286 Thiermedicinische Rundschau ete.
1887 No 23.
wendet, weil diese die grösste Verwandschaft zu den niederen pflanzlichen Organismen zeigen.
Vom Vortragenden werden sodann mit Gentianaviolett gefärbte Deckglas-(Ausstrich) Präparate angefertigt und verschiedene pathogene Bacillen Milkbrand-, Oedem«, Tubercel-, Schweinerothlauf-:, Hühnercholera-Bacillen u. A.) in Dauerpräparaten demonstirt. Schliesslich werden die Milzbrandbacillen und die Bacillen des malignen Oedems, welche morphologisch gewisse Aehnlichkeiten zeigen, einer eingehenderen Besprechung unterworfen und die Unterscheidungsmerkwale beider Schmarotzer klar- gelegt.
Hierauf beschliesst die Versammlung, der Vorstand wolle den Kreisthierarzt Kotelmann-Fraustadt ersuchen, die von ihm schriftlich eingebrachten Anträge in der nächsten Generalversammlung mündlich vorzutragen und zu be- gründen.
Der letzte Gegenstand der Tagesordnung:„Mittheilungen aus der Praxis“ gelangt wegen vorgeschrittener Zeit nicht mehr zur Erledigung.
Nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes, des Thierarztes Fredrich Inowraclaw, wird die Sitzung geschlossen.
Kleine Mittheilungen.
— Zur therapeuthischen Anwendung des Arseniks. Piebreich weist auf die ätzende Wirkunng des Kalisalzes der arsenigen Säure, wie es in der Solut. Fowleri ent- halten ist, hin, durch welche häufig Nebenerscheinungen hervorgerufen werden, welche dann dem Arsenik selbst zur Last fallen. Man benutze statt der Solut. arsen. Fowl. am besten die arsenige Säure selbst und man wird sich überzeugen, dass ein therapeutischer Erfolg ohne Neben- wirkungen in der Regel zu verzeichnen sein wird, beson- ders wenn das Mittel in eingehüllter Form verabreicht wird. EFine empfehlenswerthe Form der Parreichung sind die Veiel'schen. Pillen.
Die französische Pharmakopoe enthält bereits zwei sehr gute Vorschriften, für Granules(0001 Acid. arsenicos.) und für die Pilulae asiaticae(0,005! Acid. arsenicos.) per Pille, von welchen zu wfünschen wäre, dass sie in unsere Pharmakopoe Aufnahme fänden. Ferner wird arsenige Säure in Gelatine längere Zeit gebraucht, vortrefflich ver- tragen und bei dieser Form(Geſatinetropfen) ist die lange Haftbarkeit der Präparate als pesonders vortheilhaft zu erwähnen.(Therap. Mon.)
— Actinomyeose des Magens beobachtete Wortley bei einem geschlachteten Ochsen, welcher im Leben nur
Actinomycose des Maules gezeigt hatte. In der verdickten
Schleimhaut des 4. Magens wurden die specifischen Pilze zahlreich vorgefunden.(The Veterinarian 1286) — PDer landwirthschaftliche Centralverein für Litauen und Masuren feierte am 28. und 29. Juni das hundertjährige Jubiläum des litauischen Land- gestüts. Die Pferdezucht hat sich in den letzten Jahr- zehnten und besonders seit 1870 in Ostpreussen ganz er- heblich gehoben. Während im Jahre 1870 noch 15 830 Stuten gedeckt wurden, sind im Jahre 1885 29 932 Stuten durch königliche Landbeschäler belegt worden. Von diesen 29 932 Stuten sind 24 342 tragend geworden und 20 040 ſebende Füllen geboren worden. Es sind also von den gedeckten Stuten 0,81 Proc. tragenq geworden und 0,67 Proc. Füllen erzielt worden. Purchschnittlich decken jährlich 470 pis 475 Beschäler. An Remonten werden für die Armee jähr- lich 4700— 4800 Pferde angekauft, was 68 Pros. des An-
kaufs im ganzen deutschen Reiche ausmacht. Die Zahl der jährlich ins Ausland gehenden Füllen und erwachsenen Pferde dürfte dem Remontematerial an Zahl gleichkommen.
Tagesgeschichte.
— An der Thierärztlichen Hochschule zu Berlin hat, wie bereits mitgetheilt, wiederum ein bacteriologischer Cursus stattgefunden. An demselben haben von beamteten Thierärzten theilgenommen die Herren: Grenzthierarzt von Drygalski aus Lyek, Grenzthierarzt Gabbey aus Pless, Corpsrossar?t Hahn aus Coblenz, Pepartementsthierarzt Jarmer aus Liegnitz, Departementsthierarzt Johow aus Minden, Grenzthiérarzt Mehrdorf aus Beuthen, Peparte- mentsthierarzt Pauli aus Prier, Kreisthierarzt Schmitt aus Geldern, Corpsrossarzt Stratthaus aus Karlsruhe, Kreisthierarzt Stoehr aus Thorn, Departementsthierarzt Voss aus Aurich, Veterinär-Physikus Wedekind aus Altona, Corpsrossarzt Werner aus Stettin, Grenzthierarzt Werner aus Eydtkuhnen, Departementsthierarzt Zimmermann aus Frankfurt a. O.; ausserdem Herr Schlachthausthierarzt Hagemann aus Hannoyer.
— Von Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Albrecht von Preussen, Prinz-Regent von Braunschweig, ist an den Vorsitzenden der Centraivertretung preussischer thierärztlicher Vereine Herrn Prof. Dr. Pütz ein sehr freundliches Dankschreiben gerichtet worden für Ueber- reichung des aus Anlass des 150 jährigen Jubiläums der Universität verfassten Glückwunschschreibens.
Den Wortlaut des Glückwunschschreibens hoffen wir mit freundlicher Genehmigung des Herrn Prof. Dr. Pütz in nächster Nummer zum Abdruck bringen zu können. Dieses Mal fehlte es leider an Raum.
— PDie Generalversammlung des Unterstützungs- vereins für die Hinterbliebenen bayer. Thierärzte, a. V. in München findet am 18. September d. J. 9 ½ Uhr in der Auls d. k. Thierarzneischule in München statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht, 2. Anträge, welche bis 15. September beim Vorstande eingegangen sind. Um 10 Uhr Versammlung des Phierärztlichen Kreis-Ver- eins für Oberbayern ebendaselbst.
— Versammlung des Vereins schleswig-holsteini- Scher Thierärzte am 9. und 10. September in Kiel (Wridt's Etablissement). Aus der Tagesorduung: Ueber Tollwuth: Staatsthierarzt Vollers-Altona. Operative Be- handlung der Speichelfistel: Prof. Harms. Ueber einen neuen Parasiten im Rückenmarkkanal des Rindes: Kreis- thierarzt Hinrichsen-Husum. Unschädliche Beseitigung der Thierkadaver: Kreisthierarzt Schlüter-Kiel.
— Versammlung des thierärztlichen Vereins von Niederbayern am 4. September in Kehlheim.
— Prof. Nocard wurde an Stelle des in den Ruhe- stand getretenen Director Goubaux zum Director der Thierarzneischule in Alfort ernannt.
Offener Brief an die Redaction der in 0sterwieck erscheinenden „Rundschau auf dem Gebiete der Thiermedicin und
vergleichenden Pathologie.“
Am 14. August d. J. schickte ich an die Adresse des Herrn Dr. Lemke in Friedrichsberg-Berlin, Frank- furter Chaussee 36, einen eingeschriebenen Brief, in welchem ich um sofortige Aufnahme nachstehender Erklärung in genanntem Blatte bat.
Erklärung. In No 32 des III. Jahrganges dieser¹) Rundschau ist ein Gratulationsschreiben des Unterzeichneten an den
¹) d. h. der vom Herrn Dr. Lemke redigirten Rundschau. 32


