Fäulniß leicht unterworfenen Wurzeln, die Sei⸗ tenschößlinge und Auswüchse, schneidet man ab. An den Wurzeln läßt man etwas Erde, umbindet sie mit einem Tuche und bringt sie an einen kühlen Ort, wo sie den ganzen Winter hindurch, oder an die Vorthüren eines Eiskellers, wo sie noch länger gut erhalten werden können. Trock⸗ net die Erde an den Wurzeln zu sehr, so befeuch⸗ tet man sie gelinde. In diesem Zustande lassen sie sich versenden. Dauert aber die Versendung lange, so ist eine sorgfältigere Einpackungsart nothwendig. Alsdann umgiebt man sie ganz mit Moos und schichtet sie in eine Kiste, oder näht sie in ein Tuch ein. Stroh oder Heu darf man, des leichten Faulens wegen, zum Einpacken nicht nehmen. Aber gut ist es, wenn man unter das Moos gewürzhafte Kräuter mischt, z. B. Ros⸗ marin, Salbei, Lorbeerblaͤtter u. dgl. Größere Bäume pflanzt man in eine Kiste voll Erde und umgiebt einen Theil ihres Stammes mit Moos. Dasselbe muß immer geschehen, wenn die Ver⸗ senduug bei warmer Jahreszeit vorgenommen wird. Alsdann ist auch ein öfteres Begießen nöthig. Im Winter kann man die Bäume auch mit Schnee umgeben. Wässerigte und rankende Gewächse, z. B. Birnen, Weinreben ꝛc. erhalten sich gut, wenn man sie ganz mit Moos umgiebt.
Wenn auf Wald⸗ und Forstbäumen Epheu⸗
Nanken wachsen, so darf man diese nicht daran
lassen; weil nämlich die Wurzeln dieser Pflanzen in die Baumrinde eindringen, so entziehen sie den Bäumen viele Nahrung, hindern den Um⸗ lauf ihre Säfte und zerstören mit der Zeit den ganzen Stamm. Man muß sie daher mit den Wurzeln herausreißen; denn bleibt nur das ge— ringste Theilchen am Baume zurück, so wächst dieses aufs Neue heran. Ueberstreicht man die Baumstämme ein oder ein Paar Mal mit Kalk, so werden sie vor der Beschädigung durch die
Haasen und durch andere Thiere gesichert. Dicht und glatt wird die Rinde durch das Ueberziehen ihrer Risse, das Moos wird völlig dadurch ge⸗ tilgt, und wenn der Regen den Kalk abspült, so wird die Wurzel davon noch gedüngt. Man kann aber auch gegen den Haasenfraß die oben bei den Obstbäumen angegebenen Mittel anwen⸗ den. Wunden oder äußere Verletzungen der Bäume heilt man am Besten dadurch, daß man sie bei schönem trocknem Wetter mit gewöhnlicher Blei⸗ farbe ohne Terpentin überstreicht. Durch vorsätz⸗ lich in die Ninde gebrachte Wunden, sogenannte Lachten, nöthigt man manche Nadelhölzer, vor⸗ züglich die gemeine Fichte oder Nothtanne, zum Harzen, damit man aus dem abfließenden Harze Pech sieden oder andern Nutzen ziehen könne. Aber nur da, wo große Nadelholz-Waldungen sind, darf man dieß thun, und zwar nicht bei solchen Bäumen, die unter 25 Jahre alt sind, weil diese dadurch Schaden leiden würden.
Anekdoten.
Ein Jude besuchte eine Zeitlang ein Wein⸗ haus sehr regelmäßig. Auf einmal stellte er diese Gewohnheit ein, und blieb zwei Schoppen schul⸗ dig.—„Herr W. r,“ sagte der Wirth, als sein Schuldner eines Tages am Hause vorbei⸗ strich,„die zwei Schoppen stehen noch?“— „O schütten Sie sie aus,“ replieirte der Jude, „der Wein wird sonst„sauer.“
Doctor Blume zu Hannover war schwächlich und stürmte durch vieles Trinken zu sehr auf seine Gesundheit ein, daß er schon im dreissigsten Jahre starb.„Schad' für den braven Herrn,“ war die Bemerkung eines Juden,„es war ein zartes Blümchen, aber es hat sich zu naß ge⸗ halten.“
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen. 2


