Samstag, den 8. Oftober 1932
werksmeister und Lieferanten mit der Ausführung der Arbeiten betraut wurden. Die besondere Nachweisung ist mit Prifungsvermerk zu versehen und unmittelbar dem hessischen Minister des Innern( Arbeit und Wirtschaft) vorzulegen, während die einzelnen Rechnungsbelege dem Grundstückseigentümer zurückzugeben sind. Danach wird der Reichszuschuß endgültig festgestellt und die Auszahlung durch die Hauptstaatskasse veranlaßt werden.
VI.
Diese Bekanntmachung tritt an die Stelle der Bekanntmachung, betreffend Anordnung zur Durchführung der Bestim mungen über die Gewährung von Zinszuschüssen des Reiches für die Instandsetzung von Wohngebäuden und die Teilung von Wohnungen vom 16. August 1932( Darmstädter Zeitung Nr. 207 vom 3. September 1932).
Darmstadt, den 26. September 1932.
Der hessische Minister des Innern.
*
Auf folgendes ist noch hinzuweisen:
Der Begriff., große Instandsetzungsarbeiten" bedarf einer großzügigen Auslegung. Die in der Verordnung enthaltene Aufzählung ist nicht erschöpfend, sondern nur beispielsweise. Die Bestimmung muß wirtschaftlich und nicht rein wörtlich ausgelegt werden. Alle Arbeiten, deren Kosten über 250 RM. hinaus gehen, sollten als ,, außerordentlich" gelten.
Die neue Nummernfolge der Wahlvorschläge. Der Deutsche Reichsanzeiger" hat eine Verordnung des Reichsministers des Innern zur Reichstagswahl veröffentlicht. In dieser Verordnung wird u. a. die neue Nummernfolge der Reichswahlvorschläge der Parteien angeführt. Die Nummernfolge lautet:
1. NSDAP., 2. SPD., 3. KPD., 4. Zentrum, 5. DNVP., 6. BVP., 7. DVP., 8. Stp., 9. Chr.- Soz., 10. WP., 11. Deutsche Bauernpartei, 12. Landbund, 13. Deutsches Landvolt, 14. Volfsrechtpartei.
Das Urteil im Berliner Devisenprozeß. Sedlmayer wurde wegen Zuwiderhandlung gegen die Debisenverordnung und wegen schwerer Urkundenfälschung zu drei Jahren vier Monaten Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe, der Mitangeklagte Straßenhändler Adam Neuhäuser wegen Beihilfe zu zehn Monaten Gefängnis und 500 RM. Geldstrafe verurteilt. Sedlmayer hatte für insgesamt 5 323 700 Mark Effekten verschoben.
Der Krieg als Selbstverständlichkeit.
Unter den zahlreichen Geheimdokumenten aus der Vorgeschichte des Weltkrieges verdient der Bericht des russischen Militärattachés in Berlin vom 11. Februar 1914 über eine Unterredung mit seinem französischen Kollegen ganz besondere Beachtung. Im Oktoberheft der Berliner Monatshefte"
,, Gießener Zeitung"
( Quaderverlag, Berlin W 15) ist der vollständige Wortlaut des von der Moskauer ,, Jswestija" veröffentlichten Berichts in deutfcher Uebersetzung wiedergegeben. Der an den Generalquartiermeister des russischen Generalstabes gerichtete Bericht lautet:
In diesen Tagen hatte ich ein Gespräch mit dem hiesigen französischen Militärattaché Oberst Serret, zu dem ich in durchaus freundschaftlichen Beziehungen stehe.
Nach Ansicht des Obersten Serret wäre es außerordentlich wichtig, rechtzeitig die öffentliche Meinung breiter Schichten des französischen Volkes auf die voraussichtliche Zeitfolge der militärischen Ereignisse an der Ost- und Westgrenze Deutschlands bei gemeinsamen Operationen Rußlands und Frankreichs gegen Deutschland und dessen Verbündete vorzubereiten.
Oberst Serret entwidelt seine Gedanken folgendermaßen:
Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß Deutschland den ersten Schlag unter Konzentration von nicht weniger als 20 bis 22 Armeekorps, um ihn möglichst kraftvoll zu ge= stalten, gegen Frankreich, als den hinsichtlich der Bereitschaft gefährlicheren Gegner zu führen bemüht sein wird. Hierbei können schon zwei Wochen nach der Mobilmachungserklärung durchaus entscheidende Zusammenstöße erfolgen. Aus verschiedenen Gründen, die zwar dem französischen Generalstab und vielleicht auch den mehr Gebildeten, immerhin aber nur einer sehr geringen Zahl von Personen der französischen Gesellschaft verständlich sind, wird indessen der Aufmarsch der russischen Armee an den Grenzen Deutschlands wesentlich später erfolgen, als der Aufmarsch der französischen Armee. Man wird entscheidende Kämpfe und den Einmarsch der Hauptkräfte der russischen Armeen nach Deutschland kaum vor vier Wochen nach der Kriegserklärung erwarten dürfen. Es ist daher ganz natürlich, wenn in Frankreich, d. h. in der überwiegenden Mehrheit der französischen Gesellschaft sich eine außerordentliche Ungeduld bemerkbar machen wird, die durch das Ausbleiben jeglicher Nachrichten vom polnischen Kriegsschauplatz hervorgerufen werden würde. Unter Berücksichtigung der allgemein bekannten großen Sensibilität der Franzosen fann man sich leicht vorstellen, daß bei fehlender erforder= licher Vorbereitung der öffentlichen Meinung, d. h. Erziehung derselben zur richtigen Beurteilung der Zusammenhänge der ganzen Situation, jeder Zeit mögliche, wenn auch nur teilweise Mißerfolge der französischen Truppen in Frankreich und besonders in Paris Unmutsäußerungen über die Bundesgenossen sowie ganz unerwünschte Anschauungen hervorrufen können, wobei diese Anschauungen infolge der äußersten Nervenanspannung des ganzen Volkes leicht zu Uebertreibungen führen können.
Aus diesem Grunde sei es wünschenswert, durch die
Nr. 40
Samstag,
rischen Ereignisse auf dem östlichen und westlichen Kriegsschauplatz zu unterrichten.
In jedem Fall müssen sich die Generalstäbe Rußlands und Frankreichs darüber klar werden, auf welche Weise und bis zu welchem Grade das Volk aufgeklärt werden tann und soll, ist das Volk doch in den heutigen nationalen Kriegen ganz unmittelbar beteiligt und nimmt daher naturgemäß das regste Interesse an den Ereignissen, die möglicherweise sein zukünftiges Schicksal entscheiden können.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Frage die größte Aufmerksamkeit verdient und unverzüglich gelöst werden muß."
Eine Unterredung, wie die in dem Bericht geschilderte, hat zur Voraussetzung, daß die Absicht, gegen Deutschland in absehbarer Zeit Krieg zu führen, in den maßgebenden militärischen und politischen Kreisen Rußlands und Frankreichs als selbstverständliche Tatsache angesehen worden ist.
Geld, das Arbeit schaffen könnte.
Von allen Seiten wird die Forderung nach energischer Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erhoben. Arbeitsbeschaffung ist ( wirklich die wichtigste und dringendste Aufgabe, für die alle verfügbaren Kräfte eingesetzt werden müssen. Die Aktion der Steueranrechnungsscheine ist eine der Maßnahmen, die zur wirtschaftlichen Belebung führen sollen. Auf die verschiedenste Weise wird versucht, die Geldmittel zu beschaffen, die unentbehrlich sind, um die Belebung der Wirtschaft zu finanzieren.
Zu gleicher Zeit aber liegen gewaltige Summen Geld brach, die, wenn sie in der Wirtschaft tätig wären, mehr als einer Million Arbeitslosen wieder Arbeit geben könnten. Nach zuverlässigen Berechnungen ist die Summe der Gelder, die gegen wärtig noch zurückgehalten oder gehamstert werden, auf über eine Milliarde Reichsmark zu schätzen. Dieses Geld liegt ver streut in Kästen, Truhen und an anderen mehr oder weniger ' unsicheren Orten. Man sollte nicht glauben, daß die Besitzer in solchen Verstecken ihr Geld für sicher und gut aufgehoben halten. Statt es bei den berufenen Sparinstituten einzuzahlen, halten manche Leute das Geld zurück, nicht beachtend oder nicht wissend, wie sehr sie dadurch sich selbst und die Gesamtheit schädigen.
Das Geld, das bei den Sparkassen eingezahlt ist, schafft als Kredit in der Wirtschaft Arbeit und Erwerb. Je mehr Geld eingezahlt wird, desto mehr Darlehen können zur Durchfühung wirtschaftlicher Aufgaben und Unternehmungen und damit zur Arbeitsbeschaffung gegeben werden. Geld, das nur irgendwo in einem Winkel aufgehoben liegt, ist für die Wirtschaft tot, es fehlt bei der Arbeitsbeschaffung. Das mögen jene ' bedenken, die Geld, obwohl sie es im Augenblic gar nicht brauchen, zuhause behalten, statt es bewährten Geldinstituten anzuvertrauen.
Presse schon im Frieden die Oeffentlichkeit bis zu einem ge- Verlangt beim Einkauf nur deutsche Waren!
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Die Landsknechte
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( Nachdruck verboten.)
22. Fortsetzung. Trotzdem die Gegner mit größter Hingabe kämpften, machte sich doch allmählich immer mehr eine Ueberlegenheit der Lands= fnechte geltend. Die Stürmerreihe Theo Hansens, vorbildlich unterstützt durch die Läufer, führte jetzt einen Angriff nach dem andern auf den feindlichen Kasten aus. Aber ein Erfolg wollte sich nicht einstellen, denn der gegnerische Torwart hielt alle Schüsse ausgezeichnet..
Bei einem Kampf um den Ball, den Theo Hansen mit dem linken Verteidiger führt, fällt der Mittelstürmer. Er erhebt sich mühsam, stöhnt auf, flucht leise vor sich hin und beißt die Zähne aufeinander. Sein braunes Gesicht ist fahl. Er umgreift das Knie, das ein wenig blutet, mit den Händen und ver sucht, den Fuß zu bewegen. Aber jeder Versuch bereitet unerträgliche Schmerzen.
,, Theo Hansen ist verletzt!" ruft Bringhoff, springt von seinem Platz hoch und eilt mit langen Schritten auf das Spielfeld. Der Schiedsrichter pfeift das Spiel ab und sieht Theo fragend an. Aber der Mittelstürmer schüttelt energisch den Kopf.
,, Der Gegner hat keine Schuld." Da steht der Trainer neben ihm. ,, Theo, Junge, bist du verletzt?"
,, Sie haben Glück im Unglüd. Ein Knöchelbruch scheint es nicht zu sein," meint der Arzt nach einer Pause.„ Aber eine sehr schmerzhafte und unangenehme Sehnenzerrung. Sie müssen unbedingt eine Woche Ruhe haben. Der Fuß muß gekühlt und massiert werden."
Der Spielführer versucht mit schmerzverzogenem Gesicht zu lächeln und legt seinen Arm um Bringhoffs Schulter.
,, Schlimm ist es nicht geworden. Ich kann nur den rechten Fuß nicht ordentlich zusetzen."
,, Eben ist ein Tor gefallen! Wollen Sie bitte mal nachsehen, Herr Bringhoff, was los iſt?"
Der Trainer entfernt sich. Nach ein paar Minuten kommt er wieder.
,, Die Gegner haben ein Tor geschossen", sagt er leise. ,, Das ,, Das Beste ist, wenn ich Sie gleich in meinem Wagen nach Spiel steht 1: 0 gegen uns. Gleich muß Halbzeit sein." Hause fahre," sagte Dr. Bargmann.
Und langsam verläßt er, gestützt auf seinem Trainer, den Platz. Das Spiel geht weiter...
,, Kann ich nicht so lange hierbleiben bis das Spiel zu Ende ist?" fragte Theo.„ Herr Bringhoff kann mir ja einen talten Umschlag machen. Mehr kann ich zu Hause auch nicht tun."
In der Kabine zieht Bringhoff vorsichtig Theos Schuh aus. Da kommt auch schon Dr. Bargmann mit dem Vereinsarzt. Er nimmt mit einem besorgten Blid Theos verletztes Knie in die Hand, fürchtet einen Bluterguß, stellt dann aber zu dem MittelStürmers Freude nur eine Fleischwunde fest. Dann untersucht er eingehend Theos Fuß.
,, Haben Sie hier Schmerzen?" Theo beißt die Zähne zusammen. ,, Ja... etwas."
Der Arzt nicht zustimmend.
,, Gewiß. Das läßt sich wohl verantworten. Die Hauptsache ist, daß Sie nicht zu früh wieder mit dem Spielen anfangen. Wie gesagt, mindestens eine Woche vollkommene Ruhe
Dr. Bargmann verläßt mit dem Arzt den Raum. Bringhoff legt seinem Mittelstürmer einen fühlen Verband um den Fuß.
,, Liegst du auch bequem, Theo?" fragt der Trainer weich und besorgt, wie man mit einem kranken Kinde spricht.
Der Spielführer nicht und kämpft gegen das Gefühl, als sei er selbst schuld an dem Unfall.
,, So ein Pech", stöhnt er dann ärgerlich und sieht gegen die Decke.„ Ich weiß wirklich nicht, wie ich mir diese Verletzung zugezogen habe. Ich kämpfte mit dem Verteidiger um den Ball, dann bin ich hingefallen und fühlte die Schmerzen Nun liege ich hier auf der Bank und muß meine Kameraden im Stich lassen."
,, Theo, Junge", tröstet Bringhoff, ,, mach doch nicht so ein trauriges Gesicht. In acht Tagen bist du wieder furiert. Wenn ich dir den Fuß jeden Tag gründlich massiere, kannst du viel= leicht nächsten Sonntag schon wieder spielen. Es ist nur schade, daß du heute abend nicht an unserer Feier teilnehmen fannst."
Ganz stille ist es im Raum. Der Trainer lehnt an der Tür. Seine Blide ruhen auf dem jungen Fußballspieler, der so brennend gerne mit seinen Kameraden um den Sieg ge tämpft hätte und durch einen unglüdlichen Zufall zur Untätig keit verurteilt ist. Er will ihn so gerne über diese qualvolle Stunde hinweghelfen und kann nicht die rechten Worte finden.
,, Wenn die Spieler gleich fommen, machen wir beide ein ganz vergnügtes Gesicht," wendet Theo sich an Bringhoff. ,, Was ist denn auch schließlich los? Meine Verletzung ist nicht der Rede wert und ein Tor Vorsprung hat uns noch nie Kopf schmerzen bereitet. Wenn ich nun vorhin nicht den Elfmeter über die Latte gejagt hätte, stände das Spiel jetzt unentschieden. Aber ich durfte diese Torgelegenheit nicht ausnutzen, Nein, ich fonnte es einfach nicht."
,, Das ist nicht so schlimm", meint der Mittelstürmer und zwingt sich zu einem Lächeln. Die Hauptsache ist, daß wir dieses Spiel gewinnen. Adolf Müller muß in der zweiten Halbzeit Mittelstürmer spielen. Vielleicht sind die Gegner so ermüdet, daß Zille aus der Verteidigung in die Läuferreihe aufrüden kann. So muß es gehen. Das Tempo, das die Gegner bis jetzt vorgelegt haben, halten sie bestimmt nicht durch.." Von draußen erschallt Beifallklatschen gedämpft bis in die Kabine. Theo richtet sich halb auf.
,, Du hast ganz recht gehandelt, Theo.
Die erste Halbzeit war zu Ende. Die Spieler tamen in den Umkleideraum. Sogleich drängten sie sich um ihren Mittel stürmer.
,, Theo, alter Junge, wie geht's? Hast du bös' was ab gefriegt? Oder ist's nicht so schlimm?"
Aus allen Fragen klang ehrliche Teilnahme und Besorgnis um ihren verletzten Kameraden.
Theo wehrte lächelnd ab.
,, Das hat nichts zu sagen. Ich habe ja eine gute Haut zum Heilen. Und die Fußgeschichte ist auch nicht schlimm. Mir geht es gut. Ich liege hier als Spielführer bequem auf der Bant und lasse euch für mich kämpfen."
Die Spieler protestierten lebhaft.
,, Ach, Theo, was redest du", meinte Adolf Müller und schüttelte bekümmert den Kopf.„ Die Hauptsache ist, daß du bald wieder auf dem Damm bist, denn ohne dich ist das man ' ne halbe Sache. 0: 1 steht das Spiel. Wir müssen uns gleich tüchtig ranhalten. Aber wir werden's schon schaffen. Deshalb laß dir man keine grauen Haare wachsen."
,, Das meine ich auch, Adolf.
und mußt auch den Sturm anführen."
Du bist jetzt Spielführer
( Fortsetzung folgt.)
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