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Nr. 10

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Gießener Zeitung

Erscheint Samstags.

( Gießener Tageblatt)

Fahnen hatte. Debattionsschluß früh 8 Uhr.

Bezugspreis 1,50 RM vierteljährlich frei ins Haus.

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Für Aufbewahrung oder Rüd­

er ein kleines Herr dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Bolitische Rundschau.

Der Reichspräsident empfing am Mittwoch den Arbeitsaus­ouß der vereinigten Hindenburg- Ausschüsse.

Das Reichskabinett setzte am Freitagnachmittag seine Ar­beiten an den zur Debatte stehenden Steuerfragen fort. Wäh=

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 19. März 1932

durch die Bestimmung, daß die Hauspropaganda während des Osterfriedens nicht gestattet ist.

Ferner ist eine Verordnung erschienen, in der bestimmt wird, daß in Zukunft auch die in Häusern verbreiteten Flug­blätter der Polizei vorgelegt werden müssen.

Die Zusammenziehung der GA.

( Neueste Nachrichten)

Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg.. lofal 12 Pfg., die 90 mm brette Reflame- Petitzeile 96 Pfg. Platz­Bei Wiederholung Rabatt. vorschriften ohne Verbindlichkeit Für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.

Nummer 11

Sus Minervam!

Sus Minervam! Das ist eine sprichwörtliche lateinische Re­densart, die schon zu Ciceros Zeiten in Umlauf war, und zwar eine recht drastische. Vollständig lautet sie: ,, Sus Minervam docet!", d. h. die Sau schulmeistert die Minerva. Minerva war bekanntlich die Göttin der Klugheit und der Vernunft, Eigen­

und die Besprechungen über die Senkung der Biersteuer end dem Reichsinnenministerium vorher gemeldet. schaften, die gerade dem sonst recht nützlichen Borstentier nicht

giltig zum Abschluß gebracht werden konnten, standen am Frei­

tag noch die Fragen der Realsteuern, der Kraftfahrsteuer usw. ar Beratung.

Donnerstag

sgabe, 465 S. Her Jugendherbergen, Jm Bölkischen Beobachter" verlangt am . Preis 90 Pig. Rechtsanwalt Frank Il- München, M. d. R. und Mitglied des Richtungen jedes Reichswahlprüfungsgerichtes, für den kommenden zweiten Wahl­

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gang zur Reichspräsidentenwahl paritätische Behandlung des Rundfunks.

In einer längeren Unterredung zwischen Ministerialdirektor

Soffe und Tardieu ergab sich, daß die deutsch- französischen Gegen­te bezüglich des Donauplanes fortbestehen.

In Genf tagte vorgestern die Sonderkommission der außer ordentlichen Vollversammlung unter Hinzuziehung des chine­schen Delegierten Yen und des japanischen Delegierten Sato, in der über die Basis, auf die Waffenstillstandsverhandlungen in Schanghai bisher geführt worden sind und weiter vor sich gehen sollten, diskutiert wurde.

Der deutschnationale Parteivorstand ist für Samstag, den 2 April, nach Berlin einberufen worden, um den Wahlkampf

in Berlin vorzubereiten. Am 1. April tritt die Reichstags= fraktion der DNVP. zu dem gleichen Zwed zusammen.

Die Sozialdemokratische Partei hat den Parteiausschuß zu Dienstag, den 22, 3. nach Berlin einberufen.

Amtlich wird berichtet, daß der verlegte deutsche Botschafts: rat in Mostau, von Twardowski, aus dem Krankenhaus ent­lassen wurde.

Im Stlaret- Prozeß wurde am Freitagvormittag der Leiter der Hauptprüfungsstelle des Magistrats, Obermagistratsrat Dr. Brandes, über die am 10. September 1929 durchgeführte Revi­fion der Girofasse 1 der Stadtbant als Zeuge gehört, die schlieh­lich zur völligen Aufdeckung des Stlaret- Standals führte.

fie jetzt vier Blut und AB- spielt bei in der gerichtlichen eichen Prozessen der g von entscheidender Prozeß gegen Prof ruppe A". Er be indner Jllustrierten.

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Clein in Gießen

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als Keller, gegr. 1788

Die Belgische Kammer nahm in der Donnerstagssigung tinen Gejegesantrag an, der eine 15prozentige Erhöhung einer Reihe von Zöllen vorsicht.

Das Direktorium der Bank von England hat eine Herab­jezung des Diskontsages auf 3 v. H. beschlossen.

über den Bei den englisch- französischen Verhandlungen französischen Donaubundplan ist es in wesentlichen Punkten zu cimer Einigung gekommen.

Das amtliche Ergebnis des ersten Wahlganges zur Reichspräsidentenwahl.

Der Reichsinnenminister Dr. Groener veröffentlicht u. a. folgende Erklärung über die Aktion bei der NSDAP.:

Es ist zutreffend, daß Herr Roehm einige Tage vor den Wahlen mir als Reichsinnenminister hat melden lassen, daß er beabsichtige, für den Wahltag die SA. in ihren Unterkunfts­räumen geschlossen zusammenzuhalten, um allen Zusammenstößen auf der Straße vorzubeugen. Gegen diese Maßnahme bestanden beim Reichsministerium des Innern feine Bedenken, besonders auch deshalb, weil dadurch die Verantwortlichkeit der obersten SA- Leitung für alle etwaigen Vorkommnisse klar festgestellt

war.

Der ruhige Verlauf des Wahltages hat der Auffassung des Reichsinnenministeriums recht gegeben. Alarmbereitschaft der Eisernen Front" am 13. März. Die Nachtausgabe" meldet: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sind auch die Anhänger der Eisernen Front bei der Reichspräsidentenwahl während der Nächte vom Sonn­abend zum Montag in erhöhter Alarmbereitschaft gehalten wor­den. An verschiedenen Stellen der Reichshauptstadt und anders­wo waren starke Abteilungen des Reichsbanners untergebracht, die sich telephonisch verständigten, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Wie wir weiter erfahren, hatte die Regierung auch davon Kenntnis.

Zur Feststellung des Ergebnisses des ersten Wahlganges der Reichspräsidentenwahl versammelte sich am Freitagvormit­tag der Reichswahlausschuß, dem je ein Vertreter der sechs stärksten Parteien des Reichstages angehören, unter Vorsitz von Geheimrat Meisinger. Der Reichswahlleiter gab bekannt, daß aus sämtlichen Wahlkreisen Meldungen über das vorläufige Ergebnis und nur aus dem Wahlkreis 7 Breslau die endgül­tigen Ziffern vorliegen. Hiernach sind abgegeben worden: 2 558 939 Stimmen 6,8 v. S. 18 654 690 Stimmen 49,6 v. 5. 30,1 v. H. 13,2 v. 5. 0,3 v. 5. 0,0 v. 5.

Für Duesterberg

Für von Hindenburg Für Hitler

Für Thälmann Für Winter

Zersplittert find

11 341 360 Stimmen

4 982 939 Stimmen 111 486 Stimmen 8 622 Stimmen

-

Na also! Nun wird der Lärm des Herrn Severing gegen die Nationalsozialisten noch unverständlicher. Sabotageatte an Sicherheitseinrichtungen in den

Auf den Anwärter mit der höchsten Stimmenzahl von Hin­denburg sind mithin 49,6 v. H. der gesamten abgegebenen gül­tigen Stimmen entfallen. Da nach den Erfahrungen bei frü­heren Wahlen fehlerhafte Zusammenrechnungen und Eintra= gungsfehler der Kreiswahlleiter das Gesamtergebnis nur un­wesentlich beeinträchtigen können, stellt der Reichswahlausschuß entsprechend§ 147 der Reichsstimmverordnung fest, daß bei der Wahl des Reichspräsidenten vom 13. März 1932 unzweifelhaft teiner der Anwärter mehr als die Hälfte aller gültigen Stim­men erhalten hat, und daß Bedenken gegen die Gültigkeit der Wahl nicht bestehen.

Gruben.

Es wird uns aus dem Ruhrgebiet geschrieben: in mehreren Im Ruhrgebiet sind in letzter Zeit wieder Fällen Sabotagealte an den Betriebseinrichtungen des Berg­baus festgestellt worden. Man sollte es kaum für möglich hal­ten, daß es verbrecherische Elemente gibt, die in ihrem Fana­tismus so weit gehen, sogar böswillig Zerstörungen an Einrich­tungen vorzunehmen, die der Sicherheit des Betriebes und dem Schutze der Belegschaften dienen. Verbandsstoffe und andere Materialien, die für den Fall eines Unglüds bereit liegen müssen, sind schon häufig gestohlen worden.

im Uebermaẞ verliehen sind. Drum nennt ja auch der Schwabe etwas besonders Dummes ,, saudumm". Man gebrauchte jene Redewendung in Rom, wenn ein Einfaltspinsel einem flugen Manne, oder wenn ein Mensch, der von der Sache keine Ahnung hatte, einem erfahrenen Sachkundigen in der Pose des überlege­nen Besserwissers gegenübertrat. Dann bekam er seine ver­diente Dusche: ,, Sus Minervam!" Höflich flingt das nun gerade nicht, aber es gibt wohl auch nichts, was selbst ruhige Leute so aus der Haut bringen kann, als wenn Unwissenheit und Halb­wissertum sich mausig machen und sich über erprobtes Wissen und Können erheben. Und wie häufig geschieht das!

Sus Minervam! Wie mancher Kritik an der Privatwirt­schaft, wie mancher Angriff auf die Unternehmer verdient diese derbe Kennzeichnung. Was einem da an groben Mißverständ­nissen, inneren Widersprüchen und dreisten Verdrehungen be­gegnet und wie sich da oft krasse Unwissenheit und Schimmer­losigkeit aufs hohe Roß setzt, das ist schier unglaublich. Es scheint ja namentlich in Gewerkschaftskreisen direkt zu einer Art von ,, Gewohnheitsrecht" geworden zu sein, auf die Privat­wirtschaft zu schimpfen und die Unternehmer nach allen Regeln zu schulmeistern und zu schurigeln. In einem Lande, wo nie­mand ohne Berechtigungsschein auch nur einen Schlot fegen darf, bedarf es feines Befähigungsnachweises, um über die Wirtschaft zu Gericht zu sitzen, ihr großspurig Unfähigkeit und Versagen vorzuwerfen und sie für alles und jedes verantwort lich zu machen.

Nach einer Mitteilung der Verwaltung von 3 e che ,, West­falen" in Ahlen sind dort in den letzten drei Monaten drei Grubentelephone, von denen zwei zur besonderen Sicherung vor Steinfall in eisernen Kästen untergebracht waren und ein Kabel­verteilungskasten der Telephonanlage böswillig beschädigt und unbrauchbar gemacht worden. Auf die Ermittlung der Täter ist eine Belohnung ausgesetzt worden. Auf der Zeche ,, Vitto= ria Mathias" ist es politischen Hezern gelungen, die Be­legschaften zweier Rutschenbetriebe zu passiver Resistenz und zur Verübung von Sabotageatten zu veranlassen. So wurden an den Rutschenmotoren die Schrauben heimlich gelöst oder ent­fernt und in die Preßluftzuleitungen der Rutschenmotore Koh­lenklein geworfen. Auch an den Abbauhämmern wurden Be­schädigungen vorgenommen, so daß sie bei Beginn der Arbeit unbrauchbar waren. Auf der Zeche, Friedrich Ernestine" in Essen wurde kürzlich ein eiserner Tedel( kleiner Förder= wagen) von der Rasenhängebant in den Schacht geworfen. Der Anschlag zeugt von um so gemeinerer Gesinnung als es die Täter wissen mußten, daß Schachthauer im Schacht an der Arbeit waren, von denen einer nur wie durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen ist, da die den Korbdeckel durchschlagen­den Eisenteile ihn nicht getroffen haben.

Die Verhandlungen des Reichswahlausschusses zogen sich eine Stunde lang hin, da insbesondere von den Vertretern der Sozialdemokratie und des Zentrums immer wieder Bedenken vorgebracht wurden, ob nicht doch etwa bei Vorliegen der end­gültigen Stimmzettel eine absolute Mehrheit für von Hinden­Burg noch festgestellt und ein zweiter Wahlgang dadurch unnötig gemacht werden würde. Der Reichswahlleiter hielt nach allen bisherigen Erfahrungen eine solche Möglichkeit für ausge= Fhlossen.

Die Verordnung über den Osterfrieden erschienen. Die Verordnung über den Osterfrieden vom Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag ist am gestrigen Freitag im Reichs­gesetzblatt erschienen. Die Verordnung enthält dieselben Be­Stimmungen( auch was die Strafen anbetrifft), wie die Ver­ordnung über den Weihnachtsfrieden. Verschärft ist sie lediglich

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Jawohl, für alles und jedes! Selbst für den Porzellan, den die unberufenen Kritiker selbst zerschlagen haben. Gestern noch warf man der Industrie Rückständigkeit vor und nötigte sie eingestandenermaßen durch Lohndrud zu immer weiteren Ra­tionalisierungsmaßnahmen, rühmte sich sogar laut, dadurch die Leistungsfähigkeit der Industrie auf die höchste Höhe gebracht zu haben heute schimpft man mordsmäßig darüber, daß diese verdammte Rationalisierung die Arbeitslosigkeit vermehrt habe, und zetert über Ueberkapazität und Fehlinvestitionen der In­dustrie. Hott und hüh und hüh und hott! Auf die Gründe tommt's schließlich überhaupt nicht mehr an, das Kritisieren und Ankläffen ist zum Selbstzwed geworden. Kübelweise wird die Wirtschaft nun seit dreizehn Jahren mit boshaftem Un­sinn und albernen Schlagworten übergossen von Leuten, die von der Leitung eines Geschäftsbetriebes so wenig Ahnung haben, wie die Kuh vom Flötenspiel. Sus Minervam!

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Es ist ein widerwärtiges Schauspiel dieses gehässige Her­unterreißen von Wirtschaft und Unternehmertum, dem tagein, tagaus in Versammlungsberichten und in den Spalten der Gewerkschaftspresse begegnet. Das Anstößige ist nicht nur die Albernheit und die Ueberheblichkeit dieser fritiflosen Kri­tiken, sondern auch ihre empörende Ungerechtigkeit und ihre nationale Schädlichkeit. Dauernd sitt ein für die Nation le­benswichtiger Stand auf der Anklagebant, auf den Schwierig­feiten über Schwierigkeiten von nie gekanntem Ausmaß ein­stürmen und der sein Letztes an geistiger Spanntraft und an Arbeitsfreude hergeben muß, um sie zu meistern. Und das wohl­gemerkt, im Interesse des Volksganzen! Denn mit jedem Zu­sammenbruch eines Betriebes vermindert sich das Volksvermö­gen, wächst die Verarmung, steigt die Arbeitslosigkeit. Auf den Straßenbahnen ist es dem Publikum mit Recht verboten, den Wagenführer anzusprechen und im Dienst zu stören, bamit Die nicht die Fahrgäste durch Versehen gefährdet werden. Unternehmer aber, an deren wirtschaftlicher Existenz diejenige von so vielen Arbeitnehmern hängt und die schon sowieso von einem Uebermaß von Sorgen erdrückt werden, darf jeder zun­genfertige Demagoge mit den lächerlichsten Anschuldigungen und Belehrungen überschütten, ihnen dadurch das Dasein noch schwe= rer machen und den letzten Rest von Arbeitslust und Entschluß­fraft verderben. Ist das nicht wirklich saudumm"?

Minervam!

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Sus

Das Tollste aber ist, daß hier die Rollen geradezu vertauscht sind. Nicht die Angeklagten gehören auf die Anklagebant, son­dern die anmaßenden Ankläger, die zugleich auch Richter sein wollen. Im Zeitalter der Massendemokratie stehen die Unter­nehmer nahezu einflußlos da. Staat und Gesetzgebung werden in stärkstem Maße von den unternehmerfeindlichen Leitern der Massenorganisationen beeinflußt. Diese und nicht die Unter­haben auch den Kurs auf dem Gewissen, den die Wirtschaftspolitik nach dem Kriege allen Warnungen und Ein­sprüchen der Wirtschaft zum Trog eingeschlagen hat und der jetzt mit dem von den Unternehmern immer wieder voraus­gesagten vollen Zusammenbruch geendet hat. Es hat in Deutsch­land gegangen wie in Australien und in England: überall­wo die Gewerkschaften in der Wirtschaftspolitik das Heft an sich reißen, kommt der Niedergang so sicher wie das Amen in der Kirche.

Das rührt aber eben daher, daß die große Ueberzahl der Funktionäre natürlich gibt es auch wenig zahlreiche und deshalb um so rühmlichere Ausnahmen von der Tätigkeit der