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12) Der Stadt Gießen ist von hoͤchster Staats⸗ behoͤrde die Anfertigung und der Gebrauch zweier neuer Siegel in Dienstgeschaͤften, welche das Wappen der Stadt Gießen, ein G mit aufrecht stehendem Loͤwen und der Umschrift:Großberzoglich Hessische Buͤrgermeisterei Gießen gestattet worden, welches ich mit dem Bemerken zur offentlichen Kenntuiß bringe, daß diese Siegel vom 15 April d. J. von der Gr. Buͤrgermeisterei in Gebrauch genommen werden.

Gießen den 23. Maͤrz 1835.

Der Buͤrgermeister C. Silbereisen.

13) In hiesiger Armencasse ist ein Capital von

60 fl. gegen gerichtliche Versicherung zu 5 PCt. zu

verleihen vorraͤthig. Man ersucht die Großherzogl. Buͤrgermeister der Umgegend, in ihren Gemeinden dieses bekannt zu machen. Großenlinden am 18. Maͤrz 1835. Der Großherz. Hess. Decan A. Hoffmann.

165) Uuterzeichneter kommt den 11. April in Giessen an, woselbst er bis zum 19. Abends im Gasthause zum Einhorn verweilen wird. Die jenigen, die seiner Hülfe bedürfen, sind gebeten, sich baldigst zu melden. Arme bedient er unentgeldlich.

Jos. Galette, Sohn, Pr. Zahnarzt aus der Residenz Darmstadt.

Miscellen. Der Torf als Brennmaterial.

Wo man Torflager unbenutzt läßt, da ver⸗ nachlässigt man das 2 edürfniß wohlfeiler Feuerung und ein Mittel, wodurch man den Armen eine wohlfeilere Feuerung und eine neue Nahrungsart verschaffen kann und ist zugleich ein Mittel, rui⸗ nirte Waldungen wieder herzustellen, indem man lange Jahre hindurch den Aushau vermindern kann.

Torf entsteht nicht in den sehr kalten und eben so wenig in den Tropenländern, sondern nur in den Ländern eines gemäßigten Climas, aber selten auf Klai⸗ und Lehmgrund in stehenden Wassern, welche im Sommer nicht austrocknen. Die Hitze

befördert die Verdunstung und trocknet die Wasser⸗ ansammlung aus, und der Frost hemmt die Zer⸗ setzung der Pflanzentheile, Hitze und Frost wirken daher der Torfbildung entgegen. Erst erscheinen Sumpfmoose und Algen und verwandeln sich in Berührung mit Wasser in einen torfartigen Brei. Eine Sumpfpflanzengeneration verfault nach der andern, und diese Verfaulung nimmt in jeder Ge⸗ neration zu, indem auf die feineren Pflanzen grö⸗ bere folgen, bis endlich Moose, Ried- und Woll⸗ gräser, wie auch Heidelbeeren, den Sumpf bedecken.

Wenn man ein ausgestochenes Torfmoor wie⸗ der auswachsen lassen will, so muß man stets etwas moorigen Untergrund stehen lassen, und die obere zur Feuerung undienliche, zu lockere Masse über den abgestochenen Boden verbreiten und darf dann an⸗ nehmen, daß etwa in 50 Jahren sich 5 Fuß dicke Torflager von neuem bilden. Daß 3000 Stck. Torf wenigstens so viel zur Feuerung werth sind, als eine Klafter Weichholz, ist sicher richtig. Im Bre⸗ mischen giebt es Moore, welche bis 42 Fuß Tiefe haben, aber solche tiefe Torflager haben nur Moore, die einst große Seen bildeten und keine kleineren Kesselmoore.

Die Asche des Torfs enthält Gyps, und deren Ausstreuung ist ein sehr nützliches Dungmittel.

Der Ofenrost muß beim Torfbrennen etwas weiter seyn, als wenn man Holz brennt, weil die Torfasche sich leicht verschlackt und dadurch der Rost verstopft wird, auch verkleinert sich die Torfkohle nicht so leicht als die Holzkohle.

Die eisernen Röhren leiden mehr beim Torf als beim Holzbrande, vermuthlich weil die Schwe⸗ felsäure des Torfs das heiße Eisen stärker angreift als die Essigsäure des Holzes; aber noch mehr grei⸗ fen die Steinkohlen das Eisen an, weil sie mehr als der Torf Schwefelsäure enthalten.

Dichter, an Erde armer Torf ist für alle Flamm⸗ feuer geeignet, und an der Niederweser wußte man längst, daß man mit Torf eben so gut als mit Holz Ziegel brennen könne. Er eignet sich vorzüg⸗ lich zu allen Schmiedearbeiten und sogar zum Frischen, wenn er wenig Gyps und phosphorsauren Kalk enthält.

Wer in den Zimmern den schwefeligen Torf⸗ geruch nicht leiden kann, der brenne blos Torfkoh⸗ len, welche viele Hitze liefern. Vorzüglich guter Torf liefert etwa 28 pCt. gute Kohlen, von denen