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Phiermedicinische Rundschau etc.

1888. No. 24.

Enden quer abgestutzt und scharf eckig erschei- nen, auch eine geringfügige Concavität tritt mit- unter hervor.

Die Feststellung des ersten Criteriums erfor- dert eine gewisse Behutsamkeit und kann zuver- lässig nur imhängenden Tropfen vorgenommen werden; was aber das zweite anbetrifft, so möchte ich Ihnen, angesichts der durchaus charakteri- stischen Culturmerkmale der Milzbrandstäbchen, empfehlen auf dieses unbeständige und daher un- zuverlässige Formkennzeichen kein entscheidendes Gewicht zu legen, so bald es sich um die Unter- scheidungen des Bacillus Anthracis von anderen ähnlichen Schizomyceten handelt.

Denn solche giebt es, und zwar pathogene sowohl, als auch solche, von denen pathogene Wirkungen nicht bekannt sind.

Ich nenne Ihnen nur den Rauschbrandbacillus, den Bacillus des malignen Oedems und den Ba- cillus subtilis, die alle drei mehr oder weniger Achnlichkeit mit dem Bacillus Anthracis haben. Wegen der eingehenderen PDifferentialdiagnose muss ich auf die literarischen Quellen verweisen, und will hier nur ausdrücklich constatiren, dass die Wissenschaft sehr wohl im Stande ist, diese Mikroorganismen sicher zu unterscheiden, und dass dieselbe auch ganz zuverlässige Unterschiede zwischen dem Rauschbrand und dem Milzbrand kennt; gegentheilige Behauptungen stehen daher mit der Wissenschaft in directem Widerspruch.

Rauschbrandbacillen sind beweglich, Milz- prandbacillen niemals.

Die Sporenbildung erfolgt bei jenen an einem Ende, wobei der Bacillus eine rundliche An- schwellung bekommt und nun aussiecht wie ein Glockenklöppel, die Spore ist breiter als das Stäbchen und ihre Entwickelung beginnt schon

im Thierkörper, ohne dass die Bacillen zu Fäden.

auswachsen.

Bei den Milzbrandbacillen entstehen die Sporen in der Mitte, sie sind nicht breiter wie jene; der Sporenbildung geht die Entwickelung von faden- förmigen Zellenverbänden voraus und dieser Vor- gang beginnt erst im Cadaver, einige Zeit nach dem Tode wenn die Verhältnisse günstig dafür liegen.

Wenn Sie hierzu vollends die Unterschiede im anatomischen und klinischen Krankheitsbilde beider Processe nehmen, dann werden Sie über die Pifferentialdiagnose von Milzbrand und Rausch- brand nicht in Verlegenheit gerathen.

Von Eggeling ist zuerst der Versuch ge- macht worden, in der Gruppe von Schweine- krankheiten, die mit der Collektivbezeichnung Rothlauf pelegt werden, nach klinischen und pathologisch anatomischen Merkmalen mehrere besondere Krankheitsformen wissenschaftlich ab- zugrenzen.

Dieser sehr sachkundig durchgeführte Versuch hat nicht nur ganz allgemein dankbare Aner- kennung bei allen praktischen Thierärzten ge- funden. sondern er hat sich auch für die wissen- schaftliche Fortentwickelung unserer Kenntnisse der Schweinekrankheiten als fruchtbar erwiesen: denn Loeffler fand bei der Krankheitsform. die Eggeling als Rothlauf der Schweine bestimmt hatte, einen feinen Bacillus, welcher in seinen Cultur- und Formkennzeichen mit dem Koch- schen Bacillus der Mäusesepticaemie überein- stimmt.

Später haben dann Schütz, Schottelius, Lydtin und Andere diese Entdeckung bestätigt resp. ergänzt und gegenwärtig ist die Literatur über diesen Gegenstand schon eine recht um- fangreiche.

Der fragliche Bacillus lässt sich in Fleisch- wasserpeptongelatine, und zwar sowohl im Stich als auch in Platten ohne Schwierigkeit cultiviren und nimmt in beiden Fällen ganz charakteristische Wachsthumsformen an.

Im BReagensgläschen sehen Sie von einem etwas dichteren weisslichen Centralfaden nach allen Seiten hin feine strahlige blasse Büschel abgehen, so dass eine Figur gebildet wird, die bald mit einer recht schlank gewachsenen Edel- tanne, pald mit einer Flaschenbürste eine gewisse Aehnlichkeit hat.

In den Platten dagegen vegetirt dieser Ba- eillus in isolirten Colonien, welche eine gewisse

Aehnlichkeit mit der Gestalt von Knochenkörper-

chen haben, doch werden Sie dieselben ohne Benutzung des Mikroskopes und einer entsprechen- den Regulirung der Beleuchtung nicht wahr- nehmen.

Wenn Impfversuche mit diesen Bacillen ge- macht werden sollen, ist es zweckmässiger sie in sterilisirter Bouillon im Thermostaten zu zůchten, sie sammeln sich dann in Gestalt eines matt grauweisslichen fein pulverigen Sedimentes am Boden des Kulturgefässes an.

Die Rothlaufstäbehen stehen in der Form den Tuberkelbacillen am nächsten, sie sind 0.6 1,8 b lang, können aber auch längere fadenförmige Zell- verbände pilden.

Ich selbst habe an den Rothlaufstäbchen nie- mals eine spontane Beweglichkeit wahrnehmen können. In den Gelatineculturen erhält man meist längere aus 3 4 Stäbehen bestehende Verbände, während in den flüssigen Culturmedien die iso- lirten Kurzstäbchen die Majorität zu pilden pflegen. Ob und unter welchen Bedingungen die Rothlauf- stäbehen Sporen bilden können, ist bisher un- pekannt.

Wenn man Mäuse mit dem stäbchenhaltigen Milzgewebe von Schweinen oder mit Bouillon