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( Gießener Tageblatt)
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45. Jahrg.
Politische Rundschau.
dem
Der Reichspräsident empfing am Mittwoch eine aus handwerkskammerpräsidenten Unterberger- Breslau, HejterFrankfurt a. d. O., Menzel- Stettin und Groß- Königsberg betehende Abordnung des ostdeutschen Handwerks, deren Wortfühter ihm die Not des Handwerks, die in den Ostgebieten durch die tatastrophale Lage der Landwirtschaft verschärft sei, schilderten. Generalfeldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg bat am Freitag die Parade der Berliner Wachtregimenter ab
genommen.
Bezüglich des diplomatischen Schrittes, den der deutsche Geandte in Wien, Dr. Rieth, am Donnerstag in Wien unternomnen hat, wird aus Beriln von zuständiger Stelle zunächst der Genugtuung darüber Ausdrud gegeben, daß die Bereitschaft Deutschlands, Desterreich sei seinem wirtschaftlichen Wiederaufbau zu helfen, in der österreichischen Presse allgemein auf sehr freundliche Zustimmung gestoßen sei.
Der Führer der deutschen Abrüstungsdelegation in Genf, Botschafter Nadolny, hat am Freitagnachmittag um 17 Uhr Reichskanzler Dr. Brüning einen Besuch abgestattet.
Die deutsch- polnischen Wirtschaftsverhandlungen in Warschau nehmen heute ihren Anfang. Sie werden deutscherseits vom Gesandten von Moltke geführt.
In Rom ist am Donnerstagabend das deutsch- italienische Zujaga blommen zum deutsch- italienischen Handelsvertrag unterjeichnet worden.
Reichstags- Vizepräsident von Kardorff dementiert, daß er Don seinem Posten zurüdtreten werde, und bestätigt, daß die Bolkspartei fein derartiges Anfinnen an ihn gestellt habe.
Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß nicht geplant lei, enläßlich der Präsidentschaftswahl einen amtlichen Aufruf durch die gesamte Presse auf Grund der Presse- Notverordnung veröffentlichen zu lassen.
Die Vereinigten Hindenburg- Ausschüsse veranstalteten am Donnerstag einen Presseempfang, bei dem u. a. als Wunsch Sindenburg mitgeteilt wurden, daß der Wahlkampf ritterlich und fachlich geführt werde.
Vereinigungen
Der Verband katholischer kaufmännischer Deutschlands tritt in einem Aufruf an die Katholischen Kauf
Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.
Samstag, den 5. März 1932
Staaten
teilung des Ministers für Arbeit und Industrie, H. E. Sizer, hat der Staat Queensland in den jüngsten 9 Jahren rund zwei Millionen Pfund Sterling, d. h. 2% Pfund je Kopf seiner Bevölkerung an den jetzt zum Verkauf gestellten Unternehmungen verloren. Man will nicht einmal die staatlichen Eisenbahnen vom Verkauf ausnehmen. Das ganze ehemals gepriesene Musterland des durchgeführten Sozialismus steht nun im Zeichen der Abkehr vom Staatssozialismus. In den Vittoria und Neu- Seeland plant man das gleiche, was man in Queensland schon beschlossen hat. Unterdessen ist Herr Imbusch, etwas langsam marschierend, in das Lager geraten, in dem die abgestandensten Jdeen über Staatssozialismus noch als aktuelle wirtschaftliche Weisheit gelten. Man muß seiner geistigen Entwicklung ein etwas beschleunigteres Tempo wünschen. Sonst dauert es Jahre, bis sein Sozialismus ihn dahin führt, wo seine Genossen man darf doch so jagen? Australien heute schon stehen.
Gefährdung der Grubensicherheit.
Es wird uns geschrieben:
― in
In sozialdemokratischen und anderen Blättern hat der sozialdemokratische Abg. Otter verschiedentlich in bezug auf das Ableuchten der Gruben beim Vorhandensein von Schlag wettern eine Auffassung vertreten, die in Zuschriften aus fachmännischen Kreisen als außerordentlich gefährlich für die Grubensicherheit bezeichnet und richtiggestellt wurde. Es verdient besondere Beachtung, daß jetzt eine angesehene englische Fachzeitung für den Kohlenbergbau„, Colliery Guardian" in Nr. 3709 unter der Rubrik., Deutschland" zu der Angelegenheit durch Veröffentlichung folgender Notiz Stellung genommen hat:
,, Die Gefahr, die dadurch heraufbeschworen wird, daß unberufene Personen denjenigen, die in gefahrvollen Berufen beschäftigt sind, Ratschläge erteilen, wird durch einen fürzlichen Fall fraß belegt, in welchem man einen Bergmann fand, der mit hochauf brennender Lampe nach schlagenden Wettern ableuchtete. Dem ihn abfassenden erstaunten Beamten zählte er, daß ein gewisses Parlamentsmitglied in der Presse berichtet habe, daß so der Sicherheit entsprechend ganz richtig gehandelt würde,"
Dem wäre nichts mehr hinzuzufügen.
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Nummer 9
,, Buy British"- Kauft Deutsch!"
In den beiden Ländern Deutschland und England, die seit Jahren auf dem Gebiete der Buttereinfuhr an der Spitze marschieren, vollzieht sich seit geraumer Zeit ein gleichlaufender Vorgang. Beide Länder sind ernstlich bestrebt, ihre Einfuhr zu verringern und in fortschreitendem Maße aus Eigenem zu er= setzen. Deutschland hat im Jahre 1930 bei einer schätzungsweisen Eigenerzeugung an Butter von 6,5 Millionen Zentnern eine Einfuhr von etwa 2,5 Millionen Zentnern gehabt. Anders dagegen in England, das nur etwa ein Siebtel seines Bedarfes selbst erzeugt und niemals dazu wird gelangen können, den restlichen Anteil aus eigener Produktion decken.
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Nach der Lage der Landwirtschaft beider Länder ist es durchaus denkbar, daß Deutschland im Gegensatz zu England im Verlaufe einiger Jahre allerdings unter der Voraussetzung der Wiederkehr einigermaßen normaler wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse seinen Milch- und Butterbedarf aus eigener Scholle decken könnte. Auf die Frage der Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung und Butterherstellung bei den jezigen unerhört niedrigen Erzeugerpreisen und auf die einzelnen Erfordernisse der Hebung der Rentabilität soll in diesem Zusammenhange nicht eingegangen werden. Auf alle Fälle wären in Deutschland die Vorbedingungen für eine Selbstversorgung gegeben.
Und doch liegen in England die Verhältnisse glücklicher als bei uns in Deutschland. Dem englischen Verbrauch steht das britische Weltreich offen; ihm gehört eines der bedeutendsten das schon heute Ausfuhrgebiete, Australien- Neuseeland, an,
einen großen Teil des englischen Bedarfs deckt. Dort kann die Buttergewinnung noch auf ein Vielfaches gesteigert werden; auch Kanada mit seinen unermeßlichen Weideflächen ist zu einem gewaltigen Ausbau seiner Milchwirtschaft fähig.
Dabei findet England in der streng heimatlichen Einstellung seiner Verbraucherschaft eine weitgehende Hilfe. Der Mahnruf ,, Buy British!", nur britische Waren zu kaufen, hat erneut den nationalen Geist gewedt. Die Wirtschaftsnot, die auch in England ihre Einkehr gehalten hat, und die Entwertung des Pfundes haben drüben das ganze Volt alarmiert; die Umstellung auf die Erzeugnisse der eigenen Wirtschaft ist unverfennbar. Eine hohe Zollmauer auf eine große Anzahl von Ar
leute und kaufmännischen Angestellten des Verbandes für die zur Ablösung der Gebäudeentschuldungssteuer titeln sorgt des weiteren für den Schutz der heimischen Land
Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten ein.
Die Reichsbank hat die Verlängerung des Rediskontkredits bis zum 4. Juni 1932 angeordnet. Von dem Kredit, der 100 Millionen Dollar betragen hat, müssen sofort 10 Millionen Dollaz zurüdgezahlt werden, so daß sich die Verlängerung auf einen Betrag von 90 Millionen Dollar erstrect.
Die polnische Regierung hat am Mittwoch beim Danziger Böllerbundskommissar einen Antrag auf Entscheidung in der Danzig- polnischen Zollstreitfrage eingebracht.
Der amerikanische Staatshaushalt weist für die ersten acht Monate des laufenden Finanzjahres einen Fehlbetrag von 1781 017 000 Dollar aus. Jm Vorjahr belief sich der Fehlbetrag für die gleiche Zeit auf nur 333 500 Dollar.
Der seit einigen Monaten in Riga weilende Komponist Eugen d'Albert ist Donnerstagabend an einem Herzschlag getorben.
Die Beratungen in Genf.
Genf. Der chinesisch- japanische Konflikt hat die Arbeiten der Abrüstungskonferenz vollkommen in den Hintergrund geschoben. Erst in der nächsten Woche werden die Kommissionsigungen wieder aufgenommen werden, die dann allerdings für den weiteren Verlauf der Abrüstungskonferenz von erheblicher Bedeutung sein werden, da in ihnen vor allem die Sicherheitsfrage und die Frage der Gleichberechtigung der verschiedenen Abrüstungsvorschläge im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen werden. Freitagnachmittag ist eine Sigung der gestern von der außerordentlichen Vollversammlung des Völkerbundes eingesetzten Generalfommission vorgesehen, in der der chinesisch- japanische Konflikt besonders eingehend geprüft werden soll, um der Vollversammlung dann entsprechende Vorschläge für ihre Stellungnahme zu diesem Konflikt zu unterbreiten.
Preußischer Landtag beschlußunfähig. Berlin. Jm Preußischen Landtag stellte sich am Donnerstang bei einer namentlichen Abstimmung, an der sich die Oppo= itionsparteien sämtlich nicht beteiligten, die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. Hierauf vertagte sich der Landtag bis zum 15. März.
Die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 bestimmt be kanntlich, daß die Gebäudeentschuldungssteuer vom 1. April 1940 nicht mehr erhoben wird. Sie sieht weiter vor, daß die Gesamtschuld der Gebäudeentschuldungssteuer bis zum 31. März 1934 durch Zahlung eines einmaligen Betrages abge löst werden kann und zwar bis zum 31. März 1932 durch das Dreifache des vollen Jahresbetrages der Gebäudeentschuldungs steuer und bis zum 31. März 1934 durch das Dreieinhalbfache dieses vollen Jahresbetrages. Eine ergänzende Verordnung vom 6. Februar 1932 schiebt nunmehr den ersten Termin vom 31. März 1932 auf den 30. September 1932 hinaus. Bis 30. September 1932 kann also die gesamte Gebäudeentschuldungsstener mit dem Dreifachen des vollen Jahresbetrages der Ge bäudeentschuldungssteuer abgegolten werden, wobei jedoch die für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1932 erhobenen Gebäudeentschuldungssteuerbeträge auf Ablösungsbeträge, die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1932 entrichtet wer den, zur Hälfte anzurechnen sind.
Senfung des Milchpreises.
Auf Grund der§§ 1, 3, 4, 7 der Verordnung über die Befugnisse des Reichskommissars für Preisüberwachung vom 8. Dezember 1931( Reichsgesetzblatt I, S. 747) sowie auf Grund der Vierten Notverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schute des inneren Friedens vom 8. Dezember 1931 Teil I, Kapitel 2,§ 5 Reichsgesetzblatt I S. 699 ff.) hat der Beauftragte für Hessen und Hessen- Nassau folgende Anordnung getroffen: Im Freistaat Hessen wird der Preis pro Liter offene Vollmilch frei Haus Die des Konsumenten( Hauspreis) auf 26 Pfg. festgesetzt. hierin liegende Verdienstspanne des Kleinhändlers wird auf 7 Pfg. pro Liter festgesetzt. Der Händler, der zugleich auch Sammler ist, darf sie, sofern er die Milch vom Hof des Landwirtes holt, um 2 Pfg., sofern ihm die Milch als Sammler ins Haus gebracht wird, um 1 Pfg. pro Liter erhöhen. Soweit die Milch bisher zu einem billigeren Preis an den Konsumenten abgegeben worden ist, verbleibt es bei dem bisherigen Preis. Die Händlerspanne beschränkt sich in diesem Falle auf denjenigen Betrag, der sich aus dem Verhältnis des zu I genannten Preises zu dem billigeren Preise ergibt. Insoweit bisher für Verkäufe ab Laden des Händlers ein unter dem bisherigen
Australien fehrt zur Privatwirtschaft zurück. Saus- Preis liegender Preis erhoben wurde, verbleibt es bei
Etwa zu derselben Zeit, als von gewerkschaftlicher Seite wieder einmal die Verstaatlichung bergbaulicher Betriebe wegen angeblichen Versagens der privatkapitalistischen UnternehmerEaft forderte, beschloß nach englischen Blättermeldungen die Regierung des australischen Bundesstaates Queensland, alle staatlichen Unternehmungen zu verkaufen und aus dem Erls Anleihen abzudecken sowie die Einkommensteuer zu senken. Man hätte seine guten Gründe für diesen Beschluß. Nach Mit
diesem. Die Händlerspanne wird hierbei auf 7 Pfg. abzüglich des Unterschiedes zwischen dem bisherigen Haus- und Ladenpreis bemessen. Findet aber eine Ermäßigung des Hauspreises statt, so ermäßigt sich der Ladenpreis um den gleichen Betrag; die Händlerspanne bemißt sich alsdann auf 7 Pfg. abzüglich des Unterschiedes zwischen dem neuen Haus- und Ladenpreis. Diese Anordnung findet keine Anwendung auf die Kreise Als= feld, Büdingen, Schotten, Lauterbach.
wirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handel.
Auch bei uns in Deutschland strebt die Landwirtschaft den Zustand an, daß ihre heimischen Erzeugnisse zur Deckung des Bedarfs des deutschen Volkes ausreichen und daß die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus dem Auslande sich erübrigt. Groß sind die errungenen Erfolge in Hinsicht auf die Qualität z. B. bei Butter. Hatten die deutschen Molkereien in der Kriegs- und Nachkriegszeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingebüßt, so ist inzwischen dieser Nachteil längst ausgeglichen. Die erstklassigen deutschen Herkünfte können sich heute ruhig mit den besten Qualitäten des Auslandes messen. Ein erheblicher Teil der fremden Butter steht an Beschaffenheit weit unter ihnen. Bezeichnend für die Erfahrungen und Ansichten weiter Käuferfreise in dieser Hinsicht ist die Tatsache, daß jetzt des öfteren in Handelsberichten darauf hingewiesen wird, daß die als Spigenmarken der Auslandsbutter gepriesenen Herkünfte in der Qualität oft zu wünschen übrig lassen.
Es ist ernstlich zu bedauern, daß falsche, veraltete Vorurteile, vielleicht auch politische Einstellung es in Deutschland nicht zu einem so restlosen Bekenntnis zum deutschen Erzeugnis fommen lassen wie in England. Besteht auch unzweifelhaft in sehr weiten Kreisen des deutschen Volkes hierfür volles Verständnis, das sich auch in der Praxis durchsetzt und der deutschen Ware, wo sie gleich gut und preiswert zu haben ist, unbedingt den Vorzug gibt, so ist das doch leider noch nicht Allgemeingut des Volkes geworden. Gedankenlosigkeit läßt es möglich werden, daß die Hausfrau vom Einzelhandel das fremde Erzeugnis fordert, der dann, wenn er nicht gar von sich aus den Vertrieb der Auslandsware aus irgendwelchen Gründen bevorzugt, um seines Geschäftes willen die Wünsche seiner Kundschaft erfüllt. Ein besonders betrübliches Beispiel für den Mangel an gejundem nationalem und wirtschaftlichem Empfinden ist es, wenn eine ausländische Firma in den Städten der Provinz Schles= wig- Holstein, der Butterkammer Deutschlands, die selbst jährlich etwa 350 000 3entner seiner Butter im Groß- und Einzelhandel und im Postversand nach dem übrigen Deutschland abgibt, Läden unterhalten kann, in denen sie neben Kaffee usw. nur ihre ausländischen Molkereierzeugnisse verkauft und recht erhebliche Umsätze erzielt!
Wenn es zu einer restlosen Versorgung des deutschen Voltes mit Molkereierzeugnissen aus eigener Scholle kommen soll, wenn die deutsche Bevölkerung hieraus den Nutzen und die Beruhigung ziehen will, daß im Augenblick der Krisis der deutsche Boden sie ernähren kann, wenn zu diesem Zwede die deutsche Landwirtschaft, solange das noch möglich ist, gestärkt werden dann, ja dann müssen solche Zustände unmöglich sein; dann müssen die deutschen Hausfrauen sich in ihrer Gesamtheit dazu entschließen, stets und in allen Fällen dem deutschen Erzeugnis den Vorzug zu geben und von sich aus den Kampf gegen die Ueberflutung der deutschen Wirtschaft mit Auslandsware ernstlich aufnehmen.
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F.


