Thiermedicinische Rundschau etc.

1886/87. Nr. 1.

Pathologische Anatomie und Pathogenese.

Die Aetiologie der Rotzkrankheit. Von Löffler.

(Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt, Heft 1, S. 140 198, 1886 u. Fortschritte der Med. No. 15, 1886.)

In einer eingehenden geschichtlichen Ueber- sicht werden vom Verf. zunächst die bisherigen Arbeiten, welche sich mit der Auffindung des Rotzgiftes beschäftigten, peleuchtet. Alsdann giebt L. eine nähere Schilderung der von ihm in Ge- meinschaft mit Schütz gemachten Entdeckung des Rotzbacillus. Bekanntlich gelang es diesen Forschern in den specifischen Produkten des typischen Rotzes pei Pferden durch Färbung und Kultur einen bestimmten Bacillus nachzuweisen, der sich nicht nur beim Meerschweinchen in den nach Impfungen mit dem verschiedensten Rohmaterial oder mit Reinkulturen des Pilzes erzeugten patho- logischen Veränderungen vorfand, sondern auch im Stande war, bei Verimpfungen seiner Rein- culturen auf Pferde typischen Rotz zu erzeugen, wo dann wiederum in den pathologischen Pro- ducten dieses künstlichen Botzes dieselben Ba- cillen durch Färbung und Cultur nachgewiesen werden konnten. Der hierdurch wissenschaftlich

erbrachte Beweis von der Specifität dieser Bacillen für die Rotzkrankheit ist dann später noch durch O. Israel, Dieckerhoff, Kitt und ferner durch Weichselbaum, Wassilieff und Monastyrski peim Menschen bestätigt worden.

Nach den weiteren literarischen Angaben ge- staltet sich die Uebertragungsmöglichkeit des Rotzes auf andere Thiere in folgender Reihenfolge: Zuerst kommen Ziege, Katze und Meerschwein- chen, dann folgen Schaf. Kaninchen und Hund, während Schwein und Rind fast absolut immun sich verhalten. Hausmäuse und weisse Mäuse, sowie Ratten verhalten sich gegen Impfungen mit

Reinculturen von Rotzbacillen immun, während die Empfänglichkeit der Feldmaus(Arvicola arva-

lis) für das BRotzgift sogar die des Esels bei Weitem übertraf. Während die Incubationszeit bei diesem in der Regel 89 Tage beträgt, trat der Tod bei ca. 50 verwendeten Feldmäusen durchschnittlich schon 34 Tage nach der Im- pfung ein.

Wegen der prompten und schnellen Reaction der Feldmäuse bei Finverleibung des Rotzgiftes empfiehlt Verf. die Verwendung derselben für das Studium der Rotzpacillen zumal diese Thiere überall leicht zu erlangen sind. L. macht hierbei noch darauf aufmerksam, dass, während die weisse Maus hervorragend empfänglich gegen die

Fouilleton.

Einiges über Momentphotographie in ihrer Anwendung für die Wissenschaft.

Bei der Bedeutung, welche die Momentphoto- graphie in den letzten Jahren nicht allein für die Kunst und Wissenschaft im Allgemeinen, sondern auch besonders für die Medicin erhalten hat, dürfte es den Lesern interessant sein, Einiges hierüber zu erfahren. Bei den Ausführungen folgen wir einem vor kurzer Zeit im Verlage von Wilhelm Knapp in Halle erschienen Buche über diesen Gegenstand von Dr. Eder in Wien. Durch freundliches Entgegenkommen des Herrn Verlags- buchhändlers Knapp sind wir auch in der ange- nehmen Lage zum besseren Verständniss einige bildliche Parstellungen aus jenem Werke für unsere Mittheilungen verwerthen zu können.

DieMomentphotographien sind durchaus keine Erfindung der neuesten Zeit. Vielmehr haben Daguerre und PTalbot schon vor mehreren Jahrzehnten Menschen in Bewegung aufgenom- men. Allerdings genügten die damals erhaltenen Bilder dem Standpunkte der photographischen Technik entsprechend nur sehr geringen An- forderungen. In dem letzten Jahrzehnt sind die Fortschritte darin sehr erhebliche gewesen. In

Deutschland ist in den letzten Jahren die wissen- schaftiche Momentphotographie besonders von Ottomar Anschütz in Lissa i. P. geübt worden, welcher nicht nur in der Herstellung grosser photographischer Einzel- und Gruppenbilder von Menschen und Thieren in Bewegung die höchste Vollkommenheit erreichte, sondern auch seit 1885 die Herstellung von Serienbildern cultivirt, welche allen Anforderungen der Wissenschaft genügen. Durch andere Forscher ist dann das Gebiet nach besonderen Richtungen, z. B. die Herstellung der genannten Photographien vom Luftballon aus, er- weitert worden.

Das Ziel der Naturwissenschaft, die Beweg- ungen vollständig und auf die einfachste Art zu beschreiben, ist in Bezug auf die Bewegungen der Thiere nur in äusserst unvollkommener Weise erreicht. Die Gründe für dieses immer von neuem eintretende Misslingen sind mannigfacher Art. Finige sind physiologischer, andere psychologischer Natur. Selbst wenn unser Auge das denkbar vollkommenste optische Institut wäre, führt Müllenhoff in seiner ArbeitDie Moment- photographie im Dienste naturwissenschaftlicher Forschung aus, selbst wenn es im Stande wäre, den jeweiligen Zustand der Lage der einzelnen Theile ganz vollständig, ganz ohne irgend welche Abweichung und in unendlich kurzer Zeit auf-