1. September.
Thiermedicinische
Rundschau ete. 289
licherweise, denn sonst hätte das Fleisch derartig trichinen- reich sein müssen, dass schon die eingeführten Mutter- trichinen den Darm gereizt hätten, und die alsdann später folgende eigentliche Trichinosis sicherlich tödtlich verlaufen wäre. Nach der chemischen Untersuchung fand sich keine irgendwie schädlich wirkende Substanz. Der Schinken ent- hielt die dem Fleisch eigenthümlichen Mineralstoffe und die bekannten Pökelsalze, Kochsalz und Salpeter, sonst nichts. Da die Erkrankung nach dem Genuss des frag- lichen Schinkens nicht stark gewesen war, so wurde, um jeden Zweifel zu heben, ein physiologischer Versuch ge- macht, zu dem sich zwei Personen der betreffenden Familie bereit fanden: sie assen ein und zwei Scheibchen, so viel, als man eben auf eine Semmel oder ein Butterbrod legt. Die Wirkung trat sehr bald nach dem Genuss ein. In dem einen Falle wirkte der Schinken nur als ein kräftiges Ab- führmittel, in dem anderen Falle dagegen erfolgte ausser dem Durchfall noch Erbrechen und ein noch einen Tag dauerndes schlechtes Allgemeinbefinden. Also trotz der völlig unverfänglich erscheinenden Beschaffenheit enthielt der Schinken eins
organisirter oder nicht-organisirter Natur, welche die
der ominösen Fleischgifte, entweder
Chemiker und Physiologen so oft schon in Verlegenheit
gebracht haben. Die Art der Erkrankung deutet weniger auf pathogene Organismen, und da auch von einem eigent- lichen Fäulnissgifte nicht die Rede sein kann, so bleibt als wahrscheinlichster Schluss, dass man es hier mit toxisch wirkenden Körpern zu thun hatte, welche als die Produkte
der Lebensäusserungen pathogener Organismen entstanden
waren, dass also der Schinken von einem kranken Thiere stammte, dessen Krankheitstheile durch die Pökelung ver- nichtet wurden oder welche nur pei Uebertragung ins Blut von Wirkung sind, nicht aber, wie die Tuberkel- oder die Milzbrand-Bacillen durch die Darmwandung hindurch- wandern können, während die durch die Krankheitsorga- nismen erzeugten Umsetzungsprodukte die genannten Ver- giftungserscheinungen hervorgerufen hatten. Da von einer gerichtlichen Klagestellung abgesehen wurde, so konnte leider nicht mit Sicherheit ermittelt werden, ob dieser Schluss zutreffend war. Wenn man weiss, wie verhältniss- mässig selten krankes Fleisch durch Vernichtung des Thieres dem Genusse entzogen wird, und erwägt, wie leicht derartiges Fleisch trotz etwa bestehender Fleischkontrole zum Verkauf gebracht werden kann und von gewissenlosen Fleischzüchtern und Händlern, um nicht Geldverlust zu erleiden, zugleich auch von dem Gedanken geleitet, dass ein solcher Genuss je nach Art und Intensität der Krank- heit des Thieres doch nicht häufig gefährlich wird, auch verkauft wird, so kann man mit Sicherheit schliessen, dass bei weitem zahlreichere Vergiftungsfälle durch Fleisch- genuss vorkommen, als zur Anzeige gelangen, und dass diese Erkrankungen deshalb weniger bekannt werden, weil sie nur einzelne Personen betreffen, und besonders, weil sie nicht lebensgefährlich auftreten und weil man in solchen Fällen leicht geneigt ist, die Erkrankung auf eine Indis- position des Verdauungsapparats oder eine andere Ursache zu schieben.
— DPie 41. Versammlung des Vereins mecklenbur- gischer Thierärzte fand am 20. August in Schwerin statt. Wie der Vorsitzende(Ober-Thierarzt Peters in
gliedern. Wie seit mehreren Jahren ist auch im letzten 1 Mk. für jedes Mitglied an die Unterstützungskasse für die Hinterbliebenen deutscher Thierärzte nach Hannover geschickt worden. Der Tagesordnung entsprechend fand eine Berathung darüber statt, ob die in der Coneurs- ordnung vorhandene Bestimmung, dass die Forderungen der Aerzte und Apotheker(und Hebeammen Red.) in Concurssachen allen übrigen Forderungen voranstehen, nicht ebenfalls für diejenigen der Thierärzte zu erreichen sei. Es wurde der Beschluss gefasst, dass der Vorstand
ein begründetes Gutachten hierüber dem Deutschen Vete- rinärrath zur weiteren Veranlassung übergeben soll.— Bezirksthierarzt Haase-Malchin machte dann Vorschläge über Aenderungen der Taxe für die Thierärzte In Mecklenburg. Die Versammlung beschloss, dass der Berichterstatter dem Vorstande einen begründeten Entwurf zu Aenderungen der Taxe einreichen soll, welcher letzterer dann den einzelnen Mitgliedern zuzustellen ist mit der Aufforderung, ebenfalls ihr Urtheil über diese Frage ab- zugeben. Ausserdem wurde eine Commission, bestehend aus den Herren Peters, Jenz und Kolbow-Schwerin gewählt, welche die Urtheile zu sammeln, zu begutachten und in der nächsten Versammlung über den Gegenstand zu pbe- richten hat. Zum Schlusse machte der Vorsitzende noch Mittheilung über das Vorkommen von Rothlauf und Schweineseuche innerhalb des Landes. Er stellte fest, dass, obgleich beide Krankheiten im letzten Berichtsjahre weniger häufig aufgetreten seien, wie in manchen Vorjahren, sich die Höhe der Verluste, welche umfangreichere Bestände auf Höfen und in Städten erlitten haben, doch auf ½— ½ des Gesammtbestandes belaufe. Der Vorsitzende hob ferner bervor, dass die Grösse der durch diese Krankheiten hervor- gebrachten Verluste bei so grosser Sterblichkeit in einem wirklichen Seuchenjahre ganz enorm werden müsse und kam zu dem Schlusse, dass keine andere Seuche bei irgend einer Thiergattung so viele Schäden anrichte. Am meisten und heftigsten suche die Seuche die Schweinehaltungen der sog. kleinen Leute in Städten und Pörfern heim. Im Weiteren berichtete der Vortragende dann über die neueren wissenschaftlichen Untersuchungen.
Als Ort für die nächste Versammlung wurde Malchin bestimmt.
Standesangelegenheiten.
— An Beiträgen zum Gerlach-Denkmal sind ferner eingegangen: Vom thierärztl. Verein der Provinz Hannover(2. Rate) 300 Mk.; vom FKreisthierarzt Eisen- blätter-Memel 10 Mk.; vom Kreisthierarzt u. Ober-Ross- arzt a. D. Kirst-Tilsit 10 Mk.; vom Gestüts- und Kreis- thierarzt Töpper-Labes 10 Mk.; vom Kreisthierarzt Menges-Saargemünd 20 Mk.; vom Kreisthierarzt Müller- Wongrowitz 15 Mk.; vom Ober-Rossarzt Kempa-Lissa i. P. 10 Mk.; vom Kreisthierarzt Hünerbein-Geilenkirchen 12 Mk.; vom Kreisthierarzt Esser-Jülich 10 Mk.; vom Kreisthierarzt Strerath-Dovern 15 Mk.; vom Thierarzt Wilden-Lützerath 6 Mk.; vom Gestüts-Rossarzt Wagner- Zirke 6 Mk.; vom Kreisthierarzt Dr. Rabe-Königsberg N.M. 10 Mk.; vom thierärztl. Verein in Westpreussen(2. Rate) 100 Mk.; vom Thierarzt Mülfarth-Rödingen 5 Mk.; vom Rossarzt Nehrhaupt-Deutz 10 Mk.; vom Kreisthierarzt Wittrock-Prenzlau 20 Mk.; vom Corps-Rossarzt Gross- Posen 20 Mk.; vom Marstall-Rossarzt TPhinius-Potsdam 15 Mk.; vom Ober-Rossarzt Maximilian-Stendal 25 Mk.; vom com. Kreisthierarzt Liesenberg-Meseritz 10 Mk. Summa 639 Mk. Dazu die früher eingegangenen 11 735 Mk.
20 Pfg. Im Ganzen sind mithin eingezahlt 12 374 Mk. 20 Pfg.
Kreisthierarzt Dr. Fiedeler-Kosel verpflichtet sich unter
denselben Bedingungen wie Dr. Schmaltz-Berlin am 1. April Schwerin) mittheilte, bestebt der Verein jetzt aus 33 Mit-
1889 und 90 je 20 Mk. weiteren Beitrag zu zahlen. Diejenigen Herren Berufsgenossen, welche bisher nicht beisteuerten, namentlich die in guten Verhältnissen befind- lichen werden wiederholt ergebenst ersucht, ihren Beitrag baldgefälligst einzusenden, damit das Penkmal ein Gerlach würdiges und unseren Stand ehrendes werden könne. Gleichzeitig erlaube ich mir, die Vorstände derjenigen Vereine, welche mit ihrem 2. Beitrage an die Kasse der Centralvertretung(75 Pfg. für jedes ordentliche Mitglied der einzelnen Vereine) noch im Rückstande sind, um baldige Einsendung dieser Beiträge ergebenst zu ersuchen, 46


