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Samstag, den 31. Oftober 1931.

Aus Nah und Fern.

Bad Nauheim. Wie das Verkehrsamt der Kurverwaltung mitteilt, betrug der Gesamtbesuch bis zum 29. Oftober 1931 30 091 Gäſte, darunter waren 5276 Ausländer; anwesend sind 3. 3t. 1018 Gäste.

Schotten. In der letzten Gemeinderatssigung teilte der Bür­germeister mit, daß die Schulden Schottens 600 000 m. betragen. Zwei Arbeiter vom Zug überfahren.

Darmstadt, 30. Oft. Am Donnerstag vormittag wurden bei der Ausfahrt des Durchgangs- Güterzuges 6662 aus dem Haupt­bahnhof Darmstadt die zur Stellwerksbahnmeisterei Darmstadt gehörenden Hilfswerkführer Mumrich aus Weiterstadt und der Schlosser Ludwig Schneider aus Wolfskehlen bei Ausübung von Weichenarbeiten überfahren. Mumrich wurde erheblich verlegt dem Krankenhaus zugeführt, während Scheider seinen Ver­letzungen sofort erlag.

,, Gießener Zeitung"

zumeist vergeblich Umschau halten. Fast jeder Bericht von drau­Ben erzählt von der großen Not der Erwerbslosen und von Maß­nahmen, die zur Linderung dieser Not getroffen worden sind. Das trifft, um nur zwei Beispiele anzuführen, ebenso für die Vereinigten Staaten von Amerika wie für Rumänien zu. So ist erst kürzlich in Hermannstadt( Siebenbürgen) ein deutsch­sächsischer Kreisausschuß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ins Leben gerufen worden. Und doch gibt es noch immer Aus­wanderungsmöglichkeiten, allerdings in erster Linie für alle die­jenigen, welche Mut, Kraft und Geld haben, um auf gut Glück in ein überseeisches Land auszuwandern, um dort als einfacher Arbeiter unter schweren Lebensbedingungen zu beginnen. Nie­mand aber sollte eine solche Reise antreten, ohne vorher mit einer anerkannten Beratungsstelle für Auswanderer, wie sie auch das Deutsche Auslands- Institut in Stuttgart unterhält, Fühlung genommen zu haben. Dort allein kann ein Auswan­derer sachgemäße Auskunft über alle wissenswerten Fragen er­halten und dort allein kann ihm gesagt werden, ob er sich für eine solche Auswanderung eignet.

( Zum Kapitel Deffentliche Hand.)

Neue Bücher.

Nr. 87.

Aus dem Bildersaal meines Lebens. Von Lita zu Put­lih. Verlag Koehler& Amelang, Leipzig. 1931. Jl. Ganzl. 6.80 M. Es ist ein reicher Bildersaal, der sich in diesen Er­innerungen einer altpreußischen Aristokratin vor uns auftut. Sie ist eine begabte Porträtistin der Feder, diese Edle Herrin zu Putlitz; ihre Vertrautheit in hösischen wie in Künstlerkreisen, ihre Liebe zu fernen Ländern wie zur heimatlichen Scholle geben Gelegenheit, diese Kunst vielseitig und abwechslungsreich anzu­wenden. Ob sie ihr Elternhaus in Karlsruhe oder im märkischen

G

Ericheint

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Rezzin, ob sie die Großen dieser Welt, ob Fürsten des Geistes altionsschluß früh

oder der Kunst schildert, immer weiß sie mit einigen wenigen Strichen das Charakteristische hervorzuheben, dem Leser ein ein­prägsames und farbenprächtiges Bild vor Augen zu führen.

Ein

Selbstgedachtes, von Eduard Engel. Leipzig 1931 Koeh ler& Amelang Verlag. 219 S. Ganzleinen 4.50 M. neuer Engel, mit dem uns der ewig junge nun achtzigjährige Vorfämpfer für deutsche Sprache und deutsche Dichtung zu seinem

hentage beſchenkt, ein echter Engel, in dem Funken ſprühen

Darmstadt, 30. Oft. Am Donnerstag fand in der Otto­Berndt- Halle die feierliche Uebergabe des Rettorats statt. Die Verwalten, nicht wirtschaften! und Spähne fliegen. Alles schon Gedachte und Gesagte noch die studentischen Korporationen waren in Wichs und mit ihren Fahnen erschienen. Prorektor Prof. Dr. Böhler übergab nach Erstattung des Berichts über das Studienjahr 1930/31 der Tech­nischen Hochschule Darmstadt dem neugewählten Rektor Pro­fessor Reuleaux die Amtskette und das Rektorat.

Worms. Die Nationalsozialisten haben hier ein ,, braunes Haus" errichtet. In seinen Räumen sollen während des kommen­den Winters Hunderte von Menschen ein warmes Essen erhalten. Marburg. In Frankenau wurde ein Landwirt von einem Pferde derart geschlagen, daß er tödlich verletzt wurde.

Frankfurt a. M., 30. Oft. In der Freitagvormittagsitzung des Favag- Prozesses wurde der ehemalige Direktor der Südwest­deutschen Bank, Sauerbrey, zu den Vorgängen bei der Kapital­erhöhung der Favag 1928 eingehend vernommen. Nachträglich wurde noch die damals gegründete Südwestdeutsche Bank in das Bankenkonsortium der Favag aufgenommen und ihr eine Ver­gütung von 125 000 Marf zugeteilt, während die übrigen Ban­fen insgesamt 500 000 Mark erhielten. Von dieser Provision sind aber der Südwestbank nur 13 588 Mark verblieben. Der Rest wurde unter acht Direktoren der Favag und der Südwest­bank verteilt.

Köln. Nach dem günstigen Verlauf der in den beiden letzten Jahren in Köln veranstalteten Sommerausstellungen soll auch im kommenden Jahr( Mai bis Oktober) eine Ausstellung im Rheinpark durchgeführt werden, die ein besonders zeitgemäßes Thema behandelt. Die Ausstellung nennt sich ,, Der Schutz von Eigentum und Leben und wird alle Gebiete und Einrichtungen umfassen, die von Behörden, wirtschaftlichen Organisationen, In­dustrie und Gewerbe zum Schuh von Sachwerten und des mensch­lichen Lebens geschaffen worden sind. Die Ausstellung wird in zwei Hauptgruppen gegliedert sein; in der ersten werden alle von Staat und Behörden getroffenen Schutzmaßnahmen und in der zweiten die jeden einzelnen zum Schutze von Eigentum und Leben gegebenen Möglichkeiten zur Darstellung gebracht.

Bochum. In den Abendstunden des Mittwoch brach im un­terirdischen Betrieb der Zeche Konstantin", Schacht 6/7, im Revier 6, auf der fünften Sohle, ein Grubenbrand aus, der aber auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Personen sind bei dem Brande nicht zu Schaden gekommen.

Dortmund. Zu Veruntreuungen bei der Firma Theodor Althoff( Karstadt- Konzern) wird nunmehr bekannt, daß sich der Fehlbetrag auf 100 000 Mark erhöht.

Dresden. Das Landgericht Dresden hat eine Schadenersatz­flage der nationalsozialistischen Tageszeitung Der Freiheits­fampf" gegen den sächsischen Staat für begründet erklärt und das Land Sachsen zu 25 000 Mark Schadenersatz verurteilt.

Der deutsche Dom in Riga.

Die lettische Regierung hat auf dem Wege der Notverord­nung den Dom in Riga der deutschen evangelischen Gemeinde genommen( d. h. geraubt), ihn zur Kathedrale des lettischen evangelischen Bischofs erklärt und seine Verwaltung einem Aus­schuß übertragen, in welchem 3 deutsche Stimmen 8 baltischen gegenüberstehen, die Deutschen also ohne jeden Einfluß sind. Die Enteignung des Doms im Landtag und bei der Volksbe= fragung dreimal abgelehnt ist, wenn auch in anderer Form, durchgeführt, der Raub des seit siebenhundert Jahren in deut­schen Händen befindlichen, von Deutschen gebauten und unter­haltenen Gotteshauses vollzogen. In den Kreisen des Deutsch­tums, in den evangelischen Kirchen aller Welt, die es mit­ansehen müssen, wie nun zwischen die Evangelischen deutscher und lettischer Nationalität ein schmerzender Keil hineingetrieben wird, bei allen denen, die es mit dem lettischen Staat gut­meinen, herrscht über den Gewaltakt Trauer und Entrüstung, um so mehr und um so berechtigter, als ja einst durch deutsche Waffen Lettland vom Bolschewismus befreit wurde. Man wird dieses Ausnahmegesetz sicher noch einmal zu bereuen haben. Inzwischen hat der charaktervolle Bischof der lettischen evangelischen Kirche als Protest gegen die Vergewaltigung der evangelischen Deut­schen sein Amt niedergelegt.

Arbeitslosigkeit und Auswanderung.

Der deutsche Auswanderungswillige, der bemüht ist, ein Land ohne Arbeitslosigkeit ausfindig zu machen, wird wohl

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Der Mittelstand, der private, der landwirtschafts liche, der gewerbliche, ist der Nährboden, auf dem Solidität, Ehrbarkeit, Verantwortungsgefühl, Jnitia­tive und selbstbewußtes Aufwärtsbestreben, also die Tugenden jeder gesunden staatlichen Entwicklung ge­deihen. An dieser Tatsache konnte die neue Reichs­berfassung nicht vorübergehen; sie hat in Artikel 164 versprochen, den selbständigen Mittelstand in Land­wirtschaft, Handel und Gewerbe in Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Ueberlassung und Aufsaugung zu schüßen.

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einsniederlage.

Obgleich nunmehr eine Reihe von Jahren darüber hingegangen ist, hat man noch nichts bemerkt, diese feierliche Verpflichtung wahrzumachen. Das hat vor kurzem erst der Deutsche Handwerker- Bund festgestellt und sich in einer programmatischen Forderung gegen den Regiebetrieb der öffentlichen Hand und gegen die Uebersteigerung der Steuern und sozialen Lasten ge= wandt.

Der gewerbliche Mittelstand darf jedoch nicht resig­niert die Hände in den Schoß legen; er muß seine Stimme immer wieder erheben, sonst ist ihm die ,, kalte Sozialisierung" sicher. Auf dem diesjährigen sozial­demokratischen Parteitage in Leipzig konnte festgestellt werden, daß in den Kommunen der private wirt­schaftliche Unternehmer in seiner Bedeutung durch die gesellschaftliche Unternehmungsform weit zurückgedrängt worden ist. An Stelle des Unternehmers mit eigenem Risiko sitt jetzt der Wirtschaftsbeamte". In der Tat, wenn man die allerdings vielfach recht unklar ge­haltenen Angaben der städtischen Etats durchforscht, muß man staunen, mit welcher Fülle von Gewerbe­betrieben sich unsere großen Kommunen befassen: von der Handwagenvermietung bis zur Sargfabrikation ist alles vertreten. Den Vogel schoß natürlich die Reichs­hauptstadt Berlin ab, deren berüchtigtes Anschaffungs­Amt jede nur denkbare Konkurrenz für das private Gewerbe, die die anderen städtischen Betriebe viel­leicht noch ausgelassen haben konnten, vollständig machte.

Die naturnotwendigen Folgen dieses Systems: die Ueberlastung der Betriebe mit unfähigen und sach­unkundigen Angestellten, die Verschwendung öffent­licher Gelder, die untragbare Schuldenlast der Städte, die Korruptionsskandale, sind so offenbar, daß dar­über heute nicht mehr gesprochen zu werden braucht. Die Erwerbsgesellschaften der öffentlichen Hand bilden meist ein solches Netz von Unternehmungen und unter­gesellschaften, daß man über die Ergebnisse ihrer Tätigkeit keine Klarheit gewinnt, und auf die wenigen Mitteilungen in den Geschäftsberichten angewiesen ist. Man hört selten Positives davon außer im Zusammen­hange mit peinlichen Standalen. Wenn der private Unternehmer schlecht arbeitet, kommt es zum Kors und seine minderwertige Leistung wird offenkundig. Wenn ein städtischer Betrieb schlecht arbeitet, werden die Abgaben erhöht und die Verluste aus Steuer­geldern gedeckt. Wir mißtrauen dem Können der tom­munalen Betriebe schon deshalb, weil ihre Arbeit den Vergleich mit dem privaten Gewerbe scheut.

Auf der letzten Tagung des Elektrobundes wurde ausgeführt, daß allein das Steuerprivileg der Jffent­lichen Versorgungsbetriebe für Elektrizität, Gas und Wasser jährlich 250 Millionen Reichsmark in Fort­fall bringt! Da die Privatbetriebe auch in diesen Wirtschaftszweigen meist billiger liefern und doch rentabel arbeiten, stellen sie einen doppelten Vorteil für die Allgemeinheit dar: Ein Mehr an Steuerein­kommen und billigeres Erzeugnis! Wenn das schon das Ergebnis ist bei Versorgungsbetrieben, die der öffentlichen Hand zugestanden werden können, so muß man mit Recht die größten Bedenken haben gegen andere Unternehmungen, für die der öffentlichen Hand die Zuständigkeit bestritten werden muß.

Deshalb ist immer wieder die Forderung: größte Zurückhaltung der öffentlichen Hand im Sinne des Artikels 164 der Reichsverfassung! Staat und Ge­meinde müssen sich wieder darauf besinnen, daß es ihre Aufgabe ist, zu verwalten, aber nicht zu wirtschaften!

einmal selbst, auf eigene Art zu durchdenken und niederzu­schreiben, wahrlich es gibt keine höhere Aufgabe für einen Den­ker, und daß der streitbare alte Herr ein Denker ist, beweist er wieder in diesem Buche.

,, Der Höllenhund", ein heiterer Roman vom klirrenden Da= sein von Max Kronberg. Verlag Otto Janke Leipzig. Brosch. RM. 3., Ganzleinen RM. 4.50.

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Frech, übermütig ist dieser Höllenhund" ein Buch, bei dessen Lektüre man alle Sorgen und Nöte des abgehetzten, refordsüchtigen Daseins ver­gizt. Eine unterhaltende Liebesgeschichte, die Tempo und Schmiz hat, mit blizender Dialogschärfe, lebenswach, scharmant, flüssig, schimmernd und schillernd, für unsere gequälte und belastete Zeit eine wirkliche Erholung. Alles ist pulsierendes, modernstes Leben.

Minnehaha's Ende. Abenteuerroman von Emilio Sal= gari. 302 S., in Ganzl. geb. 3,90 M. Phönix- Verlag Carl Siwinna, Berlin SW. 11. Das tragische Geschick der In= dianer Nordamerikas, die sich schließlich, durch eine an Betrug und Wortbruch reiche, raffinierte Ausrottungspolitik zur Ver­zweiflung getrieben, in beispiellos grausamen Kriegen zur Wehr setzen, aber ruhmvoll untergehen, als sie der zahlenmäßigen Uebermacht und der entwickelten Techmit ihrer Feinde nicht länger standhalten können das ist der düstere Hintergrund des soeben herausgekommenen neuen Abenteuerromans von Emilio Salgari, der ebenso reich an aufregenden Geschehnissen und farbenprächtigen Schilderungen ist, wie alle seine Vorgän ger. Von diesem Hintergrund hebt sich das Einzelschichhal einiger unerschrockener und mit allen Gefahren der Prärie wohl vertrau­ter weißer Jäger ab.

Steht die Welt Kopf? Wie wenige sind sich über die Be­deutung unserer Epoche klar, die im Wirbelsturm jahrtau­sende alte Gesetze wegsegt. Die Frau in fünf Erdteilen", die neue Artikelreihe der neuen ,, Woch e" erzählt von der größten Umwälzung unserer Tage.

Die ,, Münchener Jllustrierte" enthält in ihrer neuesten au­ßerordentlich vielseitigen Nummer( Nr. 44) ein ganz neuartiges 2000- Mart- Preisausschreiben Wem gehören diese Hände?". Weiter zeigt das Blatt eine ganz ungewöhnlich interessante Photoreportage von dem Calmette- Prozeß in Lübed.

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