Mittwoch, den 5. September 1928.
Lokales.
Straßensperrungen,
mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V., Gießen. Ober- Eschbach Nieder- Erlenbach, im Straßenzug Bad Homburg -Kloppenheim, bis auf weiteres; Umleitung: Nieder- Esch
bach. Fauerbach v. d. H.- Langenhain, im Straßenzug Butzbach- Ostheim Usingen, vom 3.- 10 September; Umleitung: NiederMörlen.
Bieber Königsberg, im Straßenzug Gießen HohensolmsHerborn, vom 5.- 12. September; Umleitung: Fellingshausen- Erda.
Marburgerstraße zw. Abzw. n. Wieseck u. Abzw. n. d. Friedhof, im Straßenzug Gießen- Marburg, vom 10. September bis etwa 10. Oktober; Umleitung: Wiesed- Alten- Buseck. Kirchhain Niederkleen, im Straßenzug Kirchhain- Alsfeld, bis 8. September; Umleitung: Bahnhof Allendorf. Wiera Treysa, im Straßenzug Marburg- Trensa, bis 15. September; Umleitung: Mengsberg.
Folgende Sperrungen sind aufgehoben:
Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Schotten im Straßenzug Nidda Schotten,
die Sperrung der Straße Nidda- Bad Salzhausen.
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99
Gießener Zeitung"
Nr. 70.
Aus Nah und Fern.
Nidda. Dem langjährigen Führer des hiesigen Turnvereins, Frd. Reuning II., wurde gelegentlich seines 80. Geburtstages der Ehrenbrief des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft überreicht. Der Turnverein ehrte sein ältestes Mitglied mit einem Fackelzug.
Schotten. Zu Ehren des Lehrerveteranen Karl Linck hielt der Gesamtvorstand des hessischen Landes- Lehrervereins am 1. und 2. September hier im„ Hessischen Haus“ eine Vorstandssizung ab. Landtagsabgeordneter Reiber- Darmstadt wid= mete dem Jubilar herzliche Worte der Anerkennung und übermittelte ihm den einstimmigen Beschluß des Vorstandes, der den verdienstvollen Amtsbruder zum Ehrenmitglied des hessischen Landes- Lehrervereins ernannte.
sen fand hier der 10. Hessische Kolonnentag der Freiwilligen Sanitätsfolonnen vom Roten Kreuz in Hessen statt. Die Tagung fand Samstag abend mit der Jubiläumsfeier der Gießener Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ihren Auftakt. Die Gießener Kolonne konnte auf ihr 25jähriges Bestehen zurüdblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihr auch von staatlichen und städtischen Behörden Ehrungen bereitet. Sonntag morgen fand eine Gedächtnisfeier für die Gefallenen und verstorbenen Kameraden statt, wobei Prof. Dr. Adolph- Gießen die Gedenkrede hielt und der Vorstand der Hessischen Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz einen Kranz niederlegte. Anschließend begann die Kolonnentagung, zu der von 60 Kolonnen im hessischen Lande 57 durch Abordnungen vertreten waren. Die Tagung leitete Sanitätsrat Dr. Schlink aus Alzey mit herzlichen Begrüßungsworten ein, worauf Geheimrat v. HahnDarmstadt die Grüße des Hessischen Landesvereins pom Roten Kreuz überbrachte und im Auftrage des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes ein Ehrenzeichen u. a. an Medizinalrat Dr. Bötticher- Gießen überreichte. Der zurückgetretene langjährige Vorsitzende des Landesverbandes, Hauptmann Lothei= sen Darmstadt wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. An seiner Stelle wurde Sanitätsrat Dr. Schlink- Alzen erster Vorsitzender des Landesverbandes. Ein Kolonnentag findet im nächsten Jahre nicht statt, sondern nur eine Delegiertensitzung in Birkenau im Odenwald. Medizinalrat Dr. Böt= ticher- Gießen hielt schließlich einen außerordentlich fesselnden Vortag über„, Schutz des Sanitätsmannes selber und Schutz der Allgemeinheit bei infektiösen Erkrankungen durch sachgemäße Anwendung der Desinfektion nach dem heutigen Stand der Desinfektionslehre". Eine große Kolonnenübung der Gießener Sanitätskolonne am Güterbahnhof in Gemeinschaft mit den Sanitäts- Hilfsmannschaften der Reichsbahn schloß die Tagung.
Straßensperrung. Wegen Rohrverlegungsarbeiten wird die Marburgerstraße zwischen Walltorstraße und Steinstraße vom Donnerstag, den 6. September 1928, auf etwa 5 Tage für jeden Fahrverkehr gesperrt.
* Straßensperrung. Wegen Ausführung von Straßenbauarbeiten ist die Kaiserallee zwischen Moltkestraße und Georg- Philipp- Gailſtraße bis auf weiteres für allen Fahrverfehr gesperrt.
Der Wille zur Freude
* Ernannt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Großen- Der
Linden, Heinrich Blaß, zum Reallehrer an der Oberrealschule
in Gießen, mit Wirkung vom 1. August ab.
*
Zusammenstoß zwischen Auto und Motorrad. Samstag nachmittag ereignete sich in der Ludwigstraße ein Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen mit einem mit zwei Personen besetzten Motorrad. Der Führer des Kraftrades, der Chauffeur Ernst Weber aus Gießen, der sich auf einer Fahrt nach Tübingen befand, erlitt bei dem Zusammenstoß schwere Kopfverlegungen, eine Gehirnerschütterung und einen Unterschenkelbruch. Der Mitfahrer, sein Bruder, wurde ebenfalls am Kopfe verletzt, während die Insassen des Autos unverletzt davonkamen. Der schwerverletzte Weber mußte der Chirurgischen Klinik zugeführt werden.
* Vorsicht, Falschgeld! Von dem mit dem Datum des 11. Oktober 1924 in Umlauf befindlichen 20- Markscheinen sind falsche Scheine festgestellt worden. Dieses Falschgeld besteht aus zwei zusammengefügten und leichtgeknitterten Blättchen. Die Pflanzenfasern sind durch Strichaufdruck vorgetäuscht( durch Abkrazen leicht festzustellen). An Stelle der Wasserzeichen iſt auf einem der Blättchen ein Nachdruck in rötlicher, scharf abge= setzter Farbe zu erkennen.
* Eine Bitte. In den nächsten Wochen läßt die Anstalt für Epileptische in Nieder- Ramstadt die ministeriell genehmigte Hauskollekte in der Stadt Gießen durch ihren Kolleftanten erheben. Da es sich um ein Liebeswerk handelt, werden die verehrlichen Einwohner gebeten, den Kolleftanten nicht leer von der Türe gehen zu lassen. Der Kollektant ist mit Ausweis und behördlich genehmigten Kollektenbuch versehen.
10. Hessischer Sanitätskolonnentag in Gießen. Unter außerordentlich starker Beteiligung der Freiwilligen Sanitätsfolonnen vom Roten Kreuz im ganzen Volksstaat Hes
Die Enteignung in Rußland und ihre Bedeutung für die Welt.
Referat des Herrn Professor Dr. Jwan Jljin
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Wir nehmen an, daß dieser Artikel auch über die Kreise des Hausbesizes hinaus allgemeines Interesse findet. D. Red.
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Darmstadt. Ein Teil der Besatzung des Linienschiffes „ Hessen" befindet sich zur Zeit auf einer Reise durch das Hessenland. Nachdem die ,, blauen Jungen" der Landeshauptstadt Ende der vergangenen Woche einen Besuch abgestattet hatten, ging die Fahrt nach dem Odenwald. Die Perlen oes Odenwaldes, Erbach und Michelstadt, waren das Ziel der Fahrt. Unter Führung der Bürgermeister und des Kreisdirektors wurden die historischen Städtchen besichtigt. Nach einem gemeinsamen Mitiagessen fuhren die Besucher weiter nach Hirschhorn am Neckar, von wo aus Heidelberg besucht werden soll
Herborn. Am nächsten Samstag und Sonntag findet in Herborn der Landesverbandstag Hessen- Nassaus des Stahlhelms ſtatt; für Sonntag sind für beide Konfessionen Festgottesdienste eingesetzt und anschließend eine Gedenkstunde am Kriegerehrenmal. Nachmittags findet eine feierliche Veranstaltung im Hotel Nassauer Hof statt.
ist die erste Bedingung für ein glückliches Leben. Leider haben viele Menschen die Eigentümlichkeit, allen ihren Sorgen eine besondere Beachtung zu schenken und das Gute, was sich im Leben bietet oder bieten könnte, als selbstverständlich zu betrachten und nach dem zu sehen, was sie nicht haben. Geht nun von der Hausfrau, die den Mittelpunkt des Familienlebens bildet, der innere Wille zur Freude aus, dann wird die Zufriedenheit als glückliche Folgeerscheinung den ganzen Familienkreis beherrschen. Auch Sie, verehrte Hausfrau, bringen Freude ins Haus, wenn Sie den Anregungen folgen, die Ihnen Dr. Oetker's neues farbig illustriertes Rezeptbuch, Ausgabe F gibt. Ein selbstgebackener Kuchen oder ein schmackhafter Oetker- Pudding erfreuen stets und tragen Ihnen Dank und Verständnis für Ihre Arbeit ein. Sie erfahren aus dem Buche, das für 15 Pfg. in allen einschl. Geschäften zu haben ist, auch Näheres über den vorzüglichen Backapparat ,, Küchenwunder", mit dem man auf kl. Gaskocherflamme backen, braten und kochen kann. Dr. Oetker's BackinBackpulver, Puddingpulver, Vanillin- Zucker, Gustin usw. sind in allen Geschäften stets frisch zu haben.- In völlig neuer Bearbeitung ist Dr. Oetker's Schulkochbuch, Ausg. C, wieder erschienen. Es will für jede Hausfrau u. besond. für die angehenden ein guter Ratgeber in der Haushaltführung sein, denn es trägt den veränderten wirtschaftl. Verhältnissen Rechnung u. berücksichtigt die neuen Forschungs- Ergebnisse in der Ernährungs- Wissenschaft. Zahlreiche farb. Taf. vervollständ. die Samml. von fast 500 Koch-, Back- u. Einmache- Rezepten. Das 150 S. starke Buch ist in dauerhaftem Pappband, wo nicht vorrätig, geg. Einsendung von 30 Pfg. in Marken von mir portofr. zu beziehen. Dr. August Oetker, Bielefeld
Neue Bücher.
Luftfahrzeuge und Luftfahrzeugmotoren. Ausgabe 1 der ,, Deutschen Kraftfahrzeug- Typenschau". Verlag Deutsche MotorZeitschrift G. m. b. H., Dresden- A 19. Preis 2, M. Die soeben erschienene Ausgabe 1928 dieses Werkes zeichnet sich wiederum durch ihre sorgfältige Bearbeitung, Vollständigkeit und sehr gute Abbildungen aus. Alle deutschen Flugzeug- und Flugmotorwerke sind hier mit ihren Erzeugnissen auf 52 übersichtlichen Typentafeln vertreten.
Geschäftliches.
Bausparkasse der Gemeinschaft der Freunde, gemeinnützige G. m. b. H. Wüstenroth- Württ. Der für das Geschäftsjahr 1928 gewählte Aufsichtsrat hat einstimmig an Stelle des Herrn Georg Kropp zum Vorsitzenden gewählt: Herrn David Reinhardt, Kaufmann in Stuttgart.
Drittens darum, weil diese ganze rücksichtslose Enteignung durchaus nicht für sich isoliert in der Welt dasteht, sondern als ein Symptom oder als ein Exponent der in ganz Europa herangereiften und schon sich Luft machenden Krise des Privateigentums anzusehen ist.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was ich Ihnen heute zu dem angegebenen Thema zu sagen habe, hat eine zehnjährige Geschichte. Ich habe die Vorgänge bis zum Jahre 1922 aus nächster Nähe persönlich beobachtet und die weiteren fünf Jahre verfolgte ich sie aus der Entfernung von Berlin aus. Alles in allem, kurz zusammengefaßt, ist der ganze Prozeß der gegenwärtigen Revolution in Rußland als eine kolossale, geschichtlich einzig dastehende Enteignung aufzufassen. Einzig da= stehend im Sinne des sozialen Radibalismus und der ihm entsprechenden Blutströme, im Sinne der Raumdimension und auch in Beziehung auf die kommenden Folgen, wie für Rußland, so auch für die allgemeine menschliche Geschichte. Es ist ja nun einmal aus mit allen Träumen vom„ geschlossenen Handelsstaat" und von einem willkürlichen Absperren gegen eine Mas= senpsychose und Ideenseuche. Immer mehr wird die Menschheit, in Wirtschaft und in Mentalität einheitlich, verwickelt, gegenseitig bedingt und einflußreich. Einzelne Staaten brauchen einander wirtschaftlich und mißbrauchen einander, sich gegenseitig in Massenpsychose ansteckend. Deshalb kann so eine folossale Enteignung, wie die der russischen Revolution, nicht ohne bestimmende Einwirkung auf die übrige Welt bleiben.
Die Aerzte verlangen gebieterisch, mehr Wert auf die Vorbeugung gegen Krankheiten zu legen. Und mit Recht, denn Vorbeugen ist bekanntlich leichter als Heilen. Die Grundbedingung hierfür ist aber eine gesunde, nahrhafte Kost, die reich an Ergänzungsstoffen ist. Wertvolle Hinweise über die gesündeste und zweckmäßigste Ausnutzung der Nahrungsmittel nach den neuesten Forschungsergebnissen der Ernährungs- Wissenschaft sind auch in Dr. Oetker's Schultochbuch enthalten. Das 144 Textseiten und 8 Seiten farbige Abbildungen enthaltende Buch ist in den einschlägigen Geschäften für 30 Pfg. erhältlich oder wenn nicht, gegen Einsendung von Marken von der bekannten Firma Dr. August Oetker, Bielefeld, direkt zu beziehen. Für besonders wertvolle Leistungen ist letzterem auf der Ausstellung„ Die Ernährung" in Berlin der Firma Dr. Oetker der Staatsehrenpreis des Preuß. Miniſteriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zuerkannt worden.
Versuchen wir zuerst ganz kurz, uns mit dem konkreten Grundlinien und den prinzipiellen Grundlagen der russischen Enteignung vertraut zu machen.
Erstens darum, weil sie das normale Wirtschaftsleben eines sechsten Teiles der gesamten Erdenfläche zerrüttete, eines Landes, dessen Anteil am Welthandel im Jahre 1913 fast 4 Prozent des gesamten Weltumsatzes ausmachte und im Jahre 1925 auf 1,06 Prozent des Weltumsatzes zurückging¹).
Unter Enteignung versteht man zweierlei: erstens Enteignung als prinzipielle Aufhebung des Eigentumsrechtes; zweitens Enteignung als faktische Wegnahme der reellen Sache.
Prinzipiell wurde noch im Laufe des ersten Revolutionsjahres jegliches Eigentumsrecht aufgehoben, ganz besonders, was Geldkapital und Immobilien anbetrifft. Es hieß,„, alles sei nationalisiert": Haus, Fabrik, Ackerboden, Ware, Geld, Safes, Möbel, Kleider, Bücher... Kauf und Verkauf wurden verboten und nur teilweise und zeitweise als Kleinhandel auf offenem Markt hier und da geduldet, die vorhandene Ware jedoch nach Bedarf von den Kommunisten konfisziert. Damit wurde im Lande alles prekär( bis auf Widerruf), unsicher, eingeschüchtert, streitig, gelähmt, verkalkt, unproduktiv. Alles wartete auf die reelle Wegnahme, die auch wirklich kam.
Zweitens darum, weil durch sie zum erstenmal in der ganzen Weltgeschichte ein ungeheures tommunistisches Experiment verwirklicht wurde, und zwar geführt von einem rasenden Willen zur Weltmacht, dem alle Mittel gut waren, dem alle Möglichkeiten der modernen technischen und politischen Zivilisation zur Verfügung standen und der noch bis ans Ende alles aufbieten wird, um die Welt nach und nach zu zermürben und zu
erobern.
¹) Berechnet vom Sekretariat des Völkerbundes.
Die reelle Wegnahme erfolgte auf vierfache Art:
ten" Persönlichkeiten der technischen und geistigen Kultur. So bekam der Henker die Kleider des Hingerichteten; der Denunziant einen Teil der Habe des Denunzierten; die früheren Dienstboten einen Teil der Sachen und der Kleider früherer Herrschaften; dieser- eine fremde Wohnung, jener ein fremdes Haus, noch ein anderer ein fremdes Landgut mit Schloß usw.
1. Sie war entweder zentralistische Bureaukratisierung zum Zwecke einer kommunistischen Produktion( Verkehrsmittel, Fabriken, Kapital, teilweise Landgüter);
Was ein nicht qualifizierter und noch nicht hingerichteter Bourgeois behielt, könnte man durch ein Minimum und ein Maximum bezeichnen: das Minimum wurde besonders in denjenigen Sädten gewährt, wo man nach der Methode der sogenannten„ Einklemmung der Bourgeosie" verfuhr,- da behielt man entweder das, was man anhatte, oder noch etwas Wäsche und ein paar Stühle dazu; als Maximum behielt man gut Versteckte und von dem alles durchstöbernden Kommunisten zufällig nicht Gefundene, und vielleicht noch ein Zimmer mit Möbeln für je zwei bis drei Familienmitglieder, etwas Geschirr und einige Kleidungsstücke.
2. oder eine zentralistisch- bureaukratische Verteilung nach Karten, zwar in äußerst ungleichen Rationen( ein Kommunist bekam alles; ein physisch Arbeitender manches; ein gewesener Bourgeois- gar nichts oder fast gar nichts). Das sollte tommunistische Konsumtion bedeuten und galt fertigen Waren, Lebensmitteln, Kleidern, Brennstoffen;
3. oder es wurde das konfiszierte Eigentum verschiedenartigen sich bildenden und meldenden Kommunen, Räten, Genossenschaften unter Verantwortung und bis auf Widerruf zur beschränkten Verfügung und Benutzung anheimgestellt: dezen= tralisierter Kommunismus. So ging es mit Häusern, kleinen Fabriken, Werkstätten und teilweise mit Landgütern;
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4. oder endlich wurde das Weggenommene einfach anderen Menschen zugewiesen ganz besonders als revolutionäre Be= lohnung oder Auszeichnung an die Kommunisten, an die verdienstvollen Mitläufer oder an die zu bestechenden ,, prominen
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Es war also ein ungeheurer Mobilisierungsprozeß in Besitz und Eigentum; ein Eingreifen, ein Verschieben; Ruin für die einen, Beute für die anderen. Die allgemeine Bilanz für die einzelnen Hauptstände könnte turz folgendermaßen gezogen werden:
1. Rußland verzeichnet rund 80 Prozent Bauern. Aus dem Jahre 1916 stammt die letzte genaue landwirtschaftliche Zählung. Der beste Kenner russischer Agrarverhältnisse, Professor Kossinsky, gibt folgende Resultate an, und zwar für die zum Ackerbau taugende Fläche des vorrevolutionären europäischen Rußlands:
Rund 41 Millionen Deßjatinen gehörten den Gutsbesitzern, deren Besitz über 50 Deßjatinen) hinausragte( sozusagen ,, kapitalistische Landwirtschaft"); rund 154 Millionen Deßjatinen ge= hörten dem Kleinbesitz, den Bauern, deren Besitz nicht über 50 Deßjatinen hinausragte; und von diesen 154 Millionen Deßjatinen gehörten den Bauern als vollständiges Privateigentum über 70 Millionen Deßjatinen; die übrigen 84 Millionen Deßjatinen gehörten den Bauern auf Grund eines Dorfkommunenrechtes. Etwa 79 Prozent der Ackerbaufläche waren Kleinbesiz; einen größern Prozentsatz des Kleinbesitzes hatten vielleicht nur Dänemark und Bulgarien.
2) 1 Hektar macht neun Zehntel einer Deßjatine. ( Fortsetzung foigt.)
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