üppiger wächst, der Roggen aber in den Körnern um so leichter wird, ist es unmöglich, dieses Un— krautgesümig aus dem Roggen herauszubringen, und es bleibt dann nichts übrig, wenn sich dieses Unkraut häufig findet, als davon freien Samen anzukaufen. Man muß aber dabei beharrlich aus— dauern, weil die Trespensamen viele Jahre lang im Boden liegen, ohne die Keimkraft zu verlieren. Es wird gewöhnlich der Same von der letzten Ernte gesäet, doch ist nach vielen gemachten Erfahrungen einjähriger Same besser und der reichlichere Ertrag überwiegt bei weitem den mehreren Samenaufwand und die Zinsen des Kapitales, welches einjähriger Same erfordert. Da alter Samen seiner Trocken— heit wegen sich nicht so gut in der Hand fassen läßt, so muß der Säemann kürzer treten, und da er auch bei Anwendung der Säcemaschinen sich we⸗ niger leicht schüttet, als der frische, so muß die Be⸗ wegung der Maschine etwas langsamer sein. (Fortsetzung folgt.)

Anekdoten.

Als beim Anfang des siebenjährigen Krieges die Schweizer mit den Franzosen nicht über den Rhein gehen wollten, fragte der Prinz Soubise den Schweizer-Obersten Lachmann ganz hitzig: „Aber in allrr Welt, wozu sind denn die Schweizer nütze?“ Gelassen erwiederte der Oberst:„Den Rück— zug der Franzosen zu decken.“

Ein Landfräulein, äußerst blöde und schüchtern, wurde, als sie das Erstemal in die Nesidenzstadt kam, zu einer vornehmen Tafel geladen. Ein guter Freund des Hauses hatte das Unglück, ein Wein- glas umzuwerfen; das Fräulein lachte überlaut. Alles schwieg; sie wurde verlegen und roth, nun lächelte man und sie wünschte sich heimlich auf's Land zuruck. Ein Gast erzählte eine wizige Anek⸗ dote, Alles lachte herzlich; das Landfräulein schwieg und aß. Ihr Nachbar fragte:„und Sie lachen nicht mit?“ Das Fräulein schlug die Augen nieder und versezte:„O ich danke ihnen, ich habe schon gelacht!,,

Jemand ging ins Theater, wo Schillers Jung⸗ frau von Orleans aufgeführt wurde. Ein Nachbar fragte ihn ob das Stück in Jamben oder in Prosa sei.

„Ach, sagte er,„wie wollen Sie, daß ich das von hier aus unterscheiden soll? /,

Ein wiziger Kopf befand sich einst in einer Gesellschaft, die sich mit Musik und Gesang unter⸗ hielt. Bei dem seelenvollen Liede Klopfstock's: „Willkommen, silberner Mond ꝛc.“ entftelen seinen Augen Thränen. Alle Anwesenden schienen seine begeisterte Stimmung zu theilen. Nach einiger Pause wurde ein anderer Gesang angestimmt. Einer der Gäste fand sich nicht minder dabei entzükt, als bei dem vorhergehenden Lied.„Nicht war, lieber Herr,“ sagte er zu dem Wizkopf,)„auch dieses Lied ist herrlich, göttlich?“„Ich find' es sehr gut,“ antwortete der Befragte,„es ist das Schnupftuch zu meinen vorigen Thränen.“

Druck und Verlag der G. D. Brühl' chen Buch- und Steindruckerei in Gießen.