Thiermedicinische Rundschau etc.

1888. No. 24.

schen Thierarzneischulen zu Hochschulen hervorhebt und der Bedeutung dieses Freignisses für den gesammten thierärztlichen Stand gedenkt. Im Anschluss an die Mittheilung, dass in diesem Jahre eine Sitzung der Central- vertretung der thierärztlichen Vereine Preussens stattfindet. beschliesst der Verein einstimmig dem Antrage des Veréins westphälischer Thierärzte betreffend Prhöhung der Rang- stellung der Kreisthierärzte sich anzuschliessen. Herr Oberrossarzt a. D. Schmidt-Elbing erörtert hierauf seinen Antrag bezüglich der Errichtung eines thierärztlichen PEhrenrathes und beleuchtet seine Ausführungen durch eine Reihe von Vorkommnissen, die in der Fachpresse mitgetheilt sind. Nach längerer Besprechung, an welcher sich ausser dem Vortragenden und dem Vorsitzenden noch die Herren Kreisthierarzt Dr. Felisch-Graudenz, Dr. Schneidemühl- Halle und Krukow-Rosenberg betheiligten, peschliesst der Verein zunächst die Beschlüsse der Centralvertretung abzuwarten, welche in derselben Angelegenheit in diesem Jahre berathen wird. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden die Herren Kreisthierarzt Oldendorf-Elbing (Vorsitzender), Oberrossarzt a. D. Rind-Damig(Stell- vertreter) und Oberrossarzt a. D. Schmidt-Elbing(Schrift- führer) gewählt. Herr Dr. Felisch hatte unter Darlegung zwingender Gründe eine Widerwahl abgelehnt. Auf Antrag des Herrn Oberrossarzt a. D. Schmidt-Elbing wird der Herausgeber derThiermedicinischen Rundschau, Kreis- thierarzt a. D. Dr. Schneidemüh!l-Halle zum Ehren- mitglied des Vereins ernannt.

Tagesgeschichte.

Vortrige für die Section Veterinärmedicin der 61. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Köln. Sitzungsraum: Höhere Töchterschule, Zimmer No. 15 für Dienstag den 18. Nachmittags von 34. Mittwoch den 19. 11 12 Uhr im Zoologischen Garten.

Dr. Schmidt-Mülheim-Wiesbaden: Ueber die Bezie- hungen der Thiermedicin zur Hygiene. Professor Dr. Esser- Göttingen: Thema vorbehalten. Pepartementsthierarzt Schell-Bonn: Die Thätigkeit der beiden ersten Magen- abtheilungen der Wiederkäuer bei der Rumination. Corps- Rossarzt Rust-Strassburg: Ueber eine zur Zeit im westlichen Deutschland herrschende Pferdeseuche. Departementsthier- arzt Dr. Schmidt-Aachen: Staatliche Entschädigung für Verluste an Milzbrand. Kreisthierarzt a. D. Dr. Schneide- mühl-Halle a. S.: Ueber Magenblutungen beim Pferde. Departementsthierarzt Schell-Bonn: Die Gewährleistung beim Viehhandel nach dem Entwurfe des Peutschen Civil- gesetzbuches. Kreisthierarzt Schmitt-Geldern: Ueber Rauschbrandimpfungen am Niederrhein. Thierarzt Bon- gartz-Bonn: Ueber die sog. Kälberruhr. Departements- thierarzt Dr. Schmidt-Aachen: Ueber Blutvergiftung des Rindes. Thierarzt Dr. Willach-Rockershausen: Thema aus der Entwickelungsgeschichte.

Die Zahl der Studirenden an der thierärzt- lichen Hochschule zu Hannover betrug im verflossenen Sommersemester 211.

Auf Veranlassung des Herrn Ministers für die Landwirthschaft werden jetzt in Preussen Versuche über die Wirksamkeit der Creolinbäder bei Tilgung der Schafräude angestellt.

Die Generalversammlung des Vereins kurhes- sischer Thierürzte findet Sonntag den 30. September vormittags 10 Uhr im Stadtpark zu Cassel statt. Aus der Tagesordnung: Gewährleistung beim Vichhandel nach dem Entwurfe eines pürgerlichen Gesetzbuches für das Peutsche Reich: Prof. Pütz-Halle. Ueber Futerentzündung: Prof. Kaiser-Hannover.

In Möckern(Königreich Sachsen) ist von der Königl. sächsischen Stautsregierung unter Zustimmung der Ständekammern seit 1. Mai d. J. eine Stelle für mikro- skopische Futtermittel-Untersuchung begründet und dieselbe Dr. Franz Benecke übertragen worden. Der Preis für eine mikroskopische Untersuchung ist auf 2 Mk. festgestellt; nur in besonders umständlichen Fällen erhöht sich derselbe auf 3 5 Mark.

Per Kriegsminister hat neuerdings die Prüfungs- kommissionen für Einjährig-Freiwillige dahin an- weisen lassen, dass junge Leute, welche, nachdem sie das wissenschaftliche Befähigungszeugniss für den einjährig- freiwilligen Militärdienst von einer höheren Lehranstalt erhalten haben, dieselbe verlassen und später als Nicht- schüler sich auf Grund dieses Zeugnisses für den einjährig- freiwilligen Dienst melden, das in der Ersatzordnung erforderte Unbescholtenheitszeugniss nicht weiter seitens der Schule, wie es in letzter Zeit mehrfach gefordert wurde, sondern seitens der Polizeiobrigkeit bezw. der vor- gesetzten Dienstbehörde beizubringen haben.

Dass Abschrifteu guter Recepte behufs noch- maliger Verwerthung gelegentlich als Urkundenfälschung bestraft werden kann, erfuhr vor einigen Wochen eine Nähterin, welche sich dieserhalb vor der Straf kammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Dieselbe hatte ein auf ein Arsenmittel lautendes Recept eines Arztes, das als Schönheitsmittel verwerthet werden sollte, abgeschrieben und zur Anfertigung in eine Apotheke gebracht. Hier wurde festgestellt, dass das vorgelegte Recept von keinem

wirklichen Arzte verschrieben sei und Anzeige erstattet.

Der Gerichtshof erachtete, der Meinung des Vertheidigers entgegen, die Recepte als Urkunden, welche für den Apo- theker als Relag dafür gelten, dass er die betr. Mittel nach der Vorschrift und unter Controle eines Arztes angefertigt habe und verurtheilte die Angeklagte wegen Urkunden- fälschung zu 3 Tage Gefängniss.

Bücherschau.

Lehrbuch der Thierärztlichen Arzneimittellehre von Dr. Eugen Fröhner, Professor an der K. Thierärzt- lichen Hochschule zu Berlin. Erste Hälfte. Stuttgart, Verlag von Ferdinand Enke.

Abweichend von dem sonstigen Herkommen bei Aus- gabe eines Lieferungswerkes fehlt es im vorliegenden Falle an einem vorläufig angegebenen Plane(Prospekt), der die Absichten des Autors bei Bearbeitung des Buches erkennen lässt. Die Anordnung des Stoffes ist weder nach alpha- betischer Reihenfolge noch nach chemischen oder botani- schen Grundsätzen erfolgt, sondern nach der augenblicklich wichtigsten therapeutischen Verwerthung der Heilmittel: Antipyretica, Herzmittel, Narcotica u. s. w. In meist sehr knapper Form sind die Angaben über Wirkung, An- wendung, Dosis, Form u. s. w. gemacht. Wir möchten nach der ganzen Anlage des Buches schliessen, dass der Verfasser in erster Linie wohl die Absicht gehabt hat, ein Hilfsbuch bezw. Leitfaden zum Unterricht der Studirenden zu schaffen. An ein Lehrbuch müsste man sowohl vom Standpunkte des Studirenden wie des Praktikers weitere Anforderungen stellen. Fine eingehende Berücksichtigung und Verarbeitung der Literatur ist bei einem Lehrbuch unbedingtes Erforderniss. Auch für die von uns ange- nommenen Absichten des Verf. dürfte es wünschenswerth gewesen sein, sich nicht zu enge Grenzen zu ziehen. Auch der Studirende soll wissen, was die eigene Wissenschaft bei Förderung der Arzneimittellehre geleistet hat. Nur bei dem Creolin, das von einer Hamburger Firma vertrieben wird, ist der Herr Verf. etwas ausführſicher und giebt auch die Literatur eingehend an. Im Uebrigen können wir doch nicht unterlassen auf einige Unrichtigkeiten und Un-