34 Thiermedicinische Rundschau etc.

1888. No. 6.

Spitze der Ausschuss derselben mit dem prächtigen Banner, eingefunden, das ihnen im Jahre 1880 gelegentlich der Feier des 100 jährigen Bestehens der Thierarzneischule von den Thierärzten Sachsens verliehen war.

Mit dem von einem Männergesangverein vorgetragenen Beethoven'schen Liede:Die Himmel rühmen wurde die Feier eingeleitet, worauf Herr Medicinalrath Prof. Siedam- grotzky rechts vor das Denkmal trat, um die Festrede zu halten. Es gilt der Feier eines Mannes, begann etwa Redner, der mit der Geschichte der Königl. sächsischen Thierarzneischule, wie überhaupt mit dem Veterinärwesen im Königreich Sachsen, eng verbunden ist, der Feier der Enthüllung des Denkmals des Geh. Medicinalrathes Karl Gottlieb Haubner. Um sein Andenken zu ehren und die

PErinnerung an ihn wach zu halten, ist von seinen Schülern

die Anregung zur Errichtung eines Denkwals an der Stätte seines Wirkens ausgegangen. Diese Anregung hat den weitgehendsten Widerhall gefunden; noch ist nicht Jahres- frist vergangen und schon hat die Verwirklichung des schönen Gedankens staitgefunden. Haubner ist geboren am 18. September 1806 zu Hettstedt in der Grafschaft Mansfeld. Thierheilkunde und war dann zwei Jahre Assistent an der Anatomie daselbst. Im Jahre 1831 wurde er Kreisthier- arzt zu Ortelsburg in Ostpreussen und, nachdem er 1836 in gleicher Eigenschaft nach Greifswald versetzt worden war, hier als Lehrer der Thierarzneiwissenschaft an der staats- und landwirthschaftlichen Academie Eldena an- gestellt. Nachdem er sodann im Jahre 1842 zum Dep.-thier- arzt für den Regierungsbezirk Frankfurt ernannt worden war, wurde er 1853 an die Thierarzneischule in Dresden

Er studirte in den Jahren 1826 1829 in Berlin

berufen, woselbst er das eigentliche Feld seiner hervor-

ragenden Thätigkeit fand und zu hohen BEhrenstellen gelangte. Hier starb auch Haubner am 17. April des Jahres 1882. Redner gedachte ausführlich der Verdienste des Gefeierten, durch welche derselbe sich die Anerkennung der Nachwelt erworben hat. Er würdigte seine Thätigkeit als Lehrer und die Erfolge, die er als solcher erzielte, sowie auch, was er für die Wissenschaft an und für sich geleistet hat. Hervorragende Werke sind seineErnährungs- lehre, seineGesundheitspflege der landwirthschaftlichen Haussäugethiere, seinHandbuch der Veterinärpolizei, seineLandwirthschaftliche Thierheilkunde und seine Arbeiten über einzelne Krankheiten der Thiere. Besonders

aber hat er sich verdient gemacht um die Thierarzneischule Lul guten Geist unter den Thierärzten sein Glas.

in Dresden und das gesammte Veterinärwesen im König- reich Sachsen. Wenn hier auch die PThätigkeit Anderer nicht vergessen werden darf, so war doch Haubner die treibende Seele. Bei seinem BEintritt in die Thätigkeit an genannter Schule war dieselbe der medicinischen Akademie untergeordnet, ein Anhängsel derselben; erst durch Haubner's Einfluss bekam dieselbe ihre Selbständigkeit und erhielt thierärztliche Lehrer an Stelle der Mediciner. Die segens- reichen Folgen machten sich pald bemerkbar und die Schule blühte auf. Errichtung der Commission für das Veterinärwesen, zur Prrichtung der Stelle des Landesthierarztes, der Heraus- bildung eines guten thierärztlichen Personals und vielen anderen Anordnungen mehr, deren Nutzen immer fühlbar bleiben wird. Das Denkmal möge zeugen von Anerkennung und Dankbarkeit, aber es möge auch, sagte Redner, eine Mahnung zu ständigem Streben und treuer Pflichterfüllung sein. Prof. Siedamgrotzky sprach ferner dem Hersteller des Denkmals, Herrn Bildhauer Otto Panzner, sowie der Commission des Veterinärwesens Dank aus. Namens der genannten Commission sprach sodann Herr Geheimer Regierungsrath Schmiedel. Dieselbe übernehme das Denkmal gern, denn es erinnere an einen hochverdienten Mann und rede von zur That gewordener dankbarer Ge- sinnung. Möge dieselbe auch in Zukunft fruchtbar sein

Gleich beigetragen hat Haubner zur

Dienste der Wissenschaft anspornen. Namens des Vereins sächsischer Bezirksthierärzte und der vier thierärztlichen Vereine im Königreich Sachsen sprach Herr Bezirksthier- arzt Dr. Prietsch aus Leipzig und legte Kränze an dem Denkmal nieder. Auch der Verein Thüringer Thierärzte hatte durch Bezirksthierarzt Rödiger, ebenso Schlachthaus- thierarzt Zell in Hörde Lorbeerkränze gewidmet. Ebenso widmeten der Ausschuss der Studirenden an der Königl. Thierarzneischule und die an derselben bestehenden Corporationen Kränze.

Während der Rede des Herrn Medizinalraths Siedam-

grotzky war die Hülle des Denkmals gefallen. Dasselbe besteht aus einer von Herrn Bildhauer Panzner in sprechender Aehnlichkeit geschaffenen Marmorbüste

Haubner's, welche auf einem 1,60 m hohen Syenitsoekel ruht. Das Denkmal, mit gärtnerischem Schmuck umgeben, in einem Halbrundtheil aufgestellt, wird eine dauernde Zierde der Thierarzneischule bilden.

Mit dem Liede:Wie könnt ich dein vergessen schloss die ergreifende Feier. Der Herr Staatsminister von Nostitz-Wallwitz nahm noch Veranlassung, Herrn Medicinalrath Siedamgrotzky für das seitens der Thierärzte Sachsens bekundete Pietätsgefühl seine Aner- kennung, sowie Herrn Bildhauer Panzner seine Freude über das wohlgelungene Denkmal und Herrn Amtsthierarzt Redlich seinen Dank für die Förderung der Errichtung des Denkmals auszusprechen.

An die Enthüllungsfeier schloss sich nachmittags 2 Uhr ein gemeinschaftliches Festessen auf dem Belvedere der Brühlschen Terasse an, zu welchem gegen 100 Personen erschienen waren. Unter den Anwesenden bemerkten wir die Herren Geh. Reg.-Rath Schmiedel, Landstallmeister Graf zu Münster, Geh. Med.-Rath Dr. Leisering, Geh. Hofrath Prof. Sussdorf, Oberarzt Dr. Ruprecht, Stabsarzt Dr. Sussdorf, Bildhauer Panzner, ferner sämmtliche Professoren, Docenten und Assistenten der Königl. Thierarzneischule zu Dresden. Als Vertreter der Studirenden nahmen drei Mitglieder des Ausschusses der Studirenden an dem Festessen theil. Mit einem Trink- spruche auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm von Deutsch- land und Se. Majestät den König Albert von Sachsen er- öffnete Medicinalrath Siedamgrotzky die Reihe der

Reden. Amtsthierarzt Redlich gedachte dann der Ent- stehung des Denkmals, schilderte die Opferwilligkeit,

welche sich dabei gezeigt und leerte auf diese und den Docent Lungwitz sprach dem Künstler im Namen Aller Dank aus, was dieser mit einem Dank auf das Comité erwiderte. Bezirksthierarzt Wilhelm gedachte der Beziehungen zwischen Thiermediein und Landwirthschaft, Dr. Ruprecht dor fruchtbaren Wirkungen der Berührung zwischen Menschen- und Thiermediein.Mit Euch, Herr Doctor zu verkehren, ist angenehm und bringt Gewinn rief er den anwesenden Thierärzten zu. Bezirksthierarzt Uhlig- Chemnitz trank auf den Vorsitzenden des Comités Med.- Rath Siedamgrotzky. Oekonomierath von Langs- dorff brachte dem Vertreter der Staatsregierung Geh. Rath Schmiedel ein Hoch, das dieser mit einem Dank auf den Redner erwiderte. Bezirksthierarzt Dr. Prietsch gedachte der von ausserhalb Sachsens eingetroffenen Gäste. Die Stimmung war unter den Klängen einer von der Kapelle des 2. Grenadierregiments dargebrachten Tafel- musik schon sehr angeregt, als noch mancher Redner das Wort ergriff. Die Abendzüge führten die meisten Theil- nehmer wieder ihrem Wirkungskreise zu mit einer an- genehmen und erhebenden Erinnerung reicher.

Die ganze Feier hat für jeden Theilnehmer gezeigt, dass man an der Thierarzneischule Sachsens nicht allein versteht den Anforderungen der Wissenschaft in weithin sichtbarer Weise gerecht zu werden, sondern auch in wie

und die jüngere Generation stets zur Nacheiferung im! vortrefflicher Art man den Pflichten gegen den Stand zu