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Nr. 82

Mittwoch, de

Mittwoch, den 15. Oktober 1930.

Hellpach aus der demokratischen Partei ausgetreten.

Wie das Heidelberger Tageblatt" erfährt, ist Professor Dr. Hellpach, nachdem er bereits früher sein Reichstagsmandat und die Mitgliedschaft im engeren Vorstand der Demokratischen Partei niedergelegt hatte, nunmehr auch aus der Demokrati­schen Partei selbst ausgetreten.

Preissenfung sofort nach Lohnsenfung.

Im Anschluß an den Schiedsspruch in der Berliner Metall­industrie, der einen Lohnabbau von 8 v. H. bezw. 6 v. H. für die Arbeiter ab 3.November 1930 vorsieht, hat die elektrotech­nische Industrie beschlossen, für den Fall der Durchführung die­ses Schiedsspruches die Listenpreise für Maschinen, Motoren, Transformatoren, Zähler, Apparate, Installationsmaterial und Haushaltsgeräte mit Wirkung ab 1. 11. 30 um 5 v. H. zu sen­

fen.

Hessens Finanzlage 1930.

,, Gießener Zeitung"

gert die deutsche Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit. Deshalb wurde durch Reichstagsbeschlußz vom 16. Juli 1930 bestimmt, daß im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms, das be­kanntlich 100 Millionen Mark für Straßenbauten vorsieht, in der Regel nur deutsches Baumaterial, insbesondere Stein und Teer, Verwendung findet.

Darmstadt, 14. Oktober. Der hessische Landtag begann heute seine Winterarbeit mit einer Sitzung des Finanzausschusses. Finanzminister Kirnberger gab einen Ueberblick über die finanz­politische Lage in Hessen. Es ist mit einem Fehlbetrag von 11,7 Millionen Mark zu rechnen. Das Rechnungsjahr 1930 habe sich verhältnismäßig günstig angelassen, da die steuerlichen und sonstigen Einnahmen sich nicht viel anders als im Vorjahre entwickelt hätten. Ausfälle an Einkommen- und Körperschafts­steuer seien durch die im Voranschlag noch nicht berücksichtigte Biersteuer ziemlich ausgeglichen worden. Der erste Ueberblick über den Voranschlag über 1931 lasse allerdings kein günstiges Bild erwarten. Zwar sei die Ausgabensumme nicht erhöht. Aber auf der Einnahmeseite sei ein Minderertrag durch die Ver­ringerung der steuerlichen Einnahmen zu erwarten. Das Reichs­finanzprogramm bringe eine große Unsicherheit auch für die hessischen Staatsfinanzen. Es sehe eine Ausgabenminderung von etwa 5 Millionen Mark, bedeute aber auf der anderen Seite eine Kürzung der Ueberweisungen von rund 7,4 Millionen Mark, also eine weitere Verschlechterung.

In diesem Zusammenhang ist beachtlich, daß die deutsche Teerindustrie vor kurzem Preise ausgeschrieben hat zur Erlan­gung mustergültiger Teeremulsionen. Entgegen der Auffassung einiger Blätter handelt es sich nicht darum, die Herstellung neuer Teeremulsionen oder brauchbarer Teeremulsionen über­haupt erst anzuregen, sondern man will unter den vorhandenen Emulsionen die besten heraussuchen und eine Ueberschwemmung des Marktes mit minderwertigen Erzeugnissen verhüten.

In den Teeremulsionen ist der Teer in Wasser sein ver­teilt, etwa hälftig. Sie ermöglichen die Verwendung von Teer ohne Erwärmung, ja sogar auf feuchtem Gestein. Mit ihrer Herstellung wurde erst in den letzten 3 bis 4 Jahren begonnen, weil die deutsche Teerindustrie während der Kriegs- und In­flationsjahre keine Gelegenheit hatte, Teeremulsionen heraus­zubringen. In dieser Zeit konnte aber die ausländische Erdöl­bitumenindustrie in ihren Stammländern genügend Erfahrun­gen im Straßenbau sammeln und Bitumenemulsionen schaffen. Als dann in 1924 in Deutschland wieder mit umfangreichen Srtaßenbauten begonnen wurde und ein großer Bedarf an bituminösen Bindemitteln entstand, konnten die ausländischen Erzeugnisse auf dem deutschen Markte Fuß fassen.

Vereinheitlichung im ländlichen Genossenschaftswesen. Frankfurt a. M. Am 11. Oktober tagten hier die Verbände und Zentralgeschäftsanstalten der ländlichen Genossenschafts­onganisationen Frankfurt a. M. und Wiesbaden. Die vorge­legten Rationalisierungs- und Verschmelzungsverträge, sowie die Satzungen wurden angenommen. Es vereinigen sich die bei­den Verbände( Raiffeisen- Verband Frankfurt a. M. und Ver­band der nass. landwirtsch. Genossenschaften Wiesbaden) mit der Firma Ländlicher Genossenschaftsverband- Raiffeisen e. V." Die Genossenschaftsbank für Hessen- Nassau bildet zusammen mit der Genossenschaftsbank- Raiffeisen die Genossenschaftliche Zen­tralkasse" e. G. m. b. S., während die Raiffeisen- Hauptgemein­schaft und die Landwirtschaftliche Zentralgenossenschaft Wies­baden sich zusammenschließen zur Landwirtschaftlichen Haupt­genossenschaft" e. G. m. b. 5. mit dem Sitz in Frankfurt a. M. Die gesamte Organisation umfaßt rund 950 Genossenschaften.

Der Internationale Verband

zur Verteidigung und Förderung des Protestantismus hielt vom 5. Oftober ab in Zürich seine diesjährige Tagung ab. Die Verhandlungen drehten sich um die Mischehenfrage und die Schulfrage, die beide internationale Bedeutung haben.

Teerstraßen sind aber bedeutend rauher, d. h. verkehrs­sicherer und auch billiger als Bitumen( Asphalt-) straßen. Denn der Straßenteer, der etwa 35% billiger als Erdölbitu­men ist, bindet außerdem bedeutend mehr Gestein als Bitumen und ermöglicht dadurch eine reichlichere Füllung der Straßen mit Gestein, die dadurch rauher werden. Mit zunehmender Verbreitung dieser Erkenntnis stieg der deutsche Straßenteer­verbrauch stark an, aber auch die Nachfrage nach Teer in der bequem zu handhabenden Form von Emulsionen.

Deutscher Wettbewerb mit dem Ausland. Beim deutschen Straßenbau werden bekanntlich einheimi­scher Teer und ausländisches Erdölbitumen( Asphalt) verwendet. Der Absaz deutschen Straßenteeres stieg von 3000 Tonnen in 1924 auf rund 130 000 Tonnen in 1929, hat sich also in fünf Jahren mehr als vervierzigfacht. Er bleibt aber immer noch hinter dem Absaz der ausländischen Bitumina zurück. Jede Mart aber, die für überflüssige Auslandsware ausgegeben wird, stei­

Vaterlandslied.

Wie sollt ich dich nicht lieben, Mein deutsches Vaterland, Wo hüben dir und drüben Drohte die Feindeshand! Du bestes Land auf Erden, Voll Geist und Güte, du. Dir wend' ich meine Kräfte Aus tiefster Seele zu!

Wo Bismard- Eichen rauschen Und Schiller- Linden wehn, Da sollen auf den Fluren Nur deutsche Menschen gehn, Denn was die Eichen rauschen Voll Andacht himmelwärts, Versteht auf dieser Erde Doch nur ein deutsches Herz!

In Lüften deutsch und Grüften Hier soll tein Fremdling sein, Unser bleibt das Vaterland Am deutschen Rhein!

Das bleibe deutscher Wille,

Und jeder schlage ein,

Du aus der Wolkenstille

Gib deinen Segen drein!

,, Ans Vaterland".

( Pospiesny)

von

Lokales.

Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichspost

-

im Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt. Vergangenen Freitag fand im Telegraphenamt eine Be­sprechung der maßgebenden Vertreter der Oberpostdirektion Darmstadt, Präsident Leistner- Darmstadt und Oberpostrat Klingelhöfer- Darmstadt und des Gießener Postamtes Poſt­direktor Körber und Telegrapheninspektor Tetzlaff mit Ver­tretern der Post statt, die das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichspost im Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt zum Gegen­stand hatte. Einleitend wies Präsident Leister darauf hin, daß von der Reichspost Aufträge in Höhe von 200 Millionen Reichs­mark an die deutsche Wirtschaft gegeben werden. Die Aufträge certeilen sich auf die Schwachstrom- und Kabel-, Maschinen-, Fahrzeuge und Bauindustrie mit dem Zweck, die Wirtschaft zu beleben, die Not der Arbeitslosigkeit zu lindern und eine Preis: senkung zu erzielen.

Diese verstärkte Nachfrage führte zur Herstellung Teeremulsionen durch viele Firmen und Unternehmer, denen es an der nötigen Erfahrung fehlte. Es kamen minderwertige Erzeugnisse auf den Markt, die den guten Ruf des Teer­straßenbaus gefährden, der nach der Normung der Straßen­teere mit die wichtigste Straßenbauweise für Deutschland ge= worden ist. Diese minderwertige Erzeugnisse sollen ausgeschal­tet werden. Deshalb schreibt das Preisausschreiben die Ver­wendung bewährter Normenteere vor. Die besten Emulsionen sollen als mustergültig bezeichnet werden. Zweifellos find bereits gute Teeremulsionen vorhanden. Es handelt sich nur darum, sie für die Verbraucher zu kennzeichnen.

Die Zeppelinfahrt und Wahlen.

Die bürgerliche Fraktion der Stadtverordnetenversammlung in Delsnitz i. V. hat bei der Kreishauptmannschaft die Gültig teit der Stadtverordnetenwahlen vom 28. September angefoch­ten, weil in drei Wahllokalen der gesamte Wahlvorstand den Wahlraum verlassen hat, um das Luftschiff Graf Zeppelin" auf seiner Landungsfahrt nach Reichenbach zu beobachten.

Am 15. Oktober wird das 50jährige Jubiläum des Kölner Domes gefeiert.

1248 war der Grundstein gelegt worden und erst 1880 wurde mit einer glänzenden Feier in Gegenwart des alten Kaisers Wilhelm I. der Schlußstein auf den 156 Meter hohen Südturm gesetzt.

Anschlag auf Jad Diamond.

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Dabei kommt zunächst die Bauindustrie als Schlüsselindustrie Frohnhausen

in Frage, wozu alle Gewerbe, die mit dem Baugewerbe zu­sammenhängen, vermehrte Beschäftigung finden werden. Go werden u. a. Postämter- Um- und Anbauten in Büdingen und Lollar vorgenommen. Kraftwagenhallen sollen in Bad Nau heim, Friedberg, Schotten, Grünberg und Grebenhain gebaut werden. Weiter sollen in der ruhigeren Winterszeit zahlreiche Innenausbesserungen und Arbeiten, die unter Dach und Fach gemacht werden können, zur Ausführung kommen. In der Wohnungsbeschaffung soll den Beamten, Arbeitern und Ange: stellten zum Bau von Eigenheimen Hypotheken zu billigem Zinsfuß und bequemer Tilgung zur Verfügung gestellt werden. Durch umfangreiche Kabelarbeiten soll der Arbeitsmarkt ge bessert werden. 25 Fernsprechhäuschen sollen in den größeren Städten Hessens zur Aufstellung kommen.

New York, 13. 10. Jad Diamond, der amerikanische Schmuggler, der kürzlich aus Deutschland ausgewiesen worden war, fiel einem Revolveranschlag zum Opfer und liegt in einer Klinik. Es ist fraglich, ob er mit dem Leben davonkommt. Diamond befand sich in einem Hotel, als vier Schüsse auf ihn abgefeuert wurden.

Zur Landverkraftung werden dreißig 9/20 Personenwagen, drei 33sizige Omnibusse und zehn Landkraftpostwagen neu in Betrieb gestellt. 6 neue Landpostämter und 111 Poststellen sol­len errichtet werden, von letzteren die meisten in Oberhessen. Dazu kommt die Beschaffung von Gegenständen des laufenden Bedarfs wie Briefkästen, Feuerlöscher, elektrisch betriebene Ulen und Entstaubungsanlagen, Postwertzeichengeber. Doch wird bei allem auf größte Wirtschaftlichkeit gesehen. Der Präsident be tonte, daß bei allen Arbeiten das ortsansässige Handwerk und Gewerbe so weit wie möglich berücksichtigt werden soll.

ten nach vorn und bald troch auf der Straße nach Ujbanja ein unendlich langer und unübersehbarer Heerwurm heran. Durch Honved- Husaren erfuhr man, daß die Russen einen gewaltigen Druck gegen die österreichischen Stellungen ausübten. Die Ar­tillerie mußte vor allem in Stellung gebracht werden. Jedes einzelne Geschüß, von 8 bis 10 Pferden bespannt, wurde in dem fleinen Gebirgsbach vorgezogen und auf seinen Plak geschafft. Dämmerung trat inzwischen ein. Auf der linken Seite machte sich der Feind durch einzelne Schrapnells über den Wäldern bemerkbar. Die erste kahle Anhöhe war erklommen und der dichte Wald wurde erreicht.

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In einer sich anschließenden Aussprache wurden besonders Vorhaben für Gießen zur Aussprache gebracht, so die in Kürze beginnenden Umbauarbeiten im früheren Kaffee ,, Ernst Ludwig", für die Stadtpost, mit deren Verlegung evtl. noch vor Weihnach ten zu rechnen ist. Die Aufstellung von Fernsprechhäuschen in unserer Stadt. Doch sind die Verhandlungen hierzu mit der Stadtverwaltung noch nicht zum Abschluß gebracht.

* Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Verband. Am Don­nerstag, den 16. Oktober, abends 8.30 Uhr, hält im Heim, Long­straße 18, Herr Dr. Kandeler- Frankfurt einen Vortrag über ,, Der Youngplan".

* Liederkranz. Die nächste Singstunde ist am kommenden Freitag abend.

Straßensperrungen,

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobilclub E. V.( A. v. D.) Wegen Ausführung von Kanalisationsarbeiten ist die Orts: durchfahrt Frankfurterstraße in Vilbel ab 16. Oktober 1930 für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Nieder- Erlenbach, Harheim, Bonames und umgekehrt.

Gelbe Raucherzähne. Ich benutze seit Jahren die Chlorodont 3ahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trogdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine Zähne stets blendend weiß Auch fehlt mir fein einziger 3ahn, sodaß ich behaupte aur Chlorodont" erhält meine 3ähne gefund." S. Grunenberg, München. Chlorodont: 3ahnpaste 60 Pf. und 1 Mt., 3ahnbürsten, Mundwasser Mt. bei höchster Qualität. In allen Chlorodent- Verkaufsstellen zu haben.

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Links vom Bataillon mußte ein heftiger Infanteriekampf ent brannt sein, denn unaufhörlich hörte man heftiges Maschinenge­wehr- und Gewehrfeuer der Desterreicher, die ständig vorzutom men versuchten. Am 1. Osterfeiertagmorgen wurde der Sturm auf den Kobyla befohlen. Die Sonne sandte schon früh ihre war­men Strahlen auf den mit Schnee bedeckten Karpathenkamm. Die festliche Stille sollte bald durch mörderischen Kriegslärm unter­brochen werden. Um 12 Uhr mittags arbeitete sich das Batail­lon in Schüzenlinien sprungweise über eine Bergwiese vor, paj sierte die Sturmpassen der alten österreichischen Stellung und schanzte sich im dichten Walde ein, wo es bis zum anderen Mor­gen gefechtsbereit verblieb. Ein weiteres Vorgehen in dem Flanfenfeuer von links und von rechts und in dem Hagel der Geschosse von vorne war unmöglich. Der 2. Feiertag brach an. Links war ein heftiger Kampf entbrannt. Man fah Schützen­linien gegen die feindlichen Stellungen vorgehen, unterstützt von unserer Artillerie und Maschinengewehren. Es war die Einlei tung zum letzten Sturm auf den Kobyla. Nun war auch für uns der Zeitpunkt zum Angriff gegeben. Unsere Artillerie verlegte ihr Feuer auf die Höhe 600 und 640, unterstützt durch eine öster­reichische Gebirgsbatterie. Die Maschinengewehre flantierten die russischen Gräben mit sicherem Erfolg. Im Schutze dieses ohren­betäubenden Feuers erreichten die Schüßen die Schlucht und ar­beiteten sich auf der Anhöhe zur feindlichen Stellung vor. Dester­reichische Infanterie schloß sich links an. Vor der Front waren starte Astverhaue und Drahthindernisse hergestellt, die zu über­winden viel Blut kosten mußte. In Sturmstellung angekommen. eröffnete das Bataillon das Feuer. Die Maschinengewehre sand­ten noch mit gleichem Fleiße ihre todbringenden Geschosse in die vordersten russischen Gräben, während die Artillerie ihr Feuer auf die rückwärtigen Stellungen und Reserven verlegte. Nach dem erfolgreichen Einschlagen zweier Minen winkten die Russen mit weißen Tüchern und Hemden, einzelne ihre Waffen und Patronengürtel wegwerfend, liefen über. Reserven besetzten nun die Stellung und feuerten mit aller Energie gegen die zum Sturm vorgehenden deutschen Schüßen und überlaufenden Russen. Schon entwickelte sich ein kurzes Handgemenge. Der größte Teil der feindlichen Besagung ergab sich freiwillig, während an dere mit der Waffe in der Hand zurückfluteten. Noch eine kurze Beschießung der neueroberten Stellung durch russische Artillerie und Ruhe war auf der ganzen Front eingetreten. Das Ziel war erreicht, eine natürliche Festung wurde mit Gewalt erobert. Schüzenlinien verfolgten den entweichenden Feind bis ins Tal Viele Munition und Maschinengewehre wurden erbeutet. Zahl­lose Gefangene setzten sich zu einem Zuge zusammen. Hinter den Bergen versant die Sonne im blutigen Abendrot.

Ein schlimmer Marsch stand noch bevor. Bald ging es berg­auf, bald bergab. Hier mußte ein steiler Abhang überwunden werden. Mühsam hatte sich jede Kompagnie ihren Weg in das dichte Unterholz selbst zu schlagen und dazu noch auf grundlosem Boden. Die hintereinander Marschierenden sahen sich gegen­seitig nicht in den hohen Wäldern; sie nahmen nur Fühlung bei einer Stodung oder beim Ueberwinden eines Hindernisses. Erschöpft kam das Bataillon um 10 Uhr abends auf einer schnee­bedeckten Höhe an, wo es als Reserve biwafieren sollte. Die Mannschaften tochten ab oder wärmten sich an den Wachtfeuern. Am andern Morgen um 5 Uhr durfte die eiserne Portion zur Hälfte verzehrt werden, da es fraglich erschien, ob und wann die nächste Verpflegung bei den schlechten Wegeverhältnissen heran­geschafft werden konnte. Bald wurde vor einer Waldlichtung in Schüzenlinie ausgeschwärmt und fast zu gleicher Zeit grüßten die ersten Gewehrkugeln des Feindes hart über den Köpfen der Schützen. Auf diese Art setzte sich der Marsch auf die russi­fche Stellung fort. Prasselnd fuhren die Gewehrkugeln in die Aeste und Sträucher. Im dichten Gestrüpp sammelten sich die lichen Vorposten zu Leibe zu geben. Auf die Waldlichtungen, die passiert werden mußten, hatte es der Feind besonders ab­gesehen. Salven frachten unaufhörlich in die einzeln springen­den Mannschaften. Doch ohne viel Erfolg. Inzwischen war das Bataillon im Tale angekommen. Nun hieß es: Ran an den Feind. Da traf die Meldung beim Bataillon ein, daß der Russe die Stellung beim Herannahen der Deutschen geräumt habe. Die Anhöhe wurde in gemütlichem Tempo erreicht. Oben wurde auf fleinen Spiritusflammen abgekocht und sich zugleich für die Nacht vorbereitet. Größeres Biwakfeuer durfte wegen der Nähe des Feindes nicht entfacht werden. Von hier aus hatte man einen guten Ausblick über die nächstgelegenen Abhänge und Schluchten. Einige Kilometer westlich von dem Dorfe Virava lag die Kobylahöhe wie eine natürliche Festung. Nur von rechts und links schien eine Erflimmung des Bergrückens möglich zu sein. Von vorne war die Annäherung zweifelhaft.

Sturm auf den Kobyla in den Karpathen. Kompagnien, um in Reihenkolonnen den verſtedt sitzenden feind­

Karl Stod Dortelweil.

Am Charfreitag des Jahres 1915 marschierte das 3. Batail­lon des Inf.- Regts. 168 von Jzbrugyarobocz nach dem 29 Kilo­meter entfernten Jzbrugyarokita, das um 11 Uhr vormittags erreicht wurde. Es war ein schöner Frühlingstag. Ueberall im Tale der Virava saßen die Soldaten an den Ufern des Gebirgs­flusses und reinigten sich selbst, sowie ihre Gegenstände. Andere ließen sich verschönern. Pferde wurden getränkt und stampften mit Wohlbehagen in der reißenden Flut.

Auf der Straße tam im Galopp ein Stab von der Front ge­ritten. Die Mannschaften wußten schon, was dies zu bedeuten hatte, denn nicht lange danach war der Alarm schon befohlen. Ein schnelles Paden der zum Teil nassen Wäsche in den Tor­nister und behendes Fertigmachen. Schon rückten die ersten Infanteristen auf den Alarmplat. Artilleriekolonnen spreng­

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