Migcellen.
Die Obstbaumzucht zu eigentlichen land⸗ wirthschaftlichen Zwecken.
Von Betzhold, herzogl. Hofgärtner zu Mergentheim in Würtemberg. (Fortsetzung.) B. Die Baumschule.
Hier werden sie nun bei gehöriger Pflege, welche in fleißigem Ausjäten des Unkrauts, Auflockern des Bodens und öfterem Begießen besteht, so weit gedeihen, daß sie im nächsten Frühjahre ebenfalls in die Baumschule versetzt werden können. Die sich dann noch allen— falls darunter befindlichen Schwächlinge wirft man als unbrauchbare und verkrüppelte Bäume ganz weg.
Das Peredeln der jungen Obstbäume.
Dieses geschieht im zweiten Jahre nach dem Versetzen. Obgleich bisweilen schon Versuche ge— macht worden sind, die jungen Bäumchen gleich im ersten Frühjahre zu veredeln, so ist doch— ausgenommen das Okuliren aufs schlafende Auge, welches um Johanni den 25. Juni verrichtet wird, wo die Bäumchen oft schon starke Triebe gemacht haben— noch nicht viel Erkleckliches da— mit erzielt worden. So leicht auch die Edelreiser wachsen mögen, so häufig man auch dieses Ver— fahren antrifft, so ist solches doch nicht zu em⸗ pfeylen. Schon mehrere Male habe ich dieses auch versucht, dabei aber immer gefunden, daß, obgleich der Baum, welcher im ersten Frühling veredelt wurde, und den im zweiten Jahre ver— edelten um ein Jahr voraus ist, so steht ersterer nach drei bis vier Jahren um Vieles nach, und es ist bloßer Zufall, wenn die im ersten Jahre veredelteu Bäume gesunde und dauerhafte Stäm— me gewähren. Es ist die Ursache davon leicht einzusehen. Denn da der Wildling noch nicht gehörig angewurzelt ist, so ist es auch unmöglich,
daß so viel Bildungssaft abgesondert werden kann, als das eingesetzte Neis und die dadurch entstan⸗ dene Wunde ganz verwächst. Mag nun letztere auch nur ganz unbedeutend bleiben, so ist es doch immer ein Siechthum, welches gewiß früher oder später den Tod des Baumes herbeiführen kann. Aus eben diesem Grunde ist es auch der Mangel an aufsteigendem Safte, wenn das E— delreis im ersten Jahre nur unbedeutend und schwächlich wächst. Und wie ist zu erwarten, wenn der Haupttrieb, als welchen ich den Trieb des ersten Jahres annehme, verkrüppelt ist, daß dennoch im gesunden Baume mit starkem Stamme Aeste und Krone erzielt werden können?— Das Sicherste ist daher, nie vor dem zweiten Jahre nach dem Versetzen einen und denselben Baum zu veredelt.
Hier sind nun die Meinungen sehr verschie— den, welche Veredlungsart den Vorzug vor der andern verdient. Auf jeden Fall meine ich, müßte von einem Landmanne diejenige Methode am Meisten berücksichtigt werden, worin man erstens die meiste Fertigkeit, und zweitens diese in eine solche Zeit fällt, wo man die meiste Muße dazu hat.— Obgleich ich keine von den vorzüglichsten Veredlungs-Methoden, als: Ko— puliren, Pfropfen, Pelzen und Okuliren verwerfe, so habe ich doch erstere und letztere, und hievon wieder letztere zur Hauptveredlungs-Methode an⸗ genommen. Weil sie die natürlichste ist, und dem Baume die wenigsten Wunden verursacht, duͤrfte man sie sehr empfehlen, noch mehr aber, weil sie zu verschiedenen Zeiten des Jahres ver⸗ richtet werden kann, wozu es eben nicht so viele Behutsamkeit beim Verbinden erfordert, als beim Kopuliren.
(Fortsetzung folgt.)
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