2 Thiermedicinische Rundschau ete.

1887. No. 1.

zeigen mögen, dass sie auch auf dem Gebiete der thierürztlichen Literatur vor allen Dingen Wahr- hafligkeit und sittichen Anstand fordern. In

dieser Zuversicht wollen wir den neuen Jahrgang beginnen. Georg Schneidemühl.

Beitrag zur Heilung des sog. Dummkollers(Nydrocephalus interus chronicus) der Pferde.

Von Dr. Georg Sehneidemühl in Halle a. S.

Ein Vortrag, gehalten auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte am

Im Jahre 1883 hat Prof. Ellenberger in Dresden im neunten Bande des Archivs für wissen- schaftliche und practische Thierheilkunde, Seite 244 pis 251 eingehende Angaben über die Wirkung des Pilocarpins gemacht und auf Grund pesonderer Versuche frühere vereinzelte Mittheilungen von ihm, Moeller, Siedmgrotzky, Lustig u. a. erheblich erweitert und vervollständigt. Neben der erheblich schweisstreibenden, expectorirenden, abführenden und pupillenverengernden Wirkung petont Ellenberger in jener Mittheilung auch pesonders, dass das Mittel als eindie Resorp- tion beförderndes und den Stoffwechsel anregendes Mittel therapeutisch benut?t werden kann. Bllenberger empfichlt daber die Anwendung des Mittels bei Hydrocephalus, Hydrothorax, Hydropericardium ete.(Seite 250). Bedenkt man, sagt Ellenberger, dass dem thierischen Körper bei Anwendung dieses Mittels in 2 4 Stunden 40 50 Pfund meist eiweiss- haltige Flüssigkeiten entzogen werden können, so erhellt daraus zu Genüge, wie dieses Mittel durch Bluteindickung etc. die Resorption krankhafter Ergüsse befördern muss. Es tritt in Folge des Verlustes von Circulationseiweiss eine erhöhte Zerstörung von Organeiweiss und namentlich krankhafter, abgelagerter und neugepildeter Stoffe und Gewebe(Exsudate, Neubildungen ete.) ein. Ob durch den erhöhten Fiweisszerfall auch die

Zerstörung eingedrungener krankheitserregender

Organismen pewirkt werden kann, lasse ich dahin- gestellt sein.

Pllenberger erzielte die stärkeren Wirkungen

verbunden mit erheblichen Speichel-, Schweiss- und Gewichtsverlust nach Anwendung einer subeu- tan beigebrachten Dosis von 0,7 0,8 Pilocarp. hydrochl. gelöst in 0,4 Aqu. destillata.

Den von Ellenberger gegebenen Indicationen entsprechend, jedoch ohne dieselben weiter zu erwähnen, hat dann später Klemm in Stralsund das Pilocarpin pei Hydrocephalus chronicus inter- nus angewendet und dabei sehr gute Erfolge er- zielt. Klemm ¹) penutzte verhältnissmässig hohe

¹) Archiv f. wissensch. u. pract. Thierheilt. Bd. XI, Seite 413.(Referat: Diese Zeitschrift Seite 6, 1886).

20. September 1887 in Wiesbaden.

Gaben des Mittels und injieirte grossen und starken mit Dummkoller behafteten Thieren 1,0 1,2 Pilo- earpin gelöst in Aqu. dest. Ausserdem sah Klemm auch günstige Resultate nach Anwendung des Mittels bei der sog. subacuten Gehirnentzündung eintreten. Hier wurde jedoch eine geringere Dosis(0,8) als ausreichend gefunden. Klemm fand, dass meist eine Dosis genügte, um die Thiere wiederherzustellen.

Weitere Angaben über die Benutzung des Mittels zur Heilung des Dummkollers liegen dann von Lies¹) vor, welcher gleichfalls gute Erfolge pei Dummboller nach Anwendung des Pilocarpins verzeichnen konnte. Dagegen warnt Pies vor Anwendung zu grosser Posen bei Behandlung des Hydrocephalus acutus der Pferde. In einem solchen Falle trat 10 Minuten nach hypoder- matischer Application von 1,0 Piloc. hydrochl. der Tod des Pferdes apoplektisch ein. Ferner be- merkte Johne²) günstige Wirkung des Medi- caments in einem Falle von Cerebrospinalmeningitis pei einem zweijährigen Pferde. Innerhalb vier Tagen wurde die Injection von 0,6 Pilocarp. muriat. noch zweimal bei diesem Pferde wiederholt und später noch Kali jodatum innerlich verwendet, In dem Bericht für das Veterinärwesen im König- reich Sachsen für das Jahr 1886. S. 160 theilt Pllenberger ferner mit, dass neuere von ihm angestellte Versuche seine pisherigen Erfahrungen üper obiges Mittel bestätigt haben. Der Versuch, die unangenehme Speichelwirkung durch Ver- pindung des Pilocarpin mit Atropin aufzuheben, war nicht ohne Schädigung der anderen Wirkungen des Pilocarpins ausführbar.

In einem pesonders bemerkenswerthen Falle hatte ich nun Gelegenheit die Wirkung des Pilo- carpin. hydrochlor. auf die Erscheinungen des Hydrocephalüs internus chronicus zu versuchen. Bei der sehr auffällig günstigen Wirkung dürfte die Mittheilung des Falles zu weiteren Versuchen anregen.

Fin hiesiger Fuhrwerksbesitzer hatte vor Jahren ein schweres pelgisches Pferd gekauft,

¹) Piese Zeitschrift Bd. I, No. 11, S 2) Ehendaselbst.