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Mittwoch, den 22. Oktober 1930.

fahrt durch die Anlage eines Seitenkanals, des Grand canal d' Alsace, auf dem linken, jetzt französischen Rheinufer, besser zu helfen sei.

Baden nahm schon früher bei diesem schweizerisch- elsässischen Gegensatz insofern eine Mittelstellung ein, als es für die Schiff­barmachung des Rheinlaufs über Basel hinaus bis zum Boden­see für Rheinkähne eintrat und in die Anlage von Seitenkanälen einwilligen wollte, insofern sie aus technischen Gründen sich auf furze Strecken zur Umgehung von Stromhindernissen notwendig erwiesen.

Der banalisierte Rheinstrom ist von beiden Uferseiten aus benutzbar, es ist für die Schiffahrt einfacher und billiger als ein Seitenkanal, der nur für eine Stromseite von Wert ist.

Baden wollte dem Gesichtspunkte der Kraftgewinnung da durch Rechnung tragen, daß bei Anlage der notwendig werdenden kurzen Seitenkanäle an den Stauwehren Kraftanlagen errichtet würden. So konnte allen Wünschen unter Befolgung natürlich vorgezeichneter Vorbedingungen Rechnung getragen werden, indem die Interessengemeinsamkeit aller Anliegerstaaten des Rheinstroms richtungsweisend in den Vordergrund gestellt wurde.

Diese Interessenverbundenheit kam rechtlich darin zum Aus­druck, daß die Schweiz durch die Rheinschiffahrtsakte das Recht der unbehinderten Schiffahrt von Basel stromabwärts verbürgt erhalten hatte, so daß die andern beiden Ländern leine Eingriffe durch Bauten von Kraftwerken oder Seitenkanälen vornehmen konnten, während wiederum für sie keine Verpflichtung bestand, etwaigen Kanalisierungswünschen der Schweiz für das Rheinbett Rechnung tragen zu müssen.

Dieses Aufeinander angewiesensein der Interessen hätte zweifellos zu einem Ausgleich in den Oberrheinfragen geführt, wenn nicht der Kriegsausgang Frankreich wieder zum Strom­anlieger gemacht hätte, das durch den Versailler ,, Vertrag" sich eine ausschlaggebende Machtstellung sicherte. Nach dem Artikel 358 dieses Vertrages hat sich Frankreich nämlich das Recht vor­behalten, das Speisungswasser für alle gebauten und noch zu bauenden Kanäle aus dem Rhein zu entnehmen und alle durch den Ausbau des Stromes erzeugte Kraft für sich zu behalten mit dem Vorbehalt, daß die Hälfte der gewonnenen Kraft an Deutsch­land vergütet werden muß.

Die Ausübung dieser Rechte darf weder im Rheinbett noch etwa in den an seine Stelle tretenden Ableitungen die Schiff­barkeit beeinträchtigen oder die Schiffahrt erschweren, auch darf sie teine Erhöhung der bis dahin nach Maßgabe des geltenden Abkommens erhobenen Abgaben nach sich ziehen. Alle Bauent­würfe sind der Zentralkommision zur Feststellung, ob diese Be­dingungen erfüllt sind, vorzulegen. Deutschland hat sich ver­pflichtet, keinen Seitenkanal oder eine Ableitung auf der rechten Stromuferseite( also im eigenen Land!) gegenüber der französi schen Grenze zu unternehmen oder zuzulassen. Es ist demnach so gut wie ausgeschaltet, da die Zahl seiner Sitze in der Zentral­kommision, obwohl der Rhein zu mehr als% seiner Länge deutsches Hoheitsgebiet bespült, nur vier von 19 beträgt, wäh­rend Frankreich mit seinen Verbündeten Belgien, Großbritannien und Italien über 10 Sitze, die Schweiz über 2 und die Nieder­lande über 3 Size verfügen.

Die Niederlande und die Schweiz sind durch Sonderzugc­ständnisse ungefährlich für die Zentralkommision, und ihre Stimi­men zusammen mit den deutschen können ja auch keine Mehrheit hervorrufen, zumal die Schweiz einen Siz in der Zentralkom­mission erhalten hat. Die Schweiz hat die These vom freien Rhein" begraben.

Der französische Plan eines kombinierten Kraft- und Schiff­fahrtskanals von Basel bis Straßburg ist von der Zentral­tomission genehmigt. Er soll in großen Ausmaßen links des Rheins ausgeführt werden und dem Rhein bis zu 950 cbm/ sec.

,, N'ayant pas pu mourir".

N'annt pas pu mourir" beginnt der denkwürdige Brief, den Napoleon III. am Nachmittage des 1. September 1870 aus Sedan an den König Wilhelm richtete.

Am frühen Nachmittage hatte König Wilhelm, nachdem infolge der Beschießung an mehreren Stellen in Sedan Feuer ausgebrochen war, dem Oberstleutnant von Bronsart mit dem Hauptmann von Winterfeld als Parlamentär unter weißer Fahne abgesandt, um die eingeschlossene französische Armee und die Festung Sedan zur Uebergabe aufzufordern.

Kronprinz Friedrich Wilhelm erzählt, daß von Napoleons Anwesenheit in Sedan zunächst im Hauptquartier nichts bekannt gewesen sei. Gerüchtweise verlautete, daß er bei der Armee sei, aber diese Kunde fand keinen Glauben. Immerhin wollte das Gerücht nicht verstummen. König Wilhelm regte, aber fast nur in ungläubigem Scherze mit Bismard, Roon und dem Kronprinzen die Frage an, was denn, gesetzt, daß wir den Kaiser Napoleon wirklich in unsere Hand bekämen, mit einem solchen Gefangenen anzufangen sei."

Als es zu dämmern begann, erschien Oberstleutnant von Bronsart wieder. Er hatte in Sedan den Kaiser Napoleon selbst gesprochen, der seine Bereitwilligkeit, zu unterhandeln, in einem an den König gerichteten Brief, den sogleich sein Adju­tant, General Graf Reille, überbringen werde, aussprechen wollte.

Was beim Anhören dieser Meldung in eines jeden Brust vorging, ist leicht erklärlich. Das Erschütternde und Gewaltige eines solchen Erlebnisses liegt auf der Hand. Nichts bezeichnet die Stimmung der Anwesenden vielleicht besser, als daß, nach­dem Oberstleutnant von Bronsart seine Meldung erstattet hatte, jemand hinter mir laut sagte: Run muß alles Hurra rufen", dieser Aufforderung aber so schwach Folge gegeben wurde, daß der Ruf mißlang. Die Ursache dieses mißglückten Surras" suche ich darin, daß jeder unwillkürlich fühlte, die Größe des Ereignisses fände in einem solchen Ausrufe nicht den entsprechen­den Ausdruck, und daß es eben deutsche Art ist, sich bei großen Begebenheiten nicht zu lauten Rundgebungen hinreißen zu las= sen. Jedenfalls war uns allen zu Mut, als träumten wir." ( Kaiser Friedrich: Kriegstagebuch S. 93.)

Nun erschien der Graf Reille, vom Hauptmann von Win­terfeld und einem preußischen Ulanen- Trompeter begleitet. Er stieg vom Pferde und ging, sein Generals- Käppi in der Hand, zwar gesenkten Blides, aber in keiner Weise etwa würdelos, auf den König zu und überreichte ihm mit wenigen Worten den Brief seines taiserlichen Herrn. Graf Reille war seit dem Jahre 1867 dem König und dem Kronprinzen persönlich be= fannt; er war bei dem Besuche in Paris im genannten Jahre zum Kronprinzen als Begleiter fommandiert gewesen und ,, hatte sich als ein liebenswürdiger, vornehmer Mann im besten Sinne des Wortes erwiesen."

Jener historische Brief lautete: Mein Herr Bruder! Da ich nicht sterben tonnte in der Mitte meiner Truppen, bleibt mir nichts übrig, als meinen Degen in die Hände Ew. Majeſtät zu übergeben. Ich bin Ew. Majestät guter Bruder Napoleon."

,, Gießener Zeitung"

an Wasser entnehmen, das nach Ausnutzung in 8 Stufen erst bei Straßburg dem Flußlauf wieder zugeführt werden soll. Infolge ungenügenden Wasserstandes muß bei seiner Ausführung die Schiffahrt aus dem Rhein heraus auf ihn verlegt werden.

Infolge des Fehlens einer bestimmten Frist, innerhalb deren Frankreich den Kanal auszuführen hat und bei der Ungewißheit, ob es jemals zu seinem Ausbau kommen wird, obwohl die erste Stufe zur Umgehung der Jsteiner Schwelle, unterhalb deren die Regulierung ansetzen soll, bereits seit 2 Jahren gebaut wird, haben sich Deutschland und die Schweiz zur Regulierung des Oberrheins bis zum Bodensee mit einem Kostenaufwand von etwa 50 Millionen Mark in 10 bis 11 Jahren entschlossen. Indem Deutschland die Bearbeitung der Pläne und ihre Bauausführung übernimmt, beteiligt es sich zu 40% an den Kosten. Sollte der französische Seitenkanal zur Ausführung gelangen, die einen Zeitraum von langen Jahren umfassen dürfte, so wäre die Rhein­kanalisierung voraussichtlich vergeblich gewesen. Die Zentral­komission hat auch ihre Ausführung genehmigt, und sie ist eben­falls in Angriff genommen. Außerdem begleitet den Rhein auf seinem linken Ufer bekanntlich von Straßburg bis Basel der für die Schiffahrt unzulängliche Rhein- Rhone- Kanal.

Ueber die von der tatsächlichen Ausführung des neuen Seiten­fonals erwarteten Wirkungen berichtet die noch folgende Dar­stellung. Gm.

Lokales.

* Steuerbescheide. Diejenigen Steuerpflichtigen, die noch feinen Steuerbescheid erhalten haben, haben dies alsbald dem Städtischen Rechnungsamt, Stadthaus, Zimmer Nr. 17a, mit zuteilen.

* Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege. Sämt­liche Jugenpflege treibende Vereine, die die Fahrpreisermäßi­gung zugunsten der Jugendpflege für die Jahre 1931/32 glauben in Anspruch nehmen zu dürfen, werden hiermit ersucht, ihre An­träge für Bescheinigungen bis zum 1. Dezember 1930 dem Ministerium für Kultuss und Bildungswesen, Darmstadt, Wilhelminenstraße 3, einzureichen. Um den Reichsbahndirek­tionen am Anfang des Jahres 1931 eine genaue Liste über die anerkannten Jugendpflegevereine übersenden zu können, ist die Einhaltung des Termins unbedingt erforderlich. Die Führer­ausweise behalten nach wie vor ohne Zeitbeschränkung Gültig­feit. Neue Führerausweise werden von den Vereinen selbst ausgestellt und sind von den Ortsbehörden zu beglaubigen.

* Wohlfahrtsbriefmarken und Postkarten für das Jahr 1930 wurden herausgegeben. Es sollte Pflicht eines jeden Deutschen sein, nach Kräften durch die Benutzung dieser Brief­marfen und Karten die Not der Mitmenschen zu lindern. 80% des Reinertrages werden an Mütter, Kinder und Jugendliche unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsfürsorge wer­wendet.

* Postwertzeichen- Verkaufsstellen. Eine amtliche Verkaufs­stelle für Postwertzeichen ist bei Herrn Hans Helfrich, Fein­fostgeschäft, in Gießen, Friedrichstraße 2, eingerichtet worden.

* Kraftposthaltestelle. Die Haltestelle am Neustädter Tor für die aus der Richtung Krofdorf und Wißmar eintreffenden Kraftpostwagen von der Rodheimerstraße( Biebertalbahnhof) ist nach der Westanlage verlegt worden

* Anmeldungen zu den Meisterprüfungen bis 15. Novem ber 1930. Wer also die Meisterprüfung im fkommenden Jahre ablegen will, muß sich bis zu dem genannten Termin bei seiner zuständigen Prüfungskommision angemeldet haben.

* Kepler- Schulfeiern. Auf Anordnung des hessischen Kul­

Geschrieben ist dieser Brief in dem Gebäude der Mairie zu Sedan, dem Quartier Napoleons. Am Nachmittag des 31. August war Napoleon in Sedan angekommen und hatte in der Präfektur Wohnung genommen. In seiner unmittelbaren Umgebung befanden sich seine General- Adjutanten Graf Reille, der Prinz von der Moskwa, General Castelnau und General Vaubert, seine Leibärzte Dr. Couneau und Dr. Nelaton. Der Kaiser war schwer leidend und vermochte die Strapazen des Feldzuges nur mit Mühe zu ertragen; bekanntlich ist er drei Jahre später, am 9. Januar 1873 einer Stein- Operation erlegen. Trübe Stunden lagen hinter ihm. Von seinem Sohne, dem am 16. März 1856 geborenen Prinzen Louis( Lulu) hatte er schon bei Beginn des Marsches von Chalons nach Sedan Abschied ge= nommen und ihn mit seinem Gouverneur nach Mézières gesandt, um von dort nötigenfalls nach Belgien gehen zu können.

Schweigend hatte er seinen Sohn umarmt, der immer wie der bat, bei seinem Vater bleiben zu dürfen Endlich hatte sich der Kaiser losgerissen und war in tiefer Melancholie von dan­nen gefahren. In der Mairie wurde er von dem Maire und einigen Gemeinde- Vertretern von Sedan begrüßt, die die Hoff­nung ausdrückten, daß das Kriegsglüd sich wenden und der Sieg wieder die kaiserlichen Adler umschweben möge. Napoleon hatte diese Worte ungeduldig, beinahe gleichgültig angehört. Noch einmal redete Mac Mahon ihm zu, über Mézières nach Paris abzureisen, Napoleon aber beharrte darauf, bei der Ar­mee zu bleiben. Nach einer unruhigen Nacht erhob sich der Kaiser am 1. September früh, um aufs Schlachtfeld zu reiten Er legte die Generalsuniform an mit dem großen silbernen Stern der Ehren- Legion; als Ordensschmuck trug er nur noch die Medaille für den italienischen Feldzug und den Schwedischen Schwert- Orden. Durch die Porte de Balan" verließ er mit seinem Gefolge die Festung. Da erschien plötzlich an einer Bie­gung des Weges eine Abteilung Kürassiere, langsamen Schrit tes in der Richtung nach Sedan dem Kaiser enigegenreitend. Es war die Stabswache des Marschalls Mac Mahon, die den verwundeten Feldherrn nach Sedan geleitete. Napoleon reichte tief erschüttert seinem verwundeten General die Hand; auf ihn hatte er alle Hoffnung gesetzt, trotz der Niederlagen von Weißen­burg und Woerth! Hatte dieser tapfere Soldat ihm doch einst die Siege von Magenta und Solferino erfochten, die er ihm mit dem Herzogstitel gedankt hatte. Tragik der Feldherren! Benedek, Desterreichs tapferster und erfolgreicher Heerführer, erlag bei Königgräz, Mac Mahon verlor Weißenburg und Woerth und sant verwundet bei Sedan! Später ist der kaiser­liche Marschall der Präsident der französischen Republik gewor den, die ihm ihre Wiedererstarkung verdankt!

Mac Mahons Verwundung rief Streit um den Oberbefehl hervor. Der Kaiser hatte alle Gewalt der Kaiserin- Regentin in Paris übertragen. General Ducrot als Rangältester ver­langte das Oberkommando, General Wimpffen begehrte es für sich, auf die Vollmachten des Kriegsministeriums in Paris pochend.

Auf dem Schlachtfeld heroischer Kampf der tapferen deut schen Truppen, nicht minder tapfer fämpfen die Franzosen. Bei Bazailles, bei Daigny, bei Gironne, bei Jlly, bei Floing wer­

Nr. 84

tusministeriums findet am 15. November in den Schulen eine Kepler- Gedenkfeier statt. An diesem Tage sind es 300 Jahre daß der große Astronom Johannes Kepler tot ist.

* Das Lichtbild in der Schule. Unter Vorsitz von Kreis schulrat Lorentz- Lauterbach( Oberhessen), des Leiters der Hessi schen Lichtbildstelle für Schulen fand in Frankfurt eine Tagung hessischer Bildstellenleiter und Lehrfilmvorführer statt.

* Rundfunt. In der Theaterwoche des Südwestdeutschen Rundfunks wird der Intendant unseres Stadttheaters, Hen Prasch mit Herrn Dr. Beigel, vom Frankfurter Bühnenvolks bund, am Donnerstag, den 30. Oktober, nachmittags 6,35 Uhr, ein Gespräch über, Wanderbühnen und bodenständiges Thea ter" führen.

* Gießener Konzertverein, der jetzt in sein 140. Vereins jahr tritt, hat auch dieses Jahr ein wertvolles Winterprogramm aufgestellt. Auch in diesem Jahre sind ein Chor- und drei Orchesterkonzerte vorgesehen.

* Kaufmännischer Verein und Ortsgewerbeverein. Der 1. Vortrag findet am Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula statt. Herr Dr. Babenderode- Rostod spricht über ,, Das erwachende China".

* Vom Eisverein. Eine moderne Eisbahn wird gegen wärtig auf den Wiesen an der Moltkestraße angelegt. Das Becken hat eine Größe von einem Morgen und erhält eine Tiefe von etwa 50 Zentimeter. Die Arbeiten werden von Erwerbs losen der Stadt ausgeführt.

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* Train- Vereinigung 18. Das Ehrenmal für die Gefallenen der Großh. Hess. Train Abteilung Nr. 18 und ihrer Feldfor mationen wird am 16. November im Orangeriegarten zu Darm stadt feierlich enthüllt werden. Am 15. 11. findet im ,, Rummel bräu für die bereits anwesenden Festteilnehmer ein Be grüßungsabend statt. Am 16. 11. von 10 Uhr ab versammeln sich die Kameraden in der alten Trainkaserne, Eschollbrücker straße. Auskünfte erteilt Stabszahlmeister a. D. Fr. Werner, Darmstadt, Rückertstr. 26.

Straßensperrungen,

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobilclub E. V.( A. v. D.) Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Brauer schwend Reuters ist aufgehoben.

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Die Straßensperre auf der Provinzialstraße Näsberts­Grebenhain ist wieder aufgehoben.

Kreistagung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes.

Mittwoch,

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Bezirksliga:

VfB. 6 German Herman GC. 03 FC. Groß Spogg. 1. Bezirksklaj German Breidenbo Verein

Der Kreis Mittelhessen des D. H. V. hielt am Samstag und Sonntag hier seinen Kreistag ab, am Sonntag fand der eigentliche Kreistag unter dem Vorsitz von E. Reuter- Gießen statt. Der Jahresbericht ergab eine aufsteigende Linie an Mitgliedern und gewerkschaftlicher und standespolitischer Auf gaben und Erfolgen. Kreisgeschäftsführer Schroeder referierte über Gewerkschafts- und sozialpolitische Fragen". wobei e auch das Regierungsprogramm und die Notverordnung kriti sierte. Ueber Bildungs- und Jugendfragen referierte Kreis jugendobmann Wißner. Im Schlußwort ging Gauvorsteher Auerbach Frankfurt auf die in dem Versailler Vertrag begrün­deten Grundübel und Nöte ein. Es wurde eine Entschließung angenommen, die u. a. besagt: Mit Befremden wurde fest gestellt, daß das Sanierungsprogramm der Reichsregierung den arbeitnehmenden Schichten einseitig hohe Belastung auferlegt. Mit Entschiedenheit wenden sich die Kaufmannsgehilfen gegen die beabsichtigte Gehaltssenkung, die die Kaufkraft der breiten Bevölkerungsschichten weiter herabmindert. Zur Reform der Arbeitslosenversicherung fordern sie die Möglichkeit der Grün­dung eigener Ersatzkassen und protestierten gegen die Erhöhung der Beiträge auf Prozent.

den alle Mittel der Verteidigung angehäuft. Aus den Straßen gräben steigt unablässig der Dampf der Chassepot- Salven dort eingebuddelter Schüßen, zwischen den hohen Pappeln der An­höhen rasseln die Mitrailleusen, auf den Berghängen feuert fieberhaft die Artillerie.

Am Kirchhof von Balan hinter Bazailles hält der Kaiser Dann bricht die französische Kavallerie los: Husaren, grau mit Silberschnüren, die berühmten Lanziers, Chasseurs, Dra goner und Kürassiere. General Margueritte, der berühmteste Reiterführer des kaiserlichen Frankreichs, führt sie. Tödlich ge troffen stürzt er; General Galliffet jagt an der Spitze seine Reiter Division in die vordringenden deutschen Stürmer. Schle sier, Westpreußen, Hessen, Thüringer überbieten sich mit Bayern und Sachsen an Tapferkeit.

,, Die größte Anerkennung" schreibt Kronprinz Friedric Wilhelm ,, verdient unsere Infanterie für ihre besonnene ruhige Haltung und Ausdauer; am genauesten konnte ich dies bei den thüringischen Regimentern und bei der 19. Infanterie Brigade, die leider fast alle Offiziere verlor, beobachten und be

wundern."

Noch immer hatte Napoleon III. bei Balan das wütende Ringen beobachtet, der Verzweiflung nahe.

Einzelne Granaten begannen bereits an der Stelle, wo der Kaiser hielt, einzuschlagen. Zahlreicher wurden die Flüchtigen welche auf dem Wege von Balan nach Sedan eilten. Da ging hart gedrängt von den stürmenden Bayern, ein französisches Regiment geordnet langsam aus Balan zurück. Der Prinz von der Moskwa ritt an den Kaiser heran, um ihn auf das Gefähr liche seiner Lage aufmerksam zu machen.

Germania M Wallan Wiefenbod Sp. V. Wetlo Frohnhausen Breidenbach 1900 Gießen

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Nach zeitgenössischen Darstellungen ließ der dritte Napoleon sich in seiner Haltung nicht beirren, sondern zog seinen Degen und schloß sich einer gegen Balun vordringenden neuen Sturm Kolonne an. Der Prinz von der Mostwa wurde in seiner un mittelbaren Nähe durch einen Streifschuß am Fuße verwundet. Der Angriff scheiterte; noch immer wollte Napoleon bleiben, da ergriff General Reille das Pferd des Kaisers am Zügel und wandte es rückwärts. Napoleon ließ es willenlos geschehen und folgte im Schritt den sich immer mehr auflösenden und immer schneller auf der Straße nach Sedan hineilenden Truppen.

Die Hundertgarden" und die Generäle der Umgebung schlossen sich enger um den Kaiser, und in die Menge hinein sprengend, öffneten sie ihm einen Weg durch das Tor der Festung, gebrochen fehrte er in die Mairie zurück, die er am frühen Morgen verlassen hatte. So die Darstellung eines zeitgenössischen Schrift: stellers.

In der Mairie empfing er kurz darauf den deutschen Parla mentär, den Oberstleutnant Bronsart von Schellendorf. Dort schrieb er den historischen Brief: N'ayant pas pu mourir". Das zweite Napoleonische Kaiser- Reich endete wie das erste durch deutsche Waffen. Die Rolle des Schiedsrichters Europas" war ausgespielt! Wie für den ersten Napoleon am Abend von Water­loo, so hieß auch hier für den dritten Napoleon das Schlußwort der Tragödie: ,, C'est fini". Dr. Ludwig Roth

Gau Dill:

Merte

Offent

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Nieder