einem Andern ihre Hand zu geben, als dem, welchem sie auch mit voller, innigster Seelenneigung ihr Herz geben könnte. Der an seiner empfindlichsten Seite verletzte Vater sperrte das Mädchen in ein Nonnen⸗ kloster, und zwang sie endlich den St. Franzens⸗ Orden anzunehmen. Nichts desto weniger fand das unglückliche Mädchen Gelegenheit, mit ihrem Geliebten einen stillen Briefwechsel zu uuterhalten, worin ste den Plan einer Flucht aus dem klösterlichen Kerker mit ihm verabredete. Marie, so hieß die Arme, hatte ihre Oberin für sich zu gewinnen gewußt, und sich Ver trauen erworben. Sie erhielt daher gern die Erlaub niß, einen angekommenen Koffer, den zwei Männer trugen, sogleich auf ihr Zimmer bringen zu lassen. In diesen Koffer hatte sich ihr Geliebter einschließen lassen. Die Träger kamen nun aber gerade an, da die Nonnen im Chore waren, und stellten ihn unvor⸗ sichtiger Weise so an die Wand hin, daß der Kopf unten und die Füße oben zu stehen kamen. Dann entfernten sie sich rasch, meldeten es der Pforten⸗ schwester, und gingen davon. Der Koffer blieb auf diese Weise stehen, bis Vesper, Komplet und Nacht⸗ mahl vorüber waren. Alles war nun in Ruhe. Hei⸗ lige Stille verbreitete sich durch dis Klostergänge. Voll Sehnsucht, ihren Geliebten wieder zu umarmen, nach langer schmerzlicher Entbehrung, begiebt sich Marie daran, den Koffer zu öffnen.

Aber, welch ein entsetzlicher Anblick! Sie fand ihn todt, in seinem eigenen Blute erstickt. Sinnlos, und von der äußersten Verzweiflung überwältigt, springt sie an das Fenster, und stürzt sich hinab in den vor leifließenden Strom. Sie wurde zwar bald, aber zu spät gefunden, eine Leiche. Den folgenden Tag wurde der Vater von diesem doppelt schrecklichen Vorfall be⸗ nachrichtigt. Als die Botschaft anlangte, saß er eben an seinem Pulte, um seiner Tochter zu schreiben. Von Schreck und Gewissensqual betäubt, sich selbst ver⸗ fluchend als die einzige Ursache dieses gräßlichen Vor⸗ falls, ergriff er ein neben ihm liegendes Federmesser und schnitt sich den Hals ab. Sein Vermögen fiel

lachenden Erben zu. So gingen drei Menschen schreck lich unter, die hätten selig leben und viele andere glück lich machen können, wenn die Liebe stärker gewesen wäre, als die Leidenschaft.

Anekdoten.

Das wird eine Prachtoper werden, bemerkte eine Dame, man braucht dazu über 100 Stati⸗ stiker.

Der Graf von Esser führte im siebenzehnten Jahrhunderte 800 englische Doggen mit sich wider die Irländer, um das Lager zu bewachen und die flüchtigen Feinde aufzuspüren.

Eine junge und gesunde Amme von vierzehn Tagen wünscht sobald als möglich einen Dienst zu haben.

Jemand, der einen Silbergroschen sechsmal um⸗ kehrt, ehe er ihn ausgibt, wünscht einige in Pen⸗ sion zu nehmen.

In Bambam ist ein sehr wichtiges Werk erschie⸗ nen unter dem Tittel: Noth⸗ und Hülfsbüchlein fur solche, die zahlen sollen und kein Geld haben. Das ist einmal ein populäres Werk.

Zeugniß⸗ Formular.

Folgendes Zeugniß soll einem Dienstmädchen juͤngst wirklich ausgestellt worden seyn:

Ursula Wandersack, gebürtig von Tanzhausen, hat 1 Jahr weniger 10 Monate bei mir in Dien⸗ sten gestanden, und sich in dieser Zeit

fleissig an der Hausthüre,

genügsam in der Arbeit,

sorgsam für sich selbst,

geschwind in Ausreden,

freundlich gegen Maunspersonen,

treu ihren Liebhabern, und

ehrlich wenn Alles verschlossen war, gezeigt.

Druck und Verlag der G. D.

Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.

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