Thiermedicinische Rundschau etc.

1887. No. 4.

Standesangelegenheiten.

Bericht über die Festlichkeiten, welche aus An- lass der Erhebung der bisherigen Thierarznei- schule zur Hochschule am 4., 5. und 6. d. Mts. in Berlin stattgefunden haben.

Wenn wir im Nachfolgenden versuchen, unter dem frischen Eindrucke, welche die Hochschulfeierlichkeiten bei uns zurückgelassen, unseren Lesern ein Bild von denselben zu entwerfen, so müssen wir von vornherein bei dieser Absicht um Entschuldigung und Nachsicht bitten. Einmal müssen wir über die sonst üblichen Grenzen der Fachzeit- schrift hinausgehn. Man wird dies gewiss bei diesem An- lass entschuldigen, wo es gilt auch späteren Generationen noch den Inhaſt der Feierlichkeiten zu überliefern. Nach- sicht erbitten wir, wenn nicht alles so genau und voll- ständig sein sollte, wie man es wohl in Tageszeitungen bei soſchem Anlass gewöhnt ist. Gern sollen durch einen Nachtrag etwaige Ungenauigkeiten auf Wunsch richtig ge- stellt bez. vervollständigt werden.

Die von dem Festcomité der Studentenschaft der Berliner thierärztlichen Hochschule unter Vorsitz des Herrn cand. med. vet. Friedrich bis in alle Einzelheiten vortreff- lich geordneten Feierlichkeiten begannen mit einer Be- grüssungskneipe am 4. November im Dorotheenstädti- schen Casino. In grosser Zahl versammelten sich die Studirenden und Deputationen der verschiedenen Hoch- schulen Berlins, ferner der thierärztlichen Hochschulen von Hannover, Dresden, Stuttgart und in grosser Zahl Thier- ärzte, sowohl aus Preussen, wie aus anderen Staaten, um ihre Freude über das Erreichte oder frohes Wiedersehn nach langer Abwesenheit bei gemüthlichem Zusammensein zu feiern. Die lustigen Weisen einer Zigeunercapelle trugen weiter dazu bei, die Stunden so angenehm wie möglich zu verleben. Der Morgen des nächsten Tages war angebrochen, als die letzten Begrüssungsworte gewechselt wurden und man sich nach Hause begab, um sich für den wichtigsten Theil der Feierlichkeiten, den

Festcommers und die Bannerweihe

vorzubereiten.

Wie schon an leitender Stelle mitgetheilt, begann diese Feierlichkeit am Sonnabend den 5. November, Abends 8 Uhr, in dem durch elektrische Hampen prachtvoll erleuchteten und durch viele studentische Embleme herrlich geschmückten Saale des Kroll'schen Etablissements. An 14 langen Kneiptafeln hatten die Studirenden,„alten Herren“ und practischen Thierärzte Platz genommen. An der Langseite des Saales war eine Ehrentafel für den Senat und die Docenten der thierärztlichen Hochschule sowie für andere Ehrengäste errichtet. Das Docentencollegium war vertreten durch die Herren Professor Dieckerhoff, welcher den be- hinderten Rector vertrat, Professor Dr. Möller, die Do- centen Dr. Eggeling und Dr. Schmalz, sowie sämmt- lichen Repetitoren und Assistenten der Hochschule. Wir bemerkten hier ausserdem den Rector der landwirthschaft- lichen Hochschule Herrn Geh. Rath Settegast, die be- kannten Parlamentarier die Herren Senator Dr. Schläger aus Hannover und Rittergutsbesitzer Sombart aus Berlin, den Vorsitzenden der Centralvertretung preussischer thier-

ärztlicher Vereine Herrn Professor Dr. Püt? aus Halle,

den Vorsitzenden des Brandenburgischen thierärztlichen Vereins Herrn Marstall-Oberthierarzt Dr. Albrecht aus Berlin u. A. An der Mitteltafel hatten die Deputationen der Universität, des militär-ärztlichen Instituts, der technischen Hochschule, der Bergakademie,

ärztlichen Hochschulen zu Hannover, Desden und

Stuttgart und ausserdem zahlreiche Abgeordnete einzelner Corporationen der genannten Hochschulen in festlichem

Studentenwichs Platz genommen. Erwähnt sei ausserdem, dass die Studirenden des Thierarzneiinstituts in Wien ihre Glückwünsche schriftlich ausgesprochen und eine Schleife für das Hochschulbanner zugeschickt hatten.

An den übrigen Tafeln——„wer zählt die Häupter, nennt die Namen, die gastlich hier zusammkamen.“ Sehr viele Departementsthierärzte und Kreisthierärzte hatten meist als„alte Herren“ einzelner Corporationen an diesen Tafeln sich eingefunden. Die Mitglieder der Corporationen der Berliner thierärztlichen Hochschule(die Landsmannschaften Franconia. Salingia, Teutonia, die Verbindungen Marco- mannia, Turnverein Frisia) waren natürlich vollzählig und meist mit einer grossen Zahl„alter Herren“ erschienen. Ebenso waren die nicht incorporirten Studirenden wohl ohne Ausnahme gegenwärtig. Von Abgeordneten aus- wärtiger Corporationen erwähnen wir zunächst die Lands- mannschaft Saxonia aus Dresden, welche in grösserer Zahl erschienen waren, ferner die der Landsmannschaften Nor- mannia und Hannoverania und des Turnvereins Cheruskia aus Hannover, welch' letztere nichts geringeres denn einen echten Mohren sich zu ihrem„Fax“ erkoren und mitgebracht hatten. Derselbe that, wie seine anderen Kameraden(Couleurdiener), durchaus seine Schuldigkeit. Ebenso hatten die Lands- mannschaften Suevia und Nikaria aus Stuttgart Abgeordnete zu den Feierlichkeiten entsandt.

Im Ganzen dürften gegen 1400 Personen anwesend gewesen sein.

Nicht minder zahlreich war die Damenwelt vertreten, welche von den vielen Logen und Tribünen herab dem fröhlichen Treiben zuschaute, das sich unten im Saale zu entwickeln begann.

Gegen 8 ½ Uhr eröffnete Herr cand med. vet Friedrich (Salingiae) die Feierlichkeit über deren ersten Theil, welche in der Bannerweihe ihren Höhepunkt fand, bereits an leitender Stelle berichtet ist. Wir möchten hier nur nach- tragen, dass es ein schönes Verdienst eines Künstlers wäre, jenen grossartigen Augenblick darzustellen, in welchem der Weiheact selbst sich vollzog.

Nachdem das der Bannerweihe folgende zweite allgemeine Lied verklungen, dankte Herr stud. med vet. Schneider den Stiftern den Banners und Herrn Prof. Dieckerhoff. Per am Schlusse seiner Rede commandirte Salamander wurde mit stürmischem Beifall ausgeführt.

Herrr Studiosus Beermann(Franconiae) hiess in herz- lichen Worten die Professoren und Pocenten willkommen und sprach ihnen namens der Studentenschaft Pank für ihr Erscheinen aus. Herr Studiosus Schrempf(Teutoniae) begrüsste die Studentendeputationen der Berliner und aus- wärtigen Hochschulen.

Namens des Professorencollegiums dankte hierauf Herr Professor Moeller mit einem von den anwesenden Pro- fessoren und Pocenten ausgeführten Salamander auf die studirende Jugend. Herr Prof. Pütz aus Halle brachte dann namens der thierärztlichen Vereine Preussens die Glückwünsche der Mitglieder derselben an ihre alma mater dar und gab seinem Danke für die den thierärztlichen Bestrebungen geleisteten Unterstützungen Ausdruck, indem er auf die Herren Geh.-Rath Prof. Settegast, Senator Dr. Schläger und Rittergutsbesitzer Sombart ein Hoch ausbrachte. Im Namen des deutschen Veterinärrathes ergriff dann Herr Dr. Albrecht das Wort, um in kurzen Zügen der Thätigkeit desselben für das jetzt Erreichte zu gedenken und im Besonderen auf die Verdienste des Herrn Staats- ministers Dr. Lucius hinzuweisen, dem es gelungen sei, die erforderliche Zustimmung des königl. Staatsministeriums zu erhalten und die Verwirklichung des heiss ersehnten

Wunsches zu ermöglichen. Dr. Albrecht endete mit einem der landwirthschaftlichen Hochschule, der thier-

von den Anwesenden unter donnerndem Beifall geriebenen Salamander auf Exellen?z Dr. Lucius

Vom Gefühle des Dankes durchdrungen, wurde unter jubelnder Zustimmung aller Anwesenden beschlossen, an