten von Neuem auftreten würde. Unter Hinweis auf die im Grossherzogthum Baden he- reits im Sinne des Redners pestehenden Ver- hältnisse könnte derselbe nachweisen, dass die vorgeschlagenen Reformen damit nichts gemein haben.

Zipperlen-Hohenheim äussert sich im gleichen Sinne. Dr. Schmaltz-Berlin erklärt, er Könne sich nicht zu dem Idealismus des ersten Berichterstatters emporschwingen. Für ihn sei die Forderung des Abiturientenexamens das Wich- tigste; könne dieses nicht erreicht werden, 80 solle man nicht durch die mit Errichtung von Qursen einhergehenden Bestrebungen, welche mit Be- willigung jener Forderung zum Theil gegen- Standslos würden, den Regierungen ein Entgegen- kommen zeigen, wodurch die Verwirklichung des ersten Zieles hinausgeschoben wird. Er verhalte Sich deshalb durchaus ablehnend gegenüber den Ausführungen und Anträgen der Berichterstatter

und werde sich aus diesem Grunde auch der Ab- stimmung enthalten.