Samstag, den 12. März 1932.
Aus Nah und Fern.
Unterschlagungen eines Verwaltungsbeamten. Marburg. Ein Verwaltungsbeamter Don der Landes= irrenanstalt Haina( Kreis Frankenberg), der bereits fürzlich wegen Unterschlagung von 32 000 Mart Kassengeldern zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde, stand jetzt vor dem hiesigen Schöffengericht unter der Antlage, gleichzeitig 5400 Mart aus der Gemeindekasse der Beamte hatte nebenbei auch das Amt des Gemeinde rechners inne unterschlagen zu haben. Der Angeklagte gab die Unterschlagungen auch zu, doch bestritt er die angegebene Höhe.
Biedenkopf. Die Landwirte haben in einer Versammlung zu der Frage des Milchpreises Stellung genommen und be= schlossen, an dem seitherigen Satz von 22 Pfg. festzuhalten, da man sonst von einem Verdienst nicht sprechen könne.
Kirchhain. Ein Kind spielte mit einer gefundenen Patrone und warf diese in den Ofen. Es erfolgte eine Explosion, bei der das Kind schwere Kopfverletzungen erlitt.
Hersfeld. Ein 15- jähriger Junge, der am Rand des Bürgersteiges stand, wurde von einem Lastauto erfaßt und überfahren. Er starb infolge der schweren Verletzungen.
Ohne Fehlbetrag.
Westerburg. Der Landrat. teilte dem Kreistag mit, daß der Kreis trotz der erhöhten Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen von 400 seinen Haushaltsplan ausgleichen konnte. Dieses sei durch vorsichtige Finanzpolitik erreicht worden.
Mannheim. Im Rheingoldzug" wurde am Mittwoch ein griechischer Banfier verhaftet, der als Führer einer internationalen Rauschgifthändlerbande gilt. Man schlägt den Wert der Rauschgifte, die die Bande unter seiner Leitung umgesetzt hat, auf 3 Millionen Mark.
Friedrichshafen. Das Luftschiff Graf Zeppelin wird erstmals am 20. März, nachts 23.30 Uhr, seine erste Fahrt nach Südamerita antreten.
102 Schulen in Breslau wegen Grippe geschlossen. Breslau. Die Zahl der wegen Grippe geschlossenen Breslauer Schulen hat sich bis Donnerstagmittag auf 102 erhöht.
Die Feuerwehr im antifen Rom.
Aus dem ,, Osservatore Romano".
In den ersten Jahrzehnten nach seiner Gründung bestand in Rom nur geringe Feuersgefahr, denn die Häuser waren klein und standen isoliert. Erst als das römische Leben eine festere Gestalt annahm und winkelige, enge Gassen mit dicht bevölkerten Häusern entstanden, nahm die Feuersgefahr in Rom zu. Nur zu oft fielen dann ganze Stadtviertel furchtbaren Feuersbrünsten zum Opfer. Nicht selten geschah es, daß die Haus besitzer selbst Feuer an ihre eigenen Häuser legten, weil sie hofften, durch die öffentliche Wohltätigkeit nene, schönere Gebäude hinstellen zu können.
Die reichen Römer bildeten deshalb schon in den frühesten Zeiten Diener und Sklaven zu einer Art Feuerwehr aus. Diese Wachkompanien mußten entsprechend ausgerüstet und mit den nötigen Wassermengen versehen, Tag und Nacht über den Besitz ihrer Herren wachen und eventuell entstehende Brände gleich im Keime ersticken.
In den Jahrhunderten vor Augustus gibt es keinerlei Anhaltspunkte, daß von Staats wegen irgend etwas gegen Feuersgefahr getan wurde. Uralt ist jedoch die private Einrichtung der ,, Triumviri notturi", welche die Aufgabe hatte, darüber zu wachen, daß kein Brand auskam und die bei der kleinsten Feuersgefahr gleich eingreifen mußte. Diese Triumviri hatte Hunderte von Sklaven zu ihrer freien Verfügung, die an den Toreingängen und längs der Stadtmauer aufgestellt
waren.
Auf diese private Organisation baute dann im Jahre 6 n. Chr. Kaiser Augustus eine eigene Feuerwehrmiliz auf, die als Staaseinrichtung galt und die neben dem Feuerschutz und dem Löschen von Bränden, auch Jagd auf Diebe, Einbrecher und geflohene Sklaven zu machen hatte, in denen man immer Brandstifter vermutete. Augustus baute diese Feuerwehr ,,, Militia vigilum" genannt, nach seinen eigenen Plänen aus, organisierte und vervollkommnete sie derart, daß noch nach Jahrhunderten seine Nachfolger die hohen Verdienste dieser Feuerschußeinrichtung rühmten. Insbesondere Kaiser Caracalla hatte warme Sympathien für sie. Er ließ keine Gelegenheit vorübergehen, ohne ihr sein kaiserliches Wohlwollen zu zeigen. Er war es, der das nächtliche Offenhalten der öffentlichen Bäder verfügte und die Straßenbeleuchtung einführte, wodurch die Tätigkeit der Feuerwehr plöglich an großer Bedeutung gewann. Der Einfluß der Vigili auf das öffentliche Leben und Treiben in Rom war zu allen Zeiten bedentend, ganz besonders groß aber war die Macht ihres Hauptmannes, des ,, Praefectus Vigilum". Kaiser Justinian
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gab sogar in einem Edikte bekannt, daß diese Offiziere den Titel Exzellenz" führen und mit dieser Anrede zu beehren seien. Der Einfluß dieses Praefectus Vigilum war ungeheuer, selbst bei der Wahl der Imperatoren spielte er eine wichtige, fast ausschlaggebende Rolle. Es kann als sicher gelten, daß der spätere Anstieg des Präfekten zu einer derartigen Machthöhe in der Drganisation des Augustus seinen Ausgangspunkt hatte. Augustus teilte schon die Bezirke Roms in sieben Gruppen und jede Gruppe hatte zwei Bezirke. In einem dieser beiden Bezirke lag jeweils die Kaserne einer Kohorte, im anderen dagegen nur ein Wachlokal, das aber auch dem Kommandeur des erste ren unterstellt war.
In der Kaserne der ersten Kohorte, die im Zentrum Roms neben dem Kapitol und dem Forum lag, waren die Diensträume der Kommandantur untergebracht. Die übrigen Kohorten waren in der ganzen Stadt verteilt. Ein Detachement lag außerdem in Dstia, das wahrscheinlich von Claudius dorthin verlegt und entsprechend organisiert worden ist. Die Kaserne, in der camals dieser Truppenteil untergebracht war, ist noch heute in Ostia zu sehen. Es war ursprünglich der geräumige schöne Palast eines reichen Kaufmanns, den der Fiskus ankaufte und in eine Kaserne umwandelte, die in der Folge aber wiederholt restauriert wurde. Septimius Severus ließ das Gebäude vollständig umbauen und erweitern, damit es 700 Mann fas sen konnte. Dieser Truppenteil war dem Tribun einer römischen Kohorte unterstellt und wurde dreimal, im Dezember, April und August ausgewechselt.
Diese Militia vigilum existierte im Altertum allein in Rom, und man kann deshalb sagen, daß Rom die Geburtsstätte der Feuerwehr ist. In anderen Städten des Altertums lag der Feuerschutz und die Ausübung des nächtlichen Polizeidienstes in den Händen der örtlichen Zünfte der Schmiede und Schlosser. Wenn wir in den Chroniken der Städte Lyon und Nimes aus der damaligen Zeit den Namen Feuerwehr lesen, so kann man nur annehmen, daß der Chef dieser Zünfte ein römischer Offizier war, der sich den Namen eines Praefectus vigilum beilegte. Seine Mannschaften waren deswegen aber keine Vigili, sondern gehörten den lokalen Zünften an. Die römische Militia vigilum war 7000 Mann stark; auf eine Kohorte entfielen 1000 Mann. Jede Kohorte zerfiel wieder in 7 Zenturien, im Gegensatz zum römischen Heere, wo eine Kohorte 10 Zenturien hatte. Im übrigen wurde die Fenerwehr aber zum Heere gezählt. Die Mannschaft erhielt die gleiche Löhnung und hatte die gleichen Rechte, wie die Soldaten der städtischen Kohorten oder die Legionen der Prätorianer. Während in der ersten Zeit die Vigili größtenteils freigelassene Sklaven waren, rekrutierte man dieselben später aus freien Bürgern, hauptsächlich aus ehemaligen Soldaten. Der Uebertritt vom Heere zur Feuerwehr war für den Col daten mit einer Beförderung verbunden.
Die Tätigkeit der Feuerwehr wurde als so wichtig be trachtet, daß schon die Lex Vitellia im Jahre 24 bestimmte, daß den ehemaligen in dieser Waffengattung dienenden Sklaven nach sechsjähriger Dienstzeit die Rechte eines freien Bür gers geschenkt werden müssen. Später wurde diese Frist sogar auf drei Jahre herabgesetzt, und als freier Bürger nahm der emstige Sklave automatisch an der kostenlosen Verteilung von Getreide teil.
Die Feuerwehr stellte im antiken Rom immer eine besondere privilegierte Waffengattung dar, die wegen ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten große Achtung genoß. Ans dem gleichen Grunde war sowohl ihrer Ausbildung, als auch ihrer Ausrüstung eine ganz besondere Aufmerksamkeit gewid met worden. Der Stab dieses Truppenteils war infolgedessen auch besonders aus bürgerlichen Offizieren zusammengesetzt. An der Spitze dieses Stabes stand der für alles verantwortliche, allmächtige Praefectus. Seine Autorität war unbeschränkt. Er hatte auch den Strafvollzug und konnte selbständig über alle Personen, die ihm verdächtig erschienen, Strafen verhängen, ganz gleich, ob sie schon als Brandstifter bekannt und verurteilt waren oder nicht. Die Bestrafung oder Anzeige an die Gerichte wurde auch auf jene ausgedehnt, die die nötige Vorsicht beim Umgang mit dem Herdfeuer außer Acht ließen. Die Strafen bestanden aus Peitschenhieben und Stockschlägen und wurden jeweils gleich vollzogen. Meistens waren die Schuldigen sogar froh, mit solchen geringen Strafen wegzukommen, da die Gerichte viel höhere Strafen verbängten, ja in schweren Fällen sogar die Todesstrafe. Diener und Hausmeister, die Diebstähle im Hause ihrer Herren nicht verhindern konnten, davongelaufene Sklaven usw. wurden stets gefoltert, die letzteren nachher wieder an ihre Herren zurückgegeben.
Dem Praefektus vigilum oblag auch die Verteilung des Wassers; er war außerdem oberste Gerichtsperson bei allen in den öffentlichen Bädern begangenen Delikten, denn die Polizeiausübung in den Thermen gehörte ebenfalls zu seinem Ressort.
In der Rangordnung stand der Praefectus vigilum schon an vierter Stelle; er kam gleich nach dem Präfekten der Lebensmittelversorgung Aegyptens und dem des römischen TriDem Präfekten war ein Stab untergeordneter Mit
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arbeiter unterstellt, die alle mehr oder weniger große Machtbefugnisse hatten. Als sein Stellvertreter fungierte während seiner Abwesenheit der Unterpräfekt. Jede Kohorte hatte an ihrer Spitze einen Tribunen, jede Zenturie mehrere zum Stab zählende Offiziere und eine Unzahl von Unteroffizieren. Die Administration war in die folgende Rangordnung geteilt: 3nerst kamen die Diensträume des Präfekten, dann die des Tribunen, darnach kamen die der Kohorte und der Zenturie. Daraus kann man ersehen, daß jeder eine Kohorte befehlende Tribun seine eigenen Diensträume hatte, die von denjenigen des Kominandanten der Kohorte unabhängig und getrennt waren. Jede Zenturie hatte auch ihren ,, Signifer oder Verillarius", d. h. Fähnrich, obwohl die Feuerwehr gar keine Fahnen hatte. Der Präfekt hatte außerdem in seinem Amtszimmer ein kleines Heer von Schreibern, Dienern, Läufern usw. zu seiner Verfügung, außerdem einen sog. ,, Victimarius", d. h. eine Art Priester,
Bezugspreis
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außerdem einen fog. Ditmargo. 5. eine Art Priester, 45. Jah
onarius", der die Prügelstrafen austeilen mußte. Der letztere war immer ein Sklave, dem Stab der Feuerwehr waren ferner die nötigen Sanitätsoffiziere zugeteilt, und zwar für jede Kohorte 3-4.
Wie man sieht, war die Feuerwehr jener Zeit organisiert und durchgebildet und konnte deshalb der Feuersbrünste der damaligen Zeit ganz gut Herr werden, um so mehr, als auch die Feuerwehrgeräte im antiken Rom schon auf der Höhe waren.
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