Indem man dieses hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringt, bemerkt man zugleich, daß die Nisse, Voranschlage und Versteigerungsbedingun— gen auf oben erwähntem Büreau von den Steig— liebhabern eingesehen werden koͤnnen, und daß jeder, der mitbieten will, nachzuweisen hat, eine Caution von ½ der Steigsumme leisten zu können.

Gießen den 2. Juli 1840. Der Großh. Provinzialbaumeister Hofmann.

Miscellen.

Der Baum-Doctor.

Der Mensch weiß wohl oder akt te doch wissen, pie er sich zu, verhalten und vor was er sich zu hüten habe, um gesünd zu bleiben. Wird er aber dennoch krank, s schickt er nach dem Doctor.. 5 1 f

Auch Bau me werden krank, oͤhngeachtet der bekannten vielen Mittel, sie vor mancherlei Schaden zu sichern. Wßhhin aber schickt man fur diese um einen Doctor, da wir noch auf keiner unserer Universitäten eine pomologische Facultät, folglich auch keine Doctoren der Baumheilkunde haben? Wir müssen also selbst zu helfen wissen.

Die meisten der, zur Heilung kranker Bäu— me bekannten Mittel sind für die Obstbäume oder Gartenbäume erfunden und vorgeschrieben. Daher soll von ihnen zuerst die Rede seyn. Oft werden Obstbäume von Mehlthau, einem an— steckenden Schmarotzer- Pilze, befallen. Solche Bäume muß man, je früher, desto besser, mit ganz reinem Wasser abwaschen und besprengen. Scheinen auch die jungen zarten Schößlinge da— von ergriffen zu seyn, so muß man sie mit ei— nem wollenen Tuche abwaschen und von aller zaͤhen schleimigen Materie reinigen. Setzt man auch einige breite flache Schüsseln oder Kübel mit Wasser in die Nähe der Bäume, so werden ihre zarteren Theile in einem biegsamen guten

4 *

5

Morgens sehr früh abwaschen, damit die Feuch— tigkeit vor der folgenden Nacht wieder verdun— sten könne. Das Abwaschen darf man auch nicht bei gar zu heißem Sonnenschein verrichten. Räu⸗ cherungen mit Schwefel vertreiben den Mehlthau gleichfalls. Den Schwefel muß man nemlich auf glühende Kohlen streuen: aber die Menschen, die dieß thun, müssen sich selbst vor dem Einathmen der Schwefeldämpfe in Acht nehmen. (Fortsetzung folgt.)

Aneldoten.

Ein Reisender erzählte, daß er alle vier

Theile der Welt durchstrichen habe, und unter den Seltenheiten hier und da, habe er zu Darm— stadt eine angetroffen, deren noch kein Schriftstel⸗ ler Erwähnung gethan. Dieses Wunder sey eine Kohlstaude so groß und hoch, daß unter einem Blatte funfzig bewaffnete Reiter sich ganz bequem in Schlachtordnung stellen, und eine Elvolution machen konnten. Einer der Zuhörer hielt die Sache für sehr merkwürdig und sagte mit der größten Gelassenheit, daß er auch gereist und bis nach Japan gekommen sey, wo er mit Verwun⸗ derung mehr als 300 Kupferschmiede an einem grossen Kessel arbeiten gesehen habe; fuͤnfhundert Menschen steckten inwendig darin, und mußten ihn glatt machen. —„Wozu sollte denn dieser ungeheure Kessel?“ fragte der Reisende.—„Ohne Zweifel wollte „man deu Kohl darinnen kochen, von dem Sie „uns erzählten,“ war die Antwort.

Zwei Besenbinder in Berlin hatten neben ein— ander ihre Waare feil. Als der eine fast schon Alles verkauft hatte, der Andere noch nichts, sagte der Eine zu dem Andern: Ich begreife nich, Kamerad, wie Du Deene Besen so wohlfeil ge— ben kannst, Ich stehle doch det Reis zu den Meenigen ooch, und verdiene gleichwohl den Traglohn kaum mit det Binden.— Das will ich glooben, Kumerad, sagte der Andere, ich

stehle die meenigen, wenn sie schon eingebunden sind.

N

Druck und Verlag der. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.

Zustande erhalten; man muß sie nur immer des