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,, Gießener Zeitung"

Nr. 50

Samstag, den 17. Dezember 1932.

Hamstergeld und Fluchtkapitalien kehren zurüð. Seit mehr als Jahresfrist mußte in Deutschland der Kampf gegen das Geldhamstern geführt werden. Diesem Kampf war ein erfreulicher Erfolg beschieden, denn in den letz­ten Wochen und Monaten sind, wie eine Reihe von Anzeichen ertennen lassen, die gehorteten Geldbeträge zu einem erheb­lichen Teil wieder in den Verkehr geflossen. Darauf läßt die günstige Entwicklung der Spareinlagen bei den Sparkassen, aber auch die Bewegung am Rentenmarkt schließen. Auch das in das Ausland geflüchtete inländische Kapital hat Heimweh be­tommen. Die Betroffenen haben gemerkt, daß Kapitalflucht nicht nur ein schlechtes Geschäft ist, sondern daß die Vorstellun gen von der Sicherheit des Geldes im Ausland sehr übertric­ben und durchaus nicht immer zutreffend waren.

Der Rückfluß von Hamstergeld und die Rückkehr der Flucht­tapitalien ist eine wichtige Voraussetzung für die Ueberwin­dung der Krise. Die Wirtschaftsbelebung kann nur langsam ein­setzen, und das ist gut so! denn jede zu stark und fünstlich geför­derte Belebung würde leicht die Gefahr einer Uebertreibung und Ueberspannung und damit die Reime einer neuen frisen­haften Entwicklung in sich bergen. Die Bereitstellung bereits vorhandener, aber bisher in Strümpfen und Kisten zurückgehal­tener Kapitalien für die Kreditgewährung an die Wirtschaft ermöglicht die Finanzierung einer gesunden Arbeitsbeschaffung. Gegen alle Projekte, die auf eine Bünstliche Kreditschöpfung hin= auslaufen, werden mit Recht schwerwiegende Bedenken erhoben Der normale und auch ergiebige Weg geht über die Sparinsti­tute. Einen Beweis dafür, wie stark jetzt die früher häufig verkannte Bedeutung des Sparens und der Sparer für die Wirtschaft in der Deffentlichkeit gewürdigt wird, liefert die vor furzem erfolgte Gründung des Bolksbundes zum Schuß er­Sparten Vermögens". Diese Front der Sparer hat alsbald ein startes und gutes Echo gefunden. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat die Arbeit des Volfsbundes als eine große soziale und wirtschaftliche Aufgabe bezeichnet, die sowohl im Interesse der vielen Millionen Sparer als auch zum Schutze des virt­schaftlich und sittlich so wichtigen Sparsinns und zur Förderung der unetbehrlichen nationalen Kapitalbildung gepflegt werden muß. Durch diesen Zusammenschluß, den die berufenen Spar­institute nach Kräften fördern, wird die Macht der Sparer ge= stärkt und damit ein weiterer wichtiger Fattor für die Gesun­dung der wirtschaftlichen Verhältnisse geschaffen.

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Aus Nah und Fern.

* Keine Wintersportmöglichkeit im Bogelsberg. Wie wir vom Hoherodskopf hören, besteht zur Zeit keine Möglichkeit zum Wintersport im Vogelsberg. Auf der Höhe ist der Schnee nahezu vollständig verschwunden.

Grünberg( Oberh.) In Lardenbach stürzte das zwei Jahre alte Kind eines Schuhmachers unbemerkt in eine Wanne mit tochendem Wasser. Das bedauernswerte Kind wurde so schwer verbrüht, daß es einige Stunden später in der Gießener Klinik verstarb.

Oberseemen. Der seit dem 2. Dezember vermißte Arbeiter Jakob Lapp aus Oberseemen, der trotz eifrigster Nachforschungen der hiesigen Polizeibehörde nicht entdeckt werden konnte, wurde am Mittwoch erfroren aufgefunden.

Ein weihnachtliches Straßenbild.

Eine Hauptgeschäftsstraße in Odense mit Tannengirlanden und bunten Glühlampen, die die Kauf- und Gebefreudigkeit hebt und zur Nachahmung nur zu empfehlen ist.

Friedberg. Der tommende Goldene Sonntag ist dem deut­schen Lied gewidmet. Schon am Vormittag wird in der geräu­migen Aula der Augustiner- Schule die 100jährige Wiederkehr des Geburtstages Johann Brahms festlich begangen.

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mit Zweifel gegenüber gestanden haben mag. Der Verlag wollte auf knappem Raum ein Werk bieten, das nicht nur kurze Wort und Begriffserläuterung, sondern eine Zusammenschau unseres Weltbildes" geben und der heutigen Geldknappheit Rechnung tragend ein vielbändiges Riesenlegifon ersetzen. Dieser Versuch ist tatsächlich im Rahmen des technisch Möglichen geglüdt. Meyers Kleines Legifon. Achte, gänzlich neu be­arbeitete Auflage 1931/32. 3 Bände und 1 Atlas- Band. 70 000 Stichwörter und Artikel mit rund 3500 Textilbildern, 293 gro­Ben, 3. T. mehrfarbigen Tafeln und Karten; der Atlas- Band enthält außerdem 238 Haupt- und Nebenkarten. Jeder Band in Leinen 23 RM., in Halbleder 26 RM; bei Rüdgabe eines nach 1892 erschienenen 2- bis 4bändigen Lexikons in Leinen 20,50 RM., in Halbleder 23,50 RM.

Die Leturner Hütte. Von Hans Wahlit. 381 S. Ro­man. In Halbleder geb. 2,90 RM. Vollsverband der Bücher­freunde, Wegweiser- Verlag GmbH., Berlin- Charlottenburg 2. Das neueste Wert eines geistigen Führers des Deutschtums in den Sudeten. Oswald Leturner, der Erbe einer böhmischen Glashütte, ein fanatischer Abenteurer, sexual- pathologisch be= haftet, gefürchtet von seinen Nachbarn, führt ein tragisches, zwie­spältiges Leben. Verderblich und reizvoll wie die Macht des Feu­ers, dessen Dämonie sein Verhängnis wird, hält Oswald Letur­ner zwei Schwestern in seinem Bann. Die Liebe zu ihm erhöht und vernichtet ihr Lebensglüd. Dieses eigenartige Schichsal, verwurzelt in der Schwere und Mystik böhmischer Landschaft, genährt vom Hauche jahrhundertealter Sagen, ist grandios ge­staltet.

Darmstadt. Im 71. Lebensjahre starb in der Nacht auf Freitag Geheimer Kommerzienrat Dr. med. und phil. e. h. Wil­helm E. Merd, Seniorchef der gleichnamigen weltbekannten chemischen Fabrit. Geheimrat Merd war fast 50 Jahre in seinem Betrieb tätig und hat einen erheblichen Anteil an der Er­langung des wissenschaftlichen Rufes, den sein Werk in der gan= zen Welt genießt.

Das Wormser Festhaus niedergebrannt. Worms. Am Mittwochabend brach im hiesigen Festhaus Großfeuer aus. Das Bühnenhaus, die Garderoben und das Maschinenhaus brannten bis auf die Grundmauern aus. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, das Feuer zu lokali­Fieren, da das Hauptgebäude in große Gefahr geriet.

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Wismar bei Gießen. In diesen Tagen sind 30 Jahre ver­flossen, daß die hiesige Zigarrenfabrik der Firma Rinn& Cloos ihrer Bestimmung übergeben wurde. Es war dies der erste größere Fabritbau der im Jahre 1895 begründeten Firma.

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Deutscher Reichsbahn- Kalender 1933. 7. Jahrgang, Her ausgeber Dr. Dr. Baumann. Konkordia- Verlag Leipzig, Goethestr. 6. 160 Blätter Preis 3,60 RM. Die Reichsbahn treibt auch einen Kundendienst", der vorbildlich ist und Nach­eiferung verdient. Ihn lernen wir in diesem Kalender von Grund aus bennen. Der Verfasser hat es verstanden, dieses Leitmotiv in diesem Jahr treffend herauszuarbeiten. Jm Güterverkehr wie im Personenverkehr wird gezeigt, welche An­strengungen die Reichsbahn macht.

Das Rödklein des Jesukindes. Eine Weihnachtserzählung von Paula Grogger. Textillustrationen von Balduin Rein­thaler, Halbleinen 4,50 RM. Verlag Josef Müller, München 13, Friedrichstraße 18. Eine originelle Weihnachtsgeschichte von einem budligen Schneider im Himmel, von sieben bösen Buben und der weihnachtlichen Erdenfahrt des Christkinds. In dem wundersam poetischen Bilde des Weihnachtsabends, an dem die sieben bösen Buben durch tiefen Schnee zum Christkind stapfen und, durch seine Liebe berührt, zu braveft Kindern werden.

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Uns hat vom Christkind geträumt. Eine Weihnachtsge­schichte. Erzählt von Anneliese S. Bergenthal, gemalt von Jo­sef Madler mit farbigen Bildern. In Geschenkband 2,50 RM. Verlag Josef Müller, München 13, Friedrichstraße 18. Die Kleine Annemarie und ihre Mutter erzählen sich von dem himm lischen Kinde und werden froh in der Erwartung der heiligen Nacht. Wenn man sich in dieses Büchlein versenkt und die Bilder betrachtet, dann taucht man unter in der unvergleichlich schönen und reinen Poesie der christlichen Weihnacht.

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Den lieben Kindern. In Geschentausstattung 2,80 RM. Ein Verlag Josef Müller, München 13, Friedrichstraße 18. Kinderbüchlein mit Bildern von Josef Bachlechner und Versen von Bruder Willram. In den bunten, mannigfaltigen Kinder­zenen des Meisters ist Kindesgemüt zutiefst erfaßt und wunder­bar zart, treuherzig, naiv zum Ausdruck gebracht; dabei guckt aus allen Winkeln ein verstedter, liebenswürdiger Humor.

Der Kleine Meyer" vollständig. Diese Nachricht wird weite Leserkreise ebenso erfreuen und interessieren wie den fri= tischen Zeitbeobachter. Denn in diesem dreibändigen Lexikon­werk des Bibliographischen Instituts sind einige Kunststücke voll­bracht, deren Gelingen mancher Erfahrene bei der Ankündigung

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