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Es ist kein Grund da, zu glauben, daß sie jetzt weniger passe, als in früherer Zeit. Vielmehr ließe sich eher das Gegentheil behaupten. Die Umstände sind jetzt geeigneter. Man erinnere sich nur an den Umstand, daß wir jetzt viel mehr Knollengewächse bauen, als dieß bei unsern Vorfahren der Fall war. Wir mästen jetzt die Thiere ohne Körner, was un sere Vorfahren nicht vermochten, weil ihnen jene Futterarten abgingen.

Die Zucht der Gelberuͤben.

Von der in früheren Zeiten stark betriebenen Zucht der Gelberüben in unserer Gegend ist man in neuerer Zeit abgegangen, weil die Erndte das gewünschte Resultat nicht gegeben und weil man bei geringer Erndte die Kosten für das häufige Jäten gescheut hat.

Es entstehen hiernach die Fragen:

1) Auf welche Weise wird für besseres Gedeihen der Gelberüben durch Vorsicht und Fleiß ge wirkt?

2) Wie wird dem Unkraut am besten entgegen gearbeitet?

3) Ist wirklich die Zucht der Gelberüben einer andern Pflanzung vorzuziehen?

Zu 1) Die Hauptursache, warum in neuerer Zeit dieß Gewächs öfters völlig mißrieth, ist im Samen zu suchen. Man pflegt diesen von im Keller auf bewahrten, verwelkten und im Frühjahr kränklich gekeimten Rüben zu ziehen; es unterliegt keinem Zweifel, daß hiervon ein sehr un vollkommener Sa⸗ men erzeugt wird, da selbst der ganz schlechte von den Samenkapseln der Seitenzweige zur Aussaat verwendet wird, welche, wie man sich leicht über⸗ zeugen kann, einen auffallend kleineren Samen lie⸗ fern als die aufrecht stehenden oder Herzzweige; es wird hiernach erklärlich, warum unter den guten Nüben sich häufig so viele kleine nichts nützende zeigen, welche den besseren so gut als Unkraut die Nahrung entziehen und öfters so schnell, nachdem sie sich kaum gezeigt haben, wieder verkommen. Die beste Art, Samen zu ziehen, ist die: Man lasse auf dem Land so viel der besten Rüben dicht neben einander im Herbste stehen, als nöthig ist, um den erforderlichen Samen zu ziehen, stecke, bevor Frost eintritt, einige Neiser im Kreise um dieselben

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und bedecke sie ringzum mit Rasen und oben mit etwas Stroh; so geschützt vor Frost, nehme man, sobald der Winter vorüber ist, das Stroh hinweg und lasse den Keim natürlich schießen und man wird einen gesunden Samen, namentlich von den auf⸗ recht stehenden Trieben erndten. Der auf diese Art gewonnene beste Samen wird im Frühjahr, 25 Tage vor der Aussaat, mit 3 Theilen feuchtem Sand gut unter einander gemischt und in einem Topf bis zur Aussaat stehen gelassen. Der feuchte Sand wird in dieser Zeit gleichsam eine Kapsel um das Samenkorn bilden und den Keim desselben ent⸗ wickeln. Diese Methode hat den großen Vortheil, daß man den Samen 25 Tage später aussäen kann, als man bisher gewohnt war, ohne deshalb einer früheren Erndte Eintrag zu thun und dann eine gleichmäßige Aussaat zu bewirken, indem der leichte Same durch die Verbindung mit dem feuchten Sand nicht von der einen Stelle hinweg und auf die andere geweht werden kann, wodurch häufig leere Stellen entstehen.

Zu 2) Wie wird dem Unkraut am besten ent⸗ gegen gearbeitet? diese Frage ist mit zwei Worten zu beantworten:durch Brand. Es ist frü⸗ her schon in diesem Blatte(siehe No. 5. d. J.) von dem Nutzen der Brand-Düngung die Rede gewesen; gleicher Weise ist diese auch zur Vertilgung des Un⸗ krauts zu empfehlen. Es ist hier von der Gelbe⸗ rüͤbenzucht die Rede; nachdem das für diese bestimmte, am besten das Jahr zuvor gut gedüngte und mit obererdigem Kraut bepflanzt gewesene, Land im Herbst oder im Frühjahr, sobald es thunlich ist, tief und gut umgearbeitet und gleichsam zur Aus⸗ saat zubereitet ist, läßt man es so bis gegen Mitte Aprils liegen, bis dahin man der Entwickelung des Unkrauts freien Lauf läßt; alsdann aber muß zu dessen Vertilgung geschritten werden, bevor der Same ausgestreut wird. Man nehme zu diesem Behuf die zusammengerechten Unreinigkeiten an Laub, Moos u. s. w., vermische sie, wenn sie nicht hinreichen sollten, mit leichtem Reiserwerk von Gänsrig ꝛc., streue diese auf das Land umher und zünde sie an. Nachdem alles gehörig verbrannt und somit der Keim des Unkrauts auch erstickt ist, egge oder reche man das Land noch einmal um und streue den unter 1) beschriebenen Samen aus. Da der mit Sand ver mischte Same schon gekeimt haben wird, so darf er nur ganz leicht untergerecht werden, um den Keim nicht abzustoßen oder ersticken zu lassen. Auf diese Weise wird sich das Unkraut gar nicht oder doch so spät zeigen, daß die Gelberübe schon eine Vollkommenheit erreicht hat, der das Unkraut nichts mehr schaden kann.

(Beschluß folgt.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch⸗ und Steindruckerei.

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