248 Thiermedicinische Rundschau ete.
1888. No. 20.
schicht oder dem Retinaculum, sondern sie schlägt sich ganz nach Art der Pleura oder des Peritoneums auch an die Sehne um, umgiebt diese, und bildet so ein parietales und viscerales Blatt. Wir hätten demnach zwei in einander gesteckte Hohleylinder und träfen auf einem Qnerschnitt durch Sehne und Sehnenscheide diese Synnovialmembran — schematisch gedacht— vier Mal an. Die innere Schicht besteht aus einem endothelialen Belag, unter welchem sich die Blut- und Lymphgefässe, wie bei den serösen Häuten, in grossmaschigen Netzen verbreiten und hier feine Schlingen abgeben für die Zotten, welche sich ausserdem auf der Oberfläche noch vorfinden. Der Raum zwischeu dem parietalen und visceralen Blatte wird von einem lockern Gewebe, dem subsynnovialen Gewebe, ausgefüllt und gerade von diesem aus gehen die meisten Erkrankungen in Form von Verdickungen der Sehnenscheiden aus, welche sowohl als sogen. akute Sehnenscheidenentzündung beginnen oder sich gradatim als chronische und oft schmerzlos entwickeln. Zu bemerken ist noch, dass die Scheidenflüssigkeit die- selben Bestandtheile enthält, wie die Gelenkflüssigkeit, und dass nach der einen Ansicht diese Flüssigkeit ein Trans- sudat aus den zahlreichen Gefässen darstellen soll, welches seinen Mucin-Gehalt durch den Untergang der Endothel- zellen der Synnovialmembran und der Zotten erhält,— während nach Anderen die Synnovia aus der Ernährungs- füssigkeit, welche die Bindegewebszellen der Synnovialis durchläuft und von diesen ihren Musin-Gehalt bezieht, bestehen soll,— und endlich sehen andere Autoren diese Flüssigkeit als das Produkt der Zellen allein an.
Nicht jede Sehne hat eine besondere Scheide; und man würde auch nicht die Ernährung der Sehne innerhalb der Scheide sowohl, als auch die Ernährung der scheiden- losen Sehnen verstehen, würde ich nicht noch des Meso- tendon und der zelligen Scheiden gedenken; das erstere ist eine Duplikatur des parietalen Blattes, also desjenigen, welches nicht an der Sehne selbst liegt und in Platten oder runden Strängen die Ernährungsgefässe für die Sehne. Blut- und Lymphgefässe, umschliesst(ähnlich dem Mesen- terium des Parms) und diese an die Sehne überführt. Die letztere also die„ellige Scheide“, so genannt von den groben Maschen, umgiebt die Sehnen da, wo die eigent- Rchen Scheiden fehlen; also für den Gegenstand unserer Betrachtung sei erwähnenswerth, dass die Kronenbeinbeuge- sehne zum grössern Theil, die Fesselbeinbeugesehne ganz und die Hufbeinbeugesehne inmitten des Schienbeins mit zelliger Scheide umgeben ist. Diese zellige Scheide enthält die Ernährungsgefässe für die Sehne. Theile von dieser Scheide gehen mit einzelnen Gefässen ganz nach Art des Lymphdrüsenbaues in die Sehne und theilen als Interstitien deren Bestandtheile in regelmässig angeordnete Bündel oder Fascikel. Diese letzteren bestehen wiederum aus fibrilären Fasern, zwischen denen die Bindegewebs- zellen, Flügelzellen oder Sehnenkörperchen ge- lagert sind. Es sind dies sternförmige Elemente, deren längste Ausläufer dem Verlauf der Sehnen folgen, deshalb sicht man sie auf dem Querschnitt der Sehne sternförmig und auf dem Längsschnitt spindelförmig. Pie Ernährung der Sehne geschieht zum grössten Theil durch die inter- mediäre Saftströmung. Auf dem Querschnitt der Sehne im jugendlichen Alter sicht man auch die abgetheilten Felder, Fascikel und Zellen als ein sehr instructives und schönes Bild.
Auf die Behandlung der Sehnenkrankheiten übergehend war der Vortragende der Ansicht, dass in der ersten Zeit stets kalte Umschläge anzuwenden sein und erst bei länger pestehenden chronischen Erkrankungen mit scharfen Ein- reibungen vorgegangen werden könne.
Nachdem der Vortragende seinen sehr beifällig auf- genommenen Vortrag beendet, wurde vom Vorsitzenden die Besprechung des Gegenstandes eröffnet:
Herr Schneidemühl-Halle führte aus, dass auch bei frischen Erkrankungen der Sehnen und deren Scheiden die Anwendung scharfer Einreibungen oft vortheilhaft sei, weil sich die Applikation kalter Umschläge in der Praxis häufig nicht durchführen lasse und dann mehr geschadet als genützt würde. Ebenso sei bei chronischen Erkrank- ungen der Sehnen und Sehnenscheiden die Anwendung kräftiger Massage sehr zu empfehlen.
Herr Frick-Hettstedt bemerkte folgendes:(Auto- referat).
Wenn in der Praxis kurzweg von Sehnenkrankheiten des Pferdes gesprochen wird, so sind damit meistentheils mehrere verschiedene pathologische Processe zusammen- gefasst, die ihrem Wesen nach bedentend von einander abweichen und demazufolge auch klinisch und therapeutisch nicht gleich beurtheilt werden dürfen. Gewöhnlich wird ein Unterschied zwischen eigentlichen Sehnenentzündungen und Entzündungen der Sehnenscheiden nicht gemacht und doch müssen diese Processe auseinander gehalten werden mit Rücksicht auf Prognose und Therapie.
Um diese Behauptung zu beweisen, dürfte eine Schilde- rung der pathologisch-anatomischen Processe im Bereich der erwähnten Theile das geeignetste Mittel sein.
Was die Processe an den Sehnenscheiden betrifft, so zerfallen dieselben anatomisch in solche, welche lediglich an dem Endothelbelag ablaufen und solche, die von der eigentlich bindegewebigen Wand der Sehnenscheide aus- gehen.
Die endothelialen Processe kann man mit Rücksicht auf die Nomenclatur der an dem Epithelbelag der Schleim- häute ablaufenden Processe als„Catarrh“ bezeichnen und es würde sich der Charakter des Catarrhes nach dem je- weiligen Product richten, das er liefert. So kennen wir an der Sehnenscheide eine stärkere Füllung mit Sehnen- scheidenflüssigkeit, die reichlich Endothelien enthält von der Form der normal die Sehnenscheide auskleidenden Endothelien, unter dem Namen„weiche Galle“. Schneidet man eine derartige„weiche Galle“ auf, so entleert sich ein Brei, der mit geriebenen Kartoffeln verglichen worden ist; untersucht man diesen Brei mikroskopisch, so findet man ihn aus zahlreichen Endothelialzellen, resp. Conglo- meraten solcher bestehend; wir haben es also hier mit einem endothelialen Catarrh der Sehnenscheide zu thun.
Von den an dem bindegewebigen Theil der Sehnen- scheidenwand vorkommenden Processen nehmen die Zer- reissung derselben mit Bloterguss in die Sehnenscheide, sowie die chronische fibröse Verdickung besonders unsere Aufmerksamkeit in Anspruch.
Die Zerreissung der Sehnenscheidenwand ist regel- mässig mit Blutung in die Sehnenscheide verbunden und als solche ziemlich belanglos, allein hier sind die Folge- zustände von besonderem Interesse insofern, als die Blut- coagula, speciell das nach der Resorption aller übrigen Blutbestandtheile restirende Fibrin leicht Veranlassung zur Bildung von grösseren resp. kleineren knorpligen Körpern giebt, die frei in der Sehnenscheide liegen und von denen die kleineren als corpora oryzoidea bekannt sind.
Die rein fibröse Verdickung der Sehnenscheidenwand (Tenosynitis chron. fibrosa) charakterisirt sich pathologisch- anatomisch als eine schwartige, bindegewebige Masse, welche das parietale Blatt der Sehnenscheide darstellt und die Sehne in Form einer starken Kapsel umgiebt. Dieser Zustand ist als„harte oder verhärtete Galle“ hinlänglich pekannt. In seltenen Fällen entstehen in dieser neuge- bildeten Bindegewebsmasse Abscesse, die leicht eine Er- öffnung der Sehnenscheide vortäuschen, wenn sie nach Aussen durchbrechen.
Die Entzündung der Sehne selbst ist garnicht so häufig, als dies angenommen wird und aus dem einfachen Grunde, weil die Sehne viel zu arm an Gefässen ist; wenn sich
die Sehne entzündet, so treten die offenbaren Erscheinungen


