6 Thiermedicinische Rundschau etc.
auf den Menschen übergehenden Parasiten. Hutbeschlag- lehrer Gutenäcker in München hatte in ähnlicher Weise angefertigte Wandtafeln ausgestellt, welche Querschnitte des normalen und krankhaſt veränderten Hufes darstellen und die an diesem Körpertheile des Pferdes verlaufenden Krankheitsprocesse veranschaulichen. Die Berliner städti- sche Fleischbeschau hatte mehrere auf Fleischbeschau bezügliche mikroskopische Präparate eingeschickt. Behrens aus Rostock hatte eine Reihe aus Papiermaché bezw. präparirtem Gyps hergestellter und in künstlerischer Weise der Natur nachgeahmter Präparate ausgestellt, welche gesunde und krankhaft veränderte Knochen und Hufe des Pferdes wiedergeben. Ueberaus reichhaltig war die Aus- stellung von chirurgischen Instrumenten, unter denen die von Hauptner aus Berlin eine besondere Anziehung auf den Fachwann ausübten. Siegnitz aus Guben legte ein nach den Angaben des Kreisthierarztes Dr. Malkmus ver- ändertes bistouri caché vor. Kreisthierarzt Wolff in Cleye und Albert Rohm in Karlsruhe stellten Impfbestecke und Rauschbrand-Impfspritzen aus, Das Veterinär-Institut
der Universität Göttingen hatte einen durch Prof. Esser
übersandten Rinderschädel ausgestellt, welcher die aus- gedehnten Zerstörungen und Wucherungen des Knochens durch den Strahlenpilz veranschaulichte. Ferner hatte die Leipziger Patent-Stellkummet-Fabrik ein verstellbares Arbeitsbummet und die Firma Höhnemann& Küchler einen Federbolzenapparat zum Betäuben von Kälbern, Schafen und Schweinen vor dem Schlachten, ausgestellt.
Am PDonnerstag Vormittag fand die zweite allge- meine Sitzung statt, in deren erstem Theile eine wichtige geschäftliche Verhandlung stattfand. Nach längerer Be- sprechung wurden auf Antrag des Herrn Geh. Rath Virchow folgende Aenderung der Statuten der Naturforscherver- sammlung vorgenommen: 1. In Zukunft soll die Mitglied- schaft der Gesellschaft eine dauernde sein, 2. die Be- stimmungen des Statuts über die Theilnahme an den Ver- sammlungen bleiben unverändert; insbesondere sollen auch künftig Theilnehmer in der bisher üblichen Weise zu den Versammlungen zugelassen werden, auch wenn sie nicht dauernde Mitglieder der Versammlung sind, 3. die Ge- sellschaft soll eigenen Besitz und eigenes Vermögen erwerben
bönnen, 4. die Gesellschaft wählt einen Vorstaud, welcher
sich aus einem Vorsitzenden, einem stellvertretenden Vor- sitzenden, den Geschäftsführern des jedesmaligen Ver- sammlungsortes, 9 weiteren Mitgliedern, sowié aus einem Schatzmeister und einem Generalsekretär zusammensetzt; die beiden letzterwähnten Vertreter der Gesellschaft werden für 3 Jahre, die übrigen für 1 Jahr gewählt, 5. der in der heutigen Sitzung gewählte Vorstand wird auf Grund dieser Beschlüsse den Entwurf eines neuen Statuts ausarbeiten.
Alsdann sprach als erster Redner Herr Geh. Rath Waldeyer aus Berlin„über das Studium der Mediein und die Frauen.“
Die Bewegung, welche dahin zielt, dem weiblichen Geschlecht die Berechtigung zum Studium der Medicin zu verschaffen, diese Bewegung— so etwa leitete Waldeyer seine Ausführungen ein— erstrebt keineswegs etwas vollständig Neues; wir wissen vielmehr aus grie- chischen und römischen Schriftstellern, dass im Alterthum, so lange es noch keine zu Aerzten ausgebildeten Männer gab und die Heilkunde sich noch in ihren ersten Anfängen pefand, die Frauen mit der Ausübung ärztlicher Pflichten petraut waren. Insbesondere gehörte vor Hippokrates die Ausübung der Geburtshilfe, sowie die Behandlung erkrankter Kinder zur Domäne des Weibes. Während in Deutschland
zur Zeit des Mittelalters das„Physica“ betitelte medicinische Werk der Aebtissin Hildegard ein gewisses Aufsehen er- regte genossen in Frankreich im 16. Jahrhundert Louise Bourgois, die Hebamme der Maria de Medici, sowie die um 1729 lebende Marie Louise La Chapelle wegen ihrer ärztlichen, insbesondere geburtshilflichen Geschicklichkeit
ein grosses Renommé. 7u den bedeutenden Aerztinnen vergangener Jahrhunderte gehören auch die von der Universität Marburg graduirte Madame Corvin, sowie Dorothea Leporin,„die kurbrandenburgische und preussische Wehemutter“ Während geraume Zeit hindurch nur dann und wann eines oder das andere vereinzelte Frauenzimmer dem ärztlichen Berufe sich zuwandte, hat neuerdings die Zahl der weiblichen Studentinnen, welche Medicin betreiben, beträchtlich zugenommen. An der Universität Zürich gab es in einem der letzten Semester nicht weniger als 54 Studentinnen der Medicin. Die Leistungen waren, so lange nur geistig hervorragende weibliche Personen dem besagten Studium sich zuwandten, vollständig befriedigend; dagegen scheint neuerdings mit der Steigerung der Quantität die Qualität an Güte abzunehmen. Jenen Bestrebungen, welche dahin zielen, die Erwerbsfähigkeit des weiblichen Ge- schlechts zu erhöhen, darf man seine Theilnahme nicht versagen; dagegen wird nach Waldeyer ebensowenig den Interessen der medieinischen Wissenschaften, wie denjenigen der Frauen selbst damit gedient, wenn Letztere dem medicinischen Studium sich zuwenden. Jahrhunderte hindurch war die Ausübung der Geburtshilfe dem weib- lichen Geschlecht freigegeben, ohne dass Letzieres auf diesem Gebiete irgendwie Nennenswerthes geleistet hätte; im Gegentheil verdankt dieser Zweig der medieinischen Wissenschaft seine Entwickelung ausschliesslich den Kerzten männlichen Geschlechts; alles, wozu die Frauen es auf diesem Gebiete gebracht haben, be- schränkt sich auf eine gewisse manuelle Geschicklichkeit, welche sie sich als Handlangerinnen des Arztes im Hebeammendienste angeeignet haben. Wenn sie dazu berufen, auf wissenschaftlichem Gebiete irgendwie Hervorragendes zu leisten, so würde sich dasselbe längst
gezeigt haben; denn das ehrgeizige Streben ist ebensowohl
eine Eigenschaft des Weibes, wie auch des Mannes. Dass das Weib zu solchen Berufsarten, welche eine bedeutende Initiative erheischen, nicht passt— dieser Schluss ergibt sich schon aus der Verschiedenheit in der Organisation des männlichen und weiblichen Gehirns, wobei jedoch von dem Vortragenden der Unterschied im Gewicht des männ- lichen und weiblichen Gehirns weniger Bedeutung bei- gemessen wird, als vielmehr der Verschiedenheit in der Entwickelung der Hirnwindungen beim Manne und Weibe. Aus der zuletzt erwähnten Thatsache ist jedoch keineswegs zu folgern, dass das Weib in geistiger Hinsicht niedriger stehe, als der Mann, sondern nur, dass die geistige Ent- wicklung des Weibes sich in einer anderen Richtung bewegt hat. Von Carl Vogt, welcher wiederholt Gelegenheit hatte, weibliche Studenten im Laboratorium zu beobachten, wird besonders hervorgehoben, dass dieselben daselbst in der Regel eine grosse Ungeschicklichkeit in den Hantirungen an den Tag legen. Wenn das Weib in jeder Beziehung die Wege des Mannes wandele, so sei für beide Geschlechter nicht genügender Platz vorhanden; auch lasse das Princip der Arbeitstheilung, welches in der ganzen Natur eine überaus wichtige Rolle spielt, es an und für sich schon bedenklich erscheinen, wenn das weibliche Geschlecht sämmtliche Berufsarten des Mannes zu den ihrigen mache. Sollte die Nothwendigkeit, zum medicinischen Studium Frauen oder Mädchen zuzulassen, sich für die Zukunft einmal als unumgänglich nothwendig herausstellen, so würden jedenfalls getrennte medicinische Hochschulen für beide Geschlechter erforderlich sein.
Besonders begabten Frauen solle man nicht das höhere Studium und alle Ehren völlig verschliessen, aber man dürfe nicht die Docenten verpflichten, weibliche Studenten zu ihren Vorlesungsn zuzulassen.
Soweit die Ausführungen des Geh. Rath Waldeyer, welche, soweit sie sich auf die zu steigernde Erwerbs- fähigkeit des weiblichen Geschlechts bezogen, dadurch eine eigenthümliche Iustration erhielten, dass in der
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