1. August.

Thiermedicinische

Rundschau ete

Gottlob beschränken sich die selbständigen Leistungen meist auf den sog. Briefwechsel, wo sich die Redaction augenscheinlich mit Strohmännern unterhält.

Meine Erregung stieg aber noch, als ich auf die mit kleinstem Druck in einer Anerkennung wieder- gegebene hochwichtige Cabinets-Ordre unseres allverehrten Kaisers aufmerksam wurde. Dass Herr Lemke es wagen würde, mit so wenig Ehrerbietung von den Kundgebungen Sr. Majestät seinem Leserkreise von dem pedeutsamen Allerhöchsten Erlass Kenntniss zu geben, hätte ich diesem edlenOrgan zur Vertretung der Interessen des thierärzt- lichen Standes doch nicht zugetraut. Von Neuem stieg bei mir Alles das in der Erinnerung auf, was Sie über die Entstehung dieses Blattes unter seiner jetzigen Re- daction in Nr. 4. 6 und 8 dieser Zeitschrift mitgetheilt haben, und was von Dr. Schmidt-Mülheim sehr gut be- leuchtet wurde. Leider setzt man sich, ganz unserem Zeitgeist entsprechend, über solche Vorkommnisse meist schnell hinweg. Ich aber fragte mich, wie lange noch wird der thierärztliche Stand sich eine so unfähige Redaction aufbinden lassen? Ist es doch traurig, zu sehen, dass wirkliche thierärztliche Fachschriften durch Reproduction von Notizen, und dass sogar einzelne Vereinsvorstände durch Zusendung von Berichten das klägliche Dasein lieses Blattes zu erhalten suchen. Mit Recht wird man sugen:Jeder Stand hat die Fachpresse, die er verdient. Gerade jet?t, wo die Augen der medicinischen und landwirthschaftlichen Kreise auf unsere Leistungen gan? besonders gerichtet sind, fallen solche Presserzeug- nisse schwer ins Gewicht.

Da erscheint es wohl als oberste Pflicht unserer Standes-Vertretungen ich meine die Centralvertretung der thierärztlichen Vereine Preussens und den deutschen Veterinärrath offen zu erklären, dass der thierärztliche Stand in seiner Gesammtheit mit jenerFachpresse nichts gemein hat.

iecht sehr habe ich mich seiner Zeit gefreut über das Vorgehen des thierärztichen Vereins in Stettin, sowie über die Erklärungen und Beschlüsse des Centralvereins der Provinz Sachsen u. s. w. Allein dies genügt nicht, wie ich sche. Selbst die durchaus richtigen Darlegungen des Herrn Dr. Schmidt in Nr. 3 des zweiten Bandes seiner Zeitschrift scheinen den meisten Collegen noch nicht die Augen geöffnet zu haben über das, was sie auf sich laden, wenn sie jenes Blättchen auch nur in die Hand nehmen. Die obigen Vorkommnisse geben neue Beweise.

Gar zu bald dürften jüngere Collegen keine Ahnung

mehr haben, wie jenesFachblatt entstanden ist. Man wird vergessen, dass Sie, geehrter Herr College, zum

ersten Male eine in Form und Inhalt bisher nicht vorhan- dene Zeitschrift begründeten, und dass sich in unserem Stande Persönlichkeiten fanden, gleich an Fähigkeit und Charakter, welche mit dem von Ihnen als vertrauens- und

vertragsbrüchig öffentlich überführten früheren Verleger Ihrer Zeitschrift gemeinsame Sache machten, um Ihr

geistiges Eigenthum in einzig dastehender Art auszunützen.

Einst tadelte man die scharfe und persönliche Art, mit welcher Herr Pr. Schmidt-Mülheim jetzt gottlob beseitigte Zustände in unserem Unterrichtswesen beleuchtete. Man agitirte und sammelte sogar Adressen pehufs öffentlicher Erklärungen.

Port bandelte es sich nur um Verletzung der Form, die auch ich nicht ganz pillige. Das Gepbahren der Herren Lemke-Buch und ihresberühmten Verlegers ist aber ein dauerndes Aergernies eine dauernde Schä- digung des Ansehens unseres Standes. Und doch wird dasselbe ausser von dem Assistenten des pathologischen Institus auch von anderen Personen durch Berichte u. s. w. unterstützt.

Nicht möchte ich schliessen, ohne noch einer, wenn auch nebensächlichen, so doch sehr auffälligen Nachricht

zu erwähnen. An der Berliner Hochschule existirt eine Landsmannschaft Salingia, deren Mitglieder sich bis vor einigen Jahren nur aus Angehörigen der Militärrossarzt- schule bildeten. Um jene Zeit gehörte auch Herr Lemke als Aspirant der Militärrossarztschule dieser Verbindung an. Seine weitere Zugehörigkeit zu jener Landsmann- schaft soll man nun trotz der, die Charaktereigenschaften dieses Herrn doch genügend kennzeichnenden Artikel in Nr. 4, 6 und 8 dieser Zeitschrift nicht perührt finden. Als ich vor fast einem Menschenalter studirte, würde dies trotz ungünstigerer Verhältnisse mit den Grundsätzen academi- scher Verbindungen für unvereinbar gegolten haben.

Ich schliesse mit der freundlichen Bitte, dieses Mal die Aufnahme des Artikels nicht abzulehnen. Ich wünsche, dass üperall das Wort Beachtung und Beherzigung finden möge:nichtswürdig ist der Stand, der nicht seln Alles freudig setzt an seine Ehre. Prfüllt sich der Wunsch, dann wollen wir froh in die Zukunft plicken.

Mit aufrichtiger Hochachtung

Ihr ergebener

Bg.,

Tt in Inik

Bücherschau.

Klinische Terminologie der Thierheilkunde. Sammlung der in den thierärztlichen Kliniken gebräuchlichsten technischen Ausdrücke. Von P. Martin, Professor an der Thierarzneischule in Zürich und K. W. Schlampp, klinischer Assistent an der Thierarzneischule in München. Wiesbaden. Verlag von J. F. Bergmann. 1287.

Das Buch ist in erster Reihe für den angehenden Kliniker berechnet, um demselben das Verständniss der klinischen Termini technici zu erleichtern. Neben Angabe der etymologischen Abstammung, Classification, Synonyma finden sich in knapper Form die wissenschaftlichen Grund- lagen für die einzelnen technischen Begriffe angegeben. Hierdurch wird das sehr gut ausgestattete Buch nicht allein dem angehenden Kliniker, sondern auch dem älteren Thierarzt ein willkommener Rathgeber sein, um sich schnell wieder zu orientiren.

Personalien.

Auszeichuungen. Bezirksthierarzt Bartholomäus

Heitzmann in Messkirch erhielt das Ritterkreuz II. Cl. vom Zöhringer Löwen.

Beförderungen. Bezirksthierarzt Bauwerker in Kaiserslautern zum Gestütsdirector des pfälzischen Land- gestüts.

Ernennungen. Der Thierarzt Heinrich Schöttler zu Stade zum commissarischen Kreisthierarzt des Kreises Kehdingen.

Offene Stellen.

Offene nicht amtliche Stellen.

In Gehrde(Kreis Bersenbrück, Hannover). Näheres durch den Ortsvorstand daselbst.

In Röttingen(Unterfranken). Feste Einnahmen 400 Mk. Bewerbungen an den Bürgermeister

In Borgentroich(Westfalen). Näheres durch den Bürgermeister.

Briefwechsel.

Herrn St. in E. Die Militär-Thierärzte sind durchaus zur Ausübung der Privatpraxis berechtigt; nur müssen sie dies, wie jeder andere Thierarzt, dem Kreisthierarzt des

Bezirks anzeigen.

Herren P. in G.

für ihre Anerkennung.

B. in G. F. in W. Besten Dank