18 Thiermedicinische Rundschau ete.
1887. No. 2.
der Regel in Anwendung tonisirender Mittel, wohl auch in Einfüllung antiparasitärer Arznei- lösungen in den Uterus. Werden solche pilz- tõdtenden Mittel rechtzeitig angewendet, so können sie gewiss Nutzen schaffen. Meist sind aber die eingewanderten kleinen Krankheitserreger weiter vorgedrungen, haben Harnblase, Harnleiter und Nieren in Mitleidenschaft gezogen und sind des- halb von jenen Eingüssen nicht mehr zu erreichen. Es treten heftige Erkrankungen der eben ge- nannten Organe ein und schliesslich gehen die Thiere zu Grunde. Bei der Obduction finden sich dann als besonders auffällige Veränderungen, Abscesse in den Nieren. Man begnügte sich früher, diese Erkrankungen als Metastasen aufzu- fassen. Die jetzigen Kenntnisse fordern jedoch obige Erklärung der Entstehung, d. h. Infection nach stattgehabter Geburt.
Zur Begründung seiner Parlegungen führt der Herr Redner bemerkenswerthe Fälle an. In einem schr charakteristischen Falle stellte sich bei einer Kuh pald nach dem Gebäract Schmerzensäusse- rung beim Uriniren ein. Der Urin war anfäng- lich von schleimiger später mehr eitriger Be- schaffenheit. Das Thier magerte unter diesen Prscheinungen immer mehr ab und ging schliess- lich zu Grunde. Bei der Obduction fand sich Vaginitis besonders ausgesprochen an der unteren
Commissur der Vagina, Verdickung der Schleim-
haut des Uterus, die Harnblase zu einer festen Kugel geschrumpft. die Schleimhaut ganz erheb- lich verdickt und mit papillösen Wucherungen pesetzt. Von ähnlicher Beschaffenheit waren die Harnleiter. Die Nieren zeigten neben starker Blutfüllung Eiterheerde in Rinden- und Mark- substanz; wo die Heerde der Markgegend 7u- sammenfliessen, fand sich der Inhalt zum Theil im Nierenbecken.
Bei mikroskopischer Untersuchung fanden sich in den erkrankten Organen dieselben Organismen. Kulturen sind jedoch davon nicht angefertigt. Der Vortragende glaubt, dass dies für die Beur- theilung der Entstehung des Leidens in diesem Falle auch nicht nothwendig sei.
Es war nun die Frage zu entscheiden, ob die Vntstehung und die Dauer der vorgefundenen Prkrankung drei Monate zurück gerechnet wer- den könnte. Diese Frage wurde mit Rücksicht auf den drei Monate vor dem Tode stattgehabten Gepbäract bejaht. Ohne die mitgetheilte Auffas- sung über die Entstehung derartiger Erkrankungen würde man nicht in der Lage sein, die Frage in obigem Sinne zu beantworten. Man würde viel- leicht eine kürzere Zeit annehmen. Dennoch lassen die Gesammterscheinungen im Urogenital- apparat, deren erstes Auftreten unmittelbar nach der Geburt und schliesslich auch das Auffinden
gleicher Organismen in den verschiedenen er-
krankten Organen keinen Zweifel über die ein- heitliche Aetiologie. Immerhin ist der Herr Redner weit davon entfernt, für die beschriebene Pyelitis und Pyelo-Nephritis der BRinder lediglich obige Ursache anzunehmen, nur ist er der An- sicht, dass es wohl die häufigste ist. Auch würde es für die weitere Klärung der Angelegen- heit wichtig sein, wenn gut beobachtete hierher gehörige Fälle veröffentlicht würden.
Bei der Besprechung des Vortrages macht Herr Lindstaedt-Hagenau darauf aufmerksam, dass man alle Fälle von Pyelitis beim Rinde wohl nicht auf vorangegangene Metritis zurückführen dürfe. Es würde dies leicht zu Verwirrungen in den Füllen Veranlassung geben, wo von einer Metritis nichts nachzuweisen ist..
Herr Kaiser-Hannover entgegnet, dass keines- wegs von ihm behauptet sei, jede Pyelonephritis entstehe durch vorangegangene Metritis. Chemische Agentien, Traumen u. s. w. können gelegentlich dasselbe bewirken. Seine Mittheilung sei nur ein casuistischer Beitrag zur Begründung einer sehr häufigen Entstehungsart. Im Uebrigen ist der anatomische Nachweis der Uteruserkrankung jedes- mal leicht zu führen.
Herr Macks-Langenschwalbach berichtet dann über einen Fall, wo eine Kuh 8 Tage nach der Geburt gestorben sei. Krankheits-Erschei- nungen im Leben seien nicht wahrgenommen. Bei der Obduetion fanden sich neben frischen eiterigen Erkrankungen der Niere, auch ältere abgekapselte erbsen- bis bohnengrosse Heerde. Ausserdem sah man derbe bindegewebige Stränge im Nierenparenchym. Der Uterus enthielt noch die bereits in Fäulniss übergegangene Nach- geburt. M. fragt nun, ob dieser Fall auch im Sinne des Herrn Vortragenden zu deuten und vielleicht die alten Erkrankungen zu Reeidiven Veranlassung gegeben hätten.
Herr Kaiser-Hamover meint, dass eine Nei- gung zu Recidiven bei solchen Processen wohl nicht vorhanden sei.
Herr Hoffmann-Stuttgart glaubt, dass es sich in dem mitgetheilten Falle vielleicht doch um ein Recidiv handeln könne, wenn man an- nimmt, dass die in den alten Erkrankungsheerden eingeschlossenen Krankheitserreger durch be- stimmte Umstände wieder frei geworden sind.
Herr Schneidemühl-Halle weist zunächst auf die allgemein bekannte Widerstandsfähigkeit des Rindes gegen viele durch Mikroorganismen entstehende Erkrankungen hin. Wäre dies nicht der Fall, so müssten Erkrankungen des Uro- genitalapparates viel häufiger sein, weil in sehr vielen Fällen die Nachgeburt erst in vollkommen fauligem Zustande abgestossen würde. Die vom


