Nr. 28.
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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdfendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
41. Jahrg.
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Bolitische Tagesschau.
Der Generalagent für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, hat die legten vier Tage in Paris geweilt und ist, nachdem er vorher London einen Besuch abgestattet hatte, gestern abend nach Rom weitergereist.
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Die sächsischen Metallindustriellen haben Donnerstag die Gesamtaussperrung aller sächsischen Metallarbeiter beschlossen. Von der Aussperrung werden rund 330 000 in der Metall: industrie beschäftigte Personen betroffen.
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Die Grenzsperre zwischen Albanien und Jugoslawien ist gestern von Albanien wieder aufgehoben.
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Die englischen, französischen, spanischen und italienischen Sachverständigen haben die Ausarbeitung der Maßnahmen abgeschlossen, die in Ausführung des französisch- spanischen Tangerabkommens zu ergreifen sein werden. Die Einigung erfolgte einstimmig.
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Mussolini hat anläßlich des Osterfestes eine Amnestie für Antifaschisten erlassen, die von politischen Gerichten verurteilt worden waren. Im ganzen handelt es sich um über 500 Personen, die der Amnestie teilhaftig werden.
Zu den kommenden Wahlen.
Der Reichswahlleiter.
Der Reichsminister des Innern hat zum Reichswahlleiter den Präsidenten des Statistischen Reichsamts, Geheimen Regie: rungsrat Prof. Dr. Wagemann, und zu seinem Stellvertreter den Direktor des Statistischen Reichsamts, Geheimen Regierungsrat Dr. Meisinger, ernannt.
Auflegung der Stimmlisten.
Der Reichsminister des Innern hat bestimmt, daß die Stimmlisten und Stimmfarteien für die Reichstagswahl vom 29. April bis einschl. 6. Mai 1928 aufzulegen sind.
Die demokratische Reichsliste.
Die demokratischen Blätter veröffentlichen die vom Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei aufgestellte Reichsliste, die im ganzen 20 Namen umfaßt und an erster Stelle auf einstimmigen Beschluß den Namen Frau Dr. Gertrud Bäumer trägt. Es folgen an zweiter bis fünfter Stelle Anton Erkelenz, Dr. Hermann Fischer, Dr. Ludwig Haas, der Angestelltenführer Gustav Schneider und Staatspräsident a. D. Prof. Dr. Willy Hellpach. Die gleichfalls aufgestellte preußische Landesliste enthält an erster Stelle den Namen des preußischen Handelsministers Dr. Schreiber und an dritter den des preußischen Finanzministers Dr. Höpker- Aschoff.
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414 Gigungen und 350 Gefeße.
Die Leistung des letzten Reichstages.
Der 1924 gewählte Reichstag hat 414 Sigungen abgehalten. Rund 350 Gesetze und Gesetzesabänderungen sind von ihm an= genommen worden, davon sind etwa 90 Staats- und Handels
Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M
Samstag, den 7. April 1928
den. Selbst im Falle einer Genehmigung eines Erhöhungsantrages ist auf Grund der zweimonatigen Sperrfrist nicht mit einem Inkrafttreten erhöhter Tarife vor dem 1. Oktober zu rechnen.
Der Höchster Uebergriff.
Zu der von der Rheinlandkommission verfügten Aufhebung der Eingemeindungspläne der Stadt Frankfurt wird mitgeteilt, daß der Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete, der Rheinlandkommission einen Besuch abgestattet hat, um sich näher über die Gründe dieser Verfügung der Kommission zu unterrichten. Ihm ist mitgeteilt worden, daß die Rheinlandkommission erst dann zu den Eingemeindungsplänen endgültig Stellung nehme, wenn sie im Besitze aller Einzelheiten über die Ausführungsbestimmungen sei.
Reichsgerichtspräsident Dr. Simons über alte und neue Parteien.
Im Heft 3 der„ Deutschen Juristen- Zeitung" vom 1. Februar ds. Js. beschäftigt sich Dr. Simons in einem Artikel ,, Die Anklage gegen den Staatsgerichtshof" auch mit den neuen Parteien. Er schreibt wörtlich:„ Geht man einmal von dem bei uns verfassungsmäßig festgelegten Grundsatz der Verhältniswahl aus, so würde die Einführung solcher Methoden zur Verhinderung vo von Splitterparteien, wie sie von verschiedenen deutschen Ländern getroffen sind, noch verhängnisvoller sein als die jchige Rechtslage. Sie müßte zu einer völligen Verkalkung des parlamentarischen Lebens führen, von der wir ohnehin schon stark bedroht sind.. Wer gibt denn den jetzt bestehenden Parteien den Anspruch darauf, in alle Ewigkeit fortzubestehen? Ich gehöre nicht zu ihren Verächtern, erkenne vielmehr ihre Verdienste um die Rettung Deutschlands aus dem Chaos der Nachkriegszeit durchaus an; aber darüber wird man sich doch klar sein müssen, daß in ihnen zu wenig die Stimme des jungen Deutschlands zu Gehör kommt, desjenigen Deutschlands, das im Weltkrieg die größten Opfer an Gut und Leben gebracht hat und jetzt immer noch im wesentlichen von Männern geführt wird, die den Niederbruch Deutschlands seinerzeit nicht haben verhindern können." Wir hätten dem nur noch hinzuzufügen, daß in den sogenannten alten Parteien viel zu wenig, man kann schon sagen überhaupt nicht, die Stimme des Mittelstandes zu Gehör fommt.
Sirol bleibt deutsch!
Die südtiroler Jugend will deutsch bleiben.
Wie aus Wien berichtet wird, kam es in der Schule des südtiroler Städtchens Luttach zu lärmenden Szenen. Die Kinder erklärten der italienischen Lehrerin, daß sie nicht mehr italienisch, sondern ihre Muttersprache, deutsch, lernen wollten. Als die Lehrerin diesem Wunsche nicht nachkommen wollte, fielen die Kinder über sie her und drohten sie zu verprügeln, worauf sich die Lehrerin gezwungen sah, die Schule fluchtartig zu verlassen.
In der Nacht desselben Tages wurde von Unbekannten auf den beiden Kasernen der Stadt, sowie auf anderen Amtsgebäuden die tiroler Fahne gehißt. Es kam zu einer wilden Hezjagd nach den Tätern, wobei 30 Personen verhaftet wurden.
verträge. Zu den Gesetzen find rund 3000 Anträge eingebracht Weltbund für internationale Freundschafts
worden. Außerdem wurden 230 Interpellationen eingebracht. Die Hauptarbeit ist in 33 Ausschüssen geleistet worden. Von Diesen Ausschüssen hatte u. a. der Petitionsausschuß rund 30 000 Petitionen zu bewältigen. Im Verlauf der Sizungen wurden 421 Ordnungsrufe erteilt. Der Sprecher der Kommunisten, Höllein, wurde nicht weniger als 34 mal zur Ordnung gerufen.
Die Abgeordneten des letzten Reichstags.
Unter den 493 Abgeordneten befanden sich 33 Frauen, davon 16 bei den Sozialdemokraten, 5 bei den Deutschnationalen. Nur die Wirtschaftliche Vereinigung und die Völkischen hatten fein weibliches Mitglied des Reichstages. Die jüngsten Reichstagsabgeordneten waren Lemmer( Dem.), Dietrich- Franken ( Nat.- Soz.), die beide im 30. Lebensjahr stehen und Ruth Fischer( Komm.), die 33 Jahre alt ist. Senior ist der 82jährige Sozialdemokrat Bod. Zehn Abgeordnete waren über 70 Jahre alt, während das Hauptkontingeht mit 149 die 50- bis 60jährigen stellten. Unter 30 Jahre alt ist kein Reichstagsmitglied. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Konfession nach vorhanden waren: 206 evangelische, 120 Dissidenten, 115 kathosche, 4 Juden, 1 Baptist, 2 Altkatholiken( 1 Soz. und 1 Dntl.), 1 Menonit und 1 Atheist, alles nach eigenen Angaben. 37 Abgeordnete machten keine Angaben über ihre Konfession, und 6 Fommunisten haben sich überhaupt geweigert, ihre Personalien drucken zu lassen.
Um die Tariferhöhung der Reichsbahn.
Der offizielle Antrag auf Erhöhung der Reichsbahntarife it beim Reichsverkehrsministerium noch nicht eingereicht wor
arbeit der Kirchen.
Erzbischof D. Söderblom und der Lord- Bischof von Winchester in Heidelberg.
Die Deutsche Vereinigung des Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen hält vom 26. bis 29. April in Heidelberg ihre Jahresversammlung. Die Tagung steht unter drei, für die deutsche Oeffentlichkeit auch unter dem politischen Gesichtspunkt wichtigen Verhandlungsgegenständen: 1. der Abrüstungsfrage, 2. der Frage nach der Entwicklung der ökuma= nischen Bewegung, 3. der Frage der evangelischen Minoritäten in Polen und in der Tschechoslowakei. Zur ersten Frage wird Botschafter a. D. Graf Bernstorff und Geheimer Konsistorialrat D. Dr. Titius referieren, ersterer unter dem politischen, letzterer unter dem theologischen Gesichtspunkt. Zur zweiten Frage spricht der Lord- Bischof von Winchester und Prälat D. Dr. Schoell- Stuttgart. Ueber die Lage in Polen wird der Generalsuperintendent D. Blau, Posen, berichten und über die Lage in der Tschechoslowakei der Kirchenpräsident D. WehrenpfennigGablonz a. N. Es ist noch bedeutsam, daß hier zum erstenmal evangelisch- kirchliche Reise in die Regelung unserer internationalen Beziehungen aktiv eingreifen.
Eine Rheinlandlotterie gegen die Winzernot. Nach langen Vorarbeiten ist es dem Reichsverband der Rheinländer gelungen, für eine Rheinland- Lotterie zugunsten des notleidenden Winzerstandes die Genehmigung der zuständigen Stellen zu erhalten. Die Gewtnne bestehen ausschließlich aus Wein. Der Reichsverband der Rheinländer erbittet die Unterstützung aller Kreise des deutschen Volkes. Die einkommenden Mittel werden restlos dem Weinbau des besetzten Ge= bietes zukommen.
( Gießener Tageblatt)
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Nummer 29
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Deutschen Hausbefizzes.
Es ist nur sehr wenig bekannt, welchen Volkskreisen die Träger des deutschen Hausbesizes angehören. In dankenswer ter Weise hat der Zentralverband deutscher Haus- und Grundbesitzervereine in der anschaulichen Form einer graphischen Darstellung den Beweis erbracht, daß sich der deutsche Hausbesiz fast ausnahmslos aus den Kreisen des Mittelstandes zusam mensetzt. Vor dem Kriege betrug das angelegte Kapital des deutschen Hausbesizes nach Schähungen Helfferichs 120 Milliar den Mark, von denen etwa 84 Milliarden Mark frem des und etwa 36 Milliarden Mark eigenes Kapital darstellen. Nach den Berechnungen des Zentralverbandes deut scher Haus- und Grundbesizer- Vereine sind die Träger des deutschen Hausbesizes zu ungefähr 53 Prozent Beamte und Handwerker, zu je 16 Prozent Kleinrentner und Witwen und Waisen und nur zu 5,5 Prozent Großunternehmer.
Daß der deutsche Hausbesitz eine überaus große volkswirtschaftliche Bedeutung hat, zeigt die graphische Gegenüberstellung des im Hausbesitz investierten Kapitals mit dem in Wirtschaftsunternehmungen werbenden Kapital. Während das im Hausbesitz angelegte Kapital vor dem Kriege 120 Millarden Mark betrug, betrug das im Wirtschaftsunternehmen investierte Kapital nur 100 Milliarden Mark. Von diesen 100 Milliarden Mark entfielen ungefähr 25 Prozent auf werbende Staats- und Kommunalanſtalten, etwa 20 Prozent auf 3000 Sparkassen mit 5000 Nebenstellen, ca. 18,5 Prozent auf 13 000 Aktiengesellschaften und 58 000 Gesellschaften mit beschränkter Haftung, 17 Prozent auf die deutschen Staatsbahnen, 9 Prozent auf Kreditanstalten, 5 Prozent auf private und staatliche Bergwerke, 3 Prozent auf rund 52 000 Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, 2,5 Prozent auf deutsche Versicherungsanstalten und etwa 1 Prozent auf deutsche Binnen- und Seeschiffahrt.
Von dem jährlichen Mietertrag aus dem deutschen Hausbesitz von 6 Milliarden Mark fließt ungefähr die Hälfte den deutschen Steuerkassen zu, und eine weitere Milliarde wird füx Wiederinstandsetzung und Reparaturen verwendet. Mit diesem Betrage ist der deutsche Hausbesitz der größte Arbeitgeber der deutschen Wirtschaft. Im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft und im Interesse der Allgemeinheit ist es daher von grökter Wichtigkeit, daß der deutsche Hausbesitz und damit der deut sche Mittelstand nicht durch die Auferlegung von neuen untragbaren Tributen und durch die Schaffung von neuen Ausnahmegesehen weiter entkräftet, sondern durch den Abbau der Steuerlasten und des als Uebergangsmaßnahme gedachten Raumnotrechts gekräftigt wird.
Groß- Deutschland.
Eine Tragödie in Zahlen.
In folgende staatlich getrennte Gebiete ist das Deutschtum des geschlossenen mitteleuropäischen Siedlungsgebietes zerfetzt: Geviertfilometer Einwohner
Rumpfdeutschland Deutschösterreich
1. Memelland
2. Danzig
3. Posen
Westpreußen mit Goldau
und den annektierten Teilen MittelSchlesiens
4. Ost- Oberschlesien
5. Teschener Korridor mit MährischOstrau, Friedeck und Biala
6. Sudetendeutschland( Südschlesien mit Hultschin und Olmüz, Deutschböhmen, Böhmerwaldgau mit Budweis, Südmähren mit Brünn, Preßburg) 7. Dedenburg
470 390 59 859 000 84.000 6 527 000
2 660
141 000
1 910
331 000
42 910
2 961 000
3 270
890 000
2440
580 000
8. Untersteierisches Dreieck mit Miestal 6 800 9. Wochein
10. Tarvis 11. Südtirol
-
Pontafel
12. Elsaß- Lothringen
13. Arel( belgische Südostecke) 14. Eupen Malmedy- Monschau 15. Nordschleswig
Groß- Deutschland
8.000
253 000
27 700 390
3 829 000 37 000 500 000
1 200
9 000
330
7.720
15 520
1 874 000
500
25 000
1040
72.000
4000
168 000
672 780 78 064 000
Deutscher, sei ehrlich: warst du dir dieser ungeheuerlichen, allem göttlichen und menschlichen Recht widersprechenden zerreißung unseres Volkes bewußt? Vergiß es nie mehr!
( Die obenstehende Aufstellung ist der ausgezeichneten Schrift Mit von Dr. M. Dachselt ,, Deutschtum u. Nationalitätenrecht den Beschlüssen der 3 Genfer Nationalitätenkongresse" entnom= men, die im Süd- Ost- Verlag, Adolf Dresler, München, Barerstraße 32, II, erschienen ist.)


