15. August. Thiermedicinische Rundschau ete. 269

er unabhängig vom Publikum sich lediglich seinen amt- Sie können leben, dürfen aber keine Privatpraxis aus- lichen Functionen widmen kann, eine Zwitterstellung. üben, um für den Fall der Dienstunfähigkeit sich einiges Am besten ist doch der Departementsthierarzt gestellt. Capital zu ersparen, ferner sind auch sie, genau so wie Seine autoritative Stellung als technischer Rathgeber die Pepartements- und Kreisthierärzte nicht pensions- für den Regierungspräsidenten giebt ihm dem Publikum berechtigt; diesen Vorzug geniessen nur die Gestüts- gegenüber schon ein gewisses Ansehen. Die höheren Ver- thierärzte. waltungsbeamten wollen ihm aber immer noch nicht den Die Piäten und Reisekosten verbraucht meist der ihm zukommenden Platz einräumen. Grenzthierarzt, weil die Unkosten der Reisen an der In welcher Weise hier Wandel zu schaffen, ist hin- Grenze und darüber hinaus, namentlich nach Russland reichend in der vorjährigen Central-Vertretung preussischer hinein, unverhältnissmässig hoch sind, oft muss noch der Thierärzte erörtert und dürfte genügend bekannt sein. Was Grenzthierarzt sich Unkosten auferlegen, um nur mit den die Grenzthierärzte anbelangt, so stehen diese in einer be- Beamten der Nachbarländer derartig zu harmoniren, dass vorzugten Stellung, wobei gewiss nicht zu verkennen ist, er den an ihn gestellten amtlichen Anforderungen ge- dass ihnen eine enorme Verantwortlichkeit übertragen wird. nügen kann.

Der Grenzthierarzt als solcher geniesst beim Publikum Der Kreisthierarzt ist mit seinen 600 Mark am schlech- insofern ein höheres Ansehen, als er gefürchtet ist als testen bestellt. Polizeibeamter und er gegebenen Falls rücksichtslos gegen Entweder er ist ein guter Kreisthierarzt und hat keine

Jeden vorgeht, der sich einer Contravention gegen die Privatpraxis, denn, wenn er sein Amt in richtiger Weise speciellen Grenzbestimmungen der Landesregierungen oder verwaltet, sind die Gutsbesitzer sicher nicht seine Freunde gegen die Vorschriften des Viehseuchengesetzes schuldig und gebrauchen seine Hilfe auch nicht in Privatsachen; macht. oder aber er ist ein schlechter Kreisthierarzt, der sein Amt Die Grenzthierärzte haben ferner das Angenehme vor- mur nebenbei versieht und sich der Privatpraxis hingiebt aus, dass sie direete Beamte der Regierungspräsidenten und dabei natürlich öfter ein Auge zudrücken muss. Da- sind und dem Landrath gegenüber eigentlich in keinem neben erscheint es sehr auffällig, dass den Kreisthierärzten subordinirten Verhältniss stehen). ein weit niedrigerer Diätensatz zugebilligt wird als den Die Kreisthierärzte sind am übelsten dran. Einmal Pepartewentsthierärzten. Und nicht allein bei den Diäten, sollen sie Beamte, ja erforderlichen Falls sogar Polizisten sondern auch pei den Reisekosten. Der Unterschied ist sein, als solche müssen sie rücksichtslos ihren Amtsvor- bei ersteren 33, pei letzteren 25 Proc. Die Ausgaben, die schriften nachkomwmen, ein Umstand, welcher von vielen der Kreisthierarzt bei seinen Pienstreisen für Droschke, Landwirthen als eine persönliche Benachtheiligung ange- Bahn u. s. w. zu machen hat, sind doch gewiss nicht ge- schen wird, wodurch ein privater Geschäftsverkehr oft ringer als beim Departementsthierarzt. plötzlich abgeschnitten wird. Beispiele sind genug be- kannt, wo ein Kreisthierarzt durch stricte Handhabung seiner Amtspflichten seine ganze Privatpraxis eingebüsst hat. Der Kreisthierarzt ist aber darauf angewiesen, sich die Gunst des Publikums, und so die Privatpraxis zu er- halten, weil ihm sein Amt nicht ausreichende Mittel ge- währt, sich und seine Familie zu ernähren. Damit komme ich zum zweiten Punkt meiner Ausfüh- rungen, zur pecuniären Stellung der beamteten Thierärzte. Der Pepartementsthierarzt bekommt als solcher 300 Tha- ler Gehalt, hat i. d. R. noch die Verwaltung eines Kreises

Schon im vergangenen Herbst habe ich an dieser Stelle erwähnt, dass die Festsetzung unserer Diäten und Reisekosten seit Anfang dieses Jahrhunderts, wenn ich nicht irre, seit 1815 datirt, einer Zeit, in welcher die Sätze für Diäten und Reisekosten den Verhältnissen ange- messen waren, heute aber keineswegs hinreichen, um neben einem Gehalt von 600 Mark einen Beamten anständig zu zu erhalten, zumal wenn derselbe noch für Familie zu sorgen hat, und für 6 Mark Diäten oft den ganzen Tag sich dienstlichen Geschäften hingeben muss.

Derzeit brauchte der Kreisthierarzt kein Mikroskop,

mit 200 Thalern Gehalt; seine Pienstreisen in den Regie kein Seeirbesteck, für diese wissenschaftlichen Hilfsmittel rungsbezirk lassen ihm oft reichliche Diäten zufliessen; muss der beamtete Thierarzt heute schon fast einen Jahres- von den Gerichten und Polizeibehörden wird er als Sach gehalt verausgaben, um den an ihn gestellten Anforderungen verständiger bevorzugt; wo am Regierungssit? eine Ross- gerecht zu werden. Die preussische Staatskasse zahlt schlächterei ist, liegt ihm die Controle ob, desgl. über jetzt nach allerdings oberflächlicher Berechnung an Gehalt Schlachthöfe die Oberaufsicht u. s. w., 8so dass seine Ein- für 32 Departementsthierärzte,

nahmen vielfach sehr gross sind. AMerdings giebt es ja 13 Grenzthierärzte,

auch Departementsthierarztstellen, die weniger Einkünfte450 Kreisthierärzte

bieten. etwa 360 000 Mark. An Diäten und Reisekosten jährlich

Die Grenzthierärzte sind am besten dran, sie haben eca. 1 200 000 Mark, zusammen also 1560 000 Mark. Eine einen annähernd ausreichenden Gehalt und in Folge der wirklich geringe Summe im Verhältniss zu den Prfolgen vielen Pienstreisen für die meisten Tage im Jahre Diäten. der Thätigkeit dieser Beamten; erstere sind in den Jahres-

berichten über die Verbreitung ansteckender Thierkrank-

¹) Die Kreisthierärzte sind dem Landrath ebenfalls heiten in Preussen klar gezeigt worden und lefern den coordinirt, nicht subordinirt. Red. Beweis für den Nutzen, welchen grade die beamteten 44