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Miscellen.
Ueber die Schaͤdlichkeit des Mooses an den Baͤumen und die Mittel dagegen.
Das Moos, die Flechten, Mistel und Schwäm— me sind den Bäumen weit schädlicher als die mei— sten Baumbesitzer wohl glauben mögen, sonst würde man sie nicht häufig und selbst auf den Bäumen der weniger lässigen Baumbesitzer antreffen. Sie finden sich besonders an Bäumen, die
1) in niederen, dumpfigen oder feuchten Lagen,
2) zu enge, und
3) in einem magern oder auch zu festen Un⸗ tergrunde stehen, namentlich wenn dieser Boden nicht gebaut oder gedüngt wird, so wie
4) auf alten Bäumen.
Diese sämmtlichen Gewächse sind Schma— rotzer-Pflanzen, die aus den Bäumen ihre Nah⸗ rung saugen und dadurch äußerst schädlich werden, weil sie denselben einen großen Theil der Säfte, die zu ihrem Wachsthume unentbehrlich und zum Gedeihen und zur Schmackhaftigkeit der Früchte hochst nothwendig sind, entziehen, und den Bäu⸗ men die vielen feinen Oeffnungen(Poren) ver⸗ stopfen, welche, wie alle Pflanzen, durch dieselben Nahrung aus der Luft einsaugen und, was nicht wirklich zu ihrer Ernährung dient, sondern über⸗ flüssig ist, hierdurch ausdünsten, bei gehemmter Hauptthätigkeit, aber ganz so leiden und kränkeln, wie es bei der Unreinlichkeit im animalischen Menschen wahrzunehmen ist; sodann weil sie zum Aufenthalt schädlicher Insekten aller Art dienen, deren Verheerungen in frischem Andenken stehen, und weil das Moos die Feuchtigkeit und Nässe anzieht und anhält, weßwegen solche bemooste Bäume nicht nur bei strenger Kälte dem Ansatze des Eises und dem Erfrieren mehr unterworfen, sondern auch bei anhaltender Nässe der Fäulniß, namentlich in der Krone, ganz besonders ausge— setzt sind. Das Hauptmittel dagegen ist das Rei— nigen. Dieß geschieht am Besten vermittelst ei⸗ ner Kratze nach Art der Bäcker- oder Schornstein⸗ feger⸗Scharren. Bei jungen Bäumen ist ein Lap⸗ pen, Welschkornputzen, ein stumpfes Messer oder eine Bürste hinreichend. Man kann das Geschäft zwar zu jeder Jahreszeit ohne Gefahr vornehmen,
nur geschieht es am vortheilhaftesten bei feuchter Witterung, weil alsdann das Moos nicht nur viel leichter weggeht, sondern auch die durchweichte nutzlose Kruste(Rinde) ohne Mühe mitgenommen werden kann. Hierbei ist aber wohl zu merken, daß brandige und faule Stellen sorgfältig bis auf das gesunde Holz glatt auszuschneiden oder auszumeiseln; tiefsteckende Würmer aber vermit⸗ telst eines Drahtes zu toͤdten sind. Statt solche Wunden mit einer Baumsalbe zu bestreichen, hält man es für einfacher und zweckmäßiger, die— selben durch einen— die Wunden nicht berüh— renden, sondern nur deckenden— Verband mit Wachstuch, Blasen, oder auch nur von starkem Papier gegen die freien Einwirkungen der Luft, Sonne und Naͤsse zu schützen; da der Bildungs— trieb der Natur hinlänglich dafür sorgt, daß der nährende und bildende Saft in verstärktem Maaße nach jeder Wunde zieht, um daselbst eine hinläng— liche Menge von organischem Stoffe abzusetzen und auf diese Art die Ränder der glattgeschnitte— nen Wunde ungehinderter und vollständiger mit einer nenen Ninde zu bedecken, als dieß bei der Baumsalbe, und dem Mörtel der Fall ist, durch die das organische Bilden gehemmt wird. Ist das Zudichtstehen der Bäume die Ursache des Moos ansatzes, so wird das Auslichten angewendet, was ohnedieß von mehrfältigem Nutzen ist. An Bäu⸗ men, die gut wachsen, kann kein Moos sich an⸗ setzen, weil es durch das beständige Dehnen der Ninde abspringt. Man suche daher nach Umstän⸗ den sie durch fleißiges Düngen in Wachsthum zu bringen, oder bei älteren Bäumen durch das Einästen, was aber, besonders bei Aepfelbäumen im ersten Jahre nur zur Hälfte geschehen darf, mit der Vorsicht, daß jedem Hauptast wenigstens ein Zugreis gelassen und die Abplattung ebenfalls glatt abgeschnitten und mit einer Bedeckung ver⸗ sehen wird. Diese Operation, welche den Baum uberhaupt gleichsam verjüngt, bewirkt durch seine neue Vegetation, daß das Moos sich nicht mehr so leicht ansetzen kann. Je mehr dieser wohlge— meinte Rath befolgt wird, desto ersprießlicher wird es für die Obstkultur gewiß in mehrfacher Beziehung seyn. Für das Gemeinwohl wäre sehr zu wünschen, daß die Feldpolizei zum Nutzen des Nachlässigen selbst, wie seiner Nachbarn ihr Wirken auch hierauf ausdehnen würde, da jedes
Lüftchen den feinen Saamen des Mooses weite trägt. 5
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.
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