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28 Thiermedicinische Rundschau etc.
1886/87. No. 3.
waren, trat Genesung ein. Bei der Section fand sich als auffällige Erscheinung bei den im ersten Stadium gestorbenen Thieren Hyperaemie im Gehirn vor. In weiter vorgeschrittenen Fällen war eine röthlich klare Flüssigkeit, später auch gelatinöse Ablagerungen in den Maschen der Pia mater nachzuweisen. An den übrigen Theilen des Centralnervenapparates zeigte sich nichts Ab- normes, ebenso an den Organen.(Muskeln? Ref.). Eine in verschiedener Weise vorgenommene Behandlung erwies sich als nutzlos.
Bei der dem Vortrag sich anschliessenden Discussion bemerkt Herr Eggeling-Berlin, dass ihm in einer ausgedehnten Praxis derartige Fälle von Meningitis nicht zur Beobachtung gekommen seien. Nach Allem, was der Herr Vortragende angegeben, sei anzunehmen, dass es sich bei jenen Krankheitsfällen um eine Ortsseuche gehandelt habe.
Da eine weitere Discussion nicht beliebt wurde, folgte der Vortrag des Herrn Prof. Dr. Moeller- Berlin über Versuche einer operativen Behand-
lung des Kehlkopfpfeifens.
Bekanntlich hat Günther in Hannover schon die operative Behandlung des Kehlkopfpfeifens versucht. Perselbe Autor erklärte auch bereits das Entstehen der bei einseitiger Lähmung der Stimmritzenerweiterer beobachteten Athembe-
schwerde richtig, wenn auch im Gegensatze zu einer jetzt verbreiteten Ansicht, dahin, dass die Dyspnoö durch das Niedersinken des Giesskannen- knorpels in Folge der Lähmung des betreffenden Muskels(cricoarythaenoideus posticus) in das Lumen des Kehlkopfs zu stande kommt. Die operative Behandlung, welche Günther bei frag- lichem Leiden vornahm, bestand in verschiedenen Arten. Pntfernung eines Stimmpbandes war ganz erfolglos. Theilweise oder völlige Entfernung des Giesskannenknorpels hatten je nach Heilung der Operationswunde pald Besserung bald Verschlim- merung des Leidens zur Folge.
Den Vortragenden leitete nun bei seinen Versuchen die Ueberlegung. dass es darauf an- komme, den Giesskannenknorpel festzustellen, um sein Herabsinken zu verhindern. Zu diesem Zwecke wählte er zwei Operationswege. Finmal wurde versucht eine Verwachsung der zwischen Ring und Giesskannenknorpel pestehenden gelenkigen Verbindung künstlich herbeizuführen. Ein in der Mittellinie des Halses durch die beiden ersten Trachealringe gelegter Schnitt öffnet die Kehl- kopfshöhle von unten her.
Das Gelenk der gelähmten Seite, die an der Bewegungslosigkeit des Knorpels bei der Athmung leicht festzustellen ist, wird nun geöffnet und ferner die zwischen Schild und Giesskannen-
Fouilleton.
Thierärztliche Zustände in Miederländisch-Indien. Mitgetheilt von Kreisveterinärarzt Dr. Schaefer, Darmstadt.
Es dürfte vielleicht manchen der Herrn Collegen interessiren, welche Anforderungen in Nieder- ländisch-Indien an einen Kandidaten der Veterinär- medicin zur Frlangung eines Diploms als in- ländischer Thierarzt gestellt werden, um daraus Vergleiche mit unseren Verhältnissen zu ziehen. Ich gebe daher nachstehend eine Mittheilung über das im Februar d. J. abgehaltene Examen, zu welchem sich drei Kandidaten gemeldet hatten, auf Grund einer Veröffentlichung in den„Blättern, herausgegeben von der Vereinigung zur Be- förderung der Thierheilkunde in Niederländisch- Indien“, redigirt von dem Militärpferdearzt II. Kl. (Premierlieutenantsrang) J. de Jongh in Batavia. Die Prüfungskommission bestand aus den Herren Kollegen H. Mars, Militärpferdearzt I. Kl.(Haupt- mannsrang), J. de Jongh und dem Gouver- nemantsthierarzt D. Driessen als Sekretär der Kommission. Das Programm der Prüfung(fest- gestellt durch den Direktor des Unterrichts etc. am 8. Juli 1880) lautet folgendermassen: a) An- fänge der vergleichenden Anatomie: Kenntniss von der Eintheilung des Körpers und von den in jedem Theil gelegenen Organen, sowie
einige Kenntniss von den Verrichtungen der hauptsächlichsten Organe als: Gehirn, Nerven. Blutgefässe. Lunge, Herz, Leber, Nieren, Magen und Gedärme. b) Allgemeine Heilkunde: Bekanntschaft mit den vornehmsten Gebrechen und hauptsächlichsten Krankheiten, sowie der Methode, wodurch dieselben erkannt werden. c) Heilkunde: Kenntniss von den am meisten vorkommenden Gebrechen und Krankheiten, vor- nämlich: Milzbrand, BRinderpest, Maul- und Klauenseuche, Rotz, Wurm, Ausschlag(Schurft= Räude?) und gutartige Druse, sowie Kenntniss der Wirkung und Posis der bei diesen Krankheiten anzuwendenden Heilmittel¹) und der Anwendung von Chlorkalk, Chlorgas und Karbolsäure. d) Ope- rations- und Verbandlehre: Aderlassen, Haarseilziehen, Fontanellsetzen, Oeffnen von Ab- scessen, Anlegen von Verbänden und Vernähen von Wunden. e) Veterinärpolizei und An- wendung derselben beim Herrschen von ansteckenden Thierkrankheiten: Bekannt- schaft mit den bestehenden Verordnungen und vor- geschriebenen Massregeln, welchs beim Herrschen von Seuchen zu ergreifen sind.
¹) Es wäre interessant die remedia gegen Rinderpest, Rotz ete. kennen zu lernen, da wir in Deutschland noch keine entsprechende Mittel kennen. Der Berichterstatter.


