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Samstag, den 15. Oftober 1932

spielhaus nicht nur zu einer Stätte gediegener Unterhaltung zu gestalten, sondern den Film auch als Träger von Wissen­schaft und Kultur in breiteste Volksschichten hineinzutragen. Wir wünschen dem Unternehmen, trog der angespannten Wirtschafts­lage auch für die Zukunft die gleiche glückliche Weiterentwid­lung.

Das billige Vergnügen.

Sparsamkeit ist von jeher eine Tugend des deutschen Volkes gewesen, aber nie war der Zwang zur Sparsamkeit so start, wie heute. Man muß an allen Eden und Enden sparen, muß darüber nachdenken, wie man am billigsten zur Arbeitsstätte tommt und wie man am billigsten das eigene Heim wieder er­reicht, man muß überlegen, ob die im Vorort liegende Woh­nung nicht vorteilhafter sich auswirke, als die mit teuerer Miete belastete Wohnung im Innern der Stadt und vieles an­bere bedenken. In dieser Not kommt das Fahrrad allen zu­Statten. Es fostet nicht mehr, als in einigen Monaten an die ' öffentlichen Verkehrsmittel zu zahlen sind, und es besitzt neben der Tugend als Geldsparer die Tugend des Zeitraffers. Die Freizeit wird durch die schnellere Bewältigung des Weges zur und von der Arbeitsstätte verlängert, und die Zeit des War­tens auf die öffentlichen Verkehrsmittel entfällt. Das Fahrrad ' gestattet ein weiteres Hinauslegen der Wohnung und damit eine Ersparnis an Miete, aber alles dies erschöpft den Wert des Besitzes nicht.

Das Fahrrad zeigt sich nicht nur an Wochentagen als Freund und Helfer, sondern auch an arbeitsfreien Tagen. Willig führt es Gebieter und Gebieterin in Wald und Flur, wenn Feiertag ist. Das Radeln füllt die Lungen mit frischer Luft, läßt die Sorgen des Alltags vergessen, und das Rad bringt körperlich und geistig erfrischte Menschen heim. Und wenn der Radler oder die Radlerin am anderen Tage ihre Erlebnisse mit benen austauschen, die auf öffentlichen Verkehrsmitteln ange= wiesen einen Ausflug unternommen hatten, dann stellt es sich nicht nur heraus, daß die Radlosen mehr ausgegeben, sondern " piel weniger gesehen hatten, unbequem und nach dem Erho­lungsausflug müder waren, als vorher.

Das Radfahren darf man als das schönste und billigste Vergnügen bezeichnen. Die Anschaffung eines Fahrrades wird heute jedermann leicht gemacht. Die Beherrschung des Rades ist ein Kinderspiel, und die Unterhaltungsspesen rechnen nach Pfennigen. Die Luft für die Reifen gibt es kostenlos, und auch die Puzzlappen tosten nichts. Für den Ausflug stedt man sich Obst und Butterbrote ein und macht Picknick im Walde, wo das Konzert ebenso wenig kostet wie das Wasser der zum Trunk einladenden Quelle. Es gibt viele Radler und Radlerinnen, die auf weiten Wanderfahrten keinen Pfennig ausgegeben und dennoch oder vielleicht gerade deswegen eine so große Freude am Radeln haben.

Aus Nah und Fern.

Bad Nauheim. Bis zum 13. Oftober 1932 betrug der Ge­samtbesuch 23 866 Gäste, darunter 3932 Ausländer. Anwesend ' waren an diesem Tage 1359 Gäste.

Schotten. Die von der Landesversicherungsanstalt Hessen in Semeinschaft mit dem Ministerium des Innern geschaffene ,, Ses= fische Wanderausstellung, Gesundheitspflege und soziale Für­Sorge", die in ganz Hessen größte Beachtung fand, wird heute, den 15. Oktober, mit einem Vortrag des Schottener Kreisarztes Dr. Koch eröffnet.

Alsfeld erbt 10 000 Dollar.

Die letzte Stadtvorstandssitzung beschäftigte sich mit der Er­höhung der Bürgersteuer für 1933 von 300 auf 500 Prozent und mit der Anpassung der Steuerzuschlagsätze für die Gemeindeum­lagen einschließlich der Sondergebäudesteuer an den Landes­' durchschnitt. Ein wesentlicher Ausfall an den Voranschlägen für 1932 muß durch entsprechende Erhöhung des Bürgersteuer­sages ausgeglichen werden. Beide Vorschläge wurden abgelehnt. Dr. Völsing teilte dann mit, daß Professor Dr. Kober in Washington, ein geborener Alsfelder, der Stadt 10 000 Dollar

,, Gießener Zeitung"

vermacht habe, deren Zinsen zum Wohle der Armen und Kranken Verwendung finden sollen.

Vier Wohnhäuser und fünf Scheunen niedergebrannt.

Schlig. Am Freitag brach in der Scheune der Witwe Hoh meyer in dem nahegelegenen Bernshausen Feuer aus, das sich rasch verbreitete. Vier Wohnhäuser, fünf Scheunen und Stal: Aungen brannten bis auf die Grundmauern nieder. Das Vieh fonnte zum größten Teil in Sicherheit gebracht werden. Der Turm der Kirche, die nur vier Meter von dem Brandherd

steht, wurde durch das Feuer beschädigt.

100- Jahrfeier des Bestehens des Hess. Oberkonsistoriums Darmstadt. Zu einer schlichten Feier des 100- jährigen Bestehens des Hess. Oberkonsistoriums zw. Landeskirchenamtes hatte der Präsident des Landeskirchentages, Archivdirektor D. Herrmann, auf den 13. Oftober vormittags in das Landeskirchentagsge= bäude eingeladen. Außer den Beamten des Landeskirchenamtes waren die in und außer Dienst befindlichen Oberkonsistorialräte und Oberkirchenräte erschienen, ferner die Kirchenregierung an ihrer Spize D. Dr. Dr. Diehl und Präsident Dr. Dahlem. Außer­dem waren die Professoren des Predigerseminars und zahlreiche Landeskirchentagsabgeordnete anwesend. Die Feier hatte eine schlichte musikalische Umrahmung.

Ein Denkmal für einen verdienten Tierseuchen­bekämpfer.

Am 30. Oktober wird auf dem Mathildenplatz in Darmstadt ein Denkmal für den verstorbenen Geheimrat Prof. Dr. Lorenz enthüllt.

Werdorf( Krs. Wetzlar). Hier rannte ein mit 4 Personen besetztes französisches Auto gegen einen Baum. Während zwei Insassen des Wagens unverletzt blieben, mußten zwei Da­men dem Krankenhaus in Wetzlar zugeführt werden.

Aus dem Dilltal. Die Burger Eisenwerke, die sich mit der Fabrikation von Desen befassen, haben eine größere Anzahl von ' Arbeitern neu eingestellt.

Wirbelsturm deckt 150 Häuser ab.

Weinheim a. d. B. Das nahe Dorf Laudenbach wurde am Donnerstagabend von einem furchtbaren Wirbelsturm heim­gesucht. Im südlichen und östlichen Teil des Dorfes wurden 150 Häuser abgedeckt. Etwa 200 Obstbäume wurden umgerissen. Die Straßen sind mit Ziegeln und Schlamm bedeckt.

Neue Bücher.

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Sowjetrußland von heute. Von Prof. Dr. Hans Halm. Bericht eines Augenzeugen. Preis 65 Pfg. Verlag Buchholz Jeder Deutsche u. Weißwange, GmbH., Charlottenburg 2. hat die Pflicht, sich über die wirklichen Zustände in Sowjetruß­land aus berufenem Munde aufklären zu lassen. Der Inhalt dieses Buches müßte über alle Sender der Welt gehen. Jetzt ist es an der Zeit, Europa zu mahnen, seine heiligsten Güter zu wahren!

Garba, das Spiel ist aus- wird nun das Leben kommen?, von Friede H. Kraze. Verlag C. Bertelsmann in Güters­lohn. 327 S. Preis geb. RM. 4.40. Zu haben in jeder Buch­handlung. Nach viel Unruhe, Jrrgang, viel Leid und Werk zieht eine geläuterte Roselin im Maschinengewehrfeuer der Revolution den Schlußstrich der Jungmädchengeneration von 1914. Ein seltenes Frauenbuch, wo unendliche Zartheit, frau­liche Güte, tiefer Lebensernst und die starke Zuversicht der reifen Dichterin wirklich zum Herzen sprechen.

Die Verteilung des in der Notverordnung vom 4. Sep­tember 1932 vorgesehenen 50- Millionen- Fonds für Hausrepa­raturen kommt in Gang. Die Durchführungsbestimmungen des Reichsarbeitsministers betreffend die Gewährung des Reichs­zuschusses von 50 Millionen sind nunmehr im ,, Deutschen Reichs­anzeiger" Nr. 222 veröffentlicht worden. Näheres hierüber steht in den Wirtschaftlichen Kurzbriefen. Probenummern stellt der Rudolf- Lorenz- Verlag, Charlottenburg 9, fostenlos zur Verfügung.

Musterbetriebe deutscher Wirtschaft, Band 28: Das Bau­wesen: Hochtief- A.- G. für Hoch- und Tiefbauten vorm. Gebr. Selfmann. Essen, Verlag J. J. Arnd, Leipzig C 1, Salomonstr.

Nr. 41

10. 126 S. illustr. Der 28. Band der bekannten Bücherserien gibt einen Einblick in das Baugewerbe. Der Verfasser versteht es mit großer Sachkenntnis und Erfahrung, den Unterschied zwischen der Eigenart des Baugewerbes und anderer Industrien herauszuarbeiten. Besonders instruktiv sind die Ausführungen über Baustoff und Baustil, aus denen die Wandlungen klar her­vorgehen, die sowohl im Baustoff wie im Baustil vor sich gegan­gen sind. Der Leser bekommt eine flare Vorstellung von dem ( Wesentlichen des Bauwesens.

Handarbeiten in Wolle find imer noch die meistbegehrtesten. Diesem Wunsche kommen die soeben erschienenen drei neuen Hefte der Sammlung Vobachs Handarbeitshefte entgegen: Neue Wollkleidung für Herren( Nr. 158) Neue Wollkleidung für Damen( Nr. 159) Neue Wollkleidung für Kinder( Nr. 160), Preis eines jeden Heftes 95 Pfennig. Die Reichhaltigkeit die­ser Hefte mit ihren teils farbigen Vorlagen und dem jedem Heft beiliegenden Musterbogen ist überraschend.

Phönix- Kalender für die deutsche Jugend 1933/34. Führer durch das Jahr 1933 für Knaben und Mädchen. Neu bearbeitet von Dr. Karl Hellwig; mit 16 Kunstbeilagen und über 150 Ab­bildungen im Text. 380 S. mit 2 Preisausschreiben und 1 Preisrätsel in Ganzleinen eleg. geb. 1,25 RM. Phönix- Verlag Die seit dem vorigen Jahr Carl Siwinna, Berlin SW 11. erscheinende Neuausgabe des bei der Vorkriegsgeneration in bester Erinerung stehenden Phönix- Kalender für die deutsche Jugend" liegt nun für das Jahr 1933/34 vor. Wo es irgend möglich war, diesen vortrefflichen Jugendkalender noch zu ver­bessern, ist es in vollem Maße geschehen.

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Marie Hamsum schreibt wieder. 1928 erschien ihr mit Be­geisterung aufgenommenes Erstlingswerk ,, Die Langerudkinder". ,, Die Woche" veröffentlicht jetzt ,, Die Langerudkinder wachsen heran." Dadurch bekommt das neue Heft dieser schönen illu­strierten Zeitschrift besonderen Wert.

Der gute und der schlechte Schüler. Höchst interessante Typenbilder von guten und von schlechten Schülern, die im psychologischen Institut der Rostoder Universität durch Ueber­einanderkopieren zahlreicher Einzelphotos entstanden sind, zeigt zusammen mit anderen Versuchen die neue Nummer( Nr. 42) der ,, Münchner Jllustrierten".

,, Weißt Du auch, wen Du liest?" Unter diesem Titel be­ginnt in der ,, Neuen J3" Nr. 42 ein Roman von Fritz Gott furcht, welcher das Schicksal einer jungen Bühnenkünstlerin schildert.

Unser Hausarzt. Monatschrift. Aus dem Inhalt des Otto­ber- Heftes: Magen- und Darmerkrankungen.

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Das Vertrauen zur Marke. Einer Glühlampe können Sie es als Laie nicht ansehen, ob sie gut ist. Sie haben auch nicht zu Hause die Meßinstrumente, mit denen man feststellen kann, ob die Lichtleistung der Lampe im Vergleich zu ihrem Wattver brauch, den Sie laufend bezahlen müssen, so hoch sind, wie es der heutige Stand der Technik möglich macht. Der Kauf von Glüh lampen ist deshalb Vertrauenssache. Wenn Sie aber Lampen taufen, die den Markennamen Osram" tragen, dann haben Sie auch ohne eigene Messungen die Gewißheit, daß diese Lam 1.9 pen dem Höchststand der Technik vollauf entsprechen.

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Samstag, den 15. Oktober 1932 Sonntag, den 16. Oktober 1932 im ,, Katholischen Vereinshaus" Gießen

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