38 Thiermedicinische Rundschau ete.
1887. No. 3.
im Viehhandel. Von 3 Uhr Festessen(Gedeck zu 6 Mk.). Voranmeldungen bei Herrn Dr. Albrecht erwünscht.
— PEin Kaiserlich Russisches Hauptfilialdepot der Kron- und Privatgestüte soll demnächst unter Leitung des Delegirten der Generaldirection der russischen Staats- gestüte Herrn Morino in Berlin errichtet werden. Mehrere hundert Pferde der verschiedensten Gattungen russischer Zucht sollen aufgestellt und Berlin dadurch die Zentralstelle des internationalen Verkehrs mit russischen Pferden werden.
— Herrn Oberrossarzt Grosswendt in Hannover, welcher nach 46 jähriger Pienstzeit, wovon 38 auf die Thätigkeit am Militär-Reit-Institut in Hannover entfallen, am 1. October aus dem Staatsdienst schied, wurde vom Officier-Corps des genannten Instituts ein besonderes Ab- Schiedsfest veranstaſtet, bei welchem dem Scheidenden ein sehr werthvolles Abschiedsgeschenk überreicht wurde.
— In Hannover wird die Hochschulfeier am 11., 12. und 13. November stattfinden. Freitag den 11. November abends Begrüssung der Gäste. Sonnabend den 12. November abends 8 Uhr Hochschulcommers und Einweihung des neuen Hochschulbanners im Palmengarten. Sonntag den 13. November 11 Uhr Wagenfahrt mit nachfolgendem Frühschoppen im Odeon. Vorsitzender des Festcomités ist Herr cand. med. vet. Linxweiler.
— Ueber die Fleischbeschau in Duisburg in der Zeit vom 1. April 1886 bis 1. April 1887. Erstattet vom Schlachthausvorsteher Krebs in Muisburg.
Es wurden untersucht 19,842 Thiere, darunter: 233 Ochsen, 135 Stiere, 3023 Kühe, 523 Rinder, 3835 Kälber, 10550 Schweine, 1126 Schafe, 151 Ziegen, 260 Pferde, 5 Spanferkel. Das Fleisch von 2077 Thieren wurde bean- standet, 28 Stück wurden dem Genusse ganz entzogen, 74 als minderwerthig öffentlich verkauft. Von 1975 Thieren wurden einzelne Theile beanstandet. Unter den 28 Thieren hatten 16 Kühe allgemeine Tuberkulose, 1 Kalb Tuberkulose, 5 Kälber hochgradige Gelbsucht, 5 Schweine Rothlauf, 1 Schwein Finnen. Das Fleisch von 74 Stück wurde den Schlachthausvorschriften entsprechend., öffentlich unter Aufsicht verkauft. Tuberkulose kam bei 102 Kühen, 1 Ochsen und 1 Kalb vor. Die Tuberkulose wurde u. AK. auch in den Knochen und Gefässen des Rückenmarks be- obachtet. Das Fleisch von 58 Kühen, 1 Ochsen, 1 Kalb und 1 Schwein wurde wegen Tuberkulose als minderwerthig auf hiesigem Schlachthofe mit der Bekanntmachung
„Fleisch von tuberculösen Thieren, vor dem Genusse gut zu kochen“ verkauft.
Bei diesen Thieren beschränkte sich die Krankheit pei den sonst sehr gut genährten Thieren nur auf einzelne Organe und zwar entweder auf die Brust- oder Bauch- eingeweide. Bei 16 Kühen wurden nur die erkrankten Organe wegen Tuberculose confiseirt.
Wegen Rothlauf oder ähnlicher Krankheiten mussten 10 Schweine vernichtet werden. Wegen Lencaemie wurde die Milz zweier Kälber confiscirt. Ieterus, meist durch Leberegel veranlasst, kam bei 10 Schweinen, 1 Kuh und 1 Kalb zur Beobachtung. Das Fleisch wurde als minderwerthig verkauft. Weiter kam Kalbefieber Cbei 2 Kühen), feitige Degeneration der Leber bei 3 Kühen, Echinococcen in 32 Lungen bezw. Lebern, Hydro- nephrose(bei einem Rinde und einer Kuh) zur Beob- achtung. Echinococcen wurden ausserdem in 503 Lungen und 197 Lebern festgestellt. Leberegel fanden sich pei 19 Kühen und 11 Schafen. Fadenwürmer hatten 30 Schaflungen. Actinomycose der Kieferknochen kam pei einer Kuh zur Beobachtung.
97 noch nicht ausgetragene und 41 zu junge Kälber wurden dem Consum entzogen. 4 Kühe und 3 Pferde wurden schon vor dem Schlachten zurückgewiesen.
Ausserdem wurde von auswärts— aus dem Kreise Mühlheim etc.— nach vorheriger Untersuchung im Schlacht-
hause Fleisch von 90 Kühen 5 ½ Rindern, 72 ½ Kälbern, 286 Schweinen, 1 Ziege und 2 Pferden in den Stadtbezirk eingeführt.
Von dem eingeführten Fleisch wurden ¼ beanstandet und auf der Freibank von Abmagerung verkauft.
10 Lungen und 3 Lebern wurden wegen Pchinococeen ver- nichtet. Die Einführung des frischen Fleisches von auswärts hat sehr nachgelassen und zwar deshalb, weil die meisten Metzger, die Fleisch einführen, im hiesigen Schlachthause schlachten. Wie aus Vorstehendem ersichtlich, überragt die Anzahl der Kühe diejenige der Ochsen um ein be- deutendes, wobei aber zu berücksichtigen ist, dass unter den Kühen sich eine grosse Anzahl befinden, deren Fleisch
dem Ochsenfleisch an Qualität und Nährwerth wenig nachsteht. Die grösste Zahl des tuberkulösen Viehes,
welches im hiesigen Schlachthause gefunden wird, stammt vom Husumer Viehmarkte, während die Tuberculose seltener in hiesiger Gegend beobachtet wird.
In der Praxis des hiesigen Schlachthauses hat sich nun, anlehnend an die bestehenden gesetzlichen Bestim- mungen und neuesten Erfahrungen, folgendes Verfahren herausgebildet, welches zur Zeit vollkommen befriedigt:
1. Das Fleisch ist bankwürdig, wenn es gut gemästet ist, und nur einzelne wenige Knoten auf dem Brust- oder Lungenfelle sitzen, ohne dass die Lymphdrüsen besonders afficirt erscheinen.
2. Das Fleisch ist nicht mehr bankwürdig aber doch noch geniessbar, wenn es gut gemästet ist, aber die Knoten schon zahlreich sind, jedoch sich immer noch auf das Brust- und Lungenfell beschränken und noch nicht tiefer oder doch nur in ganz geringer Zahl in die Lungensubstanz eingedrungen sind.
3. Das Fleisch ist ungeniessbar, wenn schon ein gewisser Grad von Abmagerung eingetreten ist und die Tuberkelknoten zahlreicher in der Lunge vorkommen; wenn die Lymphdrüsen in grössere Mitleidenschaft gezogen sind; wenn sich käsige Tuberkelheerde gebildet haben und eine weitere Verbreitung der Tuberkel in andere Organe des Körpers stattgefunden hat.— Es ist nicht so leicht. die Grenze zu bestimmen, an welcher der gute Ernährungs- zustand aufhört und die Magerkeit anfängt, allein bei einiger Uebung und gutem Willen findet man auch hier den rechten Weg.
Einen Gegenstand möchte ich hier noch zur Sprache bringen. Viele Krankheiten, welche eine Confiscation der grossen Schlachthiere zur Folge haben, sind den Verkäufern bekannt. Opwohl die Käufer nach dem Schlachten oft behaupten, das Thier als gesund gekauſt zn haben und dadurch vielleicht das Mitleid rege machen zu können glauben, so ergeben doch die Nachforschungen in den meisten Fällen, dass der bezahlte Preis kein Marktpreis war sondern weit unter demselben stand. Das Risico des Verkaufs?zwanges auf der Freibank oder gar der möglichen Conßscation ist also schon immer in Rechnung gestellt. Vielfach wird ein Kaufpreis auch bedingungsweise stipulirt, d. h. der bedungene Preis wird erst dann bezahlt, wenn das Fleisch bei der Beschau nicht beanstandet worden ist. So verhält es sich, wie bemerkt beim Grossvieh und ist
der eintretende Verlust sowohl für Verkäufer als Käufer ein geringer. Bücherschau.
Jahresbericht über die Leistungen auf dem Gebiete der Veterinür-Medicin. Herausgegeben von Pr. Ellen- berger und DPr. Schütz. Sechster Jahrgang(Jahr 1886). Berlin. 1887. Aug. Hirschwald. 204 S. Pr. 5 Mk.
Wie die früheren Jahrgänge, zeigt auch dieser Bericht das eifrige Bemühen der Herausgeber unter Mitwirkung einer Reihe von Fachmännern, die wichtigsten Fortschritte


