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Nr. 90.

Mittwoch,

Mittwoch, den 14. November 1928.

Lokales.

* Von der Landesuniversität. Es habilitierten sich an un­serer Universität: in der Medizinischen Fakultät: Medizinalrat Dr. Heinrich Kliewe für das Fach Hygiene und Bakterio= logie; in der Philosophischen Fakultät, I. Abt.: Dr. Rudolf Gerber für das Fach der Musikwissenschaft.

* ,, Hindenburg- Goldstücke" kein gesetzliches Zahlungsmittel. Eine süddeutsche Firma vertreibt Medaillen aus Gold mit dem Bildnis des Reichspräsidenten unter der Bezeichnung Hinden­burg- Goldstücke". Es wird darauf hingewiesen, daß diese bei der preußischen Staatsmünze als Privatauftrag hergestellten Medaillen keine Reichsmünzen, also keine gesetzlichen Zahlungs­mittel sind.

* Der Verband evangelischer weiblicher Jugend in Hessen e. V. will am 19. November, nachmittags 2 Uhr, im Bahnhofs= heim in Frankfurt a. M. seine diesjährige Hauptversammlung halten. Auf der Tagesordnung steht ein Referat von Pfarrer Roth Neu- Isenburg: Wünsche und Vorschläge für die Ver­bandsarbeit". Der Verband zählt in 169 Gruppen 5500 ju­gendliche Mitglieder. Seit zwei Jahren besitzt er ein eigenes Erholungs- und Freizeitheim.

*

Finanzamtspersonalie. Regierungsassessor Friedrich Gutermuth beim Finanzamt Gießen wurde zum Regie­rungsrat ernannt.

,, Gießener Zeitung"

Friedberg. Schöner Erfolg des Weltspartags. Bei dem am 30. Oktober veranstalteten Weltspartag wurden beim Mathil­denstift hier in 223 Sparbücher 14560 Mark eingelegt und außerdem 34 neue Sparbücher ausgestellt. Auch am 31. Of­tober wurden noch in 140 Sparbücher 24 317 Mork eingelegt und 13 Sparbücher neu ausgestellt.

* Die hiesige Stadtmission konnte ihr 30jähriges Jubel­fest begehen. Sie wurde seinerzeit auf Anregung von Pastor Michaelis in Bethel gegründet. Von 1904 bis 1927 wurde ste von dem unvergeßlichen Stadtmissionar Herrmann geleitet. Dieser ist auch der Gründer des Verlags der Pilgermission, die heute im christlichen Buchhandel an führender Stelle steht.

Müde. Die Aussperrung im Ruhrgebiet zieht immer wei­tere Wirtschaftskreise in Mitleidenschaft. Nachdem vor einigen Tagen die Gewerkschaft Luise" ihrer Belegschaft gekündigt hat, wurde dieser Tage auch den Belegschaften der Erzgruben von Ilsdorf, Flensungen und Mücke die Kündigung für den 19. No­vember zugestellt.

* Der Sängerchor der Lollarer Sängervereinigung unter der Leitung seines Chormeisters Rhode( Marburg) brachte den Patienten der Chirurgischen Klinik, unter denen sich zur Zeit Drei Mitglieder des Vereins befinden, ein Frühkonzert dar. Der Verein sang drei Chöre und einige passende Volkslieder in schönster Weise. Die Darbietungen wurden von den Pa­tienten mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Oberschwester der Klinik brachte den herzlichsten Dank der Kranken in war­men, anerkennenden Worten für den Verein zum Ausbrud.

Freienseen. In der Nähe unseres Dorfes mußte ein Flug­zeug notanden. Die Reparatur des Motors dauerte nur kurze Zeit und das Flugzeug konnte den Weiterflug antreten Aller­dings mußte das Flugzeug nach kurzer Zeit erneut nieder­gehen, setzte den Begleitmann aus und flog dann mit ver­ringerter Last davon.

* ,, Gießen im Licht". Der Verkehrsverein gibt bekannt, daß bedeutende Firmen unserer Stadt bereits Vorkehrungen für ihre Beteiligung an der Licht- und Schaufensterreklame ,, Gie­en im Licht", die vom 8. bis 16. Dezember stattfindet, getrof­fen haben. An alle übrigen Geschäftsinhaber geht die Auffor­derung, sich ebenfalls an dieser Veranstaltung rege zu teiligen.

Aus Nah und Fern.

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Lauterbach. Mehrere Fälle von Paratyphus sind in den Nachbarorten Angersbach und Bernshausen aufgetreten. In Angersbach ist ein Fall tödlich verlaufen. Ein 21jähriger junger Mann in Bernshausen liegt an der gefährlichen Krant­heit schwer darnieder.

Friedberg. Von allen Seiten der Wetterau treffen die Rübensendungen ein, so daß die Lagerplätze mit ganzen Ber­gen Rüben überfüllt sind. Die Rübenernte tann als gut be­zeichnet werden.

Rodheim v. d. H. Der noch vor wenigen Jahren hier herrschende Wohnungsmangel ist vollständig behoben. Ja, das Wohnungsangebot ist größer als die Nachfrage.

Neue Bücher.

Ihm gebührt der gleiche Ruhm, nämlich dem Konstruf­teur des, Grafen Zeppelin", Dr. Dürr, dem das Titelblatt der neuesten 3. 3. 20" gewidmet ist. Es ist anerkennens­wert, daß die J. 3. diesem bescheidenen Erfinder und Mit­arbeiter des Grafen Zeppelin öffentlich Dank und Anerkennung zollt. Verlag G. Hackebeil A.-G. Berlin SW 48, Wilhelmstr. 118.

Frankfurt. Die Abgeordnetenversammlung des Landes­verbandes der hessischen Freiwilligen Feuerwehren findet näch­jten Sonntag in Frankfurt im Volksbildungsheim statt. Auf der umfangreichen Tagesordnung steht eine Anzahl Ausschuß­berichte über Verwaltungsangelegenheiten und Sic Arbeiten der technischen Kommission. Die Tagung wird bedeutsame Beschlüsse über den weiteren Ausbau des hessischen Feuerwehr­wesens zu fassen haben.

Ober- Biel. Am Morgen des Tages seiner goldenen Hoch­zeit verstarb plötzlich der Schmiedemeister Johannes Keiner, Veteran von 1866, 1870-71, im Alter von 86 Jahren.

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Die Weglarer Verkehrswoche.

Mode, Theater, Gesellschaft sind die drei Dinge, um die ſich gegenwärtig das allgemeine Interesse dreht. Diese drei Dinge finden Sie ausführlich behandelt in der soeben erschienenen Nummer der ,, Eleganten Welt.

Weglar. Die von dem Handelsverein und Verkehrsver­ein vorbereitete Verkehrswoche hat am Sonntag mit einem Begünstigt durch großen Festzug ihren Anfang genommen. gutes Wetter, hatten sich Tausende von Zuschauern aus der Um­gebung eingefunden. Und man kann sagen, daß das, was die hiesigen Geschäfte, was Handel, Handwerk und Industrie auf mehr als sechzig Wagen zeigten, alle Erwartungen übertraf. Herolde und Trommler in Alt- Weklarer Tracht machten den Anfang, ihnen folgten besonders gut gestellte Festwagen der hiesigen Buchdrucker. Die weitere Folge bildeten Wagen der Handwerker aller Art in teils origineller Aufmachung; weiter sah man die hiesige Geschäftswelt in ihren einzelnen Bran­chen. Alles in allem bot der Festzug ein überzeugendes Bild von der Leistungsfähigkeit der Geschäftswelt und Handwerker­schaft Weylars.

Das Ende des dreißigjährigen Krieges größten Auswanderung während der sogenannten Bölkerwande­

als Vernichtung

und beginnender Aufstieg.

Von Dr. Karl Klein, Buchschlag.

Am 24. Oktober 1648, also vor 280 Jahren, nahm der 30­jährige Krieg, der über Deutschland hereingebrochen war, durch den Friedensschluß zu Münster und Osnabrück sein Ende. Als ein Krieg innerhalb des deutschen Kaiserreiches hatte er be= gonnen. Allerdings hatten die Habsburger slavische und ro­manische Völker gegen das eigentliche Deutschland ins Feld geführt. Allmählich aber griffen sämtliche europäischen Mächte in den Krieg ein und Deutschland wurde der Tummelplay fremdländischer Heere. Wie Treitschke sagt: Der Auswurf aller Völker haust auf deutscher Erde. In einer Zerstörung ohne Gleichen geht das alte Deutschland zu Grunde". Infolge der inneren Zwietracht ,, wird es dem Ausland unter die Füße geworfen". ,, Rhein und Ems, Elbe und Weser, Oder und Weichsel, alle Zugänge zum Meer sind fremder Nationen Gefangene; dazu am Oberrhein die Vorposten der franz. Uebermacht. Zwei Drit­tel der Nation hat der grauenvolle Krieg dahingerafft." ( Treitschke.)

Was blieb übrig? Das verwilderte Geschlecht, das noch

Ein Kuchen Dir viel Freude macht,

Wenn Du ihn selbst zustand gebracht Vor allem ist er nährstoffreich­Versuch es nur und back' ihn gleich:

Dr. Oetker's

Backpulver Backin

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Backin- oder Gesundheitskuchen

Zutaten: 100 g Butter, 100 g Zucker, 4 Eier, 250 g Weizenmehl, 1 Päckch. Dr. Oetker's Backin- Backpulver, 4 Eẞlöffel voll Milch, das Gelbe einer Zitrone oder ½ Fläschchen Dr. Oetker's Backöl Zitrone.

Zubereitung: Butter, Zucker, Eigelb rührt man schaumig und fügt nach und nach das mit dem Backin gemischte und gesiebte Mehl und die Milch hinzu. Zuletzt rührt man das zu Schnee geschlagene Eiweiß und das Ge­würz unter die Masse, füllt diese in eine mit Butter ausgestrichene Form und backt den Kuchen rund 4 Stunde. Dieses Gebäck ist sehr leicht verdaulich für Kinder und Kranke. Alle für den Körper notwendigen Nährstoffe sind in ihm enthalten. Läßt man solch ein Stück Kuchen in warmer Milch zergehen, so ergibt dies eine vorzügliche Speise für kleine Kinder. Der Kuchen kann auch sofort, nachdem er aus dem Ofen genommen ist, gestürzt und als ,, Warmer Pudding" mit einer Wein­schaum- Soße aufgetragen werden.

Meinem neuen farbig illustr. Rezeptbuch, Ausgabe F entnommen, aus dem Sie auch Näheres über den vorzügl. Back-, Koch- u. Bratapparat ,, Küchen­wunder" erfahren. Das Buch ist für 15 Pfg. in allen einschläg. Geschäften erhältlich, wenn nicht vorrätig, gegen Einsendung von Marken von

Dr. August Oetker, Bielefeld.

Grabenfrieg.

Im Unterstand sind Post und Liebesgaben eingetrossen. Während der Leutnant erst mal die Briefe von daheim liest, packt der Bursche aus.

rung immer wieder ein neues kraftvolles und zahlreiches Ge­schlecht hervor. Immer wieder erscheinen die Germanen, die ältestes Kulturvolk sind, und ihre Nachkommen, die Deutschen, als das jüngste Volk der Geschichte. So erscheinen sie als das jüngste Volk Europas und gründeten sich vor mehr als 1400 Jahren ,, das stolze Königtum der Germanen". Achthundertfünf­zig Jahre später, mit dem Ende des 30jährigen Krieges liegt dieses Volk völlig darnieder. Der Bau des Staates, der nicht mehr vorhanden ist, muß von neuem begonnen werden. Kaum dem Namen nach ist es mehr ein Volt. Es muß sich seinen Ein­iritt in die Reihe der Völker Europas von Grund aus erkämp­fen. Aber eine neue Jugend erwächst ihm. Den harten Kampf um die Grundlagen staatlicher Macht und freier Gesittung, um Sein oder Nichtsein muß es noch einmal bestehen. Von da ab kämpft Deutschland im Ganzen oder in dem Teile, von dem seine Wieraufrichtung ausgeht, nicht wie andere Völker um Sieg oder Niederlage, sondern letzten Endes immer um Selbst­erhaltung oder Untergang.

,, Du, Heinrich, meine Mutter schreibt, in der Kiste wären fünfzig Zigarren.

,, Die grauenhafte Verwüstung des 30jährigen Krieges schien den Untergang des deutschen Namens anzukündigen und sie ward der Anfang eines neuen Lebens. In jenen Tagen des Elends, um die Zeit des Westphälischen Friedens beginnt un­sere neue Geschichte"( Treitschke). Die Macht, an der das ver­sinkende hat, war der erstehende

in Schmutz und Armut ein gedrücktes Leben führt, zeigt. nichts preußierwach der die staatenbildende Kraft

mehr von der alten Großheit des deutschen Charakters, nichts mehr von dem freimütig heiteren Heldentum der Väter. Der Reichtum einer uralten Gesittung ist verschwunden und ver­gessen bis herab zu den Handwerksgeheimnissen der Zünfte. Das Volk, das einst Chriemhilds Rache sang, schmückt jetzt seine verarmte Sprache mit fremden Flittern, und wer noch tief zu denken vermag, schreibt französisch oder lateinisch. Das gesamte Leben der Nation liegt haltlos jedem Einfluß der überlegenen Kultur des Auslandes geöffnet. Auch die Erinnerung an die Hoheit wundervoller Jahrhunderte geht der Masse des Volkes über dem Jammer der Not und über den kleinen Sorgen des armseligen Tages verloren. Erst anderthalb Jahrhunderte darauf hat die Nation durch mühsame gelehrte Forschung die Schätze ihrer alten Dichtung wieder ausgegraben, erstaunend wie reich sie einst gewesen. Kein anderes Volk war jemals so ge= waltsam sich selber und seinem Altertum entfremdet."( Treitschke)

Den aus dem Norden Europas, dem Norden Deutschlands stammenden, durch die ungeheure Auslese der Eiszeiten mit starter Körperkraft und hohem Wuchs ausgestatteten und in Haut, Haaren und Augen gebleichten Germanen ist immer wie­der erwachsende neue Jugend, neu emporwachsende Bevölke= rungskraft eigen. Jahrtausende schon vor unserer Zeitrechnung haben sie immer wieder Völkerschwärme hinausgesandt, die in alle Länder neues Volksleben hineinbrachten, aber in der Ver­mischung untergingen. Und doch erwuchs aus der alten Hei­mat trotz aller zeitweisen Lichtung, trotz der Aufreibung im Kampf mit den Römern und teilweise in ihrer Gefolgschaft, trotz der

der Nation und zwar im Norden. Und ,, der preußische Staat ist das Werk seiner Fürsten"( Treitschke).

,, Et sind nur vierzig, Herr Leutnant!" So?"

Jawoll! Der Hornist Lemte hat mitjezählt." ,, Dann muß es wohl richtig sein."

,, Soll'n wa noch mal zählen, Herr Leutnant?" ,, Untersteht euch!"

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Damit hebt er ihn über alle anderen reindeutschen Territorien hinaus und macht ihn zum größten deutschen Territorialstaat. Der brandenburgisch- preußische Staat erwirbt mit Pommern ein Mittelglied gegen den Außenposten, das Herzogtum Preu­ßen zu, wächst aber andererseits nach Deutschland hinein, nach dessen Mitte zu, rückt seinen Vorposten am Rhein näher. Nach dem Kriege wächst die Macht des Großen Kurfürsten durch inneren Ausbau seiner Lande, durch Zusammenfassung ihrer Kräfte, durch wirtschaftliche Hebung der Bevölkerung und Ver­besserung der Finanzen. Währenddessen muß er aber immer den Bestand seines Staates nach außen sichern und mit den Schweden schlägt er die Polen und kämpft dann siegreich gegen die Schweden. Preußen macht er von der Lehensherrschaft Po lens frei. Gegen Frankreich unter Ludwig XIV. zieht er mehr: fach zu Felde und ist sein erbitterster und am meisten beach­teter und gehaßter Feind. Er war der größte Mann seiner Tage, der die schlummernden Kräfte seines Staates mit der Macht des Wollens beseelte."( Treitschke.) Als gewaltiger Fürst legte er den Grundstein zur preußisch- deutschen Groß macht. Sein Sohn erhebt Preußen zum Königreich. Entel Friedrich Wilhelm I. baut nach innen aus und ver schmilzt alle Teile des Staates zu einem untrennbaren Gan­zen. Er schafft das neuzeitliche Heer, das schon auf dem Grund­gedanken der allgemeinen Wehrpflicht aufgebaut ist. Sein Urenkel, Friedrich der Große, erhebt den deutschen Staat Preu: ßen zur Großmacht Europas, gegen das er sich im Kampf be hauptet. Unter dessen Großneffen Sohn, dem König und Kai­ser Wilhelm I., vollzieht sich dann das Einigungswerk des neuen jungen Deutschlands.

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Die Zeit des tiefsten Niedergangs ist gleichzeitig der An­fang eines ungeheueren, eines kraftvollen Aufschwungs. Von den begreiflich verzagten Deutschen vor 280 Jahren mag keiner geahnt haben, daß er in dem Beginn einer großen Entwicklung, eines außerordentlichen Aufschwungs des deutschen Volkes nach aller vorausgegangenen Vernichtung schon drinnen stand. Wie schwer ist es, die Zeichen seiner Zeit zu erkennen. Das ver schüchterte Geschlecht wagte noch gar nicht, in der Gestalt des Großen Kurfürsten ihm neu erwachsende Jugendkraft zu er kennen. Erst in Friedrich des Großen Taten wurde man den deutschen Kriegshelden wieder gewahr, den das an seinem Bei­spiel sich aufrichtende Volk als seinen deutschen Volkshelden besang. Vom Ende des 30jährigen Krieges ab haben Hohen zollernfürsten Deutschland hochgeführt. Es war nicht das Werk eines einzelnen, sondern jeder führte das begonnene Werk bis zur Vollendung weiter. Mit dem Fortschreiten dieser Fürsten zogen sie das preußische und deutsche Volk hoch, bereiteten es zu neuen Aufgaben vor und machten es dazu fähig. Es war eine organische Entwicklung, die auf die Vernichtung folgte, die Schritt für Schritt aber auch Schlag auf Schlag vorwärts ging und immer wieder auch die unausbleiblichen Rückschläge überwand. Wir müssen in der Geschichte zurückschauen, um zu erkennen, daß es sich um große Entwicklungsgänge zur Hoch­führung Deutschlands und des deutschen Volkes handelt.

Der Retter Deutschlands vor dem Untergang, der als erster fast ununterbrochen aufeinander folgender Hohenzollernfürſten den Aufbau des neuen Deutschlands begann, war der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Mitten im 30jährigen Krieg wuchs er empor. Zwei Jahre nach dem Aus­bruch des Krieges im Jahre 1620 ist der Große Kurfürst ge= boren. Mit noch nicht ganz 20 Jahren, 1640, kommt er zur Regierung. Seine ihm untreu gewordenen Truppen muß er auflösen. Aber in den 8 Jahren bis zum Ende des 30jährigen Krieges schafft er eine achtunggebietende und für die damalige Zeit bedeutende Kriegsmacht von 16 000 Mann, die er in den folgenden Jahrzehnten seines Regierungslaufes bis auf 40 000 Mann erhöht. Mit seinem Heere wird er bei den Friedens­verhandlungen zum Abschluß des 30jährigen Krieges ein be­deutungsvoller Faktor. Der Mann von 25 Jahren erweckt bei Beginn der Friedensverhandlungen mit seinem energischen Auftreten und seinen Forderungen schon solche Angst und Be­sorgnis, daß man sich zuflüstert ,,, man müsse dem jungen bran­denburgischen Adler bei Zeiten die Flügel beschneiden, daß er nicht zu hoch fliege". Aber der kraftvolle Mann von boden= loser Energie, der keinen Konflikt scheut, den kann man nicht übersehen und zur Seite schieben. Alles erlangt er nicht, aber mit dem größten Teil von Pommern, mit dem Erzbistum Magdeburg und den Bistümern Halberstadt und Minden er­reicht er eine Vergrößerung seines Staates um ein Drittel.

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